Pressesplitter
Es gibt keinen humanitären Krieg
Der Nato-Krieg gegen Jugoslawien wird als erster "humanitärer" Krieg
bezeichnet. ist das nicht ein Schwindel?
Kardinal Jean-Marie Lustiger: Das Humanitäre kann zum Schwindel werden, wenn
man es als Vorwand heranzieht. ...: Sobald politische Entscheidungen nur mehr dem Willen
zur Macht folgen oder sich damit begnügen, den Mehrheitswillen zu vollziehen, versuchen
sie zu ihrer Rechtfertigung, sich mit dem Blendwerk geheiligter höchster Ideale zu
schmücken. Sie wollen die Kraft des Religiösen in den Dienst ihrer Macht stellen. Es
gibt keinen humanitären Krieg. Krieg ist immer Krieg. Er ist nur ein Mittel. Menschlich
sind das Recht und die Barmherzigkeit. Immer wenn das Volk oder seine Führung ein
moralisches und geistiges Defizit aufweisen, darf uns das Auftreten von politischen
Defiziten nicht wundern.
Famille Chrétienne v. 10.6.99
Jetzt nach dem "Sieg" der Nato ist es wichtig, sich daran zu erinnern,
umso mehr als uns die Medien sehr einseitig und einheitlich informiert haben:
Der Krieg im Fernsehen
Während des Golfkrieges hatte ich den Ausdruck von der "uniformierten
Information" geprägt. Jeder sagte dasselbe. Das Phänomen war übrigens älteren
Datums, aber plötzlich war es ganz augenscheinlich geworden. Seither habe ich die
Fernsehprogramme in fünf Ländern studiert: Frankreich, Deutschland, Japan, Rußland und
USA. Die Stationen geben nicht nur dieselben Informationen wieder, sie vermitteln sie oft
sogar in derselben Reihenfolge. ... Heute wäre also nicht mehr von "uniformierter
Information" zu sprechen, sondern von "Vorsicht, Information!"
Der Historiker Marc Ferro in "Le Spectacle du Monde" Mai 99
Diese Vorsicht sollte man aber ganz allgemein im Umgang mit dem Medien walten
lassen. Darauf macht Univ. Prof. Peter Gathmann, Leiter der Station für psychosomatische
Erkrankungen in Wien im folgenden Interview aufmerksam:
Medien zerstören die Intimität
Wieso wird es immer schwieriger, einen Partner für's Leben zu finden?
Peter Gathmann: Nicht die Suche wird immer problematischer, sondern die Ansprüche
werden immer höher.
Woran liegt das?
Gathmann: Meiner Meinung nach an der Schamlosigkeit einer nur quotengeilen
Mediengestaltung. Intimität, Sex, Probleme, die nur Mann und Frau etwas angehen, werden -
grell beleuchtet in einer erbarmungslosen, schamlosen, voyeuristischen Schau - in die
Öffentlichkeit gezerrt. Früher gab es Bereiche der Zweisamkeit, die durch Grenzen der
Schamhaftigkeit geschützt waren, jetzt ist alles öffentlich, wird alles zerredet, ja
zerplappert, was jene schönen Geheimnisse zerstört, die doch das Salz in der Liebessuppe
sind.
Gehen Sie jetzt mit den Medien nicht ein wenig streng um?
Gathmann: Was Sexualität und Intimität betrifft - mitnichten! Schauen Sie sich doch
einmal einen Tag lang das Fernsehen an, dann müssen Sie mir recht geben, daß wir vor
einer Inflation der Intimität stehen. Eine Talkshow jagt die andere, in der über alles,
aber auch alles gesprochen wird. Es ist ein pausenloses Geschwätz darüber, wie lang das
"beste Stück" des Mannes sein muß, wie oft der Orgasmus erreicht werden muß.
Aber niemand wird dadurch schlauer, ob der eigene Partner der richtige ist oder nicht.
Wieso beschäftigt man sich nicht mit der Suche nach dem Liebenden oder dem Weg zur
glücklichen Heirat?
