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| ZEUGNIS |
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Begebenheiten
aus dem Leben des seligen P. Pio
"Hab keine Angst,
ich werde bei Dir sein!"
Der kürzlich seliggesprochen P. Pio (siehe Heiligen-Portrait
VISION 3/99) erfreute sich schon zu Lebzeiten wegen seines hervorragenden
heiligmäßigen Lebens einer großen, dankbaren
Verehrung. Es gibt unzählige Zeugnisse von seinem Wirken.
Im folgenden eine kleine Auswahl aus den "Fioretti"
des P. Pio.
Ein Mann war mit der Bitte, seine Tochter zu heilen, zu P.
Pio gekommen. Dieser schaut ihn an: "Du bist viel ja viel
mehr krank als Deine Tochter: Ich sehe, daß Du tot bist!"
Der Mann stammelt: "Aber nein, es geht mir gut." "Du
unglücklicher", antwortet der Pater, "wie kann
es Dir mit so viel Sünden auf dem Gewissen gut gehen? Mindestens
32 sehe ich!"Nach der Beichte bezeugte der Mann: "Er
wußte alles, hat mir alles gesagt."
*
Verschwinde von hier!
Ein Mann begleitet seine Frau nach San Giovanni Rotondo. Sein
Entschluß steht fest: Er wird die Reise dazu nutzen, sie
umzubringen und dabei einen Selbstmord vortäuschen.Als er
sich aus Neugierde der Sakristei nähert, um P. Pio zu sehen,
fühlt er sich gedrängt, näher zum Beichtstuhl
zu treten. Aus diesem kommt P. Pio heraus, nimmt ihn am Arm und
zerrt ihn zum Ausgang: "Verschwinde! Weißt Du nicht,
daß man seine Hände nicht mit Blut beflecken darf?"Der
Mann flüchtet. Am nächsten Tag aber kommt er zurück
und legt bei P. Pio eine Beichte ab. Nachdem er ihm die Absolution
erteilt hat umarmt in der Pater und sagt: "Du wolltest immer
Kinder haben, nicht wahr? Also, beleidige Gott nicht mehr und
Du wirst einen Sohn bekommen."Im Jahr darauf kommt das Paar,
um ihr Kind taufen zu lassen.
*
Gehen Sie zum Bischof!
Bischof Damiani aus Uruguay hatte von P. Pio das Versprechen
erhalten, der Pater würde ihm in der Todesstunde beistehen.
Eines nachts hört ein Erzbischof, der auf der Durchreise
war, ein Klopfen an seiner Tür. Ein ihm unbekannter Kapuzinermönch
tritt ein und sagt: "Gehen Sie zu Bischof Damiani. Er liegt
im Sterben." Der Erzbischof folgt der Aufforderung und steht
dem Sterbenden, der friedlich einschläft, bei. Auf dem Nachttisch
ein Zettel. Darauf hingekritzelt: "P. Pio war da."Jahre
später, bei einem Besuch in San Giovanni Rotondo, erkennt
der Erzbischof in P. Pio jenen Kapuziner wieder, der gekommen
war, ihn zu wecken.
*
Es regnet doch nicht
Eines abends, als er sich eben von P. Pio verabschieden will,
merkt ein Pilger, daß es draußen in Strömen
gießt. "Und ich habe auf meinen Regenschirm vergessen",
sagt er zum Pater. "Ich werde waschelnaß ankommen."
"Keine Angst", sagt darauf P. Pio, "ich werde
bei dir sein."Kaum hat der Mann das Haus verlassen, als
er erstaunt feststellt, daß es nicht mehr regnet. Kurz
darauf landet er bei den Leuten, die ihm ein Zimmer vermietet
hatten. "Mein Gott, Sie müssen ja gebadet sein!",
ruft die Hausfrau schon von weitem. "Überhaupt nicht,
es regnet ja gar nicht mehr," so die Antwort. "Was
heißt, es regnet nicht! Schauen Sie doch einmal hinaus,
eine wahre Sintflut! Seit einer Stunde gießt es! Wie haben
Sie es nur angestellt, trocken heimzukommen?"
*
Schreib, was ich diktiere
Ein Pfarrer, ziemlich verärgert über die Begeisterung
eines seiner Schäfchen für P. Pio, beschließt
den Kapuziner zu testen. Als der P. Pio-Fan wieder einmal nach
San Giovanni Rotondo fährt, vertraut ihm der Pfarrer ein
verschlossenes Kuvert an - mit einer Botschaft, die an den Pater
zu übergeben sei. Als der Mann noch mitten in der Menge
steht, ruft in P. Pio an: "Nimm den Brief aus Deiner Tasche
und schreib, das, was ich Dir diktiere auf den Umschlag."
Bei seiner Heimkehr übergibt der Mann dem Pfarrer das ungeöffnete
Kuvert. Dieser wird blaß, als er liest, was auf dem Umschlag
gekritzelt steht: Es ist die Antwort auf seine Frage im Brief.
*
Eine Beleidigung
Eine wichtige Persönlichkeit kommt ins Kloster. Sie wird
von einer großen Schar begleitet. Man bedrängt P.
Pio, die Person sofort zu empfangen. Der Pater nimmt vorher aber
noch einen Rauchfangkehrer, der als nächster in der Reihe
stand, zur Beichte dran. Beleidigt, kürzt die bekannte Persönlichkeit
ihre eigene Unterredung ab."Warum nahmst Du ihn nicht vorher
dran?", fragt daraufhin einer seiner geistigen Söhne
P. Pio. "Mit welchem Recht?" gibt dieser zur Antwort.
"Es ist nicht die Bedeutsamkeit einer Person, die eine wertvollere
Seele ausmacht. Der junge Rauchfangkehrer, äußerlich
schwarz, ist in seinem Inneren schneeweiß. Der andere hingegen,
äußerlich strahlend, hat eine rabenschwarze Seele.
