VISION 20006/1999
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Pressesplitter

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Strafe für Gewalt an Ungeborenen
Der US-Kongreß hat ein Gesetz verabschiedet, nach dem Gewalt gegen Föten bestraft werden kann. Laut dem mit 254 gegen 172 Stimmen angenommenen Gesetz kann ein Gewalttäter, der bei einem Angriff auf eine schwangere Frau auch deren ungeborenes Kind verletzt oder sogar tötet, für zwei separate Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. Nach den neuen Bestimmungen ist der Angreifer auch dann für Schäden am Fötus verantwortlich, wenn er von der Schwangerschaft der Frau nichts wußte. Das neue Gesetz trifft nicht auf freiwillige Abtreibungen zu. Außerdem kann beim unbeabsichtigten Tod des Fötus nicht die Todesstrafe verhängt werden. Falls jedoch nachgewiesen werden kann, daß der Angreifer das ungeborene Kind töten wollte, kommt die Todesstrafe zur Anwendung.
Kathpress v. 1.10.99

Welche Schizophrenie unserer Gesellschaft im Umgang mit dem ungeborenen Kind! Da gibt es die Todesstrafe für eine Handlung, die unter anderen Voraussetzungen nicht einmal Tötung genannt werden darf:

Abtreibung nicht Tötung nennen
In einem Verfahren hat das Amtsgericht Heidelberg ... die Lebensrechtsorganisation "Mut e.V." und ihren Vorsitzenden auf die Klage eines Arztes hin verurteilt, es zu unterlassen, in der Öffentlichkeit "den Namen oder die Person des Klägers im Zusammenhang mit Abtreibungen bzw. Schwangerschaftsabbrüchen zu nennen, wenn sie gleichzeitig Abtreibung als Tötung oder Kindesmißhandlung bezeichnen." Dabei wird ein Ordnungsgeld bis 500.000 DM oder eine Ordnungshaft bis zu 6 Monaten angedroht. In der Begründung behauptet das Gericht ... : "Unter den Voraussetzungen des § 218a II StGB ist ein mit Einwilligung der Schwangeren von einem Arzt vorgenommener Schwangerschaftsabbruch nicht rechtswidrig. ... Die Abtreibung ist gerade nicht Tötung eines Menschen, sondern Tatobjekt des Schwangerschaftsabbruches ist die menschliche Leibesfrucht. Die Tathandlung besteht auch nicht in der Tötung eines Menschen ... sondern im Abbrechen der Schwangerschaft..." IK-Nachrichten 10/99

Hier äußert sich der totalitäre Anspruch der Kultur des Todes ganz ungeschminkt. Die ideologisierten Gerichte bauen unsere Gesellschaft hemmungslos um, wie auch folgende Meldung zeigt:

An die Waffen mit den Frauen!
Die deutschen Bestimmungen, die Frauen generell von Kampfeinheiten der Bundeswehr ausschließen, verstoßen gegen europäisches Recht. Diese Auffassung hat der Generalanwalt am Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften, La Pergola, am Dienstag in seinem Schlußantrag zum Rechtstreit zwischen der deutschen Elektronikerin Tanja Kreil und der Bundeswehr vertreten... Das deutsche Verbot, Frauen in anderen Laufbahnen als im Sanitäts- und Militärmusikdienst einzustellen, verstoße gegen die europäische Richtlinie zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Berufsleben ... Generalanwalt La Pergola legt in seinem Schlußantrag dar, der weitgehende Ausschluß der Frauen aus der Bundeswehr sei auch nicht dadurch gerechtfertigt, daß Deutschland sie vor jeder Mitwirkung an Kampfeinsätzen schützen und sicherstellen wolle, daß Frauen auf keinen Fall als Kombattanten feindlicher Waffenwirkung ausgesetzt würden. Die Gleichbehandlungsrichtlinie lasse es nicht zu, Frauen von einer Beschäftigung fernzuhalten, weil die öffentliche Meinung für sie einen stärkeren Schutz als für Männer fordere ...
FAZ v. 27.10.99

