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Wenn wir um Berufungen beten, dann denken die meisten von uns an Priester- und Ordensberufe. Und das ist gut so. Wir können gar nicht oft genug für dieses Anliegen beten. Aber allzu leicht übersehen die Christen, daß Gott nicht nur zu diesen besonderen Diensten beruft, sondern einen Plan für das Leben von uns allen hat. Und Er will, daß wir uns für diesen Plan öffnen, ihn zu erkennen und ihn in unserem Leben umzusetzen versuchen. Mit einer solchen Vorstellung tut sich der moderne Mensch allerdings schwer. Er ist von klein auf an die Idee gewöhnt, daß jeder sein Leben selbst in die Hand zu nehmen habe. Autoritäten erscheinen uns suspekt. Problemen habe man sich zu stellen, Herausforderungen anzunehmen, rational an die Dinge heranzugehen. Daß Gott die eine zur Lehrerin, den anderen zum Mechaniker, eine dritte zur Mutter und einen anderen zum Arzt berufen will, kommt den meisten gar nicht in den Sinn. Um solche Details soll sich Gott kümmern? Und wenn es um die Frage der Wahl des Ehepartners geht: Wieviele fragen da nach dem Willen Gottes? Ist es dieser, den Du für mich ausgewählt hast? Ehrlich gesagt: In den ersten Jahrzehnten meines Lebens wäre mir eine solche Fragestellung zunächst ganz absurd und später recht weit hergeholt erschienen. Muß man denn Gott für jede Kleinigkeit strapazieren? Mischt Er sich in solche Einzelheiten unseres Lebens ein? Wozu hat Er uns denn den freien Willen gegeben? Nur um uns dauernd am Gängelband zu führen? So oder ähnlich denken sicher viele. Darum haben wir in dieser Nummer das Thema Berufung aufgegriffen und hoffen, daß dieser Schwerpunkt auch Antworten auf Ihre Fragen enthält. Christof Gaspari Gott spricht durch die Realität des Lebens zu uns Wir alle sind von Gott Gerufene Von Ute-Maria Boyer Wenn wir das Wort Berufung betrachten, entdecken wir sogleich, daß darin der Ruf enthalten ist. Nun - wo ein Ruf ist, dort ist immer auch ein Rufer und ein Angerufener - einer, der spricht und einer, der vernimmt, der hört. "Höre, Israel...!" Wie oft lesen oder hören wir dieses Wort aus dem Alten Testament. Jesus selbst nimmt es in den Mund, als Er die Frage eines Schriftgelehrten nach dem wichtigsten Gebot beantwortet: "Das erst ist: Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden." (Mt 12,29-31) Jesus sieht, daß der Schriftgelehrte ihm darauf mit Verständnis antwortet und fügt hinzu: "Du bist nicht fern vom Reich Gottes." (Mk 12,34) Was hat das nun mit Berufung zu tun? Ich glaube, in dieser Begegnung spricht Gott durch Seinen Sohn, das ewige Wort, die universale Berufung des Menschen aus: ins Reich Gottes zu gelangen - auf dem Weg der Liebe, Gott und den Nächsten zu lieben. Diese Berufung gilt für uns alle. Es ist quasi das Sprungbrett, das Trampolin, von dem aus jeder von uns wegspringen muß. Nun sind aber die Richtungen sehr verschieden, in die wir gleichsam "emporschnellen". Es gibt den speziellen Ruf, den der einzelne in seinem Herzen vernimmt - ja, wenn er ihn vernimmt. Die heutige Welt der Geräusche, des Lärms, der Schnellebigkeit, hat den Menschen zusehends stumpf, beinahe taub, gemacht, innerlich (oft bereits auch schon äußerlich) zu hören. Die Kultur des Innehaltens, des Schweigens droht verlorenzugehen. Dies ist vielleicht das eine Hindernis, Gottes Stimme, Seinen Ruf, zu vernehmen. Ein zweites scheint mir in der Zaghaftigkeit derer zu liegen, die Gottes Stimme in ihrem Leben bereits eindeutig vernommen haben. Ihr Sprechen von Gott - das natürlich immer aus einem Sprechen mit Gott kommen muß - wäre oft so notwendig, damit ein anderer Gottes Stimme, Gottes Ruf, hören kann. Freilich geht es dabei nicht um manipulative Suggestivphrasen, sondern um ein dem anderen dienendes Mithören auf das, was Gott in diesen hineingelegt hat. Wichtig ist das liebende Mitteilen der eigenen Hörfähigkeit auf Gottes Stimme, aber eben nicht nur auf psychologische Art und Weise (die gut und notwendig ist), sondern vor allem auf theologale Weise, die Gott in den Mittelpunkt rückt. Wozu hat Gott mich gerufen? Wozu hat Gott diesen oder jenen Menschen gerufen? Das 12. Kapitel des ersten Korintherbriefes zeigt so deutlich die verschiedenen Gnadengaben, Dienste, Kräfte, die den einen Leib aufbauen: Apostel, Lehrer, Ärzte, Propheten... Paulus zählt die verschiedenen Dienste auf. Wichtig ist, daß es sich dabei um Dienste handelt - jede Gabe ist uns für den ganzen Leib gegeben, also zum Dienen. Gott ruft durch Seine Gnadengaben in den Dienst. Berufung ist immer Berufung zum Dienen! Jeder Beruf ist also ein Dienst. Auch das scheint in unserer heutigen Leistungs-, Wohlstands- und Selbstverwirklichungsgesellschaft verlorengegangen zu sein. Nicht mehr die Frage nach den persönlichen Begabungen, sondern ökonomische und Karrierefragen stehen im Mittelpunkt, wenn es um die Berufswahl eines jungen Menschen geht. Außerdem haben wir in unserer Gesellschaft eine Wertung vorgenommen, die den intellektuellen Gaben meist den Vorrang vor den manuellen oder anderen Gaben einräumt. Bei Gott ist das nicht so: Er hat den Menschen Gaben gegeben, damit sie einander ergänzen. In der Begabung liegt bereits ein Ruf, auch aus negativer Sicht: Wozu ich nicht begabt bin, dazu bin ich wohl auch nicht berufen. Vieles läßt sich freilich im Leben erlernen - aber eben nicht alles. Wir müssen es Gott erlauben, uns zu determinieren. Er ist der Töpfer, wir sind der Ton! (vgl. Jer 18,6) So wie Gott den Mann als Mann, die Frau als Frau erschaffen hat - determiniert hat -, so hat Er uns zu einer bestimmten Lebensform und darüber hinaus zu einem ganz bestimmten Dienst erschaffen. Natürlich ist es einfacher festzustellen, ob ich ein Mann oder eine Frau bin, als festzustellen, ob ich zum ehelosen Leben oder zur Ehe, zum Arzt oder zum Priester, zum Gemeinschaftsleben oder zum Alleinstehen vor Gott berufen bin. Niemand bekommt diesbezüglich von Gott einen eingeschriebenen Brief - aber Gott schreibt uns, spricht zu uns, läßt sich von uns erblicken... durch die Realität, in der ein Mensch lebt. Oft schweigt Er zu einer Sache und macht dies zu Seiner Sprache. Um Gottes Stimme zu hören, muß ich loslassen von meinen Wertungen und Erwartungen, sonst mache ich mich taub für die Stimme Gottes. Wenn ich von vornherein eine bestimmte Lebensform (sei es die Ehe oder die Ehelosigkeit, das Gemeinschaftsleben...) ablehne, habe ich ja schon selbst zu mir gesprochen. Ich kann Gott bitten um Wegweisung, um ein inneres Licht, um einen Menschen, der mir hilft zu unterscheiden - die Bereitschaft anzunehmen, was Er mir dann sagt, liegt aber bei mir ganz allein. Sie ist Teil meiner Freiheit vor Gott. Gott beruft, aber Er zwingt nicht. Viele junge Menschen stehen heute vor dem Dilemma der Unentschiedenheit. Im Grunde ihres Herzens haben sie Gottes Stimme vernommen, aber eine Entscheidung zu