Vor Gottes Gericht hat der verlorene Sohn, der sich als Sünder
bekennt das Vorrecht."
*
Beichten hat Vorrang
Eine Pilgergruppe versucht P. Pio vor jener Tür abzufangen,
durch die er kommen muß, um in die Kirche zu gehen. Es
vergehen drei Stunden - und sie warten noch immer. Es kommt ein
Kapuziner vorbei: "Worauf wartet Ihr denn hier?" "Auf
P. Pio, was sonst!" "Aber der sitzt doch schon seit
langem im Beichstuhl!" "Wie ist er denn dorthin gelangt?"
"Durch diese Tür klarerweise." "Wir haben
ihn aber nicht gesehen." "Wenn Ihr ihn nicht gesehen
habt, dann wohl, weil er nicht gesehen werden wollte. P. Pios
Aufgabe ist es, Beichte zu hören und nicht zu tratschen
und die Neugierde von Besuchern zu befriedigen."
Auszug aus "Famille Chrétienne" v. 29.4.99
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Von den
Ärzten aufgegeben, von Gott geheilt
Lieber Gott, es geht ohne Rollstuhl!
Von Sr. Pirmin Schwitter
Ich bin 1967 als Kindergärtnerin ins Kloster St. Ursula
in Brig im Oberwallis eingetreten. Und schon bald, ein halbes
Jahr später, begann eine heimtückische Krankheit, mit
der ich viel zu kämpfen hatte. Es begann mit Morbus Raynaud,
einer Gefäßkrankheit... Dann wurde es bald einmal
als Parkinsonsyndrom diagnostiziert. Es war immer etwas atypisch,
eine extrapyramidale dystonische Erkrankung, die progressiv den
ganzen Bewegungsapparat befiel bis zu totalen Invalidität:
Krücken, Rollstuhl, Pflegefall...
Wenn ich in dieser Zeit nicht das Gefühl von Hineingenommensein
in das große Heilsgeschehen gehabt hätte, in das große
Erlösungsopfer Christi, hätte ich es wohl nicht tragen
können!
Auch das, auch die Krankheit war Zeit der Gnade. Ich habe
immer gedacht, Kranksein ist vielleicht auch ein Privileg: Der
liebe Gott mutet nur denen etwas zu, die es tragen können.
Ich spürte meine Kräfte zusammenbrechen, begegnete
meiner eigenen Schwachheit, und hie und da war ich ihr fast nicht
gewachsen. Es war echte Kreuzesnachfolge, harte Zeit und bis
zuletzt Gnade des Nullpunkts. Von mir konnte ich eigentlich nichts
mehr erwarten, aber von Gott alles.
Lange Jahre habe ich gekämpft, es waren 20 Jahre, von
1967 bis 1987. Ich lebte mit Medikamenten... Viele Physiotherapeuten
haben an mir ihre Kraft verbraucht. Fast zehn Jahre ging ich
mit Krücken, dann kam der Rollstuhl, und dann war ich ein
hilfloser Pflegefall im Kloster...
Ich war nicht immer einfach als Patientin. Die aggressiven
Phasen, die Frau Kübler-Ross in ihren Büchern beschreibt,
die habe ich alle durchgemacht, immer im Kampf ums Überleben.
Der Zustand verschlechterte sich täglich: Ende Mai hatte
ich noch 36 Kilo, schlaff und spastisch gelähmt, dazu Muskelkrämpfe.
Ich lebte von Madopar zu Madopar. Madopar ist ein Parkinsonmedikament.
Das ersetzt das Dopamin, das bei Parkinsonpatienten zu wenig
produziert wird...
Am 5. August 1987 brachte man mich hilflos im Rollstuhl zu
einer Kontrolle ins Inselspital Bern. Ich sah auch fast nichts
mehr. Die Leute waren alle nur so bleistiftgroß... Ich
stellte dem Professor die Frage: "Soll ich zum Augenarzt
gehen?" Der Professor schaute mich verblüfft an, und
seine Reaktion war eindeutig: "Für was denn... Wenn
Sie jetzt noch hoffen, ist das nicht mehr normal! Ich muß
es beim Namen nennen." Und ich sagte dann nur: "Herr
Professor, muß ich denn das alles gelassen hinnehmen?"
Und der Professor: "Gelassen ist die Frage. Aber hinnehmen
müssen Sie es!"
Am 13. Oktober waren die Dopaminreserven auf null. Und ich
wußte von den Büchern: Dopamin-Koma, Dopamin null
heißt Tod des Parkinsonpatienten. Es war Abendmesse in
der Klosterkapelle: Der ganze Tonus der Muskeln brach zusammen,
schichtenweise in mich hinein wie Papier. Die Spastizität
wechselte dann in totale Schlaffheit, in totale Lähmung.
Das war ein unbeschreiblicher Zustand. Der Körper war
wie tot. Ich spürte ihn eigentlich nicht mehr, ich lebte
wie im Kopf allein, war aber geistig voll da. Dann gab man mir
die Krankensalbung.
... Ende Oktober 1987 kam dann die Nacht des Umschwungs. Ich
hatte keine 30 Kilo mehr, war eigentlich in Todesangst, in Agonie.
