|
Rückblick auf viel Jahre Erfahrung mit dem
Rosenkranzgebet
Da ist kein Problem zu groß
Von Christa Stadler
Vielleicht war es mein großer Vorteil, daß
ich keine Erinnerungen an monoton geleierte Gemeinschaftsgebete, langweilige
Pflichtübung in kalten Kirchen hatte (ich war bis 25 evangelisch),
was mir den Zugang zum Rosenkranz als sehr persönliches Bittgebet
erleichterte...
Der für mich recht verstandesmäßigen,
etwas unterkühlten Kirche meiner Kindheit entwachsen, fand ich in
Maria, der gemeinsamen Mutter aller Christen, eine Zuflucht, die mir in
Liebe, auch in kleinen Dingen, immer zuhörte und mich verstand.
Ich hatte oft die Scheu gehabt, Jesus (oder gar Gott-Vater")
mit meinen alltäglichen Sorgen zu belästigen, vieles erschien
mir zu banal und zu geringfügig - und oft genug hinderte mich das
Bewußtsein meiner Unwürdigkeit am Gebet. Aber zur Mutter kann
man mit allem und jederzeit kommen, sie ist immer in Liebe für uns
da, hört zu, tröstet - und führt uns immer wieder zu ihrem
Sohn, auf den richtigen Weg.
Vor der Geburt meines ersten Kindes, als ich mit Wehen
schlaflos 30 Stunden spazieren ging", da habe ich Rosenkranzbeten
gelernt! Im Spital, allein, in der Angst um das Baby - da fühlte
ich mich von ihr als Mutter verstanden, die selbst in solcher Situation
gewesen war. Ich erhielt dann auch viel Kraft, mein Kind kam gesund zur
Welt, meine Freude (auch mein Dank) waren groß.
Leider habe ich diese Erfahrung bald wieder vergessen;
wir beteten mit den Kindern zwar Tischgebete, ein Gute-Nacht-Gebet, die
Grundgebete der Kirche, also auch das Ave - aber zu einem gemeinsamen
Familien-Rosenkranz" kam es nie.
Erst viel später, in schwerer seelischer Krise,
als alles in unserer Familie zu zerbrechen drohte, war der Rosenkranz
in der Früh mein Rettungsanker, der Leitstern für meinen Tag,
für mein Leben. An dieser Perlenschnur war ich gehalten und hielt
ich mich an, um nicht unterzugehen.
Das einfache, wellenartig sich wiederholende Gebet beruhigte
meine Seele, gab ihr Geborgenheit, wie in den wiegenden Armen der Mutter,
wie beim Betrachten von ruhig fließendem Wasser. Ich fand Kraft
für den Beruf, für den neuen Tag, für das Leben in der
Familie. Außerdem aber fand ich auch Erhörung meiner inständigen
Bitten, meiner wortlos hingetragenen Sorgen. Allmählich wurde die
Lebenssituation wieder besser, meine Kinder fanden ihren eigenen Glaubensweg,
mein Mann und ich erlebten gemeinsam eine wunderbare Bekehrung. Nun waren
es vor allem Dankbarkeit, Freude und Lobpreis über den neuen gemeinsamen
Weg, die uns zur Mutter aufblicken ließen.
Das treue Rosenkranzgebet war und ist uns besonders
dann wichtig, ja unentbehrlich, wenn wir sonst gar nichts tun können:
wenn jemand in Gefahr ist, wenn wir nur abwarten können, wenn wir
zuschauen müssen, wie ein Kind den falschen Weg geht; wenn uns Situationen
unausweichlich an den Nerven zerren... Dann können wir um Hilfe rufen
und die Angelegenheit abgeben, die für uns, aber nicht für die
Muttergottes unlösbar ist.