treffen, dies macht ihnen oft sehr zu schaffen. Darin scheint mir, eine weitere Schwierigkeit zu liegen, die den Menschen von heute an seiner persönlichen Berufung hindert. Entscheidung hat immer etwas mit Bindung und Bund zu tun - und der Bindung, dem Bund, folgt der Begriff der Treue, gleichsam wie eine Zwillingsschwester. Immer noch gilt für uns Abendländer das dritte Aristotelische Axiom, der Satz vom ausgeschlossenen Dritten: Entweder das eine oder das andere - eine dritte Möglichkeit, also ein Sowohl-als auch, gibt es nicht. Wenn ich mich für das eine, also etwa die Ehelosigkeit, entscheide - und ich muß mich persönlich entscheiden, auch wenn ich von Gott gerufen werde - dann erstirbt gleichsam die andere Möglichkeit, in diesem Fall die Ehe, für mich. Jede Entscheidung hat ein bißchen mit Sterben zu tun, je gewichtiger sie im Leben ist, desto intensiver ist dieses "Sterben". Ich sterbe für die andere Möglichkeit (ohne dies deswegen gering zu schätzen!) und feiere in der Bindung an die gewählte Möglichkeit mit Christus Auferstehung. Die Treue zu dieser Bindung wird mir durch diesen Tod und die Auferstehung geschenkt. Das gilt für die Ehelosigkeit genauso wie für die Ehe, für die Bindung an eine Gemeinschaft wie für die Entscheidung vor Gott für das solitäre Leben. In jedem Fall ist es ein Pascha - Tod und Auferstehung. Darin liegt eine unendliche Freihei: Je entschiedener ich meinen Bund lebe, desto freier werde ich. Ganz einfach auch deshalb: weil das Band mein Leben zusammenhält, es formt. Ansonsten droht der Mensch innerlich zu zerfallen, was oft schmerzlich äußerlich sichtbar wird. Zuletzt: Wir dürfen um jede Art von Berufung bitten, ja wir sollen es sogar: "Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden." (Mt 8,38) Wie notwendig brauche wir Priester und Menschen, die um des Himmelreiches willen ehelos leben - wie notwendig brauchen wir aber auch gute Eheleute - wie notwendig ist uns jeder Dienst, ob intellektuell, manuell, karitativ, künstlerisch, usw... oder einfach der Dienst des Menschen, der nichts tun kann aufgrund etwa von Krankheit, Alter, Behinderung - der Dienst also des reinen Seins vor Gott, auch das ist ein Dienst, ein Ruf Gottes, eine Berufung. Die Autorin ist Professorin an |
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Berufen zu einem gottgeweihten Leben in der Welt Vorbehaltlos auf die Von Maria Loley
Nach dem Empfang beteten wir Kinder: Jesus, Du lebst nun in mir und ich lebe in Dir... Dieses Wort: "Du lebst in mir und ich lebe in Dir" hat mich überaus ergriffen und durchdrungen. Es hat bis heute nichts von seiner unbeschreibbaren Kraft verloren. Es war eine tiefe persönliche Begegnung mit Jesus. Er hat mich erfaßt und an sich gezogen. Mein Jugend (es war Krieg) wurde entscheidend geprägt von vielen stillen Stunden vor dem Tabernakel. Fast immer war es am Abend nach der Arbeit. Sie sind mir unvergeßlich in ihrer Vertrautheit mit Jesus. Das Leben verlief äußerlich, wie es unter den damaligen Umständen verlaufen konnte. Manchmal wurde mir bewußt, daß ich in meiner Welt allein war. In diese Zeit fiel eine außergewöhnliche Gnadenstunde vor dem Altar in der Basilika in Mariazell. Wir machten mit unserem Kaplan eine Wallfahrt, wegen der politischen Situation etwas gewagt. Ich selbst hatte damals gewisse Schwierigkeiten mit der Muttergottes, weil ich sozusagen keinen "Umweg" in meiner Beziehung zu Gott machen wollte. Es bedrückte mich und ich litt darunter. Wie ich dann vor dem Gnadenaltar wortlos kniete, traf mich plötzlich ihr Blick. Es ist unmöglich zu beschreiben, welche wortlose Liebe von ihrem Blick ausging. Als ich hinausging und im nächtlichen Dunkel an der Kirchenmauer lehnte, weinte ich vor Ergriffenheit. Jeglicher Widerstand war weg, eine unglaubliche Milde zog mich an. In der Folge las ich dann das Buch von Grignon von Montfort über die Weihe an die Muttergottes. Eine wundervolle Weite eröffnete sich mir. Was ich dazu aus der Heiligen Schrift geschenkt bekam, war so, daß Jesus mir Seine Mutter bekannt machte und welche Freude es Ihm bereitet, wenn wir uns auf Seine Mutter einlassen. Am tiefsten berührte mich das Wort, das Er am Kreuz zu Johannes sagte: "Siehe, deine Mutter." Es erschütterte mich immer wieder, wie stumpf wir Seinem "letzten Willen" gegenüber sind, wenn Er uns als Vermächtnis in qualvoller Stunde Seine Mutter gibt. - Wenn ich an Seine Menschwerdung denke und nachsinne, z.B. beim Rosenkranzgebet oder beim Lesen der Schrift: Wie unauslotbar ist die göttliche Liebe, wenn sie sich dem Ja einer jungen Frau überläßt, um Mensch zu werden und uns aus der Verlorenheit zurückzuholen. Ich weihte mich Maria an einem 8. Dezember. Sie wurde mir die Mutter der schönen Liebe, die Schwester im Glauben. Ihr verdanke ich alles, weil sie mir Jesus schenkt. Als ich dann nach dem Ende des Krieges zum Studium nach Wien ging, machte ich einmal Exerzitien. In diesen Tagen erkannte ich sehr klar, daß es mich zu Jesus hinzieht, und ich mich ganz an Ihn binden möchte im Geist der evangelischen Räte. Ich übergab Jesus diesen Entschluß im Gelübde. Schon in früheren Jahren kam ich zur Überzeugung, daß ein sozialer Beruf, den ich anstrebte, nicht die eigentliche Erfüllung sein kann. Das menschliche Herz braucht zu seiner Erfüllung das persönliche Du. Das Du des Partners in der Ehe oder wenn der Herr ruft, um Seiner Liebe willen auf die Ehe zu verzichten. Es erfüllte mich ein ganz tiefes Glück. Nun wußte ich: Mein Leben gehört Gott, meine Liebe ist Ihm geweiht. Aus dieser Quelle lebt mein Dienst an den Menschen. Mein Studium war in der letzten Phase. Ich bereitete mich auf die Staatsprüfung vor. Ich weiß noch genau Ort und Stunde, wo ein weiterer Ruf mich traf. Ich sollte die Verborgenheit suchen und verstand darunter, daß ich in einem Leben des Gebetes in Verborgenheit, sozusagen im Herz-Inneren der Kirche, ganz für das Wirken des Heiligen Geistes in den Menschen verfügbar sein soll. Denn was einen Menschen im Guten fördert, muß als Anstoß, als Impuls in seinem Herzen zuerst da sein. Diese Impulse sind Geschenke, die füreinander erbetet werden können. So sehe ich meinen Dienst an den Menschen, daß vor allem, was "getan" werden kann für den anderen, es zuerst dieser Bewegung des Herzens bedarf. Damit war die Wirkungsordnung klar und ich dachte nach, in welcher Ordensgemeinschaft ich das verwirklichen kann. Ich meinte, es könnte der Karmel sein, also suchte ich nach Abschluß der Prüfungen einen solchen auf und wurde am 15. August aufgenommen. Nach einigen Monaten zeigten sich aber Krankheitserscheinungen, die mit den schweren Erkrankungen zum Kriegsende zusammenhingen. Über dringende ärztliche Empfehlung wurde ich entlassen, da der Arzt meine Gesundheit nicht für ausreichend hielt. Das traf mich schwer. Ich war mir aber ganz sicher, daß Gott nicht zurückgibt, was