VISION 20002/2000
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Es gibt Zeichen der Hoffnung

Artikel drucken Aus der Botschaft der Europa-Bischofsynode

Und doch gibt es auch in diesem unserem Europa Phänomene und Gründe der Hoffnung!

Mit Freude stellen wir die zunehmende Öffnung der Völker füreinander fest, die Versöhnung von Nationen, die lange Zeit verfeindet waren, die fortschreitende Ausdehnung des Einigungsprozesses auf die Länder Osteuropas. Es wachsen Anerkennung, Zusammenarbeit und Austausch aller Art, so daß nach und nach eine europäische Kultur, ja ein europäisches Bewusstsein entsteht, das hoffentlich, besonders bei den Jugendlichen, das Gefühl der Brüderlichkeit und den Willen zum Teilen wachsen läßt.

Voll Zuversicht erkennen wir, daß dieser ganze Prozeß sich nach demokratischen Spielregeln vollzieht, auf friedliche Weise in einem Geist der Freiheit, der die legitime Vielfalt achtet und hochschätzt und so den Prozeß der Einigung Europas vorantreibt und unterstützt.

Wir begrüßen mit Genugtuung alles, was getan wurde, um die Bedingungen und Modalitäten zur Achtung der Menschenrechte näher zu umschreiben.

Im Zusammenhang der legitimen und notwendigen wirtschaftlichen und politischen Einheit Europas erkennen wir schließlich auf der einen Seite die Zeichen der Hoffnung, die aus der Bedeutung erwachsen, die dem Recht und der Lebensqualität zuerkannt werden; auf der anderen Seite aber wünschen wir uns lebhaft, daß in einer schöpferischen Treue zur humanistischen und christlichen Tradition unseres Kontinents der Vorrang der ethischen und geistlichen Werte garantiert werde. Das ist ein dringender Wunsch, der der festen Überzeugung entspringt, daß es keine echte und fruchtbare Einheit für Europa gibt, wenn sie nicht auf seinen geistlichen Fundamenten auferbaut wird!

Für all dies danken wir Gott und erkennen die Verdienste all derer an, die sich in den verschiedenen europäischen Institutionen einsetzen und auch zum Dialog und zur Zusammenarbeit mit unseren Kirchen bereit sind.

Als Christen wollen wir überzeugte und mustergültige europäische Bürger sein und laden auch euch dazu ein, bereitwillig unseren Beitrag zu leisten für das Europa von heute und morgen, indem wir das kostbare Erbe aufgreifen, das die Gründungsväter" des vereinten Europas uns hinterlassen haben.

Die aufrichtige Liebe, die wir als Hirten für Europa hegen, drängt uns, mit Zuversicht einige Appelle an jene zu richten, die - vor allem auf institutioneller, politischer und kultureller Ebene - eine besondere Verantwortung für das künftige Schicksal unseres Kontinents tragen:

* schweigt nicht, sondern erhebt eure Stimme, wenn die Menschenrechte Einzelner, von Minderheiten und von Völkern verletzt werden, nicht zuletzt auch das Recht auf Religionsfreiheit;

* schenkt größte Aufmerksamkeit den Fragen des Lebens, der Familie und der Erziehung: das sind die Fundamente, auf denen das gemeinsame europäische Haus aufruht;

* verfolgt mutig und ohne Verzug den Prozess der europäischen Integration durch die Ausweitung des Kreises der Mitgliedsländer der Union, wobei in einer weisen Harmonie die geschichtlichen und kulturellen Verschiedenheiten der Nationen gewürdigt werden müssen, so daß die Gesamtheit und die Einheit der Werte sichergestellt werden, die im menschlichen und kulturellen Sinn Europa ausmachen;

* sucht nach Maßgabe von Gerechtigkeit und Billigkeit und im Geiste einer großen Solidarität das wachsende Phänomen der Migration zu lösen, so daß sie eine neue Quelle für die europäische Zukunft wird;

* macht alle Anstrengungen, damit den Jugendlichen eine wirklich menschliche Zukunft gesichert wird, mit der Arbeit, der Kultur und der Erziehung zu den moralischen und geistlichen Werten;

* haltet Europa offen für alle Länder der Welt, indem ihr fortfahrt, im gegenwärtigen Kontext der Globalisierung Formen nicht nur der wirtschaftlichen, sondern auch der sozialen und kulturellen Zusammenarbeit zu entwickeln, und greift den Appell auf, den wir - mit dem Heiligen Vater - erneut an euch richten, die internationalen Schulden der Entwicklungsländer zu erlassen oder wenigstens zu reduzieren, wie einige Länder es schon getan haben.

Wenn wir dieser und anderen Verantwortungen gerecht werden, können die christlichen Wurzeln Europas und sein reiches humanistisches Erbe neue Ausdrucksformen finden für das echte Wohl der menschlichen Person und der Gesellschaft.

Beten wir gemeinsam für Europa und die Welt!

Auszug aus der Botschaft der zweiten Sonderversammlung für Europa der Bischofsynode vom 21. Oktober 1999.
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