Ich möchte betonen, daß in der Zeit meiner Krankheit
viele Schwestern und liebe Menschen, vor allem meine Angehörigen,
mit mir auch den Himmel bestürmt haben und mich auch im
Durchhalten bestärkt haben...
Die Agonie ist nicht einfach. Ich hatte Angst, Todesangst,
fürchtete den Durchgang, nicht so sehr, was nachher kommt,
aber den Durchgang. Ich erwartete den Tod, aber ich gab trotzdem
die Hoffnung nie auf, ich hoffte wider alle Hoffnung, obwohl
der Professor sagte: "Wenn Sie jetzt noch hoffen, ist das
nicht mehr normal."
Ich habe einfach den Himmel eingesetzt, ich gab nicht auf.
... Und dann habe ich der Muttergottes gesagt: "Von Dir
sagt man, Du seist die größte Fürbitterin der
Welt, so zeige es ihr doch. Sag es Du dem Dreifaltigen Gott,
auf Dich hört Er besser!"
Und ich hatte dann ein Abkommen mit Gott. "Für Dich
ist das keine große Sache, Du kannst mir das Leben verlängern.
Du mußt das nur denken und dann bin ich wieder ganz. Ich
möchte mich noch einsetzen für Dich. Die Zeit, die
Du mir dann schenkst, die gehört dann nicht mir, die gehört
dann Dir." Und darum bin ich etwa hier.
... Meine Gebete waren keine großen Geistesflüge,
wie Edith Stein sagt, ich habe gestürmt wie die Kinder bei
Vater und Mutter. Dann habe ich gesagt: "Vater, ich glaube,
daß Dein Wort wahr ist. Für mich stimmt die Bibel,
das ist nicht ein leeres Wort. Du hast gesagt, wenn man Dich
im Namen Jesu bittet, dann werde die Freude vollkommen sein.
Ich bitte Dich jetzt im Namen Jesu."
Dann, in diesem Gespräch mit Gott, in diesem Beten drinnen,
in diesem Stürmen drinnen haben mich auf einmal wie zwei
Hände gepackt, ganz massiv geschüttelt und mich einfach
so wie hingeworfen. Aber das war so massiv, daß ich gedacht
habe, das ist jetzt der Durchgang, Sterben, Tod. Jetzt sehe ich
dann Gott so, wie Er ist!
Dann muß ich in einen tiefen Schlaf gefallen sein, denn
es war Morgen, als ich erwachte. Und alles war anders. Ich merkte
auf einmal, daß ich meine Hände bewegen konnte. Ich
war ja total gelähmt... Ich weiß nicht, wie oft ich
so gemacht habe und mich so gepackt habe. Ich wußte nicht,
ist das jetzt der Zustand nach dem Tod, bin ich tot, bin ich
schon in einem anderen Zustand?
Auf einmal habe ich gemerkt, nein, ich bin ja da im Kloster
in meinem elektrischen Bett. Und dann konnte ich die Decke selber
wegtun und schauen, ob ich noch Füße habe, weil ich
vorher vom Körper nichts mehr gespürt habe... Dann
habe ich gemerkt, daß ich neue Zehennägel habe, das
hat mich am meisten verblüfft, und ich habe immer nur gesagt:
"Lieber Gott, ich habe ja neue Zehennägel wie ein Baby."
Und alles war regeneriert, die ganze Muskulatur. Ich konnte sitzen...
Ich probierte neben dem Bett zu stehen. Das konnte ich, und
zwar ohne Gleichgewichtsstörungen. Und dann habe ich gedacht,
dann muß ja das Gehen auch funktionieren. Und ging ohne
jegliche Hilfe zum Fenster und wieder zurück. Und dann habe
ich fast laut geschrien: "Lieber Gott, es geht ja ohne Stöcke
und ohne Rollstuhl!" Der Körper war ganz, aber mit
der Psyche kam ich noch ein paar Wochen nicht mit. Angst, Furcht
und Schrecken waren viel größer als die Freude...
Man fuhr mich zu ersten Kontrolle ins Inselspital. Der Professor
hat alle Reflexe geprüft, ohne Worte, hat mich so angeschaut
und gesagt: "Alles hundertprozentig völlig normal,
Sie können es glauben oder nicht. Haben Sie den ganzen Himmel
eingesetzt?" Ich habe nur gesagt: "Herr Professor,
der Himmel war dabei, das ist klar!"...
Die Kontrollen wurden noch drei Jahre lang durchgeführt...
Nach drei Jahren wurde ich glockengesund entlassen. Der Professor
hat gesagt: "Ich muß es beim Namen nennen: Sie haben
uns die Wissenschaft ganz gründlich über den Haufen
geworfen." Dann habe ich gesagt "Das war nicht ich,
das war der liebe Gott!" "Vergessen Sie nie zu danken,
menschlich gesehen wären Sie nicht mehr!"
Stark gekürzte Fassung des Zeugnisses von Sr Pirmin
bei der Maria Namen-Feier des Rosenkranz-Sühnekreuzzugs in der Wr.
Stadthalle. 12.9.98
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Interview
mit dem Salzburger Erzbischof Georg Eder
"Gott kann uns im dritten
Jahrtausend noch ganz schön überraschen"
Herr Erzbischof, wo immer der Papst hinkommt, liegt
ihm die Begegnung mit der Jugend sehr am Herzen. Das ist bei
den Weltjugendtreffen besonders deutlich, wie etwa in Paris,
wo sich eine Million Jugendliche um ihn scharten. Was zieht Jugendliche
zum Papst?
Eder: Einerseits ist der Papst eine charismatische
Persönlichkeit. Das bezweifelt heute wohl niemand mehr.
