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Seit der letzten Ausgabe gab
es einige bemerkenswerte Ereignisse, die uns veranlaßt haben, diesen
Schwerpunkt zu gestalten. Da war das Kreuz-Urteil des Menschenrechtsgerichtshofs
(EuMRGH) in Straßburg. Er gab einer italienischen Beschwerdeführerin
recht, die verlangt hatte, das Kruzifix in der Klasse ihrer Kinder von
der Wand zu nehmen. In allen Instanzen war sie in Italien mit ihrer Forderung
abgeblitzt. Der EuMRGH gab ihr mit einstimmigem Votum recht und verurteilte
Italien zu einer Strafzahlung und in weiterer Folge zur Abnahme der Kreuze
in den Schulen. Unwillkürlich fragt man sich: Hat sich Europa total
von seinen christlichen Wurzeln abgewendet?
Und dann gab es ein zweites viel kommentiertes Ereignis: Das Votum der
Schweizer Bürger gegen den Bau von Minaretten in ihrem Land, mit
57,5 % ein unerwartet deutliches Ergebnis. Es kam zustande, obwohl sich
ein Großteil der Medien, der politischen Elite, aber auch der kirchlichen
Hierarchie für den Bau stark gemacht hatte.
Beide Entscheidungen lösten heftige Debatten aus, die wichtige Aspekte
des gesellschaftlichen Zusammenlebens, unseres Rechtssystems, des Stellenwerts
von Glaube und Religion betreffen.
Für Christen geht es da um zentrale Fragen: Ist unser Glaube nur
eine Religion wie viele andere auch? Was unterscheidet ihn insbesondere
vom Islam, der in Europa so dynamisch voranschreitenden Religion? Welchen
Stellenwert hat der christliche Glaube im säkularisierten Europa?
Wer ist die letzte Instanz, wenn es um die Ausgestaltung des religiösen
Lebens geht - die jeweilige Gemeinschaft selbst oder der Staat?
Auf einige dieser Fragen werden wir auf den folgenden Seiten nach einer
Antwort suchen und hoffen, daß diese Suche auf Ihr Interesse stößt.
Christof
Gaspari
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