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Botschaft
ans uns
Der heilige Richard Pampuri
Von
Wolfgang Schrems
Der einfache
Holzsarg, in dem Frater Richard beigesetzt zu werden gewünscht
hatte, wurde von den Jugendlichen der Katholischen Aktion von Torrino
bis zum Friedhof von Trivolzio getragen. Nach Auskunft eines Augenzeugen
war die Spitze des Trauerzuges schon längst in dem über
vier Kilometer entfernten Trivolzio angekommen, als der Sarg immer
noch in Torrino stand. ... Unter den Trauernden befanden sich ...
zahlreiche Ärzte, Ordensleute und Priester, die Freunde der
Katholischen Aktion und natürlich beinahe die gesamte Bevölkerung
von Morimondo und Torrino."
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Wer ist dieser
Arzt und Ordensmann, dessen Begräbnis eine vorweggenommene Heiligsprechung
war - und welche Botschaft hat er für uns?
Richard Pampuri
wird als Erminio Filippo am 2.8.1897 in Trivolzio, einem Dorf zwischen
Mailand und Pavia, geboren. Seine Mutter stirbt, bevor er drei Jahre alt
ist. Darauf wird er den unverheirateten Geschwistern seiner Mutter in
Torrino zur Erziehung übergeben. In der Grundschule und später
am Gymnasium in Pavia erweist er sich als fleißiger und angenehmer
Schüler. Anschließend beginnt er das Studium der Medizin in
Pavia.
Noch währenddessen
wird er zum Sanitätsdienst in die Armee eingezogen, nachdem Italien
1915 Österreich-Ungarn und Deutschland den Krieg erklärt hat.
Im Lazarett macht er prägende Erfahrungen. Unter den Kameraden betätigt
er sich als Verteidiger und Verkünder des Glaubens - und als Vorbild
in Eigeninitiative:
Nach einem
überstürzten Rückzug wird ein großer Posten Medikamente
und Verbandsmaterial im Feld zurückgelassen. Als verantwortungsbewußter
Sanitäter weiß Erminio, daß damit Menschenleben gerettet
werden könnten. Er entfernt sich somit von der Truppe, organisiert
einen Karren, spannt eine weidende Kuh davor und erreicht nach einem 24stündigen
Marsch im Unwetter seine Einheit.
Diese Leistung
trägt ihm nicht nur militärische Auszeichnungen ein, sondern
auch eine schwere Rippenfellentzündung. Diese sollte noch Folgen
haben.
Erminio wird
nach der Entlassung aus der Armee in einer katholischen Studentenverbindung
und in einer Vinzenzgemeinschaft für Bedürftige aktiv. Im März
1921 tritt er in den Dritten Orden des Hl. Franziskus ein. Nach seiner
Promotion (mit Auszeichnung) im Juli tritt er eine Stelle als Landarzt
in Morimondo an.
Über
das übliche Maß hinaus kümmert er sich aufopferungsvoll
um die Kranken. Er besucht sie auf ihren abgelegenen Höfen und ist
auch nicht ungehalten, wenn er feststellen muß, daß er wegen
einer Lappalie aus dem Schlaf gerissen worden ist. Wenn sich seine Patienten
die Medikamente nicht leisten können, bezahlt er sie oft aus eigener
Tasche.
Erminio arbeitet
in der Pfarre mit, beim Pfarrblatt, als Mesner, in der Jugendarbeit, im
Kampf gegen Liberalismus und Faschismus (letzterer eine Ausgeburt des
ersteren). Alle diese Dinge ist man von einem Arzt normalerweise nicht
gewöhnt. Richard erregt damit großes Aufsehen. Für ihn
sind es aber selbstverständliche Konsequenzen seines Glaubens.
Seiner Schwester
Maria, die als Sr. Longina in Kairo tätig ist, schreibt er: Bete,
damit weder Stolz noch Egoismus oder sonst eine schlechte Neigung mich
daran hindern, in meinen Patienten stets den leidenden Christus zu sehen.
Ihn pflegen und trösten ... dieser Gedanke läßt mich meinen
Beruf erst so richtig schätzen."
Während
dieser ganzen Zeit als Landarzt stellt er sich die Frage nach dem Willen
Gottes für sein Leben. Das Ordensleben zieht ihn an. Die andere Lebensoption
schlägt er aus: Als ihm über eine Vermittlerin eine zarte Herzensoffenbarung
eines Mädchens überbracht wird, antwortet er: Ich kann
Ihren sicher gut gemeinten und ehrenwerten Antrag nicht annehmen, weil
ich mich nicht zum Ehestand berufen fühle. ... Das Fräulein,
deren Sache Sie vertreten, soll sich meine Antwort nicht zu Herzen nehmen.
