Hirntod: ein Skandal
Das historische Novum der Hirntoddefinition ist, daß
einige wenige Spezialisten behaupten, sie könnten das Sterben und
den Tod auf einen minimalen Zeitpunkt fixieren und rational erfassen.
Da die Hirntoddefinition auf technisch abstrakten Kriterien beruht und
die sinnliche Wahrnehmung von Todeszeichen - wie Aussetzen des Herzschlags,
Leichenblässe, Erstarrung, Verwesungsprozesse - aufgegeben hat, haben
sich in verschiedenen Ländern unterschiedliche Todesdefinitionen
entwickelt, sodaß die neue Todesvorstellung flexibel geworden ist.
Denn während in der Bundesrepublik Deutschland der Ganzhirntod, also
der Ausfall der gesamten Hirntätigkeit, Voraussetzung für die
Organentnahme ist, untersucht man beispielsweise in England nur die Funktionen
des Hirnstamms und verzichtet auf die Darstellung der Hirnströme.
... Alle bei einem Hirntoten noch wahrnehmbaren Zeichen des Lebendigen
werden als Reflexe betrachtet und im Rückenmark lokalisiert. In dieser
Hirntodvorstellung wird das Rückenmark vom Gehirn vollständig
abgetrennt. Dagegen ordnete man in der Harvard-Hirntoddefinition von 1968
- einem der ersten Kodizes für die Kriterien des Hirntodes - das
Rückenmark als Teil des zentralen Nervensystems morphologisch noch
dem Gehirn zu. Was die Spender tatsächlich empfinden, entzieht sich
dem Wissen aller, aber auf jeden Fall deuten normalerweise in der Medizin
die eben beschriebenen Reaktionen auf ein schmerzstimulationsbezogenes
Verhalten hin. Und selbst wenn Bewegungen oder Blutdruckanstieg bei Hirntoten
reine" Rückenmarkphänomene sind, ist das kein Beweis für
den behaupteten endgültigen Tod. Warum werden Narkotika (z.B. Fentanyl)
und muskelentspannende Mittel während der Organentnahme verabreicht,
wenn es sich um einen wirklich toten Menschen handelt? Daß hirnsterbende
Menschen nichts mehr fühlen, ist bisher von niemandem bewiesen worden.
... Wenn wir Hardliner interviewt hatten, die uns -
ohne es zu merken - mit schrecklichsten Zynismen konfrontierten, ist es
uns danach immer sehr schlecht gegangen. ... Wenn etwa kalt und abgespalten
über die hirnsterbenden Patienten als Organangebote" gesprochen
wurde; oder die Art, wie uns der Hirntod vermittelt wurde - siehe Herz-Lungen-Pakte"
- oder uns in der Deutschen Stiftung Organtransplantation die Organbehälter
aus Styropor wie Werbeprodukte vorgeführt wurden. Es gab viele Situationen,
in denen wir mit offenen Mündern dastanden und dachten, das kann
doch alles nicht wahr sein. Wie geht unsere Kultur mit ihren Sterbenden
und Toten um?
Der Standard v. 25.11.00
Soweit Anna Bergmann, Co-Autorin von Herzloser
Tod". Und tatsächlich spricht sehr viel dafür, daß ein
Hirntoter eben nicht tot, sondern sterbend ist. Ihm Organe zu entnehmen
- in Österreich darf dies sogar ohne Zustimmung geschehen - bleibt
ein äußerst fragwürdiges Vorgehen.
Sich kränken macht krank
Siegfried Geyer (Macht Unglück krank?" Juventa
Verlag, Weinheim u. München 1999) hat drei Krankheiten genau daraufhin
untersucht, ob ihnen bestimmte belastende Ereignisse vorausgingen: Depression,
Mammakarzinome (Brustkrebs) und Herzinfarkt. Er kam zu dem Schluß:
Lebensverändernde Ereignisse können in unterschiedlicher Weise
an der Entwicklung und dem Ausbruch von Erkrankungen beteiligt sein.
