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Korrektur
eines verbreiteten Irrtums:
Die Religionen sind nicht gleich
Von P. Anselm Günthör OSB
Letztlich seien
alle Religionen gleich, alle seien Wege zu Gott - eine in Europa heute
weitverbreitete Vorstellung. Sie ist allerdings grundfalsch - und nicht
mit den Lehren des II. Vatikanischen Konzils zu vereinbaren.
Die Beurteilung der Religionen als zwar äußerlich verschiedene,
aber wesentlich auf ein und dasselbe Ziel ausgerichtete Wege findet heute
viel Sympathie und Zustimmung. Deshalb ist das Interesse für die
Meditationsmethoden der asiatischen Religionen in Europa sehr lebendig.
Die Tendenz, die Religionen auf diese Weise in Einklang zu bringen, ist
nicht ganz neu. Als die christliche Religion unter Kaiser Konstantin zu
Beginn des 4. Jahrhunderts im Römischen Reich Anerkennung, sogar
Förderung fand, suchte der heidnische römische Senator Symmachus
zu beweisen, daß die heidnische römische Religion legitim neben
der christlichen Religion weiterhin bestehe. Seine Worte: Das Gleiche
ist es, was alle verehren, eines, das wir denken, dieselben Sterne schauen
wir, der Himmel über uns ist eins, dieselbe Welt umfängt uns;
was macht es aus, auf welche Art von Klugheit der einzelne die Wahrheit
sucht? Man kann nicht auf einem einzigen Weg zu einem so großen
Geheimnis gelangen.
Wie verbreitet die Theorie, die die unterschiedlichen Religionen als Wege
zum selben Ziel ansieht, auch heute ist, hat sich Ende 2006 in der Erzdiözese
Köln gezeigt. Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, hatte für
die katholischen Schulen in der Erzdiözese die multireligiösen
Feiern untersagt. Die katholischen Religionslehrer in den staatlichen
Schulen hatte er angewiesen, solche Feiern nach Möglichkeit zu verhindern,
auf jeden Fall die Teilnahme der katholischen Schüler zu unterbinden.
Mit multireligiösen Feiern sind solche Veranstaltungen gemeint, in
denen die Teilnehmer gemeinsame Gebete sprechen, obwohl sie verschiedenen
Religionen zugehören, z.B. die einen der katholischen Kirche, andere
dem Islam. Die Verfügung des Kardinals ist nicht allein in der Erzdiözese,
sondern auch in der breiteren Öffentlichkeit auf heftige Kritik gestoßen.
Die Kritiker zeigten, wie die Theorie der Religionen als Weg zum selben
Ziel bereits weithin angenommen ist.
Die multireligiösen Feiern in den Schulen sind zunächst aus
religionspädagogischen Gründen unangebracht: Das Kind wird in
seiner religiösen Entscheidung verunsichert und verwirrt, und dies
gerade in einem Alter, in dem es Orientierung, nicht Orientierungslosigkeit
benötigt. Die Theorie der Religionen als Wege zum selben Ziel steht
im Gegensatz zur Wirklichkeit. Die Religionen streben zum Teil nach grundverschiedenen
Zielen. In asiatischen Großreligionen ist das Ziel nicht der persönliche
Gott, sondern eine weithin unbestimmte göttliche Wirklichkeit, eine
höchste Macht, ein oberstes Prinzip, Licht und Dunkel, Sein und Nichtsein.
Der eigentliche Buddhismus anerkennt keine Gottheit. Der christliche Glaube
ist dagegen ganz auf den dreipersönlichen Gott, auf Vater, Sohn und
Heiligen Geist ausgerichtet. Wo das Ziel so verschieden ist, sind auch
die Wege zum Ziel jeweils ganz anders.
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Im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes sagt das Zweite Vatikanische
Konzil mit der notwendigen Zurückhaltung über die Heilsmöglichkeit
in den nicht- christlichen Religionen: Gott kann Menschen, die das
Evangelium ohne ihre Schuld nicht kennen, auf Wegen, die Er weiß,
zum Glauben führen (Dekret über die Missionstätigkeit
der Kirche, Nr. 7).
In der Dogmatischen Konstitution über die Kirche spricht das Konzil
noch deutlicher. Der Heilswille Gottes umfaßt die dem jüdischen
Volk Zugehörenden, dann die Muslime, weiterhin die unter Schatten
und Bildern Gott Suchenden, sogar die Atheisten, die theoretisch Gott
leugnen, aber im Anruf des Gewissens Ihn ahnen und Ihm folgen. Gott kann
ihnen das Heil schenken und schenkt es denen, deren Herz offen ist und
die Ihn durch ihr sittliches Leben suchen. Das Heil, das Gott ihnen schenkt,
verbindet sie mit Christus, der auch für sie der Erlöser ist,
und in Christus sind sie mit seiner Kirche verbunden, auf sie hingeordnet.
So gilt auch in diesem Fall, daß es kein Heil gibt ohne Christus
und ohne Seine Kirche.
Die Lehre der Kirche darf nicht in dem Sinne mißverstanden werden,
daß die nichtchristlichen Religionen letztlich in gleicher Weise
wie die Kirche Vermittlerinnen des Heils und auch unter diesem Gesichtspunkt
alle Religionen gleich seien. Das Konzil schreibt nicht den nicht-christlichen
Religionen als solchen die Heilsvermittlung zu, sondern den einzelnen
Nichtchristen, unter der Bedingung, daß sie den wahren Gott suchen
und ihr Leben im Hören auf das Gewissen führen. Sie finden das
Heil nicht durch die nichtchristliche Religion, sondern durch die Gnade
Gottes in Christus und durch ihr persönliches religiöses Streben.
Papst Benedikt XVI. schreibt: Das Heil liegt nicht in den Religionen
als solchen, sondern es hängt mit ihnen zusammen, sofern und soweit
sie den Menschen auf das eine Gute, auf die Suche nach Gott, nach Wahrheit
und Liebe bringen.
Auszüge aus: Sind alle Religionen gleich? Die Antwort
Papst Benedikts XVI. Von Anselm Günthör OSB, fe-Verlag, Kiss_legg,
80 Seiten, 3,80 Euro. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
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