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Dr.
Gabriela L. de Csáky-Pallavicini, eine mexikanische Diplomatin
beginnt in Wien ein neues Leben
Karrierefrau wird begeisterte Mutter
Von
Alexa Gaspari
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Buenos Dias a la Merced de
Dios (mit Gottes Gnade einen guten Tag) - so begrüßt
man sich in San Diego de la Unión, dem kleinen Ort, etwa in der
Landesmitte von Mexiko gelegen, in dem Gabriela Legaspi de Csáky-Pallavicini
am 21. Mai 1967 als einzige Schwester von zwei Brüdern und als Tochter
eines Obersten der Kavallerie geboren wird. Bis zum heutigen Tag bekreuzigen
sich dort die Menschen auf der Straße und schauen zur Kirche, wenn
die Glocken zur Wandlung läuten. Ein besonders gläubiger Landstrich.
Sehr gläubig, aber auch streng sei ihr Vater, erzählt Gabriela,
diese schwarzhaarige Österreicherin aus Mexiko mit den lebendigen,
dunklen Augen. Beruhigend fügt sie hinzu: Seine Stahlhände
steckten aber in seidenen Handschuhen. Und was die weichen Handschuhe
nicht neutralisierten, das fing die Liebe der Mutter auf. Die Eltern versuchten,
ihre Kinder zu verantwortungsvollen Menschen zu erziehen: Alles,
was du machst hat Konsequenzen und fällt auf dich zurück,
hieß es daheim. Wenn du Gutes tust, wirst du gute Früchte
ernten - und umgekehrt. Ihr tragt Verantwortung für alles, was ihr
tut.
Mit einleuchtenden Beispielen wurden die elterlichen Ratschläge illustriert,
erzählt mir Gabriela, die nun selbst vielfache Mutter ist, temperamentvoll.
Ihrer Mutter war es wichtig, der Tochter möglichst früh verständlich
zu machen, daß Gott ihr einen großen Schatz mitgegeben hat,
der für ihren zukünftigen Mann bestimmt ist, eine kostbare Perle.
Die Eltern haben uns einen Glauben mit Herz weitergegeben, in dem
Dankbarkeit für alles Schöne, aber auch für alles Traurige
eine zentrale Rolle gespielt hat. Dieser Glaube wird ihr helfen,
zwei unglaublich harte Schicksalsschläge zu überstehen.
In ihrem netten, spanisch gefärbten Deutsch erinnert sie sich weiter:
Ich hatte eine sehr gute Erstkommunionsvorbereitung. Die Schwester,
die uns betreute, erklärte uns, jeder Mensch habe einen guten Kern
im Herzen. In ihm könne die Liebe zu Jesus wachsen. Die Eltern und
auch die Schwestern lehrten uns, was es heißt, ein Opfer zu bringen.
Die Schwester ermutigte uns, kleine Opfer für die Kinder zu bringen,
die nichts zu essen hatten. Das ist gut zum Erlernen der Selbstbeherrschung.
Auch sagte sie uns, daß wir Kinder Spiegelbilder unserer Eltern
seien. Also war ich brav. Niemand sollte glauben meine Eltern seien nicht
lieb.
Als das Mädchen 10 Jahre alt ist, übersiedelt die Offiziersfamilie
in die Hauptstadt Mexico City. Dort studiert sie nach Abschluß der
Schule an der Jesuiten-Universität Internationale Beziehungen. Sie
will nämlich Diplomatin werden. Ihre Dissertation untersucht die
diplomatischen Beziehungen zwischen Mexiko und dem Libanon. Einige ihrer
Ahnen mütterlicherseits stammen nämlich aus dem arabischen Raum.
Väterlicherseits kommt ein Teil der Familie aus dem Norden Spaniens.
Was für eine interessante Mischung!
Nach ihrem Studium arbeitet sie im Stab des Präsidenten, bekommt
dann ein Stipendium für ein Master Studium in Afrikanistik und Orientalistik.