Ihm einmal übergeben war. Es kann sich also nur um eine andere Form des Lebens handeln. Mit dieser inneren Sicherheit überstand ich die äußeren Belange mit der Rückkehr in die Welt. So arbeitete ich in meinem Beruf, aber das Gebet hatte den ersten Stellenwert. Mit den Psalmen konnte ich all die Not, die mir im Dienst begegnete, vor Gott zur Sprache bringen. Ich dachte, Gott werde mir zeigen, wann ich die richtige Ordensgemeinschaft finden kann. Ein solches Zeichen erschien mir, als ein Priester mir anbot, die finanzielle Verpflichtung, die ich für meinen jüngsten Bruder hatte, zu übernehmen, um mir den Weg ins Kloster freizumachen. Ich trat bei den Benediktinerinnen ein und kam mir gesund genug vor. Die Brücken hatte ich abgebrochen, der Schritt war für mich ein endgültiger. Umso schmerzlicher traf mich eine massive Gelenkserkrankung, die wiederum nach einem halben Jahr, liturgisch dieselbe Zeit wie bei der Entlassung aus dem Karmel, auch hier nach ärztlichem Ermessen die Entlassung veranlaßte. Ich war untröstlich und die Schwestern weinten mit mir. In mir und vor mir war pechschwarze Nacht. Wie soll es weitergehen? Was denkt sich Gott dabei? "O Gott, zeige mir Deiner Weisungen Weg..." (Ps 118) Nun arbeitete ich wieder in meinem Beruf, hatte Erfolge, Schwierigkeiten gab es genug. Nebenbei engagierte ich mich in der kirchlichen Jugendarbeit. Zwischendurch dachte ich über das eine oder andere Säkularinstitut nach, aber es kam zu keinen erkennbaren Weisungen. Die Nähe der Muttergottes war oft greifbar, sie läßt nicht im Stich. Das Suchen nach einer geeigneten Lebensform ging weiter. Zweifel tauchten auf über meine Lebensentscheidung. Das betende Fragen blieb ohne Antwort... Es hat lange gedauert, Jahre, bis der innere Anstoß mir beibrachte, das Fragen aufzugeben und mich mit vorbehaltlosem Vertrauen der Führung Gottes zu überlassen. Erst dieses Loslassen des Fragens brachte den vollen inneren Frieden. Ich war zufrieden, ohne es zu verstehen. In meinem Beruf arbeitete ich sehr viel, gewann viel an Erfahrung, vor allem, wenn ich die Menschen, die zu mir kamen oder ich zu ihnen, im Gebet meditierte. Ich hatte die innere Gewißheit, daß Gott treu ist. Es vergingen Jahre, Jahrzehnte. Nach Ausbruch der Herzerkrankung ging ich in Pension. Viele Kontakte blieben und nach einiger Zeit ließ ich mich auf einige Beratungsdienste ein. Nach einigen Jahren stand die Pflege meiner Mutter im Vordergrund. Ihre letzten Lebensjahre waren für mich eine große Bereicherung. Nach ihrem Tod erwartete ich eine beschauliche Zeit. Es kam jedoch anders. Der Ausbruch des Krieges am Balkan und das Hereinbrechen des Flüchtlingselends ließen kein Überlegen zu: Wir alle waren gefordert angesichts dieses namenlosen Elends. Dann kam das Briefbombenattentat mit allem, was dem vorausging und folgte. Das Verlassen meiner Heimat war schwer, aber es mußte sein. Damit begann das Leben in Wien. Erfordernisse an Hilfe für Flüchtlinge und andere Menschen in Not traten heran und gaben den Weg vor. Schwere Erkrankungen waren Hilfe nach innen. Schließlich erkannte ich langsam mit Sicherheit, daß Gott mich ganz im Herzen der Kirche haben will, im "Haus der Liebe" des dreieinen Gottes. Ich legte mein Versprechen in die Hand des Bischofs und erhielt die Weihe. Der sein Kreuz für uns trug, ruft täglich, mit Ihm zu gehen. Still werden können und hören lernen Wenn jeder Mensch eine Berufung von Gott hat, heißt das, daß wir alle nach Seiner Pfeife tanzen müssen? Maria Loley: Gott, als unser Schöpfer hat selbstverständlich Vorstellungen, was unsere Existenz anbelangt. Das bedeutet aber keineswegs, daß Gott uns einengen oder uns etwas diktieren will. Vielmehr will Er unsere Entfaltung. Aus dieser Sicht wäre es logisch, diesen Vater zu fragen: "Wie denkst Du über mein Leben? Welche Vorstellung hast Du davon?" Diese Art zu denken scheint heute nicht weit verbreitet zu sein. Die meisten gehen doch heute von der Vorstellung aus, daß der Mensch autonom und jeder für sich selbst verantwortlich ist... Loley: Das stimmt. Das Fragen kommt sicher zu kurz. Man fühlt sich bevormundet, meint, Gott werde zu viel von einem fordern. Dabei ist es im normalen Leben gang und gäbe, kompetente Stellen zu fragen. Kein Unternehmer würde es als Herabsetzung seiner Führungsfähigkeit ansehen, sich an Berater zu wenden. Sollte das anders sein, wenn es um meine gesamte Lebensgestaltung, um meine Zukunft geht? Wie berät man sich aber in so wesentlichen Fragen mit Gott? Loley: Die "Beratung mit Gott" erfordert Gebet und das Hören nach innen. Wichtig ist also: Beim Beten nicht nur fortgesetzt zu reden, sondern auch zu hören. Das erfordert eine gewisse Bereitschaft, still zu werden. In unserer lauten Zeit recht schwierig. Sollte man dies nicht schon als Kind lernen? Loley: Für Eltern stellt das eine große Verantwortung dar. Sie müssen zunächst selbst hörende Menschen sein, in ihre Kinder hineinzuhorchen lernen, erkennen, welche Talente das Kind hat. Viele Eltern haben in der Frage der Zukunft der Kinder allzu einfache Vorstellungen, etwa: Wir haben ein Unternehmen und das hat das Kind zu übernehmen. Sie erwarten dann auch noch lebenslange Dankbarkeit, weil sie dem Kind eine vormodellierte Existenz übergeben haben. Im Gegensatz dazu gilt es, ein Gespür für die Talente, die Wünsche des Kindes zu entwickeln. Um hier voranzukommen, ist das vertrauliche Gespräch - am besten zu zweit - besonders gut geeignet. Wie wird man nun aber selbst ein hörender Mensch? Loley: Die Hörfähigkeit sollte schon in der frühen Kindheit von den Eltern beim Kind behütet und gefördert werden. Wichtig ist, daß man sie den Kindern selbst vorlebt. Dann ist es wichtig, daß man die Wahrnehmungsfähigkeit des Kindes fördert, vor allem für die Wunder der Natur. "Schau Dir diese Blume an!" Oder: "Hast Du das Rauschen des Windes in den Blättern gehört?" Einfach schauen, hören - und dabei still werden. Ich habe das als Kind oft getan, etwa dem Trillern der Vögel zugehört. Heißt das nicht auch Medienaskese? Die Medien überfüttern uns ja mit Eindrücken... Loley: Medienüberflutung ist eine der sichersten Methoden das Hören und Schauen nach innen abzuwürgen. Im Kontakt mit den Medien kann man ja über die auftauchenden Fragen nicht eine Minute nachdenken. Der Mensch wird immer mehr nach außen, an die Oberfläche geschleudert. Wichtig ist also, eine verträgliche Menge von Eindrücken gut zu verarbeiten. Und das geschieht, wie gesagt, vor allem auch im vertrauensvollen Gespräch. Dann können Gefühle zur Sprache kommen. Das Kind lernt seine Erfahrungen zu betrachten, über sie zu sprechen, seine Gefühle wahrzunehmen und sie auszudrücken. Ein Kind, das in der Schule eine unangenehme Erfahrung gemacht hat, sollte man nach seinen Gefühlen fragen: "Warst du traurig?" Und die Antwort ernst nehmen. Machen Menschen, die zu einer Haltung