VISION 20004/1999
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Ich übergab Gott meine Wünsche

Artikel drucken Berufung zur Ehe: ein Zeugnis (Anita Maria Garz)

Schon als Kind hatte ich den Wunsch, einmal zu heiraten. Ich fand unser Familienleben sehr schön und wollte selbst auch eine Familie gründen. Besonders fasziniert hat mich immer das "Mutter-sein".

Ich kann mich noch erinnern, daß ich im Alter von fünf Jahren meine Mutter gefragt habe: "Mama, wie ist das für Dich, daß Du Mama bist? Das muß doch wunderbar sein! Ich bin Dein Kind. Das ist schön für mich. Aber es muß doch noch viel schöner für Dich sein, daß du meine Mama sein darfst?!" Meine Mutter war wohl über meine ungewöhnliche Frage überrascht.

Als Jugendliche überlegte ich etwas ängstlich, ob es vielleicht Gottes Wille sei, daß ich Klosterschwester werde. Ich fand das konkrete Ordensleben nicht sehr anziehend und wollte eigentlich nie ins Kloster eintreten.

Jedoch verspürte ich oft den tiefen Wunsch, mich Gott ganz hinzugeben. Schon in jungen Jahren hatte ich Gott sehr tief in meinem Leben erfahren und das Glück, ganz Ihm zu gehören, übte eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf mich aus. Ich wollte unbedingt heilig werden und dachte, daß es dabei wohl besser sei, jungfräulich zu leben.

So trug ich einige Zeit den Gedanken in mir, auf die Ehe, die ich immer wunderbar fand, aus Liebe zu Gott zu verzichten.

Da jedoch der Wunsch, mit einem geliebten Menschen mein Leben zu teilen und mich gemeinsam mit ihm Gott anzuvertrauen, wuchs und ich einfach beides ersehnte - eine eigene Familie zu gründen und ein heiliges Leben zu führen -, begann ich etwa ab dem 20. Lebensjahr nach einem gläubigen Mann zu suchen und für ihn zu beten. Doch ich sollte lernen, in der Geduld zu wachsen...

Über die Jahre lernte ich einige junge gläubige Männer kennen und war jeweils sehr kurz mit ihnen befreundet; aber eben immer nur sehr kurz, da ich mich nie richtig wohl fühlte und nicht das dauerhafte Gefühl hatte, daß wir zusammenpassen würden. So war ich die meiste Zeit sozusagen "Single". Das fiel mir nicht immer leicht. Einige meiner Freundinnen heirateten.

Ich freute mich sehr darüber, fragte den lieben Gott aber oft: "Und was ist mir mir? Hast Du mich vergessen?" Auch fand ich es schwierig, genug gläubige Männer kennenzulernen. Ich ersehnte aus tiefstem Herzen einen gläubigen Mann, mit dem ich das, was mir am wichtigsten im Leben war, teilen konnte.

Oft dachte ich, daß Gott eigentlich immer ein Wunder wirkt, wenn die Richtigen zusammenfinden. Leider ertappte ich mich manchmal dabei, ungeduldig oder sogar ein bißchen unglücklich zu werden, weil die Zukunft so ungewiß vor mir lag.

Allerdings wußte ich, daß ich nichts erzwingen durfte und daß es wichtig ist, trotz mancher unerfüllter Wünsche, glücklich zu sein, das Leben dankbar - so wie es ist - anzunehmen und sich gelassen Gottes Führung anzuvertrauen. So übergab ich Gott immer wieder meine Wünsche und machte mir bewußt, daß selbst eine gute Ehe nicht das letzte und wichtigste Ziel auf Erden ist.

Der Gedanke, daß die Menschen im Himmel nicht mehr heiraten, sondern wie die Engel sind, tröstete mich oft. Häufig dachte ich daran, daß das Wichtigste auf der Erde doch die Liebe zu Gott und zu den Menschen ist. So waren all die "Single-Jahre" letztlich sehr erfüllt und wunderschön.

Ich konnte viele Dinge tun, die ich als Ehefrau und Mutter nie alle zusammen hätte tun können: Neben meinem Beruf als Pastoralassistentin und Psychotherapeutin in der Krankenhausseelsorge, den ich sehr liebe, organisierte ich Reisen mit Jugendlichen nach Medjugorje, leitete einen Gebetskreis, gründete eine Anbetungsgruppe, war im Musikteam engagiert...

So versuchte ich, Gott meine Zeit zu schenken.

Meinen 30. Geburtstag werde ich nicht vergessen: Damals wußte ich immer noch nicht, ob und welchen Mann Gott mir schenken wollte. Mir war bewußt, daß ich immer älter werde und nun auf den "Vierziger" zugehe. Doch statt einem eventuell aufkommenden Panikgefühl verbrachte ich diesen Tag in großer Freude. Ich fuhr mit dem Rad bei Sonnenschein unter blühenden Bäumen, sang dabei und konnte Gott nur für mein ganzes Leben danken. Ich dachte: "Oh, Gott, wenn ich jetzt sterben würde - auch mit meinem noch immer unerfüllten Wunsch - so könnte ich Dir doch nur danken. Du hast mir alles geschenkt, was ich brauche: mein Leben, meine Familie, gute Freunde, meinen Beruf und vor allem, daß ich Dich kennen darf; das ist das Schönste!"

Kurze Zeit später - während einer Novene zum Heiligen Josef - verliebte ich mich unerwartet in einen meiner besten oder sogar meinen besten Freund. Wir hatten uns vor Jahren auf einer Hochzeit von Freunden kennengelernt, fuhren zweimal im Jahr miteinander nach Medjugorje, saßen sogar meist im Autobus nebeneinander, haben uns oft getroffen, viel miteinander geredet und telefoniert, unsere Gedanken ausgetauscht, waren miteinander wandern...

Ich schätzte ihn (Eric) immer sehr, zog ihn aber als möglichen Ehemann nie so richtig in Erwägung. Das lag wohl daran, daß ich eine zu enge Vorstellung von meinem künftigen Ehemann hatte.

Es war sicher das Gebet, das mich von meinen Festlegungen befreite. Plötzlich öffnete sich mein Herz für Eric, und mir wurde bewußt, was für einen treuen Freund ich in ihm schon viele Jahre lang gefunden hatte. Er war immer für mich da, ich konnte mit ihm über alles reden, mit ihm so herzlich lachen; ich fühlte mich in seiner Gegenwart wohl; er hat mich stets aufgebaut und im Guten und im Glauben unterstützt ...

Es war eine ganz große Freude für mich, als ich in ihm den geliebten Menschen erkennen durfte, mit dem ich mein Leben teilen wollte. Und da unsere Liebe auf Gegenseitigkeit beruhte und wir uns beide von Gott zusammengeführt fühlten, heirateten wir am 13. Mai dieses Jahres! Wir sind inzwischen zwar noch sehr kurz, aber sehr glücklich verheiratet!

Da ich mir immer vorgenommen hatte, all jene, die noch auf der Suche nach einem gläubigen Partner sind, auch dann nicht zu vergessen, wenn ich ihn selbst gefunden habe, betete ich während unserer Trauungsmesse sehr intensiv für sie alle. Ich bin sicher, daß Gott mit jedem Menschen einen eigenen Liebesplan hat und alle - ob verheiratet oder unverheiratet - glücklich machen möchte. Ich vertraue auch darauf, daß Gott noch viele gläubige Menschen zusammenführen wird und uns viele heilige Ehen schenken möchte! Beten wir gemeinsam dafür!

Anita Maria Garz, geb. Obereder

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