|
Die charakteristischen Merkmale der vielfältigen
Erscheinungsformen der Esoterik
Wenn die Magier wiederkehren und die Sünde abgeschafft
wird
Esoterik - ein Begriff, der uns an allen Ecken und Enden
begegnet. Werden darunter nicht unterschiedlichste Strömungen zusammengefaßt?
Gibt es überhaupt einen gemeinsamen Nenner für die Vielzahl
an Praktiken und Heilslehren?
Der Begriff Esoterik" ist an sich problematisch.
Er dient als Sammelbegriff für ein großes Bündel von Praktiken,
Techniken, Denkrichtungen, die oft nur lose zusammenhängen oder einander
gar widersprechen. Man kann als nicht von der" Esoterik reden.
Es gibt kein geschlossenes esoterisches Bekenntnis",
keine abgerundete esoterische Weltanschauung. Die verschiedenen Elemente
werden verschieden zusammengestellt, immer wieder anders vermischt. Aberglaube,
Magie, Okkultismus, Elemente aus den verschiedenen Religionen der Welt
werden bunt zusammengewürfelt, je nach dem Geschmack und Ermessen
des einzelnen. Letztlich ist dieser religiöse und weltanschauliche
Pluralismus gekoppelt mit der Ansicht, daß Religion und Weltanschauung
Privatsache sind.
Der ursprüngliche Sinn des Wortes - als Geheimlehre"
übersetzt - ist heute längst überholt. Geheimlehren",
die man in jeder Buchhandlung und in jedem Reformhaus bekommt, sind eben
nicht mehr geheim. (...)
Aus dem Bündel an Ideen, Vorstellungen und Lehren
seien nun einige wesentliche Aspekte herausgegriffen, die im Konflikt
mit der christlichen Weltanschauung stehen.
* Das göttliche Prinzip: Glaube ist in".
Aber der Glaube an den absolut transzendenten, persönlichen Gott,
den Gott, der ein Du ist, ist weniger gefragt. Man glaubt eher an
eine überpersönliche Gottheit oder vor allem an ein gänzlich
apersonales göttliches Prinzip".
Der bekannte New-Age Autor Ken Wilber drückt die
Vorstellung folgendermaßen aus: Es ist wahr, daß es
irgendeine Art von Unendlichem, irgendeine Form von absoluter Gottheit
gibt. Man darf sie sich aber nicht als kolossales Wesen, als liebenden
Vater oder einen außerhalb seiner Schöpfung, den Dingen, Ereignissen
und den Menschen stehenden großen Schöpfer vorstellen. Am besten
stellt man sie sich metaphorisch als den Urgrund, das Sosein oder die
Voraussetzung aller Dinge und Geschehnisse vor..."
* Der Kosmos als Teil der göttlichen Urkraft:
Die Schöpfung ist ein Ausfluß der göttlichen Energie.
Alles Erscheinende sind Schwingungsknoten im kosmischen Energiemuster.
Vom Materiellen, Grobstofflichen bis hin zum Göttlichen wird alles
als Teil der Gesamtenergie beschrieben. Letztlich kann man die Unterschiede
zwischen unbelebter Materie - Seele - Geist - Gott auf Unterschiede im
Energieniveau reduzieren. Je höher die Energiefrequenz, desto geistiger,
desto göttlicher. Darum glaubt man auch an die Möglichkeit der
Transformation - vom Niederen zum Höheren....
* Hauptsache natürlich: Festzustellen ist
eine simple Naturverherrlichung. Als letztes Ziel scheint es, in Harmonie
und Einklang mit der Natur zu sein. Galt es ehedem in antiker und auch
in christlicher Tradition für den Menschen als schicklich, die Natur
zu transzendieren und sich durch sein moralisches Verhalten vom Tier zu
unterscheiden, so nimmt man heute das Verhalten von Tieren als Rechtfertigung
für viele Arten moralischer Verirrung. (...)
* Der hermetische Kosmos: Der Kosmos inklusive
des göttlichen Urgrundes ist nach dieser Vorstellung ein geschlossenes
Ganzes, er ist hermetisch" geschlossen (nach dem Namen des geheimnisvollen,
mythologischen Hermes Trismegistos, des ägyptischen Zauberers, der
oft mit Gott Thot identifiziert wird). Alles innerhalb des Kosmos befindet
sich in einem Abspiegelungsverhältnis: Mikrokosmos und Makrokosmos
spiegeln einander in geschlossener Analogie wieder. Alles sei in allem
enthalten, gemäß den Vorstellungen des Holismus: In einem
Atomkern spiegelt sich das ganze Universum".
Wie sich heute aber darin Obskurantismus und Quantenphysik"
vermischen, zeigt Holdger Platta in seiner Kritik an der Transpersonalen
Psychologie: In Psychologie der Wende" unternehmen die Herausgeber
(R.N. Walsh/F.Vaughan) den Versuch, die Verbundenheit und wechselseitige
Abhängigkeit aller Dinge aufzuzeigen. Was die Autoren (unter ihnen
A. Maslow und F. Capra) unternehmen, ist nichts weniger als der
endgültige Etablierungsversuch des Okkulten im Bereich der Wissenschaften,
die Einführung des Obskurantismus in die Traditionen der Aufklärung..."
* Mangelnde Entwicklung der Sünde: Den Begriff
der Sünde gibt es in dieser Vorstellung nicht. Leiden, Krankheit
sind falschem Denken zuzuschreiben oder einfach das Symptom eines gestörten
Energieflusses. Der Weg zur Vollkommenheit besteht daher in der entsprechenden
Arbeit an sich selber. Der Mensch muß richtig denken und schwingen.