Sexualerziehung - ein Pflichtfach
Ein Gericht im überwiegend katholischen Bayern entschied im Juli, daß Kinder dem Sexualkundeunterricht in der Schule auch dann beizuwohnen haben, wenn die Eltern den Inhalt des Unterrichts ablehnen. Das Gericht in München entschied gegen einen Vater von sechs Kindern, der für sie um Unterrichtsbefreiung angesucht hatte mit der Begründung, der Inhalt des Unterrichts verstoße gegen den christlichen Glauben und fördere die Promiskuität. The Catholic World Report 10/99

Dabei zeigen Untersuchungen (hier am Beispiel Englands), daß diese animierende Form der "Sexualerziehung" katastrophale Folgen hat:

Geschlechtskrankheiten nehmen zu
Die Gesundheitsbehörden warnen, daß die sexuelle Promiskuität ein steigendes Risiko für künftige Sterilität sein kann. Das British Medical Journal vom 14. Mai 1999 veröffentlichte einen Bericht über "die Sexualgesundheit bei Jugendlichen in England und Wales". 1996 wurden unter den Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren 2.272 Fälle von Gonorrhoe diagnostiziert, das ist gegenüber ein Anstieg um 34% bei Frauen und 30% bei Männern in einem Jahr. Ebenso traten Chlamydieninfektionen, die durch einfachen Sexualkontakt übertragen werden, und die Verruca genitalis (Feigwarzen) vermehrt auf. Diese Ansteckungen können Beckenentzündungen, Krebs, Sterilität und andere Komplikationen auslösen. 1996 gab es 86.174 Schwangerschaften bei Jugendlichen unter 20 Jahren, von denen 55.878 zu Geburten und 30.299 zu Abtreibungen führten. Das bedeutet gegenüber dem vorausgegangenen Jahr um 14,5% mehr Abtreibungen bei Jugendlichen unter 16 Jahren ...Zu diesem Bericht meinte die Staatssekretärin für Gesundheitswesen, Tessa Jowell, "es sei traurig, daß sie das große Risiko nicht kennen". Um eine Epidemie zu vermeiden, will das Ministerium eine Kampagne einleiten, um die Jugendlichen zum Arztbesuch zu veranlassen, bevor die Schäden irreversibel werden. Die Sterilität ist eine Gefahr, die offensichtlich alle unterschätzen. Aceprensa 79/99 zitiert in Imago Hominis 3/99

Und diese Sterilität tritt nicht nur als körperliche Unfähigkeit zur Fortpflanzung auf, wie Europas Geburtenentwicklung deutlich belegt:

Europa stirbt langsam aus
Schweden wurde bisher immer als großes Vorbild bei der Geburtenentwicklung angeführt. Als Grund für die hohen Kinderzahlen wurde die Qualität der externen Kinderbetreuung und die Karenzgeldregelung (70prozentige Gehaltsfortzahlung) angeführt. Während es in den achtziger Jahren noch ein ständiges Wachstum der Geburtenrate gab, endete diese Entwicklung zu Beginn der neunziger Jahre. Schweden hat im europäischen Vergleich den größten Geburtenrückgang zu verzeichnen. Die Ursachen für den im Vergleich relativ starken Rückgang in Schweden werden derzeit noch beforscht. Die Karenzregelung ist nach wie vor - im europäischen Vergleich - sehr großzügig. Ebenso ist nicht anzunehmen, daß sich an der Qualität der schwedischen Kinderbetreuung in den letzten Jahren so viel geändert hat, daß allein darin eine Erklärung für den Rückgang gesehen werden kann. Es werden also noch andere Ursachen, wie beispielsweise persönliche Lebenskonzepte, diese Entwicklung beeinflussen. ... 1997 sind tendenziell die europäischen Fertilitätsraten gesunken. Irland (1,92) sowie Großbritannien, Frankreich und Luxemburg mit jeweils 1,71 Kindern pro Frau sind die "Spitzenreiter" Europas. Auch Dänemark hat sich dieser Gruppe angeschlossen (1996 mit 1,75). Am untersten Ende rangieren nach wie vor Spanien (1,15), Italien (1,22), Griechenland (1,32), Österreich (1,36) und Westdeutschland (1,44). In diesen sieben Jahren ist die Fertilität am meisten in Schweden zurückgegangen. Sie sank vom hohen Niveau von 2,14 Kindern pro Frau um 28,5 Prozent.
beziehungsweise 11/99

