VISION 20004/1999
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Ein Loblied auf Gottes Wundertaten

Artikel drucken Christoph Hurnaus begleitete für VISION 2000 den Papst durch Polen

Polen, das Land im Osten Europas, hat der Kirche und Welt von heute das große Geschenk dieses Papstes gemacht. Und es beschenkt unsere kranke Kirche in Westeuropa mit einer erfrischenden Katholizität, die wohl kaum anderswo so stark zu finden ist: 20 Millionen Gläubige bei den Treffen mit dem Papst in nur zwölf Tagen. Das sind Kategorien, die eigentlich nur auf den Philipinen oder in Südamerika zu erzielen wären.

Es war bereits die siebte Reise des alternden Pontifex in seine geliebte Heimat. Auch polnische Medien glaubten nicht an eine Wiederholung eines Phänomens, über das sie zwei Jahre zuvor bei der letzten Heimatvisite des Papstes berichtet hatten. Damals kamen etwa sieben Millionen Pilger um den großen Sohn ihres Landes zu sehen.

Man könnte sagen, "Der Papst kam, sah und siegte", oder eben der liebe Gott siegte durch sein Werkzeug, das er hier auf polnischem Boden geschnitzt hatte. Ein Land das in diesem Jahrhundert unsagbare Repressionen fremder Völker erleiden mußte. Dessen Gläubige jahrzehntelang den Schikanen der kommunistischen Behörden ausgesetzt waren, sich aber nicht in die Katakomben treiben ließen.

Es war wohl auch die besondere Beziehung der Polen zur Schwarzen Muttergottes von Tschenstochau, die ihnen die Kraft gab diese Zeit zu überstehen. In weiser Voraussicht startete Kardinal Wyszynski 1966 ein Programm der Erneuerung für die polnische Kirche, die sich auf die 1000-Jahr-Feier ihrer Christianisierung vorbereitete. Daß dieses Erneuerungsprogramm solch große Früchte bringen würde, ahnte damals wohl niemand.

Als Papst Johannes Paul II. im Juni 1979 erstmals seine Heimat besuchte, löste das ein Erdbeben aus, das rasch auf die anderen Länder im kommunistischem Machtbereich übergriff.

Damals besuchte er die Bischofsstadt Gnesen wo er die prohetischen Worte ausrief, die Europa verändern sollten: "Will Christus nicht vielleicht, daß dieser polnische, dieser slawische Papst gerade jetzt die geistige Einheit des christlichen Europas sichtbar macht, die zwar den zwei großen Traditionen von Ost und West viel verdankt, aber in beiden, einen Glauben, eine Taufe, einen Gott und Vater aller verkündet? Ja, Christus will es ..."

Und Christus wollte es auch daß er genau 20 Jahre später wiederkam um bei den verschiedenen Stationen des Besuches ein Loblied auf die Wundertaten Gottes anzustimmen.

Dieser Besuch war ein einziges großes Dankgebet mit dem der Pontifex schon ins Jubeljahr 2000 einstimmte. Auf dem Warschauer Pilsudski Platz feierte er wie vor genau 20 Jahren eine heilige Messe. Damals sprach er die Worte: "Komm herab o heiliger Geist und erneuere das Angesicht der Erde." Sie waren umso bemerkenswerter, da Erde in polnischer Sprache auch Land im geographischen Sinne bedeutet. Während der heurigen Feier sprach Johannes Paul II. 108 Märtyrer aus dem 2. Weltkrieg selig. Auch wenn seit der Öffnung Polens zum Westen eine Welle der Säkularisierung durch das Land ging, hat die Kirche sich doch im wesentlichen ihre Substanz bewahrt.

Dieser Besuch des Papstes zeigte das nur zu deutlich auf: Tausende Pilger auf den Straßen Polens, die oft schon am Vortag aufgebrochen waren um dem Treffen des Papstes beizuwohnen. Unter ihnen dutzende Priester, auch als solche erkennbar, umringt von vielen hübschen jugendlichen Gesichtern. Begeistert stimmten sie ihre slawischen Kirchengesänge an, die von tiefer Schönheit getragen sind und schnell zu Herzen gehen.

Die Gottesdienste standen in ihrer Schönheit und Lebendigkeit keinesfalls unseren nach. Nach dem Geheimnis ihrer Glaubensfreude fragend, bekam ich von meinen polnischen Freunden immer wieder die gleiche Antwort. Es ist die "Christliche Familie", die hier noch lebendiger ist als in anderen Teilen unseres Kontinentes und die die Basis für die Aufbrüche in der Kirche bietet. Die ganze Kirche erscheint als große Familie in der alle präsent sind: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und auch ältere Semester.

Und wie immer bei den Besuchen in seiner Heimat lebte der Papst getragen von der Liebe und Begeisterung seiner Landsleute sichtlich auf. Ohne diese Unterstützung hätte er wohl das Mammutprogramm dieser längsten Visite seines Pontifikates nicht geschafft.

Typisch dafür war das Geschehen um seine Erkrankung in Krakau. Zwei Millionen waren zu dieser Begegnung aufgebrochen. Als jedoch um zehn Uhr vormittags KardinalAngelo Sodano auf dem Stuhl des Papstes Platz nahm, um mit den Gläubigen Messe zu feiern, und bekannt geworden war, daß der Papst mit 38 Grad Fieber das Bett hüten mußte, machte sich tiefe Niedergeschlagenheit breit. In dieser eigenartigen Stimmung spürten auch die aus dem Ausland mitgereisten Journalisten, um wieviel ärmer die Welt nach der Ära Johannes Paul II. sein wird.

Doch wider alle Erwartungen erschien der Papst wie geplant zur Heiligsprechung am nächsten Tag und auch am Abend zum Besuch seiner Heimatstadt Wadowice. Nur zwei- bis dreitausend Menschen faßt dort der Stadtplatz. Als der Papst eintraf, erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Tiefbewegt sagte er in seiner Ansprache: "Ich fühle so sehr euer Gebet! Die Kirche braucht es so dringend. Die ganze Welt hat es so notwendig!"

Was sich nach der Ansprache abspielte, war unbeschreiblich: Der Papst, noch am Tag zuvor von der internationalen Presse zum x-ten Male als sterbenskrank bezeichnet, war mit neuem Leben erfüllt. Sein starker Geist besiegte wie so oft seine körperliche Schwäche. Seine Spontaneität und sein Humor erwachten. Die Bewohner seiner Heimatstadt konnten sich vor Freude kaum halten.

Johannes Paul II. zeigte auf seiner Polenreise einmal mehr auf, daß wir mit ihm auch im neuen Jahrtausend rechnen dürfen. Er kam jedenfalls nicht, um sentimental Abschied von seiner Heimat zu nehmen, sondern mit Visionen für das neue Jahrttausend.

Am letzten Tag seiner Reise besuchte er außer Protokoll spontan die Muttergottes von Tschenstochau, um für alle Wunder während der Reise zu danken. Im Nu waren 500.000 Menschen um ihn, vor allem Jugendliche.Gerade an sie wendet sich seine Botschaft für das neue Jahrtausend vom "Guten Hirten".

In Polen läutete der Papst gleichsam das Jubeljahr der Geburt Christi ein.

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