der Offenheit geführt werden, dann die Erfahrung einer Berufung? Loley: Daß ich wahrnehmen kann, was sich in meinem Inneren bewegt, ist jedenfalls das wichtigste Element dafür. Dann merkt ein Jugendlicher etwa, welche Gefühle ihn bewegen, wenn er daran denkt, Mechaniker zu werden oder eine höhere Schule zu besuchen oder später einen Partner fürs Leben zu wählen. Solche Gefühle müssen dann hinterfragt und sehr gut geprüft werden. Wer bei einer solchen Prüfung helfen will, muß viel Feingefühl entwickeln und viel beten. Wenn Eltern nicht betend über ihre Kinder nachdenken, bewegen sie sich auf einer Schmalspur, die in wesentlichen Fragen nicht zum Durchbruch führt. Jeder macht doch die Erfahrung, daß die eigene Gefühlswelt recht zwiespältig ist. Wie kann man da die Stimme Gottes aus dem Gewirr heraushören? Loley: Das erste, was es festzustellen gilt: Wohin zieht es mich? Was begeistert mich? Und damit sollte ich ins Gebet gehen, Gott befragen - und vor Ihm verweilen, seine Gefühle vor Gott tanzen lassen. "Was ist Deine Meinung, Herr? Laß mich Deinen Willen erkennen." Bekommt man dann eine Antwort? Loley: Nehmen wir die Frage, die man sich vor dem Eingehen einer Ehe stellt. Man hat eine Beziehung zu einem anderen Menschen, erlebt, beim Bedenken dieser Frage eine gewisse Unruhe. In dieser Phase ist es gut, vertrauensvolle Kontakte zu anderen zu haben, um sich aussprechen zu können. In solchen Gesprächen ist es wichtig, denjenigen, der nach einer Entscheidung sucht, behutsam vor die dafür wichtigen Fragen zu stellen - und darauf hinzuweisen, daß man sie sich vor Gott stellen sollte. Denn Gott kann uns all das am besten erkennen lassen. Und wichtig ist auch, den Betreffenden in seiner Entscheidungssituation im Gebet zu begleiten. Man kann ihm das auch durchaus sagen. Das Gespräch führten Alexa und Christof Gaspari Zeugnis einer Priesterberufung Ich hörte den Ruf - und sagte: "Ja!"
Ernst, Du bist seit einigen Jahren Priester. Wann ist Dir zum ersten Mal der Gedanke dazu gekommen? Ernst Strachwitz: Bei einem der Schuleinkehrtage - ich war damals ungefähr 15 - drängte sich mir plötzlich der Gedanke auf: Ich soll Priester werden. Das war ein Horror. Ich war damals Ministrant und einige Jahre als Hilfssakristan eingeteilt. Letzteres hat mir zwar sehr gefallen, aber der Gedanke, Priester zu werden, gefiel mir gar nicht. Ich war froh, daß der Gedanke bald wieder verblaßte. Nach der Matura hast Du erfolgreich Jus studiert, warst in einer Bank tätig, dann zur Schauspielausbildung im Reinhardt-Seminar, um 12 Jahre als Schauspieler zu wirken. Dem Glauben standest Du damals eher fern. Wie kommt es, daß Du dennoch Priester wurdest? Strachwitz: Ich habe in all den Jahren eher in den Tag hineingelebt, gearbeitet, aber nicht wirklich Karriere gemacht und hatte dann mit 38 Jahren so eine Art Lebenskrise. Mein Glaube war damals so etwas wie der Glaube des "Herrn Karl": "Ich glaube an ein höheres Wesen, an eine Macht, die uns leitet" - ohne Auswirkung auf mein Leben. Damals begann ich, wieder zu beten. Seit der Schulzeit hatte ich es nicht mehr getan. Nur selten, hin und wieder zu den großen Feiertagen, war ich in der Kirche. 1987 war es dann soweit. Ich begleitete zwei Tanten nach Medjugorje. Am Anfang war ich unsäglich gelangweilt und genervt. Es hat mich nicht interessiert... Doch am Ende der drei Tage wollte ich nicht mehr wegfahren. So wohl habe ich mich an diesem Ort gefühlt. 14 Tage später nach ein paar Drehtagen für einen Film kam ich nochmals nach Medjugorje, dieses Mal allein. An einem der Tage - ich war gerade in der Kirche - schießt es mir plötzlich durch den Kopf: "Priester werden!" Eine unmittelbare und unmißverständliche Erfahrung. Ich zweifelte nicht, es war ganz klar und ich konnte sofort: "Ja!" sagen. Du warst Dir also mit einem Schlag Deiner Berufung sicher? In diesem Moment der Berufung habe ich gewußt, daß ich Priester werden soll. Ich kann nicht einmal sagen, daß ich Priester werden wollte. Ich kann sagen: Ich habe den Ruf gespürt - und ich habe Ja gesagt. Danach wollte ich auch Priester werden, aber nicht weil ich dachte, daß Priestersein so schön ist, oder weil ich meinte, dafür besonders gut geeignet zu sein oder weil ich die Menschen so lieb habe oder weil ich es so toll finde, irgendwo Pfarrer zu werden. All das waren nicht meine Wünsche. Da war nur die Erfahrung des Rufs. Im Grunde weiß ich nicht, was daraus wird. Deswegen habe ich für mein Primizbild das Wort aus der Schrift gewählt: "Maria sagte: Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie Du gesagt hast." (Lk 1,38) Genau das war ja meine Erfahrung: Den Ruf hören und Ja sagen, ohne zu wissen, was weiter geschieht. Das Gespräch führten A+CG Geschichte einer Priesterberufung Wer das folgende Zeugnis einer Priesterberufung mit jener von Dr. Ernst Strachwitz (Seite 8) vergleicht, wird erkennen, wie unterschiedlich die Wege der Vorsehung sein können. Jede Berufung ist einmalig - so besonders, wie nun einmal die Wege Gottes mit jedem einzelnen Menschen sind. Ab wann hattest Du den Eindruck, daß Du Priester werden solltest? P. Florian Calice: Wirklich mit einer großen Freude bewußt geworden ist mir das, als ich ungefähr 17 gewesen sein dürfte. Ich war damals in England als "paying guest". In dem kleinen Ort dort war zufällig eine katholische Kirche. Da bin ich jeden Abend in die Heilige Messe geradelt. Und als ich einmal auf dem Fahrrad von der Heiligen Messe zurückgekommen bin, da war plötzlich dieser Gedanke: "Ich kann ja Priester werden!" Ich erlebte das mit großer Freude. Später ist mir bewußt geworden, daß ich schon mit 13 sehr vom damaligen Frater und jetzigen Pater Felix Selden - damals waren wir mit einer Ministrantenrunde in England -, von seiner geistlichen Berufung beeindruckt war. Schon damals sagte ich mir, daß ich auch Priester werden möchte. Allerdings ist das wieder in den Hintergrund getreten. War dieses Erlebnis mehr Ausdruck Deines Wunsches oder hattest Du die Erfahrung, daß es sich um einen Anruf Gottes handelte? Calice: Was Gott eigentlich von mir möchte, habe ich nie wirklich gespürt. Das war immer das große Fragezeichen. Ich spürte allerdings, was ich selber wollte. Den Willen Gottes habe ich eigentlich immer so erlebt: Jedesmal, wenn ich mir dachte: "Ich höre auf", da war die Erfahrung eindeutig: Das will Gott nicht. Ich habe ja zehn Jahre bis zur Priesterweihe gebraucht und da war schon öfter der Gedanke da: "Ich laß es und mach' was anderes'. Aber wie gesagt, in diesen Situationen war die Erfahrung: "Bleibe auf dem Weg!" Ich bin also auf einen Weg gesetzt worden und habe verstanden, daß ich diesen Weg auch wirklich gehen soll. Erst jetzt, wo alles schon geschehen ist, habe ich die Sicherheit. Wie hast Du diese bekommen? Calice: Rückblickend habe ich immer wieder gesehen, daß mir in Momenten der Krise dann