Medizin populär 5/99
Schuld an dieser Entwicklung sind nicht nur die Journalisten, sondern vor allem die
überhandnehmenden, wirtschaftlichen Zwänge und Interessen:
Werbung steuert die Journalisten
Österreichs Journalisten fühlen sich immer stärker von der Wirtschaft dirigiert.
"Autonomieverlust durch Ökonomisierung" - auf diesen Punkt könnte man die
ersten empirischen Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von 522 österreichischen
Journalisten bringen, die im Rahmen des FWF-Projekts "Autopoiesis Journalismus"
am Institut für Kommunkationswissenschaft vor kurzem abgeschlossen wurde. ... Für die
Forschergruppe... läßt sich eine immer deutlicher "Marktsteuerung" des
Journalismus ablesen. Man könnte sogar von einer (Neu-)-"Formatierung" des
Journalismus durch die Wirtschaft sprechen... neun von zehn Journalisten gaben an, daß
zunehmend die Werbewirtschaft die Spielregeln des Journalismus diktiert. Besonders
überraschend: Bei jedem siebten österreichischen Journalisten kommt es laut Eigenangabe
zu regelmäßigen Interessenskonflikten zwischen Anzeigenabteilung und Redaktion.
plus 4/99 (Zeitschrift d. Salzb. Uni)
Der Papst in Rumänien
Der Papst war bisher als Hindernis auf dem Weg zur Einheit der Christen angesehen
worden. Den Primat nahm man nur als Machtausübung wahr. In Bukarest trat er als Diener
dieser Einheit in Erscheinung, voll Respekt vor der Autorität des Bischofs, der ihn
eingeladen hatte. An der Schwelle der Kathedrale bat ihn der Patriarch nach der ersten
Begegnung, die Menge zu segnen: "Nein", gab der Papst zur Antwort, "zuerst
müssen Sie es tun."
Am nächsten Abend empfängt Teoktist ihn neuerlich im Patriarchat, einem Wohnsitz, der
wie auch die Kathedrale Konstantin geweiht ist und über einem ehemaligen Kloster
errichtet worden war. In der großen, in Form eines Amphitheaters errichteten
Versammlungshalle ist ganz Bukarest versammelt. Als der Besucher das Wort auf
Französisch, das alle verstehen, ergreift, herrscht ein eindrucksvolles Schweigen in den
Reihen.
Es war die große Ansprache der Besuchsreise. In dieser Atmosphäre fand der Papst zu
seiner außergewöhnlichen Rednerbegabung, als Anwalt eines großen Anliegens. "Eure
Seligkeit", sagt er zu Teoktist, "ich bin gekommen, das Antlitz Christi, das dem
Gesicht Eurer Kirche eingeprägt ist, zu betrachten; ich bin gekommen, dieses leidende
Antlitz zu verehren. Es ist ein Unterpfand für eine erneuerte Hoffnung für Sie." Im
Saal wächst die Ergriffenheit. Sie erreicht ihren Höhepunkt, als der Papst gegen Schluß
seiner Rede erklärt: "Danke, daß Sie bereit waren, als erste orthodoxe Kirche den
römischen Papst in Ihr Land einzuladen; danke, daß Sie mir die Freude dieser
brüderlichen Begegnung bereitet haben; danke für das Geschenk dieser Wallfahrt, die
meinen Glauben gestärkt hat in der Begegnung mit dem innigen Glauben von Brüdern in
Christus!"
Da erhebt sich der ganze Saal und bringt ihm eine unüberbietbare Ovation dar.
Famille Chrétienne v. 20.5.99
Die Österreicher arbeiten recht viel
Die neuesten Ergebnisse des Europäischen Statistischen Zentralamtes über die
Entwicklung der Arbeitszeiten in den Mitgliedsländern der EU lassen aufhorchen. .... Mit
durchschnittlich 41 Wochenstunden sind unsere männlichen Arbeitnehmer erstmals gemeinsam
mit Großbritanniens Beschäftigten die absoluten Längstarbeiter der gesamten EU... Die
mit Abstand kürzesten Arbeitszeiten finden sich in Dänemark und Holland, wo Arbeitnehmer
im Durchschnitt real nur noch 34,8 bzw. 35,4 Stunden pro Woche arbeiten.
