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Über die Alternative, Gott oder Idole anzubeten
Der Mensch: für die Anbetung geschaffen
Von P. Franz Edlinger OCist
Ich möchte die Behauptung aufstellen, daß
der Mensch ohne Anbetung gar nicht existieren und nicht Mensch sein kann.
Der Mensch ist von seinem Wesen her darauf hin angelegt, daß er
etwas oder jemand anbetet.
In der Psychologie nach Sigmund Freud hat man im Menschen
eine Einteilung vorgenommen zwischen Es, Ich und Über-Ich. Das Ich
bindet sich an ein Über-Ich, weil es in vielen Grenzsituationen und
Bedrängnissen allein nicht fertig wird. So hat man auch Religion
zu deuten versucht. Das Wort Religion kommt vom lateinischen religere",
was übersetzt heißt: sich an etwas oder jemanden rückbinden.
Die gesamte Heilige Schrift, sowohl das Alte wie auch
das Neue Testament, sind eine Einladung Gottes an den Menschen, in einen
Bund mit Ihm einzuwilligen. Besonders der Prophet Hosea baut seine ganze
Botschaft auf diesem Liebesbund Gottes mit seinem Volk auf.
Lesen wir dazu folgende Verse: Ich traue dich
mir an auf ewig; ich traue dich mir an um den Brautpreis von Gerechtigkeit
und Recht, von Liebe und Erbarmen. Ich traue dich mir an um den Brautpreis
meiner Treue: Dann wirst du den Herrn erkennen." (Hos 2,21f)
Wenn der Mensch diesen Bund verweigert, sich nicht an
Gott binden will, dann ist er gezwungen, sich sofort ein anderes Objekt
seiner Anbetung zu suchen. Die Sünde des Menschen besteht im wesentlichen
in einer Verweigerung der Bindung an Gott. Sich nicht von Gott beschenken
lassen, unabhängig sein, sein wie Gott! Das ist die Verweigerung
der Bindung und damit auch die Verweigerung der Anbetung.
Da aber der Mensch auf eine solche Bindung hin geschaffen
ist, sucht er nach einem neuen Objekt seiner Anbetung. Er wird ein Suchender,
er wird süchtig". Als Objekt der Anbetung können z.B.
materielle Gegenstände dienen. Der eine bindet sich an sein Auto.
Dieser Gegenstand wird liebevoll verehrt und gepflegt. Man beobachte nur
die Liturgie" an einem Wochenende bei Schönwetter, wenn die
Autos gewaschen, poliert, gestreichelt werden. Autozubehörmärkte
boomen, weil viele ihrem Objekt der Anbetung noch einen neuen modischen
Schnickschnack verpassen wollen.
Auch ein Haus kann als Objekt der Anbetung dienen. Eigentlich
kann jeglicher materielle Besitz eine solche Funktion übernehmen.
Auch ideelle Werte können dazu dienen, wie etwa mein Beruf, meine
Karriere, mein Titel, mein Erfolg...
Noch schwieriger und komplizierter wird es, wenn ich
einen Menschen als Objekt meiner Anbetung wähle. Oftmals geschieht
es, daß der Ehepartner eine solche Funktion übernimmt. Hören
wir die Sprache der Verliebten: Du bist toll, du bist wunderbar,
ich verehre dich, ich bete dich an!"
Viele Beziehungen scheitern daran, wenn der oder die
Angebetete sich als ganz anders entpuppt. Die Ideale stürzen ein,
die Idole zerbröseln. Und die Anbetung kippt um in Aggression und
Haß. Du hast mich enttäuscht. Ich habe mich an dich gebunden,
damit du mich glücklich machst!"
Jeglicher Idolkult hat mit Anbetung zu tun. Stars im
Film, im Sport, in der Musik dienen als Objekt der Anbetung. Als die Nachricht
durch die Medien ging, daß Andi Goldberger Drogen konsumiert hatte,
da schlug bei vielen die Verehrung des Idols in Wut und Aggression um.
Unangemessen hohe Strafen wurden gefordert. Der gehört eingesperrt!"
Auch Lehrer, Erzieher, Priester geraten oftmals in diese Rolle, daß
sie als Objekt der Anbetung gebraucht, besser gesagt mißbraucht
werden.
Vom heiligen Augustinus stammt der Satz: Du hast
uns auf Dich hin geschaffen, o Gott, und unser Herz ist unruhig, bis es
ruht in Dir." Wir tragen in uns eine unstillbare Sehnsucht nach Gott.
Und wenn diese Sehnsucht nicht in der Anbetung gestillt wird, dann sucht
sie sich einen Ersatz.
Unsere Welt bietet uns in den Schaufenstern der Konsumgesellschaft
eine riesige Auswahl an Ersatzobjekten für die Anbetung. Aber bei
all diesen Ersatzgöttern kommt eines Tages die Götterdämmerung",
da wo es uns dann dämmert, daß diese Anbetung uns nicht das
vermitteln kann, wonach wir uns sehnen und was wir erwarten.
Wir können Anbetung in einem einfachen Satz folgendermaßen
definieren: Wenn ich Gott anbete, dann bejahe ich aus ganzem Herzen,
daß ich von Ihm abhängig bin und nur in Ihm Glück, Leben
und Erfüllung finden kann."
Gott tut den ersten Schritt. Er bietet uns einen Bund
an. Davon spricht die heilige Schrift in vielfältiger Weise. Wenn
wir in diesen Bund einwilligen, dann befinden wir uns bereits in der Haltung
der Anbetung. So betrachtet ist Anbetung also nicht ein Ritual, das ich
für eine bestimmte Zeit vollziehe und danach gehe ich wieder zu anderen
Beschäftigungen, sondern Anbetung ist eine Herzenshaltung, die mein
ganzes Leben umfaßt und bestimmt. Es ist ein Lebensprogramm. Und
wir werden auch ein ganzes Leben benötigen, um diese Einwilligung
in den Bund mit Gott in die Tat umzusetzen.
Durch ein Leben in der Anbetung Gottes schaffen wir
die Voraussetzung für eine neue Form des Zusammenlebens. Wir bleiben
davor bewahrt, in den zwischenmenschlichen Beziehungen einander zum Objekt
der Anbetung zu machen. Es wird ein neues Miteinander und Füreinander
möglich. Das ist Kirche! Sie ist vom Wesen her die Gemeinschaft derer,
die in der Anbetung des einen und wahren Gottes geeint sind.
Ich möchte diese Gedanken über die Anbetung
abschließen mit einem Wort aus dem Epheserbrief: Daher beuge
ich mein Knie vor dem Vater, nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel
und auf der Erde benannt wird, und bitte, er möge euch aufgrund des
Reichtums seiner Herrlichkeit schenken, daß ihr in eurem Innern
durch seinen Geist an Kraft und Stärke zunehmt. Durch den Glauben
wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet,
sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge
und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi
zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr
und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt. Er aber, der durch
die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten
oder uns ausdenken können, er werde verherrlicht durch die Kirche
und durch Christus Jesus in allen Generationen, für ewige Zeiten.
Amen."
Auszug aus Gemeinsam auf dem Weg" 2/2001
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