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In der Schule des Gebets in Medjugorje
Ich lebte freudig aus dem Gebet
Von Milona de Rambures
Viele Jahre hindurch hat die Autorin für P. Slavko
Barbaric in Medjugorje gedolmetscht - eine intensive Erfahrung des Lebens
aus dem Gebet, der verwandelnden und heilenden Kraft, die dann erfahren
wird, wenn man dem Aufruf Betet, betet, betet!" folgt.
Betet, betet, betet... Dieser Aufruf ist nicht neu.
Heute, in unserer Zeit ertönt er wieder und das auf sehr ausdauernde
Weise. Seit fast 20 Jahren hören wir: Liebe Kinder, betet mit
dem Herzen."
Unser Herr gibt uns in Seinem Leben ein so vielfältiges
Vorbild. Persönlich läßt er uns teilhaben an den tiefsten
Momenten Seines Lebens. Der Moment, als Er dem Leiden ins Auge blickt
und es ringend annimmt, zeigt uns, wie Er betet:
Und Er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit
sich. Da ergriff Ihn Angst und Traurigkeit, und Er sagte zu ihnen: Meine
Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir. Und Er
ging ein Stück weiter, warf sich zu Boden und betete: Mein Vater,
wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber
nicht wie ich will, sondern wie Du willst. Und Er ging zu den Jüngern
zurück und fand sie schlafend. Da sagte Er zu Petrus: Konntet ihr
nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht
in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
Dann ging Er zum zweitenmal weg und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch
an mir nicht vorübergehen kann, ohne daß ich ihn trinke, geschehe
Dein Wille. Als Er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn
die Augen waren ihnen zugefallen. Und Er ging wieder von ihnen weg und
betete zum drittenmal mit den gleichen Worten. Danach kehrte Er zu den
Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und
ruht euch aus? Die Stunde ist gekommen, jetzt wird der Menschensohn den
Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen." (Mt 26,37-46)
Jesus betet. Wir lesen im Evangelium, daß Er Nächte
damit verbracht hat zu beten. Jesus zeigt uns den Weg der Treue. Jetzt,
in der furchtbaren Stunde der Entscheidung, ist Jesus niedergeschlagen.
Er bittet Seine Apostel um Beistand. Sein Gebet wird sichtbar für
uns. Wir werden Zeugen Seiner Sehnsucht nach dem Vater. Wir erkennen Sein
Vertrauen, Seine Hingabe auf bewegende Weise.
Diese Beziehung zu seinem Vater ist der Inhalt des Lebens
Jesu. Es geht immer alles um den Vater. In Trauer, Angst, in der Prüfung,
in der Freude und in der immerwährenden Dankbarkeit richtet Jesus
Sein Herz auf den Vater aus. Er lebt uns vor, was es heißt zu beten.
Jesus lebt vom Gebet, Sein Leben ist ein einziges großes Gebet,
eine große Danksagung an den Vater.
Maria, die Mutter Jesu ruft. Sie spricht zu uns über
ihren Sohn und Seine unermeßliche Liebe zu uns. Sie will uns aus
dem Schlaf der Sünde und des Unglaubens aufwecken. Sind wir immer
noch eingeschlafen? Ruhen wir uns aus?
Wir wissen wohl, daß wir ohne Gebet keinen Frieden
haben, und daß das Leben schnell sehr schwer wird, wenn unser Herz
sich verschließt. Da hören wir: Liebe Kinder, derjenige,
der betet, fürchtet sich nicht vor der Zukunft, und derjenige, der
fastet, fürchtet das Böse nicht. Ich wiederhole es euch noch
einmal: Nur durch das Gebet und das Fasten können sogar Kriege aufgehalten
werden..."
Liebe Kinder, heute rufe ich euch auf, euch dem
Gebet zu öffnen. Das Gebet soll für euch zur Freude werden.
Erneuert das Gebet in euren Familien und gründet Gebetsgruppen. So
werdet ihr Freude im Gebet und in der Gemeinschaft erfahren. All jene,
die beten und Mitglieder von Gebetsgruppen sind, sind in ihren Herzen
für den Willen Gottes offen und bezeugen freudig die Liebe Gottes...."
Betet, betet, betet, bis das Gebet für euch
zur Freude wird... Die Liebe nimmt alles an, was hart und bitter ist,
um Jesu willen, der die Liebe ist..."
Gebet ist auch für uns Nahrung. Wir leben aus Jesus,
wie Er aus dem Vater lebt. Die Heilige Messe ist Zentrum, Höhepunkt
und Quelle unseres christlichen Lebens. Gebet ist Freude. Gebet ist Begegnung,
die freudige Begegnung mit unserem Gott, zu dem wir gehören. Gebet
ist unser Lebensweg, eine Schule, die nie aufhören kann.
Maria ist die Lehrerin in unserer Zeit. Sie öffnet
uns ihr Herz und lädt uns ein, mit ihr auf den herrlichen Weg des
andauernden Gebetes zu gehen. Ein Leben mit Gott, so wie ihr eigenes.
Aus Dankbarkeit beten, fasten, die Bibel lesen, beichten, zur Heiligen
Messe zu gehen, jederzeit den Frieden Gottes und Seine Freude, Seine Kraft
und Seine Liebe annehmen können, damit sie wie ein Fluß aus
uns herausfließen kann.