Vor allem muß seine niedere Persönlichkeit in Einheit und Harmonie
mit seinem Höheren Selbst" kommen. Auf verschiedenen Wegen
und durch diverse Methoden versucht der Mensch mit seinem Höheren
Selbst in Kontakt zu kommen. Ob Yoga, Bachblüten, Edelsteine oder
Energiearbeit..., das Spektrum der Angebote scheint uferlos.
Auch die Realität des absolut Bösen wird geleugnet.
Und weil der Teufel" doch ein Teil jener Kraft ist, die stets
das Böse will und stets das Gute schafft", kämpft Esoterik niemals
gegen das Böse und für das Gute, weil sie von der Existenzberechtigung
beider Pole ausgeht." Ja, der Teufel wird hier tatsächlich
zum Lichtbringer und wichtigen Mitarbeiter in Gottes Schöpfung."
(Rüdiger Dahlke)
* Selbsterlösung durch Technik und Erkenntnis:
Der Begriff der Erlösung hat in der Esoterik selbstredend nichts
verloren. Der Mensch sucht Vollendung in der Erleuchtung. Moralische Fehlhaltungen,
so sie einer Korrektur bedürfen, können durch entsprechende
vergeistigte" Mittel behoben werden. Krankheitsmuster sollen gelöscht"
und durch gesunde Muster ersetzt werden. Auch geistig-seelische Probleme
werden in dieser Vorstellung zu Energieproblemen.
Die Energien können durch Meditationen, Bewegungstherapien
oder andere Praktiken angehoben werden, auch richtig schwingende Arzneimittel
sollen hilfreich sein. Gestörter Energiefluß wird durch Massagen,
Nadeln, Bewegungen, Klänge, Farben... korrigiert. Jeder muß
selber sehen, wie er vorankommt. Jeder ist für seine Erleuchtung,
seine Gesundheit, seine innere Harmonie selber verantwortlich. ...
* Evolutionismus und Reinkarnation: Immer höher,
immer besser: In einer eigenwilligen Verbindung wird der Evolutionismus
mit dem Reinkarnationsgedanken verknüpft. Die geistige Evolution
zum immer Höheren bis hin zum göttlichen Bewußtsein kann
über mehrere Inkarnationsstufen reichen. Daß dabei der authentischen
östlichen Karma-Lehre Gewalt angetan wird, spielt beim westlichen
Esoteriker keine Rolle - meistens weiß er das ja gar nicht. ...
* Die Wiederkehr der Magier: Im Zuge des gesellschaftlichen
Wandels wird Magie und magisches Denken wieder salonfähig. Die Definition
des Begriffes ist nicht ganz einfach, da er eine gewisse Wandlung erfahren
hat. ... Grundsätzlich zielt magisches Wollen auf Allmacht ab. Der
Magier möchte Gott nachahmen und vor allem durch das Wort (den magischen
Spruch), aber auch durch Nutzung der verborgenen Kräfte der Natur
seine Macht ausüben. Er möchte durch das Sichtbare das Unsichtbare
beherrschen. Alles Sichtbare sei die Signatur (Zeichen) des Unsichtbaren.
Wer die Entsprechungen kennt und zu benützen weiß - durch Wort
oder Ritus - dem ist alles möglich, der kann die Welt und sich selbst
neu erschaffen...
Das magische Wissen" ist dann vor allem eines
um die verborgenen Wirkzusammenhänge von allem mit allem. Entscheidend
sind dabei nicht naturwissenschaftlich erforschte Gesetze, sondern verborgene
oder subtile Kräfte, die durch geistige Arbeit beherrscht werden
können. ...
* Anything goes - der neue Synkretismus: Typisch
für diese Strömung ist ein breiter Synkretismus. Glaubensvorstellungen,
Rituale, Symbole aus den verschiedensten Traditionen werden genommen,
respektlos aus ihrem angestammten kulturellen Zusammenhang gerissen und
neu zusammengestellt.
Da gibt es plötzlich christliches Yoga";
im Kreis marschierende Gänschen zum Ausmalen werden als Mandalas
verkauft und sollen zur Beruhigung von Kindern dienen; hinduistische Mudras
verkommen zu Mitteln der Energiesteuerung; Zen, Feng Shui, Qi Gong boomen
auch in christlichen Bildungshäusern; für Christen muß
dann auch einmal der Rosenkranz als Pendel herhalten; was eigentlich den
Unterschied zwischen christlichem Heilungsgebet und Reiki ausmacht, wissen
nur noch wenige, zu häufig wird das eine als das andere ausgegeben.
In Wallfahrtsorten werden Rosenkränze, Kreuze, Fetische und Heilstein
am selben Stand verkauft. Auch schon gesehen wurde ein christliches Kreuz,
an dem der Korpus des Gekreuzigten durch ein Yin-Yang Kreissymbol ersetzt
wurde.
* Das Zeitalter des Wassermanns: Von Bedeutung
ist auch noch die Eschatologie": Man erwartet ein neues Zeitalter,
das Zeitalter des Wassermanns, welches das Zeitalter der Fische ablöst.
Diese Bezeichnungen beziehen sich auf das astronomische Weltenjahr, das
durch eine Torkelbewegung der Erdachse zustandekommt ... Jetzt vollzieht
sich der Übergang vom Fischezeitalter zu dem des Wassermanns. Jedes
dieser Zeitalter sei durch ein bestimmtes Denkmuster geprägt. Was
wir jetzt erwarten sollen, hört sich dann so an: Das Christentum,
die Religion des Fischers und der Fische, war der große Durchbruch
im Denken des Fischezeitalters. Das Heidentum ist die Religion des Wassermannzeitalters."
(V. Crowley)
P. Clemens Pilar, COP
Auszug aus Esoterik und christlicher Glaube
- Hilfen zur Unterscheidung"
|