... Während in vielen Ländern die Beschäftigten wegen Urlaub und Krankenständen
real kürzer arbeiten, als in den Arbeitsverträgen festgelegt ist, dauert die
Arbeitswoche der Beschäftigten in Österreich deutlich länger. Zwei Umstände sind es,
die dies ermöglichen. Zum einen befinden sich Krankenstände mit durchschnittlich 13,2
Tagen pro Jahr auf dem niedrigsten Stand aller Zeiten... Der wichtigste Erklärungsansatz
... liegt aber in der Entwicklung der Überstunden. Bereits zwei Drittel aller
Beschäftigten arbeiten zumindest gelegentlich über die Normalarbeitszeit hinaus. In
Summe schaffen sie mehr als 400 Millionen Überstunden in einem einzigen Jahr. ...
arbeit&wirtschaft 6/99
Wer hätte uns Österreichern solchen Arbeitseifer zugetraut, wo uns doch viel eher
eine lockere Lebenseinstellung nachgesagt wird? Und noch etwas: Bei 400 Millionen
Überstunden müßte sich doch etwas einsparen lassen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Warum Frauen kinderlos bleiben
Sowohl Kinderlosigkeit als auch späte Mutterschaft ist bei den meisten Frauen nicht
Folge von Wahl und Entscheidung, sondern Reaktion auf Lebensbedingungen, die sich ergaben.
Dabei zeigt sich, daß die Erfahrung mit dem Familienleben, die man als Kind gemacht hat,
offensichtlich eine große Rolle... spielt, ...Frauen, die auf Kinder verzichteten, haben
im Gegensatz zu "späten" Müttern ihre Geschlechterrolle vielfach minderwertig
erlebt. Sowohl die Beziehung der Eltern zueinander als auch die Rolle der Mutter wurde von
diesen Frauen ausgesprochen negativ und einengend wahrgenommen. Am Beispiel ihrer Mutter
wurde diesen Frauen bewußt, welche Nachteile sich aus dem ausschließlichen Dasein für
Familie und Kinder für Frauen ergibt. Alle kinderlosen Frauen hatten den Eindruck, daß
ihr Vater nicht nur oft physisch abwesend war, sondern auch psychisch. Die Väter fühlten
sich für die innerfamilialen Belange nicht zuständig. Weiters hat der größte Teil der
kinderlosen Frauen in der Kindheit und Jugend schwere, belastende Krisen erlebt, wie z.B.
Scheidung der Eltern, sexuelle Übergriffe oder den frühen Tod eines Elternteils.
beziehungsweise 5/99
Wieder bestätigt sich, wie wichtig die Erfahrungen in der eigenen Kindheit für die
Lebensgestaltung sind und welche zentrale Rolle das Vorbild der Eltern spielt, besonders
auch der Väter. Auch wenn die Medien viele unserer Einstellungen beeinflußen, die
Prägung durch Eltern ist vorrangig.
Miteinander spielen stärkt Familien
In der Koblacher Volksschule geht derzeit Ungewöhnliches vor sich. Acht Wochen
lang treffen sich acht Familien, die Kinder in der dritten Klasse haben, am Donnerstag zu
einem gemeinsamen Abend. Dort wird zweieinhalb Stunden lang miteinander gespielt,
diskutiert und gesungen. Wer die Szene beobachtet, spürt sofort: Konventionelle
Sozialarbeit wird hier nicht geleistet. Die Kids haben Spaß und die Eltern auch. Das wird
vor allem beim "Special Play", dem "besonderen Spiel" also, deutlich:
Ein Elternteil spielt eine Viertelstunde mit dem Kind. Das Besondere dabei: Das Kind ist
der Boß und bestimmt, was gespielt wird. Die Eltern müssen folgen. Herkömmliche
Spielsachen gibt es nicht, dafür gibt es Knöpfe, Kugeln, Knetmasse, Bauklötze und
ähnliches. ... Der Effekt: Die Familien werden in sich gestärkt.
beziehungsweise 5/99
Vielleicht eine Ermutigung, mehr mit den eigenen Kindern zu spielen. Es tut ja vor
allem auch uns Erwachsenen gut.