Ein Hinweis: Keine der Geburtenraten reicht, um langfristig einen Rückgang der Bevölkerung zu verhindern. In manchen Ländern, etwa Österreich und Deutschland, setzt diese Schrumpfung sogar schon demnächst ein.

Wettrennen um Gene entbrennt
Finished 468 413 311 bp, 13,7% of the genome" war der gestrige Eintrag auf der Internet-Seite des Europäischen Laboratoriums für Molekulare Biologie (EMBL), die über den Stand des Humanen Genomprojekts informiert. Inzwischen sind also rund 470 Millionen (13,7 Prozent) der über 3,2 Milliarden "Buchstaben" der menschlichen Erbinformationen entschlüsselt - so zumindest die EMBL-Datenbank. Alle Zahlenangaben in diesem Bereich kranken allerdings daran, dass sie auf unterschiedlichen Auswertungen oder - im Fall der 3,2 Milliarden "Buchstaben" - auf Schätzungen beruhen. Dennoch ist abzusehen, dass das staatlich geförderte, internationale Wissenschaftsprojekt im Jahr 2003, möglicherweise auch schon 2001 abgeschlossen sein wird - zwei bis vier Jahre vor dem ursprünglich geplanten Termin...
Die Welt v. 14.9.99

Jeremy Rifkin, international bekannter Konsumentenschützer, sieht diese Entwicklung mit großer Sorge:

Ein gesundes Kind um Geld kaufen
Einige wenige übernationale Konzerne reduzieren das Leben in Zukunft nach Nützlichkeitsprinzipien für ihren kommerziellen Gewinn. Die Kontrolle der Lebenswissenschaften durch diese Unternehmen wird alle Umsätze in der Telekommunikation, der Unterhaltungs- oder Computerindustrie übertreffen. Die Konzentration ist alarmierend, speziell wenn man bedenkt, daß die biotechnische Revolution alle Aspekte unseres Lebens beeinflussen wird: Wie und was wir essen, wie wir uns treffen und heiraten, wie wir Kinder zeugen und wie unsere Nachkommen erzogen werden. Wer die Gene kontrolliert, kontrolliert das 21. Jahrhundert. Deshalb sollten Gene weder Regierungen noch Firmen gehören. Ich befürchte sonst, daß nach den Metall- und Ölkriegen bald die Genkriege drohen. ... Zum ersten Mal in der Geschichte können wir die Erbanlagen von Lebewesen in unserem Sinne gezielt verändern. Vor uns liegt eine Landschaft, deren Konturen in den Laboratorien rund um die Welt gestaltet wird. Die Konsequenzen werden enorm sein. Unser Leben wird sich in den nächsten Dekaden fundamentaler verändern als in tausend Jahren vorher. Schon im Embryo werden Erbfehler und Krankheiten korrigiert. Folgen dann körperliche Attribute, die Intelligenz und das Verhalten? Die anfänglichen Ziele mögen ehrenhaft sein. Aber am Ende suchen wir nach dem gesündesten Kind, das man sich für Geld kaufen kann - unsere Söhne und Töchter sind die ultimative Einkaufserfahrung der Zukunft. Was ist jedoch, wenn das Kind sein Programm nicht mag oder die Eltern nicht die optimale genetische Struktur finanzieren konnten?
Die Welt v. 10.9.99

Wie sehr sich die Wissenschaft schon an den Gedanken des "Menschenmachens" gewöhnt hat, zeigt folgende Antwort von Professor Jens Reich vom Max-Delbrück Centrum Berlin:

Schlanke Kinder machen
Frage: Können Sie persönlich den Wunsch nach einer Keimbahntherapie nachvollziehen?