immer wieder bewußt war: "Wenn ich diesen Weg aufgebe, entferne ich mich von Christus." Die Nähe, die mir der Herr geschenkt hat, wollte ich unbedingt bewahren. Und ich habe gespürt, Priester zu werden, bringt mich Ihm näher als alles andere. Sehr stark habe ich es auch gespürt, wenn ich um die Frage des Zölibats gerungen, mit einer gewissen Einsamkeit gekämpft habe. Da habe ich erfahren, daß der Herr ganz stark gegenwärtig war und einfach alles ist für mich. Sehr wichtig war auch, daß ich in meinen ersten drei Priesterjahren wirklich über das Maß Zuspruch bekommen habe. Und damit hat mir Gott auch die Zuversicht gegeben: Es ist gut, daß ich Priester bin. Gott ist da sehr barmherzig mit mir. Ich kenne Priester, die werden ganz anders geführt: Sie lernen ständig die Demut. Für mich aber war dieser Weg so wichtig. Sonst hätte ich vielleicht heute noch Zweifel, ob ich das Richtige mache. Und wie bist Du auf die Idee gekommen, Oratorianer zu werden? Calice: Meine Schlüsselerlebnisse waren die Begegnungen mit den Priestern des Oratoriums hier. Ich bin nämlich in ihrer Pfarre im dritten Wiener Bezirk aufgewachsen. Mein ganzes Priesterbild habe ich hier empfangen. Und dieses Bild war sehr schön: der Priester als liebenswürdiger, glücklicher Mensch, der Christus wirklich liebt und ganz für Ihn da ist. Ich fand das wunderbar. Und daher war für mich Priester sein und Oratorium immer sehr eng verbunden. Als ich in England auf die Idee kam, ich könnte Priester werden, war das eigentlich das Ende einer Entwicklung. Gewachsen ist das sicher durch die Heilige Messe. Ich hatte eine große Freude an ihr. Ein Schlüsselerlebnis ereignete sich 1983. Da fand ich ein Büchlein über Fatima. Ich habe es gelesen. Und diese Geschichte hat mich zutiefst beeindruckt. Damals - ich war 16 - begann ich den Rosenkranz zu beten, der Beginn eines geistlichen Lebens. Als Ministrantenführer mußte ich sehr oft ministrieren. Und dabei habe ich die Heilige Messe entdeckt. Mit 17 hatte ich in St. Wolfgang ein sehr schönes Erlebnis, an einem Ostersonntag: Bei einer Frühmesse habe ich im Moment der Wandlung erlebt: Jetzt ist Jesus da. Den Priester habe ich gar nicht mehr gesehen. Ich war sehr beeindruckt. Bevor ich eingetreten bin, mit 18, habe ich mir gedacht, man müsse ja nicht Priester werden, um Christus nachzufolgen. Es gibt ja ein so tolles, vielfältiges Laienapostolat. In einem Gespräch mit Dr. Bastl, dem früheren Pfarrer, sagte mir dieser, die Aufgabe des Priesters sei es, die Heilige Messe zu feiern und die anderen Menschen darauf vorzubereiten. Alles ließe sich darin zusammenfassen. Und da habe ich mir gedacht, das sei genau das, was ich möchte. P. Florian Calice ist Oratorianer in Wien, mit ihm sprach Alexa
Gaspari. |
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Gott weiß, wozu er uns braucht Während eines Sommerlagers mit Kindern in Walpersdorf wollten wir den Kindern die Möglichkeit bieten, eine der Schwestern vom heiligen Petrus Claver, die dort leben, kennenzulernen. Es hätte eine junge gegeben. Aber man hat uns die allerälteste geschickt. Mein erster Gedanke: "Muß das sein!" Und genau sie war dann hinreißend! Sie hat nicht viel gesprochen, nur den Kindern gesagt: "Wißt Ihr, wie das war, als Gott den Menschen erschaffen hat? Er hat ihn aus Erde geformt. Und dann? Dann hat Er seinen Atem in den Menschen geblasen und ihm eine unsterbliche Seele geschenkt. Wenn Gott also einen Menschen erschafft, ist es also nicht so, wie wenn Eure Großmutter einen Schal strickt. Dann denkt sie, ich finde schon jemanden, dem ich den Schal schenke. Wenn Gott einen Menschen erschafft, weiß Er von aller Ewigkeit, was Er mit diesem Menschen vorhat. und wozu Er ihn braucht." Das ist Berufung: Kein Mensch ist zufällig erschaffen worden. Das hat die Kinder sehr beeindruckt und sie haben es verstanden, ich auch übrigens. |
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| Den Ruf Gottes erkennt man am Frieden, den er vermittelt Unablässig ruft uns Gott Von Konstantin Spiegelfeld So ist es auch mit dem Wort, das meinen (das heißt: Gottes) Mund verläßt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe." (Jes 55,11) Die gesamte Schöpfung und natürlich jedes Geschöpf ist ein sichtbarer Ausdruck dafür, daß Gott Liebe zeigen und schenken will und sich mitteilt. Am meisten verwirklicht Er dies dadurch, daß Er nicht nur Urheber und Geber des Lebens ist, sondern, daß Er die Menschen nicht ihrem Schicksal überläßt, vielmehr "spricht" und "ruft". Sicher sind das menschliche Ausdrucksweisen und menschliche Wörter, aber seit der Menschwerdung Gottes in Jesus wissen wir, daß es wirklich so ist. Bei der Berufung der ersten Apostel und bei der Heilung des blinden Bartimäus "ruft" Jesus: "Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus". (Mt 4,21) "Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich." (Mk 10,49) Gott ruft aber auch durch die verschiedenen Lebensumstände, durch die Schöpfung, durch andere Menschen und durch die Glaubensgemeinschaft der Kirche. Ins Tiefste unseres Herzens legt Gott auch einen anderen Ruf hinein, eine Sehnsucht nach erfülltem, geglücktem und sinnvollem Leben: "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: Herr, höre meine Stimme." (Ps 130,1) oder: "Wenn ich rufe, erhöre mich, Gott, mein Retter". (Ps 4,1) Beide "Seiten", Gott und Mensch rufen auf ihre je eigene Art und Weise. Wer immer von Ihnen die Psalmen, diese jahrtausendalten Gebete regelmäßig betet, der wird dieses gegenseitige Rufen deutlich artikuliert sehen. Ganz offensichtlich ist diese Verbindung, wenn in Jerusalem die Menschen "rufen": "Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!" (Lk13,35) und der Apostel Paulus schreibt: "Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater." (Gal 4,6) Wir Christen dürfen daran glauben, daß Gott der Erste ist, der alles bewirkt, damit die Menschen in die Urbeziehung Gott-Mensch treten, und zwar ganz bewußt. Zentral dabei ist, und das ist das Zentrum unseres Glaubens, daß Jesus durch Seine liebende Lebenshingabe und durch Seine Auferstehung Versöhnung in dieser Urbeziehung schenkt. Das 2. Vatikanische Konzil kennzeichnet diese Grundberufung der Christen sehr treffend: "Sie (Das heißt: die Anhänger Christi) müssen daher die Heiligung, die sie empfangen haben, mit Gottes Gnade im Leben bewahren und zur vollen Entfaltung bringen" (Lumen gentium 40). Die Menschen sind gerufen zu dem, was sie aus sich heraus nicht vermögen. Ich glaube, daß jeder von uns diese eigene Beschränktheit manchmal auch schmerzlich erfährt. Aber für Gott ist sie nicht unüberwindlich! Das Neue Testament ist voll von Begegnungen Jesu mit Männern und Frauen, die als schwache, sündige, ja vielleicht ausgestoßene Menschen bekannt sind, denen Er sich als Arzt für Seele und Leib erweist. Ganz ausgeprägt bei Matthäus: "Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten." (Mt 9,12.13) Auf Schritt und Tritt erleben wir in unserer Gesellschaft, wohin der Hochmut, die Selbstherrlichkeit der Menschen hinführt und nur mehr die Stärksten und Gesündesten sich durchsetzen und Ältere, Kranke und Ungeborene zum Teil schutzlos ausgeliefert sind den Eigeninteressen der Menschen. Gott ist anders und ist vor allem den schwachen Menschen besonders nahe. Der Ruf Gottes ist einerseits gemeinschaftlich, andererseits sehr persönlich: Gemeinschaftlich im Sinne des Herausgerufenseins (vgl. Ekklesia = Kirche = Gemeinschaft der Herausgerufenen), persönlich, weil Gott allein ganz auf den Menschen eingehen, die Eigenheiten und Besonderheiten berücksichtigen und wirklich bei aller Freiheit, die Er jedem läßt, Neues schenken kann. Jeder Ruf Gottes bedeutet Neues, oft Unerwartetes. Wie glücklich können wir sein mit Paulus zu bekennen: "Mit einem heiligen Ruf hat Er uns gerufen, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aus eigenem Entschluß und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde." (Tim 1,9) Kein Ruf ist Selbstzweck, sondern Auserwählung, um das eigene Lebensziel zu sehen und zu finden, aber auch um Werkzeug Gottes zu sein, das der ganzen Kirche als Lebensinhalt aufgetragen ist: "Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit." (Lumen gentium 1) Auserwählung bedeutet keine falsche Exklusivität, sondern Auszeichnung. Gott vertraut sich mir als Mensch an, damit ich in Seinem Sinn für und mit den Menschen und für Ihn lebe. Viele Menschen, die ganz bewußt ihren Glauben leben, also wirklich Berufene sind und diesen Weg auch bejahen, merken die Dringlichkeit des Antwortgebens. Für mich persönlich war dies meine Berufung zum priesterlichen Dienst, für andere Menschen bedeutet es intensive Suche nach Verwirklichung und Fruchtbarmachen der Liebe, die ich als Mensch von Jesus empfangen habe. Gebet ist dabei sehr wichtig, um den Ruf in seiner Einzigartigkeit zu hören und interpretieren zu können. Es erfordert Übung (wörtlich übersetzt: Exerzitien), geistige Vorgänge in der Seele zu erkennen, den Mut zu haben, sie auch zu bewerten und fähig zu sein, Verbindliches und Wahrheitsgemäßes festzustellen. Haben wir die Geduld des Hörens, des Wartens, des Suchens, um herauszufinden, welcher Ruf an Dich und an mich ergangen ist und geht? Manchmal ist der Ruf laut und sehr direkt, manchmal ist der Ruf leise, stetig und verborgen. Das Zeichen, daß es wirklich Ruf Gottes ist, nicht meine persönliche Einbildung und nicht andere Stimmen sind, die mich im Letzten vom lebendigen, personalen Gottesbezug wegbringen, ist der Schalom, tiefer Friede und Einheit, die Gott schenken kann. Es ist ein Friede, der zwar herausgefordert, angegriffen sein kann, aber den mir niemand nehmen kann! Die unterschiedlichsten Glaubenszeugen und Märtyrer sind sprechende Beispiele dafür. Schalom kann Anstoß dazu sein, seine eigene Zukunft anders gestalten zu wollen, er kann neue Sehnsucht wecken, Menschen helfen zu wollen; Freude am Gebet und an der Eucharistiefeier werden durch ihn genährt, viele drängt es durch ihn, die Botschaft Christi weiterzusagen und sich dafür einzusetzen. Durch Gottes Ruf können alle Fähigkeiten zum Blühen gebracht werden, hundertfach Frucht bringen, ja sogar dort, wo ich selbst nichts erwarte, kann Er etwas bewirken. Gott hat wirklich einen Heilsplan für uns Menschen und Er schenkt uns alles, damit wir diesen Plan für unser Leben verwirklichen können. Ich kann von allen möglichen Berufungen sprechen, eines verbindet sie alle: Ich soll und kann mit der Hilfe Gottes meinen ureigensten Platz im Leben finden, mein eigenes Leben tiefer verstehen, einen Sinn für mich entdecken, indem ich auf Ihn und auf die anderen Menschen schaue. Am Schönsten ist diese Tatsache zu beobachten, wenn sie zum Beispiel Menschen trifft, die allein, krank oder behindert sind: Sie können ihr Leben als Berufung erleben und es fruchtbarmachen für andere Menschen: "Berufen voll Eifer teilzunehmen am Heilswirken der Kirche" ist der Titel eines Buches, das mir eine gute Bekannte geschenkt hat, die dauernd auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Im Verborgenen kann jeder und jede mitwirken! Ich wünsche Ihnen Hörbereitschaft und Antwortfähigkeit, wie sie Samuel gehabt hat: "Rede, denn dein Diener (deine Dienerin) hört." (1Sam 3,10) |
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| In den USA steigt die Zahl der Seminaristen Ganz normale Burschen... Von Armelle Signargout
Sie waren zwölf, wie die Apostel. Zwölf Apostel des dritten Jahrtausends in Radler-Dress und violetten Helmen, den Rücken über die Lenker ihrer nagelneuen Räder gebeugt, mit strahlendem Lächeln. Zwölf Seminaristen zwischen 18 und 24 Jahren, die am Pfingstsonntag von Saint Paul, Minnesota, aufgebrochen waren. Ihr Anliegen: Berufungen durch Pedaltritte zu fördern. Von ihrer Liebe zu Jesus und Seiner Kirche Zeugnis zu geben. Ihre Freude, Gott nachzufolgen, zu bekunden. In einer Woche haben sie 1.500 Kilometer zurückgelegt und unterwegs in 18 Pfarren haltgemacht. Bei jedem Aufenthalt sprachen sie vom neuen Sinn in ihrem Leben, von der Gabe, die sie verändert. Und den Jugendlichen, die gekommen waren, um sie zu hören, rieten sie zu hören, ob sie nicht auch eines Tages gerufen sein könnten... "Wir sind ganz normalen Burschen," stellt Jonathan Meyer, 22jährig, einer der zwölf Studenten am Seminar Saint John Vianney in Saint Paul fest. "Wir haben entdeckt, daß uns das Leben mehr als nur Sex und Geld bieten könnte. Also haben wir Gott eine Chance gegeben durch uns zu wirken. Das ist alles." In den USA gibt es immer mehr solche "ganz normale Burschen", die vom Heiligen Geist entflammt, bereit sind, alles zu verlassen "um Menschenfischer" zu werden. Wenn auch die Zahl der Berufungen noch nicht ausreicht, um die alten Priester, die in Pension gehen oder sterben, zu ersetzen, so ist doch zum ersten Mal seit fünf Jahren eine steigende Tendenz festzustellen. Heuer sind es 3.386, die sich auf die Weihe vorbereiten, um 228 mehr als im Vorjahr... In Denver, Colorado, hat Bischof Charles Chaput keine Hemmungen, überall, wo er hinkommt, junge Leute herzlich zum Priesterdienst einzuladen. Man sieht dem Bischof seine 54 Lenze keineswegs an. Sportlich, energiegeladen, ist er ein Überzeugter, des Glauben ausstrahlt. Er hat sich vorgenommen, keine Gelegenheit vorbeigehen zu lassen, um durch sein persönliches Zeugnis treue Diener Gottes zu gewinnen. Und es gelang ihm, seinen "Job" anziehend darzustellen. Die Früchte dieser Hoffnung sind zahlreich. In nur einem Jahr stieg die Zahl der Seminaristen, die bereit sind, die Nachfolge der 300 Priester der Diözese anzutreten, von 42 auf - 68! ... Andere Initiativen zeigen, welchen Einfluß Hirten, die ihre Mission ernstnehmen, haben können. In