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Gebet: Zwischen Routine und Quelle der Inspiration
Da hilft nur noch beten!
Von Christof Gaspari
Da hilft nur noch beten." Wie oft hört man
diesen Satz! Meist klingt er resigniert. Man hat schon alles andere versucht.
Jetzt probiert man es halt noch mit dem Gebet. Wenn es nicht hilft, so
wird es wenigstens nicht schaden...
In unsereren Breitengraden ist diese Einstellung zum
Beten gar nicht so selten anzutreffen: das Gebet als Ritual. Aufgewachsen
in einer Familie, in der nie gebetet wurde, ist es mir genau so begegnet,
nämlich im Religionsunterricht. Dort gehörte es ebenso zum Beginn
der Unterrichtsstunde wie das Aufstehen der Schüler beim Hereinkommen
des Lehrers. Wir sprachen eine Formel, deren Inhalt mir nicht recht verständlich
erschien. Aber so war es eben. So lernte ich die Grundgebete - ohne Bezug
zu ihrem Inhalt.
Zwiespältig blieb meine Haltung zum Gebet aber
auch nach meiner Umkehr zum Glauben als 30jähriger. Zwar war da einerseits
die beglückende Erfahrung, daß ich dauernd einen Ansprechpartner
hatte, nämlich den lebendigen Gott, der mich liebevoll begleitete
und führte, dem ich alles erzählen, mit dem ich meine Freuden
teilen und dem ich meine Sorgen sagen konnte. Auf der anderen Seite aber
blieb eine gewisse Hilflosigkeit im Umgang mit dem Formelgebet. Da kam
ich merkwürdigerweise von der Einstellung aus der Kindheit nicht
ganz los, daß man beim Beten ein Ritual absolviere.
Das machte es uns, meiner Frau und mir, auch schwer,
nach unserer Umkehr zu einer gemeinsamen Form des Gebetes zu finden. Zunächst
einmal entdeckten wir eine gewisse Scheu, miteinander zu beten. Sich darauf
einzulassen, eröffnet nämlich eine neue Form der Intimität:
Der andere darf nun teilhaben an einem ganz persönlichen Geschehen
- meiner Begegnung mit Gott.
Wir merkten, wie schwierig es ist, diese neue Dimension
der Intimität so zu erschließen, daß sie auch wirklich
zu einem gemeinsamen vor Gott-Stehen wird. Erst Jahre nach unseren ersten
Gehversuchen wurde mir bewußt, daß ich in meinem Bemühen,
die Familie zum Gebet zu bewegen, große Fehler begangen hatte: Unsere
Tisch- und Abendgebete waren eher Gebetsübungen als ein Hintreten
vor Gott. Das, was mir tagsüber selbstverständlich war, nämlich
mit Gott ganz natürlich in Beziehung zu treten, wollte bei diesen
Gelegenheiten nicht so recht gelingen.
Heute habe ich begriffen, daß es auch bei dieser
Form des Betens, beim Formelgebet darum geht, daß ich bete,
mich vor Gott stelle, Ihn anspreche - und nicht ein Ritual abführe.
Man merkt es ja oft schon an der Stimmlage, welcher Zugang im jeweiligen
Fall den Ton angibt.
Damit will ich das Formelgebet keineswegs abwerten.
Im Gegenteil: Täglich ist es meine Zuflucht, etwa beim Rosenkranz,
und immer dann, wenn sich die eigenen Worte abnützen, wenn die Kraft
nicht zum Aufschwung der Seele reicht.
Wenn Kinder allerdings keinen Zugang zum Gebet finden:
liegt das nicht vielfach daran, daß sie zwar so manche Gebetsübung
mitmachen mußten, aber zu wenig oft auf wahrhaft betende Menschen
trafen, an denen und durch welche die verändernde Kraft des Gebets
hätte erlebt werden können?
Und damit bin ich bei der eingangs gemachten Feststellung:
Hier hilft nur noch beten" hat für viele eben einen resignativen
Charakter, weil sie nie wirklich die alles verändernde Kraft des
wahren Gebetes erfahren und erlebt haben. Dann wird Beten eben zum allerletzten
Rettungsanker, den man zwar auswirft, von dessen Wirkung man sich aber
nichts erhofft.
Gerade in unserer Zeit aber müssen wir diesen Satz
in einem neuen Licht sehen. Die Appelle der Gottesmutter, ihre unermüdliche
Aufforderung: Betet, betet, betet!" sollten uns darauf aufmerksam
machen, daß wir in einer Zeit leben, in der wirklich nur mehr das
Gebet hilft. Hier hilft nur noch beten" ist da keineswegs resignativ,
sondern es weist den einzigen Ausweg aus den Sackgassen, in die sich unsere
Gesellschaft manövriert hat. Es macht uns auf das einzig wirksame
Mittel aufmerksam.
Stimmt es nicht? Wir haben zwar tolle Fortschritte in
Wissenschaft, Technik und Wirtschaft gemacht. Aber mit immer mehr Aufwand
und Hektik erzeugen wir immer weniger Zufriedenheit, Geborgenheit, innere
Erfüllung. In unseren mächtigen, durchorganisierten wirtschaftlichen
und sozialen Systemen droht der Mensch unter die Räder zu kommen,
ja abgeschafft zu werden. Wir haben die Orientierung, den Sinn unserer
Existenz aus den Augen verloren. Indem unsere Gesellschaft Gott aus ihrem
Mühen und Streben eliminierte, hat sie sich der Sinn- und Planlosigkeit
verschrieben.
Daher ist der einzige Ausweg aus dieser Misere, Gott
wieder in das Geschehen hereinzuholen. Und das geschieht überall
dort, wo wirklich gebetet wird. Diese einzigartige Rettungsaktion für
unsere todkranke Zeit ist in der Reichweite von jedermann. Wer betet,
zieht Gottes heilsames Wirken machtvoll auf diese Erde herab. Es sind
nur die Beter, die diese Welt retten können. Ich habe genug Wunder
des Gebets in unserem Leben erlebt, um bezeugen zu können, daß
diese Feststellung kein frommer Spruch ist, sondern eine Realität,
die zu jeder Hoffnung berechtigt.
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