Reich: Ja. Ich stelle mir zum Beispiel eine Frau vor, die ihr ganzes Leben unter extremer Fettleibigkeit zu leiden hatte - es gibt ja Formen von Dicksein, die wirklich behindernd sind. Was ist, wenn diese Frau ihrem Kind dasselbe Schicksal ersparen möchte? Natürlich wollen alle Eltern für ihr Kind das Beste. Aus dieser Richtung wird der Druck kommen, Keimbahntherapien zuzulassen. Es wird sehr schwer sein, diese Frau davon zu überzeugen, ihre Bedürfnisse zurückzustellen, um langfristige Risiken für die Menschheit zu verhindern oder um Mißbrauch vorzubeugen. Aber ich halte es für legitim, wenn eine solche Frau ein Kind haben will, das schlank wie alle anderen Kinder ist. Süddt. Zeitung v. 15.9.99

Kardinal Paul Poupard, einer der Präsidenten der Europa-Synode, hat kürzlich das Buch "Le Christianisme à l'aube du III. millenaire" veröffentlicht und in einem Interview festgestellt:

Nicht dauernd von Kirchenkrise reden!

Wie sehen Sie die Situation der Gesellschaft in Europa?

Kardinal Paul Poupard: Was mich beeindruckt, ist eine gewisse Unfähigkeit, die Zukunft vorauszudenken. Das äußert sich in dem, was ich eine in Brüche gegangene Kultur nennen möchte. Das einzige Anliegen, das die Geister zu bewegen scheint, ist die Wirtschaft. Da aber viele von diesem Projekt ausgeschlossen sind, erzeugt dies mehr als ein Unbehagen. Es erzeugt ein Leiden an der Existenz selbst, und im Grunde genommen eine Hoffnungslosigkeit.

Sollte auch der Katholizismus von diesem Mangel an Hoffnung gezeichnet sein?

Poupard: In einem Teil der Kirche findet dieses Phänomen wegen der Alterung des Klerus und der Gläubigen seinen Widerhall. Es wirkt sich im Leben der Pfarren und der Ordensgemeinschaften aus.

Würden Sie das als eine Degeneration des Christentums bezeichnen?

Poupard: Daran denke ich in keiner Weise, umso mehr als die Durchleuchtung der Kirche Zonen des Lichts auf unserem Kontinent erkennen läßt. Das Weltjugendtreffen 1997 in Paris, die Treffen in Taizé, die Wiederbelebung der Wallfahrten sind Zeugnisse einer wiedergefundenen Lebendigkeit. Vergangenen August sind die Orte der Meditation, die Klöster, die spirituellen Zentren stets voll gewesen. Der Glaube stirbt keineswegs. Er kehrt vielmehr zurück.

Sollten wir also aufhören, von Krise zu sprechen?

Poupard: Das unentwegt fortgesetzte Analysieren der Krise ist zu einem Bestandteil der Krise geworden. Ich stelle mich gegen den vorherrschenden Pessimismus. Wir werden jungen Leuten nicht Lust machen, an Bord zu kommen, wenn wir dauernd wiederholen, daß das Schiff sinkt - was außerdem falsch ist. Wieviele junge Franzosen haben keine Ahnung von der Spiritualität eines heiligen Benedikt oder einer heiligen Teresa von Avila, sind aber von den östlichen Religionen begeistert... Auszug aus einem Interview von Joseph Vandrisse mit dem Präfekten des Päpstlichen Rates für die Kultur in Le Figaro v. 30.9.99

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