All das sind wunderbare Einladungen, die an uns gerichtet
werden. Wir sind so unendlich geliebt, so zärtlich und geduldig eingeladen!
Und wir dürfen vertrauen, daß wir bedingungslos geliebt sind.
Beten können wir nur, wenn wir vertrauen.
Glauben wir, vertrauen wir, fangen wir an, so wie wir
können. Gott sehnt sich nach uns, Maria steht uns bei zu jeder Zeit.
Die Heiligen bitten für uns. Wir sind nicht allein. Es ist nie zu
spät.
Wenn ich so über das Gebet spreche, dann aus einem
bestimmten Grund. Jahrelang habe ich für P. Slavko Barbaric in Medjugorje
gedolmetscht. Seinen inneren Weg konnte man erkennen, wenn man ihm zuhörte.
Je tiefer er die Botschaften Mariens annahm, umso mehr lebte er das Gebet,
umso mehr lebte er aus dem Gebet.
Als der Krieg in Bosnien ausbrach und sich Medjugorje
näherte, traf ich P. Slavko eines Abends sehr spät vor dem Pfarrhof
im Kreis gehend. Als ich ihn fragte, was er denn so spät noch draußen
tue, antwortete er: Ich muß erst einmal verdauen, daß
der Krieg hierher kommen wird."
Er ahnte nicht, was der Krieg für Leid mit sich
bringen würde, aber er betete, um die Tatsache annehmen zu können.
Trotz der Müdigkeit und dem Leid, das auf ihn wartete, hat er den
Frieden und die Lebenskraft nicht verloren.
Damals begannen wir auch gemeinsam die Fastenseminare:
Anbetung, Fasten, Vertiefung der Botschaften, Stille, Singen, Bibellesen
waren der Inhalt dieser fünf Tage. Anfangs waren wir ganz wenige
Menschen, viele Kroaten, wenige Pilger. Für viele wurden diese Exerzitien
zur Kraftquelle. Diejenigen, die an der Front waren, wußten, daß
wir für sie fasteten und beteten. Alles geschah für die Anliegen
Mariens. Unter den Teilnehmern geschahen tiefe Heilungen.
Was das Anbeten anbelangt, war P. Slavko treu. Er begann
mit nächtlichen Anbetungsstunden. Zweimal in der Woche (am Mittwoch
und am Samstag) betete er mit der Pfarrei und den Pilgern.
Während der Luftangriffe auf Citluk und unsere
nächste Umgebung erlebte ich persönlich etwas sehr Tiefes: Wir
befanden uns im nicht ausgebauten und feuchten Keller des Exerzitienhauses
Domus Pacis" und beteten Jesus im Allerheiligsten Sakrament des
Altares an. Wir, das waren einige Klosterfrauen, verängstigte Nachbarinnen,
alte Frauen und ein drei Monate altes Baby in den Armen seiner jungen
Mutter. Da kam ihr Mann, auch sehr jung, in Uniform und verabschiedete
sich von ihr. Er mußte hinaus an die Front. In diesem Moment wurde
mir bewußt, daß die beiden einander vielleicht nie wieder
sehen würden. Währenddessen warfen junge Piloten, die uns nicht
kannten, Bomben. Auch sie hatten ein Zuhause mit Frau und Kindern.
Da wurde mir bewußt, wie absurd der Krieg war.
Mir kam die Versuchung, den Feind" zu hassen. In diesem Moment,
mitten im Lärm des Krieges, war da das Allerheiligste plötzlich
lebendig. Viel lebendiger als der Tod, der Haß, der Krieg. Die Liebe,
die vom Allerheiligsten ausstrahlte, war stärker als Haß und
Tod. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Er hat mein Herz verändert.
An der Seite von P. Slavko, in Verbindung mit vielen
Pilgern habe ich erlebt, was es heißt zu singen, zu leiden, Angst
zu haben. Daß ich vor das Allerheiligste gehe, den Rosenkranz und
die Bibel zur Hand nehme, die Heilige Messe in solchen Momenten besuche,
das war meine Schule in Medjugorje.
P. Slavko ging diesen Weg vor meinen Augen. Sein Gehorsam
und seine Treue waren mir Beispiel und Antrieb. Die herrlichen Momente
mit vielen Pilgern, in denen wir gemeinsam Hochstunden des Gebetes erlebten,
waren Teil der Vorbereitung für die schweren Zeiten.
Es fiel mir immer so leicht zu danken, wenn viele Dinge
schön waren und gut gingen. Das tägliche Gebetsprogramm konnte
ich aus meinem Leben gar nicht wegdenken. Ich lebte daraus und freute
mich darauf. Konkret die Zeit mit Gott zu verbringen, ist so schön!
Ich sah Menschen sich verändern und mit ihnen verwandelte sich ihr
Leben.
Ich kann Gott nur danken für die Arbeit mit P.
Slavko. Er hat mir und so vielen Menschen durch seinen Lebensweg das Beispiel
gegeben: Betet, betet, betet. Wir dürfen einfach nicht aufhören
zu beten.
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