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20 Jahre Erfahrung mit der Agapetherapie"
Wenn Gott verletzte Menschen durch Seine Liebe heilt
Belastet von einem hektischen Lebensstil, verletzt durch
erlittene Lieblosigkeit halten viele nach Heilung Ausschau - eine Herausforderung
für die Kirche, ihrem Heilungsauftrag gerecht zu werden. Gespräch
über ein Angebot: die Agapetherapie.
Agapetherapie - was für eine merkwürdige
Bezeichnung!
Sr. Yolande Bouchard: Das Wort kommt aus dem
Griechischen und bedeutet durch Liebe heilen". Es geht da um einen
geistigen Weg mit einem psychologischen Hintergrund. Während einer
fünftägigen Einkehr machen sich die Teilnehmer auf den Weg in
ihre Geschichte. Der Herr kommt und nimmt alles, was im Leben geschah,
an und schenkt die Gnade, all das mit Ihm neu zu erleben, so wie Er gewollt
hätte, daß es geschehen wäre. Er kommt, alles mit Liebe
zu erfüllen, wo diese gefehlt hat. Er kann so unsere alte Geschichte"
in eine neue Schöpfung verwandeln!
P. Emile Lebel: Verletzt ist, wer nicht richtig
geliebt wurde; geheilt sind jene Leidtragenden, die sich geliebt wissen.
Die Störung des Gefühlslebens hat das Menschsein erstickt. Und
das erstickte Menschsein sucht nach einem Ausgleich im Gefühlsleben
durch künstlichen Ersatz: Drogen, Alkohol, unkontrolliertes Sexualverhalten...
Aber die Agape"-Liebe heilt diese Wunden. So erleben wir spektakuläre
Heilungen tiefsitzender Alkohol- oder Drogenabhängigkeiten.
Sie meinen, man könnte schon frühzeitig
im Schoß der Mutter Verletzungen davontragen?
Sr. Bouchard: Vielen erscheint das unglaubwürdig,
vor allem den Wissenschaftlern, aber von den Zehntausenden von Menschen,
die seit 20 Jahren im Zönakel aufgenommen wurden, leidet die Mehrzahl
an traumatischen Erfahrungen in den ersten Monaten der Schwangerschaft,
ja sogar bei der Zeugung. Die unbewußten Verletzungen sitzen am
tiefsten; sie erzeugen die stärksten und irrationalsten Blockaden.
P. Lebel: Als sich das Zönakel Mitte der
siebziger Jahre für die Erneuerung geöffnet hat, ist der Zustrom
stark gewachsen. Ein Wort Jesu hallte immer wieder in unseren Ohren: Legt
die Hände in meinem Namen auf, und die Kranken werden geheilt werden."
Wir haben gehorcht und erkannten tatsächlich die Ergebnisse unseres
Gebets: Es gab Heilungen! Wir erlebten jedoch eine Überraschung.
Wir mußten wieder von vorne anfangen, dasselbe Gebet für dieselben
Personen und dieselben Bedürfnisse sprechen. So lernten wir, daß
Symptome oft Ursachen verdecken; gerade an diesen Traumata aber muß
man zuerst ansetzen, wie an einen Keim, der das Leben zerstört. Diese
Verletzungen sind nämlich wie ein Gift. Sie lösen in der Folge
Verhaltensweisen aus, die uns mehr und mehr niederdrücken.
Was sind nun nach 20jähriger Erfahrung Ihre
Schlußfolgerungen?
P. Lebel: Es gibt so etwas wie Vererbung, nicht
nur körperlich, sondern auch psychisch. Ein weißer Vater und
eine weiße Mutter ergeben ein weißes Kind. Warum sollte eine
gestreßter Vater und eine verängstigte Mutter ein ruhiges Kind
ergeben? Auf der Ebene des Körpers erklärt man die Weitergabe
durch Gene. Warum sollte es nicht eine psychische und spirituelle Erbfolge
geben? Wir bestehen ja nicht nur aus Materie.
Sr. Bouchard: Wer in einem Gewaltakt empfangen
wurde, wird sich nicht so verhalten wie einer, der in Liebe gezeugt wurde.
Das Wunschkind wird sich nicht genauso entwickeln wie eines, das man nicht
wollte. Hat die Liebe gefehlt oder war sie schwach, war Gewalt im Spiel
oder die Mutter aufgrund ihrer eigenen Verletzungen unfähig, ihren
Mann anzunehmen, als sie empfing, oder wünschten sich die Eltern,
daß die Vereinigung nicht zur Zeugung eines Kindes führen solle
- in all diesen Fällen sind die Wurzeln der Existenz verletzt. Und
das kann sich auf die Entwicklung des Menschen auswirken. Im Schoß
seiner Mutter erlebt das Kind alles, was diese erlebt - mit dem einzigen
Unterschied, daß es viel verletzlicher ist. Denn die Mutter verfügt
über eine gewisse physische und psychische Widerstandsfähigkeit.
Sie kann Gefühle durchleben, ohne gestört zu sein. Das Kind
aber ist schutzlos. Die Ereignisse, die Gefühle werden eingraviert".
