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Die Menschenrechte:
eine neue Religion
Die Menschenrechte
sind das neue Dogma der heutigen europäischen Gesellschaft. Es erlaubt
keine Kritik, keine Infragestellung. In einer ethisierenden Zivilreligion
nehmen sie die höchste Stelle ein. Demnächst sollen die Menschenrechte
in die Charta der Grundrechte der EU aufgenommen werden. Für alle
Länder, die den vereinfachten Vertrag als Ersatz für
die gescheiterte europäische Verfassung, ausgehandelt im Juni 2007,
ratifizieren, wird diese dann zwingend. Was beinhaltet diese Charta konkret?
n Die Charta diskriminiert das Recht jedes Menschen auf Leben, denn nicht
berücksichtigt werden die ungeborenen Kinder, die immer Opfer der
Abtreibung werden können, und auch nicht die Alten und Kranken, denn
man hat die Klausel der vorigen Konvention gestrichen. Danach durfte niemand
absichtlich getötet werden. Die Tür zur Euthanasie und
zum verordneten Selbstmord (unter ärztlicher Assistenz) ist damit
für alle geöffnet.
n Es gibt ein Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen (Art.
9), wobei es nicht mehr nötig ist, sich festzulegen, ob man einen
Mann oder eine Frau heiraten will. Alle gleichgeschlechtlich Orientierten
werden damit vor dem Staat den Bund der Ehe schließen und in den
Genuß der entsprechenden Rechtsgüter kommen können. Dazu
zählt auch das Recht, Kinder zu adoptieren. Sie werden es um so mehr
tun können, da sie wegen des Rechts auf freie sexuelle Orientierung
keine Diskriminierung zu erwarten haben (Art. 2 1).
n Bei der Erziehung ihrer Kinder haben die Eltern die demokratischen
Werte (Art. 1,4) zu respektieren.
Betont wird auch die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in
allen Bereichen, was die Religion einschließt (Art. 23). Hier
könnte sich in Zukunft die Strafverfolgung wegen widerrechtlicher
Diskriminierung gegen kirchliche Amtsträger herausdrehen lassen,
da die Kirche es für Frauen ausschließt, durch Weihe zu den
geistlichen Ämtern zu gelangen.
Es wird eine völlige Privatisierung der Religion verordnet, denn
Religion gefährdet die Freiheit in der Gesellschaft. Darum muß
eine Vereinbarung getroffen werden, die den religiösen Gemeinschaften
eine Einmischung in Fragen, die rein weltlich bleiben müssen, untersagt.
Wo die Ausübung der Religion mit den Menschenrechten oder dem
öffentlichen Interesse in Konflikt zu geraten scheint, ist es die
erste Pflicht der Regierungen, den demokratisch ausgedrückten Willen
der Bürger zu respektieren. Dies sind die wesentlichen Marksteine
auf dem Weg zu einer neuen Dogmatik, wie sie die Religion der Menschenrechte
hervorbringt. Sie duldet keinen Widerspruch und verbannt Geltungsansprüche,
die sich aus religiösen Ambitionen speisen, in die Sakristei.
Michael Stickelbroeck
Der
Autor ist Professor für Dogmatik an der Philosophisch-Theologischen
Hochschule St. Pölten.
Sein Beitrag ist ein Auszug aus Die Botschaft von Fatima und die christliche
Identität Europas in In den letzten Tagen werden schlimme Zeiten
hereinbrechen. Von Reinhard Dörner (Hrsg), Berichtband der Osterakademie
Kevelaer 2009, Verlag Kardinal-von-Galen-Kreis.
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