Sicher wird ihr der Herr, sollte er sie zum Ehestand berufen, einen würdigeren
und besseren Bräutigam auszusuchen wissen als mich."
Schließlich
wendet er sich auf Anraten seines geistlichen Begleiters Don Riccardo
Beretta an den Hospitalorden des Heiligen Johannes von Gott (bei uns als
Barmherzige Brüder" bekannt). Trotz gesundheitlicher Bedenken
wird Erminio, dessen guter Ruf schon weit verbreitet ist, 1927 zugelassen
und nimmt in Verbundenheit mit seinem Seelenführer den Ordensnamen
Richard an. Als Novize verrichtet er die niedrigsten Dienste.
Immer wieder
wird er jedoch vom Besen weggeholt und von den diensthabenden Ärzten
in schwierigen Fällen um Rat gefragt. Nach der Profeß wird
er mit der Leitung der Zahnambulanz und mit dem Unterricht der jungen
Mitbrüder betraut.
Im Frühjahr
1929 machen sich die Folgen der Rippenfellentzündung in Form eines
Blutsturzes und einer Tuberkulose dramatisch bemerkbar. Richard ahnt,
daß sein Leben bald zu Ende geht. Noch zwei Jahre zuvor hat er an
seinen Neffen geschrieben: Betrachte Deine Krankheit also als ein
Opfer, das du für Dich und Deine Mitmenschen bringst."
In dieser
Ergebenheit bereitet er sich selbst auf den Hinübergang vor. Am 1.
Mai 1930 gibt er seine Seele seinem Schöpfer zurück.
Das Volk hat
noch zu Lebzeiten in ihm den Heiligen erkannt und bekundet das auch, wie
schon gesagt, durch seine starke Anwesenheit am Begräbnis. Schließlich
wird er von Papst Johannes Paul II. am 1.11.1989 heiliggesprochen.
Worin besteht
nun seine Botschaft an uns? Zunächst im Offenkundigsten: Das
Höchste steht nicht ohne das Niedrigste." Auch Richard hat niedrig
begonnen: Gebet, Fasten, Sakramente, geistliche Begleitung, Werke der
Nächstenliebe, Bekenntnis zu Glauben und Kirche, Ringen um die Erkenntnis
des Willens Gottes. Er hat das Nächstliegende getan. Er hat aber
auch nach dem Höchsten gestrebt. Wer das nicht tut, wird dann nicht
nur das Kleine nicht tun sondern schließlich gar nichts mehr.
Sodann: Die
Erfüllung des Lebens hängt nicht von der Anzahl der Lebensjahre
ab. Dreiunddreißig erfüllte Jahre sind besser als neunzig sinnlose.
Drittens:
Richard wußte, daß der Dienst am Kranken ein Dienst am Herrn
ist. Schon die Grundsätze eines moralisch hochstehenden heidnischen
Arztes wie Hippokrates sind vorbildlich.
Aber erst
mit der Offenbarung wird die übernatürliche, geistgewirkte Liebe
geschenkt und hier kommt auch die volle Tragweite des Dienstes am Kranken
zum Vorschein. Das erst hat ärztlichen und pflegerischen Dienst im
großen Maßstab in der Menschheitsgeschichte begründen
und motivieren können. Diese Motivation muß gepflegt werden.
Andernfalls entartet die Medizin - früher oder später.
Viel guter
Wille ist heute unter denen da, die als Ärzte oder Krankenschwestern
bzw. Krankenpfleger wirken oder sich verdienstvollerweise in einer entsprechenden
Ausbildung abmühen. Doch dieser Wille muß gefestigt werden,
damit er sich im alltäglichen medizinischen Betrieb nicht verflüchtigt.
Es gibt zweifellos
gerade auf diesem Gebiet verborgene Heilige. Wir können hoffen, daß
es noch mehr werden, die wie der Hl. Richard Pampuri in ihrem Dienst christliche
Maßstäbe setzen und andere mitreißen. Nehmen wir uns
an ihm ein Beispiel und vertrauen wir uns seiner Fürsprache an.
Nach:
Ein Arzt wählt Gott - Der Heilige Frater Richard Pampuri aus dem
Orden der Barmherzigen Brüder. Ein Lebensbild. Von Nikolaus Mutschlechner.
Johann von Gott Verlag, München, 1998. Mit Dank an das Provinzialat
O. H., Wien.
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