New York und Boston haben die Kardinäle O'Connor und Law "Einkehrtage mit dem Kardinal" ins Leben gerufen. Die Idee hatte so großen Erfolg, daß mehrere andere Diözesen sie aufgegriffen haben. Die Inspiration eines Menschen aus Fleisch und Blut - in diesem Fall eines Hirten der Kirche - haben eine unvergleichliche Wirkung, um Berufungen zu stimulieren. Man kann diese Zunahme in den USA aber nur dann richtig deuten, wenn man den entscheidenden Einfluß Johannes Paul II. berücksichtigt. Raymond de Souza, ein amerikanischer Seminarist, der in Rom studiert, betont, daß für die meisten seiner Kollegen der Papst - seine Person und seine Schriften - eine zentrale Bedeutung für ihre Entscheidung hatte. "Daß dieser hervorragende Intellektuelle, der zugleich Philosoph, Dichter, Dramatiker, Professor und Diplomat ist, in aller Schlichtheit sagen kann: ,In dieser kleinen Hostie ruht die Lösung für alle Probleme dieser Welt', veranlaßt den abgebrühtesten Jugendlichen, mehr darüber wissen zu wollen. Daß ein Mann wie er so etwas glauben kann, erscheint zunächst so unerhört, daß es Wege zum Glauben eröffnen kann - und zu einer bisher verschütteten Berufung, warum nicht? Und hat nicht Johannes Paul II. auch gesagt: ,Nichts ist für mich wichtiger und nichts schenkt mir mehr Freude, als täglich die Messe zu feiern'?" ... Selbst die "New York Times" mit ihren oft anti-katholischen Artikeln hat zu Ostern in ihrer Sonntagsbeilage einen Bericht gebracht, der den Optimismus und den Eifer der Seminaristen in Mount Saint Mary, Maryland hervorhebt. "Sie scheinen - zu recht oder zu unrecht - davon überzeugt, daß die für Berufungen schwierigen Zeiten vorüber sind", liest man dort, "und daß etwas Neues, Großartiges drauf und dran ist aufzublühen." |
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Ich übergab Gott meine Wünsche Schon als Kind hatte ich den Wunsch, einmal zu heiraten. Ich fand unser Familienleben sehr schön und wollte selbst auch eine Familie gründen. Besonders fasziniert hat mich immer das "Mutter-sein". Ich kann mich noch erinnern, daß ich im Alter von fünf Jahren meine Mutter gefragt habe: "Mama, wie ist das für Dich, daß Du Mama bist? Das muß doch wunderbar sein! Ich bin Dein Kind. Das ist schön für mich. Aber es muß doch noch viel schöner für Dich sein, daß du meine Mama sein darfst?!" Meine Mutter war wohl über meine ungewöhnliche Frage überrascht. Als Jugendliche überlegte ich etwas ängstlich, ob es vielleicht Gottes Wille sei, daß ich Klosterschwester werde. Ich fand das konkrete Ordensleben nicht sehr anziehend und wollte eigentlich nie ins Kloster eintreten. Jedoch verspürte ich oft den tiefen Wunsch, mich Gott ganz hinzugeben. Schon in jungen Jahren hatte ich Gott sehr tief in meinem Leben erfahren und das Glück, ganz Ihm zu gehören, übte eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf mich aus. Ich wollte unbedingt heilig werden und dachte, daß es dabei wohl besser sei, jungfräulich zu leben. So trug ich einige Zeit den Gedanken in mir, auf die Ehe, die ich immer wunderbar fand, aus Liebe zu Gott zu verzichten. Da jedoch der Wunsch, mit einem geliebten Menschen mein Leben zu teilen und mich gemeinsam mit ihm Gott anzuvertrauen, wuchs und ich einfach beides ersehnte - eine eigene Familie zu gründen und ein heiliges Leben zu führen -, begann ich etwa ab dem 20. Lebensjahr nach einem gläubigen Mann zu suchen und für ihn zu beten. Doch ich sollte lernen, in der Geduld zu wachsen... Über die Jahre lernte ich einige junge gläubige Männer kennen und war jeweils sehr kurz mit ihnen befreundet; aber eben immer nur sehr kurz, da ich mich nie richtig wohl fühlte und nicht das dauerhafte Gefühl hatte, daß wir zusammenpassen würden. So war ich die meiste Zeit sozusagen "Single". Das fiel mir nicht immer leicht. Einige meiner Freundinnen heirateten. Ich freute mich sehr darüber, fragte den lieben Gott aber oft: "Und was ist mir mir? Hast Du mich vergessen?" Auch fand ich es schwierig, genug gläubige Männer kennenzulernen. Ich ersehnte aus tiefstem Herzen einen gläubigen Mann, mit dem ich das, was mir am wichtigsten im Leben war, teilen konnte. Oft dachte ich, daß Gott eigentlich immer ein Wunder wirkt, wenn die Richtigen zusammenfinden. Leider ertappte ich mich manchmal dabei, ungeduldig oder sogar ein bißchen unglücklich zu werden, weil die Zukunft so ungewiß vor mir lag. Allerdings wußte ich, daß ich nichts erzwingen durfte und daß es wichtig ist, trotz mancher unerfüllter Wünsche, glücklich zu sein, das Leben dankbar - so wie es ist - anzunehmen und sich gelassen Gottes Führung anzuvertrauen. So übergab ich Gott immer wieder meine Wünsche und machte mir bewußt, daß selbst eine gute Ehe nicht das letzte und wichtigste Ziel auf Erden ist. Der Gedanke, daß die Menschen im Himmel nicht mehr heiraten, sondern wie die Engel sind, tröstete mich oft. Häufig dachte ich daran, daß das Wichtigste auf der Erde doch die Liebe zu Gott und zu den Menschen ist. So waren all die "Single-Jahre" letztlich sehr erfüllt und wunderschön. Ich konnte viele Dinge tun, die ich als Ehefrau und Mutter nie alle zusammen hätte tun können: Neben meinem Beruf als Pastoralassistentin und Psychotherapeutin in der Krankenhausseelsorge, den ich sehr liebe, organisierte ich Reisen mit Jugendlichen nach Medjugorje, leitete einen Gebetskreis, gründete eine Anbetungsgruppe, war im Musikteam engagiert... So versuchte ich, Gott meine Zeit zu schenken. Meinen 30. Geburtstag werde ich nicht vergessen: Damals wußte ich immer noch nicht, ob und welchen Mann Gott mir schenken wollte. Mir war bewußt, daß ich immer älter werde und nun auf den "Vierziger" zugehe. Doch statt einem eventuell aufkommenden Panikgefühl verbrachte ich diesen Tag in großer Freude. Ich fuhr mit dem Rad bei Sonnenschein unter blühenden Bäumen, sang dabei und konnte Gott nur für mein ganzes Leben danken. Ich dachte: "Oh, Gott, wenn ich jetzt sterben würde - auch mit meinem noch immer unerfüllten Wunsch - so könnte ich Dir doch nur danken. Du hast mir alles geschenkt, was ich brauche: mein Leben, meine Familie, gute Freunde, meinen Beruf und vor allem, daß ich Dich kennen darf; das ist das Schönste!" Kurze Zeit später - während einer Novene zum Heiligen Josef - verliebte ich mich unerwartet in einen meiner besten oder sogar meinen besten Freund. Wir hatten uns vor Jahren auf einer Hochzeit von Freunden kennengelernt, fuhren zweimal im Jahr miteinander nach Medjugorje, saßen sogar meist im Autobus nebeneinander, haben uns oft getroffen, viel miteinander geredet und telefoniert, unsere Gedanken ausgetauscht, waren miteinander wandern... Ich schätzte ihn (Eric) immer sehr, zog ihn aber als möglichen Ehemann nie so richtig in Erwägung. Das lag wohl daran, daß ich eine zu enge Vorstellung von meinem künftigen Ehemann hatte. Es war sicher das Gebet, das mich von meinen