VISION 20002/2000
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Zum Dienst aneinander gerufen

Artikel drucken Der Gehorsam als Weg zu echter Befreiung (Inge Hugenschmidt-Thürkauf)

Ich sage nichts Neues, wenn ich behaupte, daß die Frau heute mit ihrem Drang zur Selbstverwirklichung einer großen Gefährdung ausgesetzt ist. Damit begibt sie sich in eine neue Sklaverei, in die Sklaverei des Egoismus.

Dadurch verliert sie viel von ihrer Weiblichkeit. Sie gibt sich praktisch selbst auf. Denn das, was die Gesellschaft praktisch trägt, was sie im wahrsten Sinne des Wortes erträglich macht, sind ja die mütterlichen Eigenschaften, wie Erbarmen, Güte, Milde, Geduld, Liebe, das Pflegen, Hüten, Bewahren. Im Grunde genommen sind das ja die Werke des Heiligen Geistes.

Es sind alles Eigenschaften, die sich zum Nächsten hinneigen, das Dasein für den anderen bedeuten. Wo diese Hingebung verschwindet, wird die Welt kalt und trostlos.

Der religiöse Abfall unserer Tage, so könnte man sagen, ist im letzten der religiöse Abfall der Frau. Vom Zeitgeist her gesehen sind unsere heutigen Probleme nicht zu lösen, besonders nicht die Probleme der Familie, und da vor allem nicht jene der Frau.

Die Wiedergewinnung der Würde und vor allem die Sendung der Frau kann nur im Licht des Glaubens erfaßt werden. Und da hat das Lehramt der katholischen Kirche über die Frau gewaltige und großartige Aussagen gemacht.

Man kann es gar nicht genug bedauern, daß diese für die Frau so existentiellen Wahrheiten kaum je gelehrt werden. Zum Beispiel in der Lehre vom Sakrament der Ehe vergleicht die Kirche die Frau mit sich selbst. Die Ehe, so sagt sie, ist seinsmäßig das reale Abbild von Christus und der Kirche.

Der Mann wird - so sagt das Lehramt - als Abbild Christi gesehen, in Christus, der das Haupt der Kirche ist. Deshalb ist ja der Mann auch das Haupt der Familie, das Haupt der Frau. Aber er ist es im Grunde nur, wenn er seine Familie so liebt, wie Christus Seine Kirche liebt. Der Apostel Paulus spricht da ganz klar, wenn er sagt: Ihr Männer, liebt eure Frauen! Das bedeutet ja auch, daß die Liebe des Mannes zur Frau eine hingebende Liebe ist, eine selbstlose Liebe.

Dienen ist der tiefere Sinn des christlichen Herrschens. Das sagt zum Beispiel Pater Kentenich. Und da der Mann das Haupt ist, muß er also dienen. Und das ist wiederum eine weibliche Eigenschaft.

Es wird also - und zwar vom Lehramt her - nicht nur der Frau das Dienen geboten, sondern auch dem Mann. Adrienne von Speyer hat ganz wunderbar in ihren Betrachtungen über den Epheserbrief darüber geschrieben. Und auch Getrud von Le Fort hat klare und wunderbare Betrachtungen darüber in ihrem Buch Die ewige Frau" angestellt.

Die Frau hingegen soll in ihrer Sendung und Würde Bild und Gleichnis des Heiligen Geistes sein. Der Heilige Geist gibt der Schöpfung das Mütterliche, das Geborgene, die Liebe, das Leben. Er ist wie die Frau Lebensspender. Er gibt auch die Schönheit. Man kann sagen: In der Kirche ist die Frau Trägerin des Heiligen Geistes.

Welch höhere Würde kann sie wohl noch anstreben?

Es ist natürlich nicht zu bestreiten, daß es Zeiten in der Kirche gab, in der die Haltung der Frau gegenüber nicht immer vom Evangelium getragen war. Aber das Schlimme dabei ist: Wir kennen immer nur die Skandalgeschichte der Kirche, nicht die Heilsgeschichte. Wir kennen nicht die Heiligen.

Es gab doch immer wieder Frauen, die gerade mit der höchsten der Tugenden die Männer der Kirche bezwangen, nämlich mit dem Charisma des Heiligen Geistes. Ich wage dieses Wort kaum auszusprechen: mit dem Gehorsam.

Das ist allerdings zu sagen: Der Gehorsam ist nicht eine Tugend, die allein von der Frau gefordert wird. Das sei mit aller Deutlichkeit festgehalten. Gehorsam gilt in gleicher Weise auch für den Mann, denn er bezieht sich ja in erster Linie auf die Gebote Gottes.

Und da haben wir gleich zwei Vorbilder, wie sie klarer gar nicht sein könnten: Jesus Christus selbst und die Gottesmutter, Maria. Es heißt ja, die Speise Jesu war es, den Willen des Vaters zu tun. Er war Seiner Mutter und dem heiligen Josef untertan. Gott - als Mensch ein Mann - war den Geschöpfen untertan!

Wir kommen nicht darum herum, diese Tatsache zu betrachten, wenn wir uns gegen den Gehorsam auflehnen. Jesus war gehorsam bis zum Tod am Kreuz.

Der Gehorsam ist also vor allem eine Frage der Liebe. In dem Maß, in dem ich fähig bin zu lieben, kann ich auch gehorsam sein. Jesus hat uns dies vorgelebt.

Und wir wissen ja selbst, wie engherzig und lieblos wir werden, wenn wir unseren eigenen Willen erzwingen wollen. Auflehnung ist nie der Wille Gottes.

Wahrscheinlich ist jeder von uns schon in die Situation gekommen zu erkennen, wie sehr er an Liebe verlor, wenn er auf seinen eigenen Willen pochte.

Die Gottesmutter Maria hat ebenfalls in einzigartiger Weise uns den Gehorsam vorgelebt. Mir geschehe nach deinem Wort," sagte sie zum Erzengel Gabriel. Das heißt: Was immer mit mir auch geschehen mag, Gottes Willen soll sich an mir erfüllen.

Und der heilige Augustinus sagt uns: Dort, wo Gott allein gebietet, ist der Mensch ganz frei. Der Gehorsam ist jene unbegrenzte Freiheit, die wir ja alle anstreben. Der Gehorsam ist weit davon entfernt, die Persönlichkeit des Menschen zu verkleinern oder gar zu zerstören, wie das immer wieder behauptet wird. Er ist die Würde der Starken, sagt Papst Pius XII. Er stellt uns in den Willen Gottes hinein und befreit uns dadurch von unserer Ichsucht. Der Gehorsam macht uns - für fortschrittliche Ohren klingt das paradox - macht uns mündig.

Ich möchte sagen: In dem Maß, wie ein Mensch gehorsam ist, ist er auch mündig. DieHeiligen haben uns das klar vorgelebt. Und sie sind ja an der Spitze der menschliche Hierarchie der Kirche jene Menschen, die sich ganz dem Willen Gottes unterstellt haben. Sie haben den Willen Gottes sogar umarmt.

Inge Hugenschmidt-Thürkauf

Auszug aus einem Gespräch über die Wiedergewinnung der Würde der Frau im Rundfunk Neues Europa", Ingolstadt.

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