Für ihr Masterdiplom unternimmt sie eine siebenmonatige Reise in
den Vorderen Orient. Ihr besonderes Interesse gilt den Beziehungen der
drei monotheistischen Religionen, dem Zusammenleben der Menschen verschiedener
Religionen in den Ländern des Orients. Es folgen sieben Jahre mit
interessanten Aufgaben im Außenamt. Unter anderem wirkt sie maßgeblich
an der Wiedereröffnung der mexikanischen Botschaft im Libanon mit.
Als sie einen Kongreß zum Thema Rechte für behinderte Menschen
organisiert, stößt sie auf der Homepage Baby Angels
auf den Namen Tamás Csáky-Pallavicini, der dort die Nebenwirkungen
empfängnisverhütender Mittel auf das Gehirn und das Sozialverhalten
der Frauen kritisiert. (Derzeit ist der aus Ungarn stammende praktische
Arzt Generalsekretär der FIAMC im Vatikan, der Internationalen Föderation
der katholischen Ärzteverbände). Via Internet lernen sie einander
kennen und bleiben in Kontakt. Sie stellen fest, daß sie in vielen
Fragen übereinstimmen: vor allem, was die zentrale Bedeutung des
Glaubens, der Werte und der Moral anbelangt. Drei Wochen nach Beginn der
Internetfreundschaft fliegt der Arzt im November 1998 nach Mexiko und
bleibt einen Monat. Am Tag der Unbefleckten Empfängnis
verlobt er sich mit Gabriela und am Tag seines Rückfluges heiraten
sie am Standesamt.
Als die Jungvermählte ihrer Chefin, die sie gerne als Kulturattaché
Mexikos geschickt hätte, eröffnet, daß sie nach Wien fliegt,
kirchlich heiratet, und dann dort leben wird, meint diese sehr weise:
Einen guten Mann zu finden, ist viel schwieriger als einen guten
Job zu bekommen, du hast meinen Segen.
Im Februar 1999 findet die kirchliche Hochzeit in Maria Treu in Wien statt.
Das ist aber schnell gegangen, wundere ich mich. Gabriela
lacht: Wir waren schon ein bißchen spät dran: ich 31,
er 38. Bis dahin war ich eine Karrierefrau. Die diplomatische Welt war
sehr interessant, aber ich hatte das Gefühl, nicht komplett zu sein.
Etwas Wesentliches ist mir abgegangen: Ehe und Kinder, das Gefühl,
Mutter zu sein. Wenn Gott es so will, dachte ich und wir Kinder bekommen,
werde ich die glücklichste Frau der Welt sein.
Sie verläßt also Familie, Land, Karriere aus Liebe zu ihrem
Mann. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt: Auch wenn ich jetzt keine
Karrierefrau mehr bin, sondern Hausfrau und Mutter, bleibt mir ja mein
Wissen. Viele Frauen meinen, wenn sie Hausfrau und Mutter sind, dann sind
sie nichts mehr. Für mich ist das Gegenteil wahr: Ich erlebe meine
mütterlichen Gefühle, verfüge aber auch über mein
professionelles Wissen. Dieses kann ich einmal an meine Kinder weitergeben.
Dazu wird auch das Studium der Politikwissenschaft dienen, das sie - soweit
es mit der Familie zu vereinbaren war - in Wien absolviert hat.
Und diese Kinder kommen dann in rasantem Tempo - und heißen alle
Maria. Die Buben am Ende ihrer Namen, (die hier nicht alle genannt werden),
die Mädchen als ersten Namen: Joannes Paulus Maria wird 2000 geboren,
Juan Diego Maria 2001, María del Carmen Guadalupe 2002, Maria Eloísa
2004, Maria Gabriela 2005 und María del Lourdes 2006. Maria de
la Esperanza (Maria der Hoffnung) kommt 2009 zwei Tage nach ihrem Tod
im neunten Schwangerschaftsmonat zur Welt.