Wir haben schon in so vielen Fällen und Anliegen
Erhörung erfahren, Lösungen erhalten, die besser, großzügiger,
liebevoller waren, als die von uns erbetenen. Ich glaube nicht, daß
ein Problem zu groß ist, als daß es nicht durch die Fürbitte
Marias zu einer Lösung kommen kann, wenn sie von gläubigen Menschen
vertrauensvoll, treu und ausdauernd darum gebeten wird.
Klingt das alles zu salbungsvoll, zu theoretisch? Ich
kann es bezeugen und zur Nachahmung, zum Ausprobieren empfehlen: Wenn
einem alles aussichtslos vorkommt, wenn die Probleme riesengroß
werden und man sich selber immer kleiner und hilfloser fühlt, dann
bete man ein Gesätzchen des Rosenkranzes mit freigewähltem Geheimnis
(z. B. Jesus, dem nichts unmöglich ist"), vielleicht sogar
einen ganzen Rosenkranz. Danach hat sich vielleicht das Problem selbst
noch nicht gelöst, aber es ist wahrscheinlich auf die Bedeutung geschrumpft,
die ihm zukommt.
Es ist auch durchaus möglich (geradezu üblich!),
daß ein Gedanke zur Lösung aufgetaucht ist, eine Idee die Sache
von einer anderen Seite beleuchtet - jedenfalls fühlt man, daß
man gehört, verstanden und geliebt wird.
Auch wenn mich eine Sache plötzlich sehr gefangen
nimmt, weil sie so laut, so aufdringlich, so rasend wichtig zu sein scheint
- nach einem Gesätzchen Rosenkranz wird die rechte Ordnung der Dinge
wieder ins Lot gebracht. Die Seele findet wieder zu Frieden und Gelassenheit,
und ich weiß wieder, daß es unsere Aufgabe ist, in der Welt
zu leben, aber nicht von der Welt" zu sein. Als Christen sind wir
nicht abhängig vom Wollen, vom Beifall der Welt, sondern wir gehören
Christus.
Vielleicht wäre es gerade heute so wichtig, daß
die Christen einander besser und schneller erkennen könnten. Wäre
nicht der Rosenkranz in der Hand (oder als Ring am Finger) ein gutes Erkennungszeichen
für heutige Christen? Ein guter Weg, um Gemeinschaft zu finden, ist
die Teilnahme an einer Gebetsgruppe, in der auch der Rosenkranz gebetet
wird, oder die Teilnahme an Gebetsaktionen in bestimmten Anliegen, z.
B. Väter und Mütter beten für ihre Kinder" oder Rosenkranz
für die Ungeborenen", oder auch im Rosenkranz-Sühnekreuzzug
für den Frieden der Welt.
Der frühere Brauch, um 18 oder 19 Uhr beim Ave-Läuten
den Engel des Herrn und anschließend den Rosenkranz zu beten, wäre
wert, in unserer hektischen, friedlosen Welt als Atempause wieder aufgenommen
zu werden.
Ich hätte einen Vorschlag: jene Menschen, die zu
dieser Zeit nicht mehr mitten im Berufsleben stehen, könnten dieses
Gebet auch für andere (die eigenen Kinder oder nahestehende Sorgenkinder")
beten und dabei eine brennende Kerze ins Fenster stellen. Sie werden sich
dann (auch sichtbar) in der Gemeinschaft vieler anderer wissen - und wer
weiß, vielleicht finden sich so auch Gebetsgemeinschaften zusammen?
Wie gut endet ein Tag, wenn er beim Rosenkranz überdacht und zurückgegeben
wird, wie schön ist eine spontane Gemeinschaft, die miteinander beten
kann!
In vielen Gelegenheiten und Orten hat mich der Rosenkranz
schon begleitet und mir auch geholfen, meine Zeit zu nützen - beim
Warten, im Autobus, in Angst und Gefahr, im Stau und in Verzweiflung.
Ihn zu beten hilft mir immer, und zumeist wirkt er auch in der erbetenen
Weise - unsere himmlische Mutter verläßt ihre Kinder nicht
und setzt sich für sie ein.
|