Aber dann gibt es auch noch inhaltliche Gründe. Es ist eigentlich
paradox: Der Papst hofiert die Jugend ja nicht, er sagt ihnen
nicht wie viele andere: Macht, was ihr wollt, Hauptsache, daß
ihr glücklich werdet und die Liebe nicht verletzt. Nein.
Er sagt ihnen die Wahrheit, Dinge, die anspruchsvoll und die
für die Jugend nicht leicht zu verdauen sind. Zum Beispiel
die Wahrheit über die Liebe und die Anstrengungen, die ein
Mensch unternehmen muß, um das Leben zu meistern und glücklich
zu werden. Die Jugendlichen wollen ein Alternativprogramm für
ihr Leben hören. Sie spüren die Wahrheit, die in dem
liegt, was der Papst ihnen über eine neue Kultur des Lebens
sagt. Das ist es, wovon sie sich angezogen fühlen - von
der Botschaft des Evangeliums!
Viele in den westlichen Wohlstandsländern erleben
die "Frohe Botschaft" aber nicht als froh, sondern
als schwer und unangenehm. Wie kann wieder Freude am Glauben
aufkommen?
Eder: Vielleicht müssen wir anders herum anfangen:
Wie kann wieder mehr Glaube aufkommen? Denn wo kein Glaube, da
gibt es auch keine Freude am Glauben. Es stimmt: Der Grundwasserspiegel
des Glaubens ist tief gesunken - nicht nur bei den Jugendlichen
-, sowohl im Glaubenswissen als auch im Glaubensleben. Hier gibt
es sicherlich mehrere Auswege: einerseits das Angebot von Glaubenskursen,
um das Glaubenswissen zu stärken.
Andererseits ist da der Weg über die Erfahrung des Glaubens,
über das Gebet. Ich sehe hier eine große Chance in
den verschiedenen Gebetsgruppen für Jugendliche, in Stätten
der Glaubenserfahrung wie Medjugorje oder Taizé oder eben
in den Weltjugendtreffen mit dem Papst. In diesen Gemeinschaften
machen junge Menschen eine Erfahrung des Glaubens, die sie sonst
noch nirgends gemacht haben.
Sie sehen die Rolle der Erneuerungsbewegungen in der
Kirche also positiv?
Eder: Ja, natürlich.
Sehen Sie auch Gefahren?
Eder: Die Gefahr einer Überbetonung des Gefühls
gibt es sicherlich bei manchen Gemeinschaften. Andererseits muß
man aber sagen, daß ohne diese charismatischen und geistlichen
Bewegungen in der Kirche so ziemlich alles geistlich tot wäre.
Es scheint mir daher sehr wichtig, daß sich die Kirche
bemüht, daß diese Bewegungen in ein entsprechendes
Flußbett gelangen, daß sie nicht wie ein Strohfeuer
sind oder sich sektiererisch entwickeln - ohne die Leitung der
Kirche.
Eine große Sorge der Pastorale ist die Weitergabe
des Glaubens in der Familie. Vielfach kümmern sich die Eltern
nicht mehr um die religiöse Erziehung. Welche Möglichkeiten
sehen Sie, den religiösen Analphabetismus zu überwinden?
Eder: Das ist tatsächlich ein ernstes Problem.
Ich hatte da in der Karwoche ein persönliches Erlebnis.
Eine Mutter kam mit ihren Kindern in den Dom und ging zum Heiligen
Grab, das dort errichtet war: der Leichnam des Gekreuzigten,
darüber die Monstranz mit dem Allerheiligsten, überall
Blumen. Ich weiß noch, wie meine Mutter uns als Kindern
genau erklärte, was dieses Grab bedeutete. Diese Mutter
aber blieb stumm. Sie stand mit ihren Kindern davor, schaute,
und nach einer Weile sind sie wieder gegangen.
Das ist nur ein kleines Beispiel, aber es zeigt, daß
die Elterngeneration von heute, die vielfach selbst schon ohne
echten Glauben aufgewachsen ist, keine Anlaufstelle mehr ist
für junge Menschen, die nach dem Glauben fragen. Deshalb
gewinnen die diversen Gemeinschaften auch immer mehr an Bedeutung
für die Kirche. Da sehe ich echte Möglichkeiten einer
Glaubenserneuerung.
Welche Punkte müßte die Kirche in ihrer Verkündigung
zu zentralen Inhalten machen?
Eder: Gebet und Umkehr. Bekehren müssen wir uns
alle, Laien genauso wie Priester und Bischöfe! Und wir müssen
aus diesem Neorationalismus herauskommen, der meint, man könne
die Welt mit der puren Vernunft erklären. Natürlich
brauchen wir die Vernunft, die Ratio, aber über diesen Weg
kommen wir nicht zur Umkehr. Zur Umkehr kommt es durch Gotteserfahrung.
Wer den persönlichen Gott erfahren hat, der will auch sein
Leben ändern. Da setzt dann die Ebene der intellektuellen
Auseinandersetzung mit dem Glauben an, der Weiterbildung. Mir
scheint aber die Erfahrung des Glaubens der erste Schritt zu
sein.
Würde sich damit auch das verbreitete Dilemma "Gott
ja - Kirche nein" lösen?
Eder: Tatsache ist: Wenn ein Mensch eine Bekehrung
erlebt hat, eine echte im Sinne des Evangeliums, dann sind damit
auch gewisse Fragen gelöst, dann hat er gewisse Probleme
nicht mehr, zum Beispiel mit der Kirche.
Was meinen Sie damit konkret?