So waren es bei Depression Verlustereignisse unterschiedlicher
Art, bei Mammakarzinom waren es besonders schwere Verluste, vor allem
Todesfälle - oder auch ein nicht so schwerer" Verlust, aber
gepaart mit niedriger oder keiner sozialen Unterstützung. ... Besonderes
Gewicht hatte es z.B., wenn mit dem Todesfall der wichtigste Ansprechpartner
und damit soziale Unterstützung auf (zumindest längere) Dauer
abhanden kam. Für Herzinfarkt hingegen hatte die Dimension Verlust"
keine Bedeutung. Hier standen Ereignisse im Vordergrund, die mit Fehlschlägen
beim Anstreben wichtiger Ziele verbunden sind, also Mißerfolg oder
Enttäuschungen. Außerdem ging es hier im Unterschied zu Depression
und Brustkrebs um chronische Bedingungen - wie z.B. eine ständige
starke Arbeitsbelastung....
Unterschiedlich sind nach dieser Studie auch die Vulnerabilitätsfaktoren":
Depressionen z.B. nach dem Verlust des Arbeitsplatzes traten dann eher
auf, wenn der Betreffende schon früher Verlustereignisse (mit ihren
Auswirkungen auf die Persönlichkeit) hatte und sozial nicht oder
wenig unterstützt wurde. Beim Brustkrebs waren es erbliche Veranlagung
und fehlende Unterstützung. Das Herzinfarktrisiko wird, wie bekannt,
durch Rauchen und Alkoholkonsum erhöht.
Ein Schluß, den Geyer aus seinen Studien zieht,
ist: Für Entwicklung und Ausbruch von Erkrankungen haben chronische
Schwierigkeiten eine wesentlich geringere Bedeutung als bedrohliche Ereignisse.
beziehungsweise 22/00
Kränkungen finden auch in der Selbstmordstatistik
ihren Niederschlag:
Führend bei Selbstmorden
Statistisch gesehen nehmen sich in Österreich jeden
Tag zwischen vier und fünf Menschen das Leben. Das macht im Jahr
an die 1.600 Suizide. ... Damit ist Österreich zwar im internationalen
Suizidraten-Spitzenfeld, wird aber immer noch etwa von den Ungarn, den
Finnen, den Esten, den Letten oder den Litauern übertroffen, die
mit über 30 Suiziden auf 100.000 Einwohner das düstere Ranking
anführen... Bezogen auf den Familienstand sind Geschiedene beiderlei
Geschlechts am stärksten suizidgefährdet: wobei geschiedene
Männer auf die extreme Rate von 120 kommen, geschiedene Frauen auf
26. Die Ehe scheint präventive Wirkung zu haben, denn die eindeutig
geringste Suizidrate haben die Verheirateten vorzuweisen...
Der Standard v.. 25.1..00
Was macht Ehebeziehungen stabil ?
Warum funktionieren manche Ehen, warum werden andere
geschieden? Auf Fragen wie diese versuchten die beiden US-Wissenschafter
John Gottman und Robert Levenson in einer über vier Jahre reichenden
Studie ... Antworten zu finden. Ihre Ergebnisse sind teils überraschend,
teils bestätigen sie den gesunden Menschenverstand". Ein interessantes
Ergebnis ist: Für eine Beziehung ist es offenbar nicht so wichtig,
daß Konflikte gelöst werden, sondern wie sie geführt werden.
Gottmans und Levensons Studien bestätigten auch
ein Stereotyp": Je nach Geschlecht bleiben unterschiedliche Affekte
gegenüber dem Partner stabil - und zwar Streitlust, Dominanz, Verachtung
und Angst bei den Männern, Abwehr und Jammern bei den Frauen. Unabhängig
vom Geschlecht blieben defensives Verhalten, Rückmeldungssignale
des Zuhörers und Humor über die Jahre erhalten. Untersucht haben
die Wissenschafter das unter anderem dadurch, daß sie (via Video)
den Eheleuten bei Gesprächen zusahen und ihren Gesichtsausdruck,
ihre Körperhaltung bzw. Äußerungen deuteten.