Doch zunächst einmal zurück zu Juan Diego, dem Zweitgeborenen:
Gleich nach dem Verlassen des Spitals eilt die Mutter in die Votivkirche
im 9. Bezirk, um ihn der Gottesmutter von Guadalupe, deren Bildnis in
der Kirche hängt, zu zeigen. La Villa de Guadalupe liegt in Mexico-City.
Dort erschien die Muttergottes 1531 dem Indio Juan Diego. Als fortwährendes
Wunder kann man dort noch heute das nicht von Menschenhand gemachte Bildnis
der Gottesmutter, das damals plötzlich auf dem Mantel des Sehers
zu sehen war, bewundern. Diese Erscheinung und das Bild lösten eine
Bekehrungswelle in Mexiko aus: Innerhalb von nur acht Jahren bekehrten
sich mehr als acht Millionen Indios vom Götzendienst zum Christentum.
Heute ist La Villa de Guadalupe mit 20 Millionen Pilgern pro Jahr der
meistbesuchte Marienwallfahrtsort der Welt.
Gabrielas Sohn, der also den Namen des Sehers, Juan Diego, bekommt wird
daher in La Villa de Guadalupe getauft und der Muttergottes geweiht. Schwer
zu fassen ist daher, was bald darauf geschieht: Der Kleine ist 1 Jahr
und 4 Monate alt, als ihm vor den Augen der Mutter und des älteren
Bruders der Lift im Haus - übrigens illegal in Betrieb und ohne Sicherheitssystem
- zur tödlichen Falle wird. Der Bub überlebt das gräßliche
Unglück, das ich nicht näher beschreiben möchte, nicht.
Die Mutter muß hilflos zusehen und kann ihrem kleinen Sohn nicht
helfen.
Am 12. Dezember 2002 (dem Tag der Muttergottes von Guadalupe) wird Juan
Diego in Mexiko bestattet. Nun ruht er mit seiner Großmutter die
elf Monate nach ihm starb - noch ein schwerer Schlag für Gabriela
- in derselben Krypta.
Wie übersteht man so ein entsetzliches Erlebnis? Gabriela überlegt
kurz: Ich kann mir gut vorstellen, daß man ohne Glauben dabei
verrückt werden kann. Ohne Glauben wäre da nur eine große
Leere. In der Verzweiflung macht man da leicht eine Dummheit. Ihr
fester Glaube, seit der Kindheit gewachsen, hilft ihr und läßt
sie darauf vertrauen, daß alles in Gottes Hand liegt. Die Stärke
ihres Glaubens verhindert nicht nur, daß sie an Gott und der Muttergottes,
der Juan Diego ja geweiht worden war, verzweifelt, er trägt sie vielmehr
aus der Verzweiflung wieder hinaus. Dieser Glaube hilft nicht nur ihr,
sondern auch ihrer Familie, den Kindern, mit denen sie für ein Jahr
weg von Wien zieht, um Kraft abseits des Unglücksortes zu tanken.
Die Therapie, zu der sie sich entschließt, bricht sie der Kinder
wegen ab. Die Kinder selbst seien die beste Therapie gewesen, erklärt
sie mir leise lächelnd. Der ältere Bruder macht für 6 Monate
eine Spieltherapie. Bis zur Verurteilung des Verantwortlichen dauert es
mehrere Jahre.
Was sie nach dem Unglück verletzt, ist die Einstellung mancher Zeitgenossen.
Sie finden es unverantwortlich, mehr als zwei Kinder zu haben. Sie wollen
ihr einen Teil der Schuld zuschieben. Traurig meint sie: Die Gesellschaft
hier ist nicht an Familien mit vielen Kindern gewöhnt, wie in Mexiko.
Wir haben von Gott aber viele Kinder geschenkt bekommen. Nach dem Tod
von Juan Diego vier.
Für manche Mitbürger ist das geradezu ein Skandal, wie sie immer
wieder feststellen muß, wenn sie mit ihren, übrigens ausgesprochen
hübschen, lieben, fröhlichen Kindern unterwegs ist. Es ist gerade
so, als würde ihr Glück andere verletzen, ja angreifen. Immer
wieder bekommt sie Unschönes und Beleidigendes zu hören. Gabriela
versucht zu verstehen: Vielleicht hatten diese Menschen selbst keine
schöne Kindheit. Vielleicht waren manche an einer Abtreibung beteiligt
oder konnten keine Kinder bekommen. Sie wissen wohl nicht, daß auch
mein Leben nicht nur heile Welt ist, daß ich schon viel Kummer und
Schmerz zu bewältigen hatte.
