VISION 20004/1999
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"Bleibe auf deinem Weg!"

Artikel drucken Geschichte einer Priesterberufung (P. Florian Calice)

Wer das folgende Zeugnis einer Priesterberufung mit jener von Dr. Ernst Strachwitz (Seite 8) vergleicht, wird erkennen, wie unterschiedlich die Wege der Vorsehung sein können. Jede Berufung ist einmalig - so besonders, wie nun einmal die Wege Gottes mit jedem einzelnen Menschen sind.

Ab wann hattest Du den Eindruck, daß Du Priester werden solltest?

P. Florian Calice: Wirklich mit einer großen Freude bewußt geworden ist mir das, als ich ungefähr 17 gewesen sein dürfte. Ich war damals in England als "paying guest". In dem kleinen Ort dort war zufällig eine katholische Kirche. Da bin ich jeden Abend in die Heilige Messe geradelt. Und als ich einmal auf dem Fahrrad von der Heiligen Messe zurückgekommen bin, da war plötzlich dieser Gedanke: "Ich kann ja Priester werden!" Ich erlebte das mit großer Freude.

Später ist mir bewußt geworden, daß ich schon mit 13 sehr vom damaligen Frater und jetzigen Pater Felix Selden - damals waren wir mit einer Ministrantenrunde in England -, von seiner geistlichen Berufung beeindruckt war. Schon damals sagte ich mir, daß ich auch Priester werden möchte. Allerdings ist das wieder in den Hintergrund getreten.

War dieses Erlebnis mehr Ausdruck Deines Wunsches oder hattest Du die Erfahrung, daß es sich um einen Anruf Gottes handelte?

Calice: Was Gott eigentlich von mir möchte, habe ich nie wirklich gespürt. Das war immer das große Fragezeichen. Ich spürte allerdings, was ich selber wollte. Den Willen Gottes habe ich eigentlich immer so erlebt: Jedesmal, wenn ich mir dachte: "Ich höre auf", da war die Erfahrung eindeutig: Das will Gott nicht. Ich habe ja zehn Jahre bis zur Priesterweihe gebraucht und da war schon öfter der Gedanke da: "Ich laß es und mach' was anderes'. Aber wie gesagt, in diesen Situationen war die Erfahrung: "Bleibe auf dem Weg!" Ich bin also auf einen Weg gesetzt worden und habe verstanden, daß ich diesen Weg auch wirklich gehen soll. Erst jetzt, wo alles schon geschehen ist, habe ich die Sicherheit.

Wie hast Du diese bekommen?

Calice: Rückblickend habe ich immer wieder gesehen, daß mir in Momenten der Krise dann immer wieder bewußt war: "Wenn ich diesen Weg aufgebe, entferne ich mich von Christus." Die Nähe, die mir der Herr geschenkt hat, wollte ich unbedingt bewahren. Und ich habe gespürt, Priester zu werden, bringt mich Ihm näher als alles andere.

Sehr stark habe ich es auch gespürt, wenn ich um die Frage des Zölibats gerungen, mit einer gewissen Einsamkeit gekämpft habe. Da habe ich erfahren, daß der Herr ganz stark gegenwärtig war und einfach alles ist für mich. Sehr wichtig war auch, daß ich in meinen ersten drei Priesterjahren wirklich über das Maß Zuspruch bekommen habe. Und damit hat mir Gott auch die Zuversicht gegeben: Es ist gut, daß ich Priester bin.

Gott ist da sehr barmherzig mit mir. Ich kenne Priester, die werden ganz anders geführt: Sie lernen ständig die Demut. Für mich aber war dieser Weg so wichtig. Sonst hätte ich vielleicht heute noch Zweifel, ob ich das Richtige mache.

Und wie bist Du auf die Idee gekommen, Oratorianer zu werden?

Calice: Meine Schlüsselerlebnisse waren die Begegnungen mit den Priestern des Oratoriums hier. Ich bin nämlich in ihrer Pfarre im dritten Wiener Bezirk aufgewachsen. Mein ganzes Priesterbild habe ich hier empfangen. Und dieses Bild war sehr schön: der Priester als liebenswürdiger, glücklicher Mensch, der Christus wirklich liebt und ganz für Ihn da ist. Ich fand das wunderbar. Und daher war für mich Priester sein und Oratorium immer sehr eng verbunden.

Als ich in England auf die Idee kam, ich könnte Priester werden, war das eigentlich das Ende einer Entwicklung. Gewachsen ist das sicher durch die Heilige Messe. Ich hatte eine große Freude an ihr.

Ein Schlüsselerlebnis ereignete sich 1983. Da fand ich ein Büchlein über Fatima. Ich habe es gelesen. Und diese Geschichte hat mich zutiefst beeindruckt. Damals - ich war 16 - begann ich den Rosenkranz zu beten, der Beginn eines geistlichen Lebens. Als Ministrantenführer mußte ich sehr oft ministrieren. Und dabei habe ich die Heilige Messe entdeckt.

Mit 17 hatte ich in St. Wolfgang ein sehr schönes Erlebnis, an einem Ostersonntag: Bei einer Frühmesse habe ich im Moment der Wandlung erlebt: Jetzt ist Jesus da. Den Priester habe ich gar nicht mehr gesehen. Ich war sehr beeindruckt.

Bevor ich eingetreten bin, mit 18, habe ich mir gedacht, man müsse ja nicht Priester werden, um Christus nachzufolgen. Es gibt ja ein so tolles, vielfältiges Laienapostolat. In einem Gespräch mit Dr. Bastl, dem früheren Pfarrer, sagte mir dieser, die Aufgabe des Priesters sei es, die Heilige Messe zu feiern und die anderen Menschen darauf vorzubereiten. Alles ließe sich darin zusammenfassen. Und da habe ich mir gedacht, das sei genau das, was ich möchte.

P. Florian Calice ist Oratorianer in Wien, mit ihm sprach Alexa Gaspari.

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