Eder: Unsere Religion ist eine Offenbarungsreligion,
keine von Menschen erdachte Weisheitslehre, wie etwa der Hinduismus.
Daher läßt sich auch die Kirche nicht auf einer rein
menschlichen Ebene begreifen. Natürlich, die Kirche ist
menschlich und göttlich zugleich. Aber eben mit göttlichem
Ursprung, weil sie von Jesus Christus, dem Gottmenschen, gegründet
wurde.
Auf der Ebene der politischen Terminologie kann man also nie
zu einem Verständnis der Kirche kommen. Wir müssen
uns statt dessen fragen: Wie hat Christus die Kirche gesehen?
Wer die Kirche nur mit rein menschlichen Augen anschaut, der
wird immer an ihr Anstoß nehmen und noch und noch an den
Sünden der Amtsträger. Der Glaube sieht die Kirche
anders, mit den Augen Christi, nämlich wie der Bräutigam
auf seine Braut.
Das ist ein anderer Blick: Christus schaut sie mit den Augen
der Liebe an. Da kann die Braut sogar beim Hochzeitszug in den
Dreck fallen - er wird sie trotzdem herausholen, weil sie in
seinen Augen die schönste ist. Er liebt diese Braut so,
wie sie ist, mit allen ihren Sünden. Und er will sie reinigen.
Für den, der sich bekehrt hat, ist die Frage der Kirche
also in Christus beantwortet.
In Salzburg hat der Papst zu den Jugendlichen gesagt:
"Ich vertraue der Kraft Eurer Jugend, dem alten Europa wieder
ein christliches Gesicht zu geben." Braucht Europa dieses
geistige Facelifting?
Eder: Um das zu merken, braucht man nicht einmal den
Papst. Ein nur politisch und wirtschaftlich geeintes Europa,
dem die moralische Seele fehlt, genügt nicht. Gerade jetzt,
wo so viele verschiedene Nationalitäten in der EU vertreten
sind, braucht es eine gemeinsame Moral, ein gemeinsames Koordinatensystem
von Gut und Böse. Sonst dreht sich alles nur noch um den
"Mega-Profit", wo jeder versucht, sich das größte
Stück vom Kuchen abzuschneiden.
Der zweite entscheidende Punkt: Europa muß eine andere
Lebenspolitik betreiben. Auch in unserem Land hat sich durch
die Fristenlösung und die Abtreibung eine lebensfeindliche
Kultur ausgebreitet. Die Bevölkerungspyramide steht in wenigen
Jahren europaweit auf dem Kopf. Wenn wir ständig nur den
Lebensstandard heben wollen, sind wir auf dem Holzweg.
Wo müßte eine neue Kultur des Lebens ansetzten?
Eder: Bei der Freude am Leben! In anderen Kulturkreisen
ist das noch selbstverständlich. Da freuen sich die Eltern
an den Kindern. Da müssen wir mit Hilfe der Jugend auch
wieder hin.
Sie sind dem Heiligen Vater mehrere Male persönlich
begegnet. Was beeindruckt Sie am meisten an ihm?
Eder: Er hat einen tiefen Frieden in sich. Bei all
dem Wirbel in der Kirche und der Welt strahlt er eine tiefe Sicherheit
aus. Und er ist von einem brunnentiefen Glauben getragen. Offensichtlich
von einem Wissen darum, daß er geführt wird, von Christus,
von der Muttergottes, und daß im letzten jemand anderer
die Kirche leitet, jemand, auf den man sich hundertprozentig
verlassen kann.
Wie sehen Sie die Zukunft der Kirche für das dritte
Jahrtausend? Wird die Kirche wieder im Zeichen des Senfkorns
einer Minderheit stehen?
Eder: Ob die Kirche wieder zu einer kleineren Herde
wird, in der sie im Glauben erstarkt? Kann sein. Aber da rechnen
wir mit unseren eigenen Maßstäben. Das Wichtige ist:
Wir in unserer Zeit müssen das tun, was Gott von uns erwartet,
und zwar jeder, der Christ ist, ob Laie, Priester oder Bischof.
Über das andere sich Sorgen zu machen, ist eigentlich müßig.
Gott kann ja noch ganz anderes mit uns im dritten Jahrtausend
vorhaben. Gott kann uns ja ganz schön überraschen....!
Das Gespräch führte Susanne Kummer.
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Die Vorbereitungen
auf das Jubeljahr
Das Jahr 2000 ist unser Jahr!
Kürzlich in Heiligenkreuz: Wir waren eine Runde von 25
bis 30 Leuten, aus verschiedenen Erneuerungsbewegungen, versammelt
um Bischof Andreas Laun. Das Thema: die Vorbereitung auf das
Jubiläumsjahr 2000. Einige Gruppierungen haben recht konkrete
Projekte: Teilnahme am Weltjugendtreffen, Wallfahrten nach Rom
oder Jerusalem, "alternative" Sylvesterfeiern, Exerzitien...
Schön, daß doch einige den Appell des Papstes,
das Jahr 2000 besonders zu feiern, aufgegriffen haben. Aber Hand
auf's Herz. Sind nicht die meisten von uns dabei, dieses Ereignis
zu verschlafen? Die Worte des Bischofs und die des Gastgebers
P. Karl Wallner bei unserem Treffen haben mir jedenfalls klar
gemacht, daß ich mir noch nicht wirklich der Bedeutung
dieses Gnadenjahres bewußt bin.
Ist es nicht so: Alle Welt bereitet sich auf eine rauschende
Sylvesterfeier Ende Dezember vor. Die Städteflüge sind
ausgebucht. Wien rechnet mit einem Rekordumsatz beim Sylvesterrummel.