Sechs Jahre nach dem Tod von Juan Diego erlebt sie eine weitere schwere
Prüfung. Gabriela erzählt mit Trauer in Blick und Stimme: Im
5. Monat der Schwangerschaft erfuhr ich beim Ultraschall, daß mein
Kind einen schweren Herzfehler habe. Meine bisherigen Schwangerschaften
waren alle unkompliziert. Eine Fruchtwasseruntersuchung mittels Punktierung
- gar nicht so ungefährlich für das Baby im Mutterleib -, zu
der man Frauen heute schon früher in der Schwangerschaft rät,
wollte ich nicht. Ich war entschlossen, jedes Kind anzunehmen, egal, was
die Untersuchung ergibt.
Im Krankenhaus sagt man ihr, das Baby würde ziemlich sicher die Schwangerschaft
nicht überleben. Sie könnte sich aber die Warterei auf den Tod
mit einer Abtreibung ersparen. Gabriela lehnt das sofort sehr entschieden
ab: Ich werde nichts tun, um das Leben meines Kindes zu beenden.
Ich habe schon ein Kind verloren. Was hätte ich darum gegeben, ihm
helfen zu können!
Die Ärzte aber drängen weiter auf Abtreibung.. Eine Tomographie
wird vorgeschlagen, um die Diagnose zu bestätigen und als Überzeugungshilfe
für die Abtreibung. Außerdem werden weitere Geschütze
aufgefahren: Sie könnte beim Tod des Kindes verbluten. Daher sei
ihre Haltung den andern 5 Kindern gegenüber unverantwortlich. Was
für eine Belastung für die Frau! Mit ihrem Mann entscheidet
sie allerdings, alles solle unternommen werden, um dem Baby das Überleben
zu ermöglichen.
Also muß Gabriela regelmäßig ins Spital, um, wegen der
Wasseransammlung, punktiert zu werden. Ihr Mann, fürchtet, daß
die Ärzte heimlich hoffen, das Kind könnte als Folge der Punktion
sterben. Man zeigt ihnen auch keine Ultraschallbilder und tut so, als
sei das Kind ein Monster, um sie zur Abtreibung zu bewegen.
Eine Psychologin erklärt ihr lieb, nett und freundlich, es sei gesetzlich
zulässig, mißgebildete, kranke Kinder, die lebend zur Welt
kommen, zwar mit Schmerzmitteln aber mit nichts anderem zu versorgen,
bis sie sterben. Ein skandalöses Angebot, findet Gabriela: Sie
haben mit mir den Mord an meinem Kind planen wollen, sagt sie fassungslos
und kann diese Einstellung absolut nicht begreifen.
Und doch entspricht sie so ganz dem Zeitgeist: Behinderte Kinder stören,
dürfen nicht zur Welt kommen. Papst Benedikt XVI. hat dies bei einer
Ansprache im März 2006 klar zum Ausdruck gebracht: Die Option
für das Leben und die Option für Gott sind identisch
Eine
Gesellschaft, die Gott vergißt, die Gott ausschließt, gerade
weil sie das Leben haben will, versinkt in eine Kultur des Todes. Weil
man das Leben haben will, sagt man ,nein' zum Kind, denn es nimmt mir
einen Teil meines Lebens, sagt man ,nein' zur Zukunft, um die ganze Gegenwart
zu haben, sagt man ,nein' zum werdenden und zum leidenden Leben, das dem
Tod entgegengeht.