Der leidige Beratungsschein
Christliche Lebensrechtsgruppen, bei denen die Entscheidung der deutschen
Bischöfe zur Schwangerenkonfliktberatung auf Ablehnung stößt erwarten jetzt von Papst
Johannes Paul II. ein klärendes Wort. "Der Heilige Vater kann nicht gutheißen, was
der Ständige Rat der Bischofskonferenz beschlossen hat", sagte die Vorsitzende der
Christdemokraten für das Leben (CDL), Johanna Gräfin von Westphalen, in einem
"Welt"-Gespräch. "Es kann nicht der Intention seiner Briefe an den
deutschen Episkopat entsprechen, daß der Beratungsschein seine Funktion behält,
straffreie Abtreibungen zu ermögliche."
... Der Zusatz auf den Beratungsscheinen, wonach die Bescheinigung "nicht
zur Durchführung einer straffreien Abtreibung" verwendet werden könne, löse das
Problem nicht. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Lehmann, erkläre immer wieder,
daß der Zusatz den Schein nicht unwirksam mache. Dahinter vermutet die CDL-Führung ein
augenzwinkerndes Einverständnis zwischen Kirche und Staat. "Das kann doch nicht die
Sprache und das Verhalten der Kirche sein", kritisierte Gräfin von Westphalen. Die
Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche stehe auf dem Spiel.
Die Welt v. 30.6.99
Es ist beklemmend, das schon jahrelang währende Tauziehen um die Haltung der
deutschen, kirchlichen Beratungsstellen mitzuverfolgen. Dabei hat der Papst klare Worte zu
der Frage gesprochen. Die Medien schlachten das Hin und Her weidlich aus:
Eine Scheinlösung
Am Ende des Scheins, den katholische
Schwangerschaftsberatungsstellen künftig ausgeben, wird sinngemäß stehen: "Nicht
zu benutzen für eine straffreie Abtreibung!" - und gleichzeitig bleibt die
katholische Kirche in einem Beratungssystem, das mit ebendiesen Scheinen straffreie
Abtreibungen toleriert.
Irgendwo, so schien es, mußte es zu einem scharfen Bruch kommen
- nur wo? Zwischen dem Papst und der Bischofskonferenz? Innerhalb der Bischofskonferenz,
zwischen den Bischöfen und der organisierten katholischen Laienbewegung, zwischen Staat
und Kirche, zwischen den Frauen und Männern, zwischen Frauen und Frauen im Kirchenvolk?
Jetzt wird also das Papier - auf der Oberfläche - eindeutig gemacht, die Art seiner
Anwendung aber zutiefst zweideutig. Denn es wird den Schwangeren zugemutet, mit einem
Schein zum Arzt zu gehen, der vom Staat als das Gegenteil dessen betrachtet werden soll,
was darauf steht. Das ist nun eine Pilatus-Ethik hoch zwei: Die Schwangere und der Staat
sollen sehen, wo sie mit ihrem Gewissen bleiben. Das Gewissen der Kirche bleibt rein -
gegen Beratungsgebühr.
Die Zeit 26/99
Schaden Handys der Gesundheit?
Sie könnten bei den Vieltelephonierern starke Gesundheitsprobleme bewirken: Migränen,
starken Gedächtnisverlust, Depressionen, Krebs und sogar Alzheimer. Das ergeben
verschiedenen Studien in den USA, Nordeuropa und Großbritannien...
Soweit "L'Évènement" v. 17.6. Dafür liest man im "Nouvel
Observateur" vom selben Tag:
In einem Artikel von "New Scientist v. 10.4.99 versichert David Concar, daß nur
ein wenig sportliche Betätigung den Kopf mehr erhitzt als die mikrigen Mikrowellen, die
ein Handy abgibt...
Da massive wirtschaftliche Interessen im
Spiel sind, werden die Experten noch lange über die Handy-Gefahren streiten - vor allem,
wenn die Folgen erst langfristig auftreten sollten. |