Hochkonjunktur haben auch die Untergangspropheten. Unlängst
sah ich eine Fernsehsendung, in der sich zwei von ihnen in die
Haare darüber gerieten, wann der große Crash nun kommen
würde: ob durch Kollision mit einem Asteroiden oder durch
eine besondere Planetenkonstellation... Das neue Jahrtausend
beflügelt jedenfalls die Phantasie vieler.
Aber wer ist sich dessen bewußt, daß dieses "magische"
Datum der 2000. Geburtstag Jesu Christi ist? Vor 2000 Jahren
ist Gott Mensch geworden, fand der entscheidende Wendepunkt in
der Geschichte statt. Das Jahr 2000 ist unser Jahr, das Jahr
der Christen! Lassen wir es uns nicht aus der Hand nehmen!
Der Papst wird nicht müde, auf dieses gnadenreiche Geschehen
hinzuweisen. So wie vor 2000 Jahren will Gott wieder Großes
wirken, ein Jahr besonderer Gnade schenken. Jubeljahre sind solche
Jahre, wir wissen es aus der Schrift. Diese Gnaden müssen
aber angenommen werden. Auch vor 2000 Jahren mußten sich
die Menschen für das Heilsgeschehen der Menschwerdung Gottes
öffnen. Viele haben es verschlafen, viele sich ihm verschlossen,
weil es nicht in ihre Vorstellungen von Gott paßte. Besteht
nicht heute dieselbe Gefahr?
Darum ist es so wichtig, daß wir uns öffnen für
jenes neue Pfingsten, von dem die letzten Päpste - und besonders
Johannes Paul II. - gesprochen haben. Es setzt voraus, daß
wir uns im Gebet versammeln und Großes erwarten, Geschenke
Gottes, die weit über das hinausgehen, was wir uns ausrechnen.
Ehrlich gesagt: Ist diese Haltung nicht die einzig realistische
in unserer Zeit, in der wir, rein weltlich gesehen, nicht ein
und aus wissen?
Noch steht ein halbes Jahr der Vorbereitung vor uns. Ein Jahr,
in dem wir umkehren und neu aufbrechen können, um erneuert
das Jubeljahr 2000 zu begehen.
Die Wallfahrt zum Sonntagberg vom 31. Juli zum 1. August
(siehe S. 28) ist ein solches Geschehen des Aufbruchs und der
Vorbereitung. Darf ich Sie, liebe Leser, noch einmal einladen,
mit uns an diesem Wochenende zu feiern und Gott zu loben?
Christof Gaspari
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Christoph
Hurnaus begleitete für VISION 2000 den Papst durch Polen
Ein Loblied auf Gottes Wundertaten
Polen, das Land im Osten Europas, hat der Kirche und Welt
von heute das große Geschenk dieses Papstes gemacht. Und
es beschenkt unsere kranke Kirche in Westeuropa mit einer erfrischenden
Katholizität, die wohl kaum anderswo so stark zu finden
ist: 20 Millionen Gläubige bei den Treffen mit dem Papst
in nur zwölf Tagen. Das sind Kategorien, die eigentlich
nur auf den Philipinen oder in Südamerika zu erzielen wären.
Es war bereits die siebte Reise des alternden Pontifex in
seine geliebte Heimat. Auch polnische Medien glaubten nicht an
eine Wiederholung eines Phänomens, über das sie zwei
Jahre zuvor bei der letzten Heimatvisite des Papstes berichtet
hatten. Damals kamen etwa sieben Millionen Pilger um den großen
Sohn ihres Landes zu sehen.
Man könnte sagen, "Der Papst kam, sah und siegte",
oder eben der liebe Gott siegte durch sein Werkzeug, das er hier
auf polnischem Boden geschnitzt hatte. Ein Land das in diesem
Jahrhundert unsagbare Repressionen fremder Völker erleiden
mußte. Dessen Gläubige jahrzehntelang den Schikanen
der kommunistischen Behörden ausgesetzt waren, sich aber
nicht in die Katakomben treiben ließen.
Es war wohl auch die besondere Beziehung der Polen zur Schwarzen
Muttergottes von Tschenstochau, die ihnen die Kraft gab diese
Zeit zu überstehen. In weiser Voraussicht startete Kardinal
Wyszynski 1966 ein Programm der Erneuerung für die polnische
Kirche, die sich auf die 1000-Jahr-Feier ihrer Christianisierung
vorbereitete. Daß dieses Erneuerungsprogramm solch große
Früchte bringen würde, ahnte damals wohl niemand.
Als Papst Johannes Paul II. im Juni 1979 erstmals seine Heimat
besuchte, löste das ein Erdbeben aus, das rasch auf die
anderen Länder im kommunistischem Machtbereich übergriff.
Damals besuchte er die Bischofsstadt Gnesen wo er die prohetischen
Worte ausrief, die Europa verändern sollten: "Will
Christus nicht vielleicht, daß dieser polnische, dieser
slawische Papst gerade jetzt die geistige Einheit des christlichen
Europas sichtbar macht, die zwar den zwei großen Traditionen
von Ost und West viel verdankt, aber in beiden, einen Glauben,
eine Taufe, einen Gott und Vater aller verkündet? Ja, Christus
will es ..."
Und Christus wollte es auch daß er genau 20 Jahre später
wiederkam um bei den verschiedenen Stationen des Besuches ein
Loblied auf die Wundertaten Gottes anzustimmen.