Einige werden Traumata erzeugen.
Diese Verletzung, ist das nicht eine Folge der
Erbsünde?
P. Lebel: Selbstverständlich. Die Erbsünde
hat uns von Gott getrennt und von seinem Plan der Liebe für die Schöpfung.
Wir haben die Gebrauchsanweisung" verloren: Wir können nicht
mehr lieben, nicht mehr lieben, ohne zu verletzen und verletzt zu werden.
Und wir geben diese Verletzungen - Früchte der Sünde - von Generation
zu Generation weiter. Der Herr aber will diesen Teufelskreis durchbrechen!
Gäbe es die Sünde in der Welt nicht, es gäbe auch kein
Leiden. Je mehr wir uns bekehren, in Einklang mit Gottes Willen stehen,
umso mehr wird das von der Sünde ausgehende Leid verringert. Daher
ist das Wichtigste am Heilungsdienst die Umkehr zu Jesus.
Ist Empfängnisverhütung nicht ein geeignetes
Mittel, sich eher ein Kind zu wünschen" und es daher besser
anzunehmen?
P. Lebel: Die Empfängnisverhütung hat
vor allem die Fruchtbarkeit und das Vergnügen auseinander dividiert,
was den Männer ermöglicht, in aller Gemütsruhe von ihren
Frauen zu profitieren". Man kann nach Belieben über den Körper
verfügen, die Ehefrau ist dauernd verfügbar. Es ist erschütternd
festzustellen, wie sehr die Zahl der Vergewaltigungen in der Ehe zugenommen
hat! Unter Vergewaltigung" verstehe ich die Vereinigung ohne Liebe,
ohne wahrhaftige Zustimmung oder Bereitwilligkeit der Frau. Viele Frauen,
die auf sexueller Ebene sehr verletzt, ja manchmal frigid sind, haben
die sexuelle Vereinigung wie eine Aggression, wie einen Frondienst erlebt
- und das wegen der Verhütung, die sie doch befreien" hätte
sollen. Hier haben wir es sogar mit einem Faktor zu tun, der zum Anstieg
der Homosexualität beigetragen hat: Unbewußt lehnt der Knabe
das Mannsein ab, um nicht dem Vater zu ähneln, der seiner Mutter
Gewalt antat. Diese Ablehnung ist seit der Zeugung, die das winzige Wesen
als lieblos empfunden hatte, festgeschrieben.
Alle Eltern machen doch irgendwelche Fehler. Sind
wir also alle verletzt?
P. Lebel: Ja. In unserem Unterbewußtsein
schlummert ein verletztes Kind, das von Jesus geheilt werden muß.
Und der Herr will uns alle heilen. Eltern zu sein, bedeutet zu wissen,
daß man sein Kind verletzen wird - so wenig wie möglich, selbstverständlich.
Das gilt es anzunehmen und es in der Hoffnung zu leben, wohl wissend,
daß Jesus unsere Bruchstellen nützt, um einzudringen und die
Gnaden Seiner Barmherzigkeit auszugießen. Diese Gnaden, die aus
Seinem offenen Herzen strömen...
Können Eltern da nicht schmerzliche Schuldgefühle
entwickeln?
Sr. Bouchard: Es sollte nicht so sein, denn der
Böse nützt das, um die Menschen in die Verzweiflung zu treiben.
Dabei will doch der Herr diese Verletzungen nutzen, um im Übermaß
zu geben. Daher sollten die Eltern diese Gnade des Glaubens und der Umkehr
für sich selbst erbitten. Und sie dürfen nicht darauf vergessen,
daß ihr Gebet für die Kinder sehr mächtig ist. Besonders
wirksam ist das Auflegen der Hände. Es ist das Gebet im Namen Jesu,
des Namens über alle Namen": ein Gebet voller Kraft, Vollmacht,
Glauben und Stellvertretung. Möge der Mann für seine Frau während
der Schwangerschaft beten; mögen sie gemeinsam für dieses Kleine
im Bauch seiner Mutter beten; mögen sie liebevolle Worte sagen, die
ihre Annahmebereitschaft bekunden, besonders wenn es sich bei dem Kind
um eine Überraschung" handelt: Herr, wir haben uns dieses
Kind nicht gewünscht, aber Du, Du hast es herbeigesehnt. Laß
es erfahren - wir bitten Dich darum -, daß Du es ersehnst."
Mögen sie untereinander ein Verhalten an den Tag
legen, das so aufnahmebereit wie möglich ist. Und vor allem sollen
sie nicht aufhören, über ihre Kinder zu beten, sobald sie auf
der Welt sind! Selbst wenn die Kinder schlafen, können sie für
sie beten und ihnen die Hände auflegen. Während des Schlafes
nimmt das Herz ohne Abwehrhandlung auf. Betet für sie - aber auch
für euren Ehepartner!
Nähere Informationen: Le Cénacle, 700
Ouest, rue Principale, Cacouna (Rivière du Loup), Québéc.
Auszug aus Famille Chrétienne" v. 2.2.01
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