Festlegungen befreite. Plötzlich öffnete sich mein Herz für Eric, und mir wurde bewußt, was für einen treuen Freund ich in ihm schon viele Jahre lang gefunden hatte. Er war immer für mich da, ich konnte mit ihm über alles reden, mit ihm so herzlich lachen; ich fühlte mich in seiner Gegenwart wohl; er hat mich stets aufgebaut und im Guten und im Glauben unterstützt ... Es war eine ganz große Freude für mich, als ich in ihm den geliebten Menschen erkennen durfte, mit dem ich mein Leben teilen wollte. Und da unsere Liebe auf Gegenseitigkeit beruhte und wir uns beide von Gott zusammengeführt fühlten, heirateten wir am 13. Mai dieses Jahres! Wir sind inzwischen zwar noch sehr kurz, aber sehr glücklich verheiratet! Da ich mir immer vorgenommen hatte, all jene, die noch auf der Suche nach einem gläubigen Partner sind, auch dann nicht zu vergessen, wenn ich ihn selbst gefunden habe, betete ich während unserer Trauungsmesse sehr intensiv für sie alle. Ich bin sicher, daß Gott mit jedem Menschen einen eigenen Liebesplan hat und alle - ob verheiratet oder unverheiratet - glücklich machen möchte. Ich vertraue auch darauf, daß Gott noch viele gläubige Menschen zusammenführen wird und uns viele heilige Ehen schenken möchte! Beten wir gemeinsam dafür! Anita Maria Garz, |
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Ein Leben in Seiner Nähe Von Christof Gaspari Beim Lesen in der Heiligen Schrift hat mich die folgende Stelle besonders berührt: "Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er erwählt hatte, und sie kamen zu ihm. Und er setzte zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann aussenden wollte, damit sie predigten und mit seiner Vollmacht Dämonen austrieben." (Mk 3,13-15) Dieser Abschnitt beschreibt bekanntlich die Wahl der zwölf Apostel. Sie werden im Gefolge aufgezählt. Wir kennen ihre Namen: Petrus, Jakobus, Johannes... Was Markus da berichtet, betraf zwar historisch die Zwölf. Aber es scheint mir ein Geschehen zu sein, das sich seither millionen-, ja milliardenfach wiederholt hat und zwar bei all jenen, die der Herr aus allen Völkern und Nationen in Seine Nachfolge ruft. Hier wird beschrieben, worauf der Ruf Gottes primär zielt: Diejenigen, die der Herr erwählt hat und ruft, will Er bei sich zu haben. Der Ruf, der an uns ergeht, ist die Einladung zu einer intimen Beziehung mit dem lebendigen Gott, das Angebot, in Seiner Nähe zu leben. Der Schöpfer des Himmels und der Erde, der allmächtige Gott, sehnt sich nach unserer Nähe. Dieser Einladung zu folgen, darin sehe ich unsere Grundberufung: Aus der Gottferne in die intime Nähe des Herrn zu übersiedeln, um Freunde Gottes zu werden und unser Leben im Angesicht Gottes zu führen. Jesus Christus sendet die Jünger erst aus, nachdem sie diese Nähe erfahren haben, nachdem sie Seine Vertrauten geworden sind. Erst dann überträgt er ihnen konkrete Aufträge. Erst dann sind sie imstande, in Seiner Vollmacht zu handeln. Gerade dieser erste Schritt, so scheint es mir, fällt uns Menschen der Leistungsgesellschaft besonders schwer. Heute erklärt man uns nämlich, daß jeder sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen habe. Und wir Christen haben dieses Verständnis vielfach übernommen. Wieviele von uns meinen daher, wir müßten die Sache Christi vorantreiben, müßten als mündige Christen in der Welt von heute agieren und die Kirche nach neuesten Einsichten aufbauen? Wir übernehmen das Konzept Christi - und jetzt machen wir etwas daraus. Es stimmt schon, daß uns der Herr auch zu ganz bestimmten Diensten beruft - und zwar jeden von uns. Aber wir werden diese Dienste nur dann Seinem Willen entsprechend erfüllen, wenn wir wenigstens ansatzweise begriffen haben, daß Er der eigentliche Akteur ist - und daß wir gut daran tun, uns in Seine Hand zu geben. Und zwar allein schon aus ganz eigennützigem Interesse. Wer an der Hand Gottes geht, wird von Dem geführt, Der nicht nur alles geschaffen hat, sondern auch alles in der Hand hält, alles durchschaut und Lösungen für alle Probleme - auch die unserer vielfach so trostlosen Zeit - kennt und fortgesetzt das Heil wirkt. Daß uns dies viel zu wenig bewußt wird, liegt einzig und allein daran, daß wir zwar erwählt sind, aber nicht zu Ihm kommen - wie die Zwölf, von denen im Evangelium die Rede ist. Hand aufs Herz: Kommt nicht den meisten von uns alles Mögliche viel wichtiger vor, als dem Gebet, dem Zusammensein mit Gott, Zeit einzuräumen. Eine Stunde pro Tag erscheint da schon als Heldentat. Und dabei sind das nur vier Prozent (!) der uns täglich zur Verfügung stehenden Zeit - für dieses so zentrale Geschehen in unserem Leben! Diese im Gebet gewonnene Vertrautheit mit Gott ermöglicht es dann, den Herrn in allen Kleinigkeiten des Alltags zu erfahren. Sich den täglichen Herausforderungen in Seinem Geist zu stellen, ist nämlich Gottes Sendung für uns. Durch unseren Alltag hindurch wirkt Er unser und der Menschheit Heil - wenn wir uns in Dienst nehmen lassen. Für den einen bedeutet das die konkrete Erfahrung, einen ganz bestimmten Weg zu gehen: Priester zu werden oder einen bestimmten weltlichen Beruf zu ergreifen, ein konkretes Werk zu beginnen oder eine bestimmte Person zu heiraten. Gott will zu unserem Heil die wesentlichen Weichen in unserem Leben stellen. Das geschieht, wie die Zeugnisse in diesem Schwerpunkt zeigen, auf unterschiedlichste Weise. Der eine erlebt tiefe Gewißheit, der andere schreitet zögernd voran. Wesentlich ist das fortgesetzte Bemühen, die Wegweisungen Gottes zu erkennen und zu erfragen. Die Antworten werden wie gesagt, nicht per Eilbrief geliefert. Und so bleiben wir meist darauf angewiesen, die Entscheidungen im Alltag scheinbar selbst zu treffen. Wer dies in der Grundhaltung tut, damit den Willen Gottes erfüllen zu wollen, kann jedoch darauf vertrauen, daß der Heilige Geist in ihm wirkt, auch wenn er dies subjektiv nicht spürt. Aus dieser Haltung heraus zu leben, nimmt schwere Lasten von uns. Wir tragen dann nicht mehr die letzte Verantwortung für unser Tun. So verstehe ich auch, was der Herr uns im Matthäus-Evangelium (11,28f) zusagt: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele." Wer auf den Ruf hört, in Gottes Nähe zu leben, muß sich letztlich nicht mehr ängstlich sorgen. Er weiß sich in Seiner Hand geborgen, denn der Herr nimmt uns von den Schultern, was für uns zu schwer ist und Er hilft uns tragen, was Er uns zu unserem und der anderen Menschen Heil zumutet. Welche Hoffnung für eine Welt, die sich immer mehr Verantwortung aufbürdet und in ihren eigenen Konstrukten verstrickt, die mit jeder neuen Lösung weitere Probleme schafft und in der Sinnlosigkeitsgefühl sowie Resignation überhandnehmen! Als Christen sind wir zur Hoffnung berufen, zum Vertrauen darauf, daß jenen, die Gott lieben, alles zum Heil gereicht.
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