Dieser Besuch war ein einziges großes Dankgebet mit
dem der Pontifex schon ins Jubeljahr 2000 einstimmte. Auf dem
Warschauer Pilsudski Platz feierte er wie vor genau 20 Jahren
eine heilige Messe. Damals sprach er die Worte: "Komm herab
o heiliger Geist und erneuere das Angesicht der Erde." Sie
waren umso bemerkenswerter, da Erde in polnischer Sprache auch
Land im geographischen Sinne bedeutet. Während der heurigen
Feier sprach Johannes Paul II. 108 Märtyrer aus dem 2. Weltkrieg
selig. Auch wenn seit der Öffnung Polens zum Westen eine
Welle der Säkularisierung durch das Land ging, hat die Kirche
sich doch im wesentlichen ihre Substanz bewahrt.
Dieser Besuch des Papstes zeigte das nur zu deutlich auf:
Tausende Pilger auf den Straßen Polens, die oft schon am
Vortag aufgebrochen waren um dem Treffen des Papstes beizuwohnen.
Unter ihnen dutzende Priester, auch als solche erkennbar, umringt
von vielen hübschen jugendlichen Gesichtern. Begeistert
stimmten sie ihre slawischen Kirchengesänge an, die von
tiefer Schönheit getragen sind und schnell zu Herzen gehen.
Die Gottesdienste standen in ihrer Schönheit und Lebendigkeit
keinesfalls unseren nach. Nach dem Geheimnis ihrer Glaubensfreude
fragend, bekam ich von meinen polnischen Freunden immer wieder
die gleiche Antwort. Es ist die "Christliche Familie",
die hier noch lebendiger ist als in anderen Teilen unseres Kontinentes
und die die Basis für die Aufbrüche in der Kirche bietet.
Die ganze Kirche erscheint als große Familie in der alle
präsent sind: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und auch ältere
Semester.
Und wie immer bei den Besuchen in seiner Heimat lebte der
Papst getragen von der Liebe und Begeisterung seiner Landsleute
sichtlich auf. Ohne diese Unterstützung hätte er wohl
das Mammutprogramm dieser längsten Visite seines Pontifikates
nicht geschafft.
Typisch dafür war das Geschehen um seine Erkrankung in
Krakau. Zwei Millionen waren zu dieser Begegnung aufgebrochen.
Als jedoch um zehn Uhr vormittags KardinalAngelo Sodano auf dem
Stuhl des Papstes Platz nahm, um mit den Gläubigen Messe
zu feiern, und bekannt geworden war, daß der Papst mit
38 Grad Fieber das Bett hüten mußte, machte sich tiefe
Niedergeschlagenheit breit. In dieser eigenartigen Stimmung spürten
auch die aus dem Ausland mitgereisten Journalisten, um wieviel
ärmer die Welt nach der Ära Johannes Paul II. sein
wird.
Doch wider alle Erwartungen erschien der Papst wie geplant
zur Heiligsprechung am nächsten Tag und auch am Abend zum
Besuch seiner Heimatstadt Wadowice. Nur zwei- bis dreitausend
Menschen faßt dort der Stadtplatz. Als der Papst eintraf,
erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Tiefbewegt sagte
er in seiner Ansprache: "Ich fühle so sehr euer Gebet!
Die Kirche braucht es so dringend. Die ganze Welt hat es so notwendig!"
Was sich nach der Ansprache abspielte, war unbeschreiblich:
Der Papst, noch am Tag zuvor von der internationalen Presse zum
x-ten Male als sterbenskrank bezeichnet, war mit neuem Leben
erfüllt. Sein starker Geist besiegte wie so oft seine körperliche
Schwäche. Seine Spontaneität und sein Humor erwachten.
Die Bewohner seiner Heimatstadt konnten sich vor Freude kaum
halten.
Johannes Paul II. zeigte auf seiner Polenreise einmal mehr
auf, daß wir mit ihm auch im neuen Jahrtausend rechnen
dürfen. Er kam jedenfalls nicht, um sentimental Abschied
von seiner Heimat zu nehmen, sondern mit Visionen für das
neue Jahrttausend.
Am letzten Tag seiner Reise besuchte er außer Protokoll
spontan die Muttergottes von Tschenstochau, um für alle
Wunder während der Reise zu danken. Im Nu waren 500.000
Menschen um ihn, vor allem Jugendliche.Gerade an sie wendet sich
seine Botschaft für das neue Jahrtausend vom "Guten
Hirten".
In Polen läutete der Papst gleichsam das Jubeljahr der
Geburt Christi ein.
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Hilfe
für Alkoholkranke
Der ungestillte Durst nach Gott
Von Irene Ertl
Das 20. Jahrhundert wurde bereits als Zeitalter der Süchte
bezeichnet. Immer mehr Menschen werden heute abhängig, sei
es nun von Alkohol, Drogen, Glücksspiel und vielem mehr.
Warum ist das so? Auf diese Frage gibt es sicherlich mehrere
mögliche Antworten und unzählige Theorien. Die eigentliche
und tiefste Wurzel der Sucht beschreibt jedoch der Tiefenpsychologe
C.G. Jung So: "Alkoholismus ist auf niederer Stufe das Äquivalent
für den spirituellen Durst nach Gott."
Nicht nur der Alkoholismus, sondern auch jede andere Sucht
kommt aus der Sehnsucht nach dem ursprünglichen paradiesischen
Zustand, in dem der Mensch mit Gott, mit sich selbst und mit
den anderen Menschen in Frieden und Harmonie lebte.