Aber überraschenderweise haben sich nicht nur die
Affekte" gegenüber dem Ehepartner erhalten, auch die Inhalte
der Konflikte, also die Streitpunkte. Die Paare wurden zu Beginn der Studie
und nach vier Jahren nochmals aufgefordert, sich über die wichtigsten
Konfliktpunkte ihrer Beziehung zu unterhalten. Und die meisten Paare -
die glücklichen" wie die unglücklichen" - sprachen
zu beiden Zeitpunkten von denselben Themen. Offensichtlich sind die meisten
Eheprobleme also Dauerthemen", die nie gelöst werden.
Es scheint also, als käme es in einer Ehe nicht
so sehr darauf an, daß Konflikte gelöst werden, sondern darauf,
wie die Partner miteinander umgehen und sich fühlen, während
sie über problematische Themen diskutieren. ...
Zuneigung, Bewunderung des Partners, Wir-Gefühl,
wenig physiologische Aktivität, Ausgleich von negativen Emotionen
durch Humor und Versöhnung sind Anzeichen für eine beständige
Ehe. Verachtung, Verletzung, Rückzug, Verleugnung deuten auf den
Niedergang der Beziehung hin.
beziehungsweise 23 / 00
Humor ist also wichtig - aber nicht nur für
die Stabilität von Ehen, sondern auch für die Gesundheit:
Lach doch mal!
Wenn es nach dem geht, was Experten schon lange vermuten,
dann haben fröhliche, positive Typen beispielsweise weniger Schnupfen
und Husten, denn für das Immunsystem soll Lachen eine regelrechte
Kraftnahrung sein. So hat schon vor Jahren eine amerikanische Studie ...
ergeben, daß sich beim Lachen Immunstoffe erhöhen, die indirekt
positiv auf die menschlichen Zellen und die Körpersäfte (Blut,
Speichel...) wirken. ... Weltweit Schlagzeilen machte auch die Geschichte
des Amerikaners Norman Cousins, der an einem schmerzhaften Knochenleiden
erkrankte. Nachdem ihm die Ärzte wenig Hoffnung auf Heilung gaben,
entwickelte er sein eigenes Konzept zur Verbesserung der Körperchemie
durch positive Gefühle.
Unbeweglich geworden, schaute er sich vom Krankenbett
aus komische Filme an. Es funktionierte, schrieb er in seinem Buch Der
Arzt in uns allen". Er machte die Entdeckung, daß schon nach zehn
Minuten echtem, zwerchfellerschütterndem Lachen eine lindernde, fast
anästhetische Wirkung eintrat und er zwei Stunden lang schmerzfrei
schlafen konnte. Norman Cousins Zustand verbesserte sich nach und nach
so weit, daß er wieder arbeiten und sogar reiten und Golf spielen
konnte.
medizin populär 1/98
Und weil wir beim Lachen sind:
Tolle Werbung mit Kondomen
Im Auftrag vom Kunstkatalog.at" und in Zusammenarbeit
mit der Aids-Hilfe bieten wir Ihnen eine interessante Idee an, die für
unsere Künstler sehr vielversprechend ist. Im Internet werden ...
mittels einer künstlerisch gestalteten Postkarte als Gag gratis Kondome
verschickt. So erklärt sich der Begriff Kunst und Kondome".
Auf der Postkarte sind Kunstwerke nationaler Künstler zu bewundern.
Die Idee bekommt dabei einen Schneeballeffekt. Sobald die erste Karte
mit dem Kunst-Kondom verschickt wurde, wird der Empfänger mit großer
Wahrscheinlichkeit ins Internet einsteigen, um auch mehrere Kunst-Kondome
als Gag weiterversenden zu können. ... So beginnt der Schneeballeffekt
automatisch, und man unterstützt den Kunstverein und die Aids-Hilfe
Austria mit einem lustigen Gag, der Kunden jeder Altersschicht anspricht.
...
Licht & Kunst" info@kunstkatalog.at
Es müssen große Künstler sein, die
sich so selbstlos für dieses geniale Projekt einsetzen. Und welch
ausgeprägter Sinn für Humor! In den USA dürfte man in Sachen
Umgang mit der Sexualität im Vergleich dazu doch schon einen Schritt
weiter sein- obwohl es wahrscheinlich auch dort solche Spaßvögel
wie bei uns gibt.