Genau das muß Gabriela bei ihren Untersuchungen im Spital erleben,
auf einer Station, an der man vor allem Abtreibungen aufgrund medizinischer
Indikation durchführt. Mit einigen Müttern kommt Gabriela ins
Gespräch: Als sie einmal weint und erzählt, daß ihr Kind
schwer krank sei, antwortet ihr eine Frau: Sie selbst wolle kein krankes
Kind haben. Auf Gabrielas Einwurf: Es ist doch ihr Kind!,
wendet sich die Frau ab. Wie vielen Frauen wird heute die Entscheidung
zur Abtreibung freundlich, aber sehr bestimmt aufgezwungen? Wie viele
wußten, was sie da taten?
Gabriela lernt im Spital auch Frauen kennen, die eine künstliche
Befruchtung hatten: Manchen hatten man drei oder vier Kinder in
die Gebärmutter eingepflanzt. Eine sagte zu mir: ,Der Arzt kommt
gleich, um mir zu sagen welches Geschlecht die Kinder haben. Ich soll
dann entscheiden, wie viele ich haben will und welches Geschlecht die,
die ich behalten will, haben sollen. Eine andere Frau wollte alle
4 Babys, die man ihr eingepflanzt hatte, behalten, die Ärzte aber
hielten dieses Risiko für zu groß. Eine irrsinnig gewordene
Welt, oder?! Gabriela und ihr Mann Tamás jedenfalls waren fest
entschlossen, um das Leben ihres Babys zu kämpfen.
Gabriela erinnert sich: Mir wurde bewußt: Als kleiner Mensch
kann ich nichts dazu tun, sondern nur auf Gott hoffen. Ich habe mein Leben
und das meines Kindes total in Gottes Hand gegeben. Es ist Seine Entscheidung.
In Mexiko gibt es ein Sprichwort: Ein Blatt bewegt sich am Baum, nur wenn
Gott es will. Da kam eine große Ruhe über mich, ganz tief drinnen.
P. Bernhard Vosicky aus Heiligenkreuz hat dann unser Baby im Mutterleib
notgetauft. Auf die Frage: Wie soll es heißen? -entscheidet
Gabriela: Maria der Hoffnung: Weil sie unsere Hoffnung für
Leben, Gesundheit und vor allem das Leben im Himmel ist, erzählt
die Mutter. Ich merke, wie sehr sie die Erinnerung bewegt.
Bei jeder Kontrolle im Krankenhaus wundert sich das Team, daß das
Baby noch immer lebt. Alleine das ist schon ein Wunder. Ein Kaiserschnitt
im neunten Monat wird geplant. Am Tag vor dem Kaiserschnitt wird beim
Ultraschall jedoch festgestellt: Das Mädchen ist gerade gestorben.
Es ist der 4. August.
Die Ärztin holt den Vater ins Nebenzimmer mit den Worten: Jetzt
können wir einen Cognac trinken. Wir haben erreicht, was wir wollten:
Sie haben keine Probleme mehr, brauchen aber auch kein schlechtes Gewissen
zu haben. Der Vater ist erschüttert über diese, zwar freundlich
gemeinte, aber letztlich schrecklich zynische Bemerkung.
Erst zwei Tage später wird eine normale Geburt eingeleitet. Was für
ein Leiden für die Mutter! Sie schreibt ein Gebet mit dem Titel:
Dank für die Geburt ins ewige Leben von Maria de la Esperanza.
Dank auch dafür, daß sie die Taufe erhalten hat, daß
ihre Seele bei Gott ist und sie nun mit ihrem Bruder spielen könne.
Esperanza wird nach der Geburt - sie ist ein wunderschönes Baby-
in einem Taufkleidchen aufgebahrt und auch ihre Geschwister kommen, um
sich von ihr zu verabschieden. So erleben sie, daß dieses Schwesterchen
Teil der Familie ist und daß ihr Tod Teil ihrer aller Leben hier
auf Erden ist. All das hängt aber am Glauben an Gott,
stellt Gabriela dezidiert fest, sonst bleibt nur Verzweiflung.
Maria de la Esperanza hatte eine Mission für uns, fährt
sie mit kräftigerer Stimme fort, aber auch für unsere
Freunde, für die Ärzte und Schwestern, die uns begleitet haben.