Süchtige Menschen versuchen, ihr Verlangen nach innerem
Frieden und seelischer Befreiung mit Hilfe eines Ersatzmittels
zu befriedigen. Das hat zur Folge, daß sie sich in schwere
Beziehungskonflikte hineinmanövrieren und ihre tiefe Sehnsucht
nach Gott ungestillt bleibt.
Als eigentliche Störung verbirgt sich hinter Alkoholismus
und anderen Formen von Abhängigkeit häufig eine depressive
Grundstimmung. Aufgrund von Mängeln in ihrer Persönlichkeitsentwicklung
erleben sie sich minderwertig und schwach. Deshalb sind sie oft
nicht nur von einem Stoff abhängig, sondern auch von der
starken Zuwendung der Menschen ihrer Umgebung. So kommt es zu
überhöhten Ansprüchen und Riesenerwartungen, die
zwangsläufig zu Enttäuschungen führen. Vorwürfe
und Distanzierung sind die Folge, worauf die Umgebung mit Rückzug
reagiert. Dadurch isoliert sich der Suchtkranke immer mehr.
Er empfindet sein Leben zunehmend als sinn- und hoffnungslos.
Um diesen Zustand ertragen zu können, versetzt er sein Gehirn
durch Suchtmittel in einen Narkosezustand. Das verschafft zunächst
Erleichterung gibt Scheinlösungen für die Probleme.
Das Verlangen nach diesem Zustand beherrscht den Abhängigen
aber mehr und mehr. Um diesen Zustand wieder und wieder herbeizuführen,
setzt er alles ein, auch Unaufrichtigkeit und Täuschungsmanöver
gegenüber seiner Umwelt.
Allerdings verschlechtern sich dadurch die Beziehungen zu
seinem Umfeld mehr und mehr. Ein Teufelskreis hat begonnen. Aus
ihm kommt kaum jemand allein heraus. Um diesen Menschen Hilfestellung
zu geben, wurde in Wien vor drei Jahren eine Beratungsstelle
des Blauen Kreuzes, dessen Grundlage die Heilige Schrift ist,
eingerichtet. Betreuung, Beratung und Begleitung sind unser Anliegen.
Denn der Weg aus der Abhängigkeit ist lang und holprig.
Es ist dann aber umso schöner, wenn ein Mensch mit dem alten
Leben bricht, mit sich und Gott ins Reine kommt, und ein sinnvolles,
neues Leben beginnt. Natürlich gibt es in dieser Arbeit
auch genügend frustvolle Momente, wenn Leute die Begleitung
abbrechen oder wieder zu trinken beginnen. Ohne Gottes Kraft,
Gebet und dem klaren Wissen, daß diese Arbeit ein sehr
wichtiger Dienst, ja eine Berufung ist, könnte wohl kaum
jemand längere Zeit dabeibleiben. Diese "Verbindung
nach oben" ist wohl die Basis für solch eine Arbeit.
Gott gibt Kraft und auch die Freude für unser Tun.
Österreich zählt zu den Ländern mit dem höchsten
Alkoholkonsum: 10,5 Liter reinen Alkohols pro Kopf werden jährlich
konsumiert. Die Zahl der chronisch Alkoholkranken wird (offiziell)
mit 300.000 Personen angegeben. Mindestens 500.000 sind schwer
alkoholgefährdet!
In einem Land, wo ganze Landstriche nach alkoholischen Getränken
benannt sind (Most- und Weinviertel), ist es natürlich nicht
leicht, Aufklärungsarbeit zu leisten. Deshalb ist es für
jemanden, der einmal in die Abhängigkeit hineingerutscht
ist, immens schwer, gegen diesen "Alkoholstrom" zu
schwimmen.
Er gilt als willensschwach, wenn er in den Augen der Umwelt
unmäßig trinkt, jedoch wird ihm Unmännlichkeit
vorgeworfen, wenn er nicht trinkt. Kaum jemand hat Verständnis
dafür, wenn zu Sylvester oder zum Geburtstag nicht mit Alkohol
angestoßen wird. Es bedarf einer großen Willenskraft
und Ich-Stärke, hier keinen Alkohol zu trinken. Oft wird
man dann als langweiliger Außenseiter abgestempelt.
Nun ist es leider so - dieses Wissen ist leider nicht allzu
verbreitet - daß ein alkoholkranker Mensch nie mehr "normal"
trinken kann. Er muß sich also vom Alkohol fernhalten,
da er sonst zu einem unmäßigen Trinken zurückkehren
wird. Das ist sowohl für den Betroffenen wie für seine
Umgebung schwer zu akzeptieren. Trotzdem ist es der einzige Weg,
diese Krankheit zum Stillstand zu bringen. Aus diesem Grund leben
wir Mitarbeiter abstinent. Es ist für alkoholkranke Menschen
eine große Hilfe, wenn sie bei anderen sehen, daß
es nicht unmöglich ist, ohne Alkohol zu leben. Die meisten
können sich das am Anfang der Begleitung überhaupt
nicht vorstellen.
Das Blaue Kreuz will solch eine Anlaufstelle sein, wo all
die kommen können, die von ihrer Umgebung und Familie schon
abgeschrieben wurden. Es wird ihnen mit Würde und Nächstenliebe
begegnet. Keiner verachtet den Menschen, wenn er zum xten Mal
das ganze Einkommen an einem Wochenende versoffen hat. Es ist
so wichtig den Menschen ihre Würde wieder zurückzugeben,
ihnen die Hand zu reichen und Hoffnung in sie zu setzen. Dann
ist Heilung möglich, eine tiefe Begegnung zwischen zwei
Sündern, die letztlich beide nur von der großen Gnade
Gottes leben und wo keiner über dem anderen steht.
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