Wahre Liebe wartet
Amerikanische Teenager, die sich verpflichten, bis zur
Ehe keinen Sex zu haben, halten sich tatsächlich eine ganze Weil
an ihr Gelübde: Amerikanische Untersuchungen zeigen, daß diese
Jugendlichen ihren ersten Sex wesentlich später erleben als ihre
Altersgenosse - und zwar 18 Monate später. Prof. Peter S. Bearman
von der Columbia Universität, der eine Studie mit über 90.000
Mädchen und Jungen durchgeführt hatte, berichtet, daß
sich seit 1993 etwa drei Millionen Teenager in den USA in Kampagnen wie
Wahre Liebe wartet" verpflichtet haben, jungfräulich in die
Ehe zu gehen. In den USA wird sei einigen Jahren ... verstärkt für
sexuelle Enthaltsamkeit geworben. Dafür stehen annähernd 900
Millionen Mark aus staatlichen Mitteln zur Verfügung. Fast ein Viertel
der an den High Schools tätigen Sekundarstufenlehrer geben an, Abstinenz
als einzig wirksame Methode der Empfängnisverhütung zu lehren.
PURmagazin 2/01
Y2K - eine Jahrhundertidee
Weltweit wurden geschätzte 600 Milliarden Dollar
in die Rettung der Computer-Systeme investiert. Wir erinnern uns an die
Gänsehaut-Szenarien. Aufgrund von Software-Fehlern können beim
Datumssprung von 1999 auf 2000 Flugzeuge abstürzen, Lifte stecken
bleiben, Steuerungsanlagen kollabieren oder ähnlich Schlimmes passieren.
Das befürchtete Chaos bei den elektronischen Rechenknechten blieb
aus. Es ist auch nicht bekannt, daß ein heimisches Unternehmen durch
den sogenannten Millenniumsbug in eine Existenzkrise geriet. Geschweige
denn, Konkurs anmelden mußte.
KSV-Aussendung v. 17.1.01
Was für ein genialer Einfall, weltweit den Umsatz
einer Brachen zu steigern - und wie!
Fernsehen über alles
Die Kinder in Deutschland sitzen im internationalen
Vergleich nicht ganz so lange vor dem Fernseher. Pro Tag verbringen sie
rund 1,5 Stunden mit Fernsehen und liegen damit auf Platz zwölf im
Vergleich von mehr als 50 Ländern. Dies ergab die Studie Television
2000 des Kölner TV-Vermarkters IP Deutschland... Weltmeister sind
in der Rangliste die Kinder in Mexiko. Sie schaffen es durchschnittlich
auf etwa 175 Minuten. Auf Platz zwei folgen die Kinder in den USA mit
circa 170 Minuten und die in Polen mit rund 160 Minuten. ... Fernsehen
sei nach wie vor für die Werbewirtschaft das reichweitenstärkste
Medium. In den untersuchten 40 Ländern mit 1,4 Milliarden Fernsehzuschauern
... wurden 1999 etwa 120 Milliarden Euro in die TV-Werbung investiert.
Die 29 Jahre alte Lebensmittelkontrolleurin Coby Bos
hat bei einer niederländischen Fernsehshow den 33 Jahre alten belgischen
Multimillionär Stefan Kerkhofs als Hauptpreis" gewonnen. Vor
laufenden Kameras gaben sich die beiden in der Sendung Ja, ich will
einen Millionär" bei Privatsender RTL4 am Sonntagabend das Eheversprechen.
Es war die erste TV-Hochzeit in Europa, bei der sich das Paar vorher nicht
kannte. ... Vor einer Woche hatten 46 Frauen um den unbekannten Millionär
in der TV-Show geworben. Er hatte dann fünf ausgewählt. Diese
wurden in der vergangenen Woche in täglichen Sendungen den Zuschauern
vorgestellt. Aus den drei letzten Brautkandidatinnen wählte Kerkhofs
nun seine Braut.
Tagespost v. 12.10.00
Das Fernsehen ist zu einer Schlüsselstelle der
Gesellschaft geworden. Immer weniger begnügt es sich nun mit seiner
bewußtseinsbildenden Funktion. Immer mehr wird versucht, aktiv Geschichte
zu gestalten.
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