Die Schwestern, mit denen sich Gabriela im Spital angefreundet hatte,
waren öfter ganz deprimiert nach einer Abtreibung zu ihr gekommen,
um mit einer Mutter sprechen zu können, die für ihr Kind kämpft,
die Gott den Zeitpunkt des Todes ihres Kindes bestimmen läßt.
So konnte sie den Schwestern und Ärzten bezeugen, was eigentlich
Mutterliebe ist, wie wertvoll jedes Kind ist, ganz gleich, wie behindert
es sein mag, daß es selbstverständlich wert ist, um sein Leben
zu kämpfen und ihm einen würdigen Tod zu ermöglichen. Einer
der Ärzte kam sogar und beglückwünschte sie. Er bewundere
ihren Kampf um das Baby.
Was dem Paar in dieser Not noch geholfen habe? Das begleitende Gebet von
Freunden, Priestern und Ordensschwestern. Das gab uns viel Kraft,
all das durchzustehen.
Nun wollen Gabriela und ihr Mann ganz für ihre 5 Kinder da sein,
ihnen eine glückliche Kindheit ermöglichen. Wie wichtig den
Eltern ihre Kinder sind, ist leicht an dem ungarischen und mexikanischen
Temperament zu erkennen, mit dem sie mir nun im Duett von den Werten sprechen,
die sie ihnen mitgeben wollen:
Die Sätze ergänzen sich. Wir wollen ihnen gute moralische
Werte mitgeben und einen starken Glauben. Das muß tief eingeprägt
sein, bevor sie 12 Jahre alt sind. Denn mit der Pubertät sind sie
nicht mehr so empfänglich für die Ansichten der Eltern. Alles,
was sie vorher als schön, richtig und als wertvoll erfahren haben,
läßt sich später im Leben wieder ausgraben, darauf läßt
sich zurückgreifen, auch wenn man zwischendurch weit davon entfernt
gelebt und gehandelt hat. Für ihre Zukunft sei es wichtig,
gelernt zu haben, sich mit ihren Bitten und ihrem Dank an Gott zu wenden,
das werden sie später in Notzeiten hoffentlich auch tun.
Kinder, die spürbar viel Liebe bekommen, darin sind sich die Eltern
einig, akzeptieren einiges an Erziehung , die ihnen immer im Leben helfen
kann.
Dr. Csaky - er saß bei unserem Gespräch dabei - zieht einen
Vergleich: Wenn man zu einem Unfall kommt und nichts von Erster
Hilfe versteht, gerät man schnell in Panik, weiß nicht, was
man tun soll und kann leichter Fehler machen als wenn man auf Notfälle
vorbereitet ist. Genauso ist es mit den Kindern: Wenn sie von zu Hause
gut geformt, stark gemacht und vorbereitet wurden, können sie in
schwierigen Lebenssituationen besser reagieren. Man zehrt von dem, was
man gelernt hat.
Und Gabriela fügt sehr bestimmt hinzu: Wir müssen unsere
Kinder auch gegen einiges in dieser Gesellschaft zu immunisieren versuchen,
ihr Selbstbewußtsein stärken. Sie sollen keine Fanatiker werden,
aber doch lernen, ihren Standpunkt und ihren Glauben zu vertreten und
zu verteidigen. Sie sollen nicht nur glückliche, sondern vor allem
auch verantwortungsbewußte Menschen werden.
Gabriela hat die Schicksalschläge, die sie - und ihre Familie -,
erlitten hat, keineswegs verdrängt und sie leidet wohl auch weiterhin
unter so manchen Aspekten der Kultur des Todes. Ich habe sie
trotzdem als fröhliche und zuversichtliche Frau erlebt, die entschlossen
ist, gemeinsam mit ihrem Mann und mit Gottes Hilfe allen verrückten
Gesellschaftsentwicklungen zu trotzen: Hoffnung ist der Glaube an
Gott, lächelt sie ruhig . Wir vertrauen darauf, daß
wir in Gottes Hand sind.
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