VISION 20001/2001
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Pater Petrus Pavlicek

Artikel drucken Botschaft an uns (P. Ludwig Maria Trenker OFM)

Pater Petrus Pavlicek wurde am 6. Jänner 1902 als zweites Kind der Familie Augustin und Gabriele Pavlicek in Innsbruck geboren und auf den Namen Otto getauft. Seine Schulzeit verbrachte er in Wien und Olmütz, wo er 1920 maturierte. Nach der Matura arbeitete er in der Möbelfabrik Thonet und trat 1921 durch Umgang mit schlechten Freunden und aus Unwissenheit aus der katholischen Kirche aus.

In den Jahren 1922-1924 erfüllte er seine Wehrpflicht in Presov. Von 1927 bis 1930 genoß er eine Ausbildung zum Kunstmaler in Breslau und ging als Künstler nach Paris und London, wo er am 10. Dezember 1932 die Künstlerin Kathleen Nell Brockhouse standesamtlich heiratete. 1933 war Otto allerdings wieder in Brünn bei seinem Bruder und die eben geschlossene Ehe wurde im Februar 1936 einvernehmlich wegen Zerrüttung geschieden.

In die Zeit nach 1933 fällt die Phase seiner Bekehrung: Er wurde schwer krank und begann, über sein Leben und dessen Sinn nachzudenken. In seinem Herzen wuchs eine große Liebe zu Jesus, den er oft in den Kirchen Prags besuchte. Von einer Begebenheit in einer Prager Kirche erzählt er: Ein Herz-Jesu-Bild sprach ihn besonders an und er betete davor: “Jesus, ich liebe dich. Ich möchte dich aber noch viel mehr lieben." Da hörte er in seinem Inneren die Stimme: “Wenn du mich noch mehr lieben willst, dann mußt du zu meiner Mutter gehen."

Tatsächlich befand sich am Ausgang der Kirche eine Statue Mariens. Zu dieser ging er und betete: “Muttergottes, dein Sohn schickt mich, daß du mich lehrst, Ihn noch mehr zu lieben." So kam es, daß er am 15. Dezember 1935 in Stresovice feierlich in die Kirche zurückkehrte. Trotz dieser Bekehrung blieb Otto Pavlicek aber ein Suchender.

Der Provinzial der Dominikaner in Prag riet ihm, nach Konnersreuth zur bekannten Therese Neumann zu fahren. Vielleicht könne sie ihm weiterhelfen. Der Revertit spürte nämlich den Ruf zum Priestertum - in seinem Alter und mit seinem Vorleben ein für ihn und andere merkwürdiger Wunsch. Von ihr, der Stigmatisierten, erhielt er die Auskunft: “Es ist höchste Zeit, daß Sie Priester werden!" Nach seinen eigenen Angaben erhielt P. Petrus in der Kirche von Konnersreuth die Überzeugung, daß er nur Franziskaner werden könne.

Nach vergeblichen Versuchen, bei der Tiroler und Wiener Franziskanerprovinz Aufnahme zu finden, gaben ihm die Franziskaner in Prag die Möglichkeit, den Weg mit Gott zu wagen. Am 28. August 1937 wurde er eingekleidet und erhielt den Namen des Apostelfürsten Petrus. Und mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges erhielt er am 14. Dezember 1941 in Prag die Priesterweihe.

1942 wurde er als Sanitäter zur Wehrmacht an die Westfront einberufen. Im August 1944 kam er in amerikanische Kriegsgefangenschaft in Cherbourg. Dort wirkte er mit Abbé Stock, P. Harald Leibold und anderen Priestern als Lagerpfarrer. Öfters war sein Leben gefährdet, da er durch sein Wirken den Haß der gefangenen SS-Offiziere auf sich zog. Sie wollten ihn sogar in der großen Latrine ertränken, wie sie es bei anderen schon getan hatten.

Am 16. Juli 1945 kam für P. Petrus das Ende der Kriegsgefangenschaft. Er konnte jedoch als “Deutscher" nicht mehr nach Prag zurück und teilte von nun an auch das Los der Heimatvertriebenen. P. Petrus spürte eine Sendung und meinte, er müsse im Geist des heiligen Franziskus Missionar werden. Tatsächlich hatte er bereits den Antrag gestellt, nach Argentinien auswandern zu dürfen. Seine Oberen beriefen ihn aber nach Wien, um dort für die vielen heimatvertriebenen Sudetendeutschen als Seelsorger zu wirken.

Im Frühsommer 1946 macht P. Petrus eine Wallfahrt nach Mariazell, um für seine Befreiung aus der Gefangenschaft zu danken und um die Freiheit des von den Alliierten besetzten Österreichs zu beten. Da hört er eine innere Stimme: “Tut doch, was ich euch sage, und es wird Friede sein!"

Diese Worte lassen ihn nicht mehr los. Er erkennt später darin die Botschaft von Fatima, und mit der Zeit erfährt er seine Berufung, Menschen für das Gebet um Frieden zu gewinnen.

So gründete der spätberufene Pater im Februar 1947 in Wien die “Ewige Rosenkranzgemeinschaft", die sich 1949 mit dem von Dr. Franz Tauber, einem Priester, 1942 in Linz-Urfahr gegründeten “Sühnekreuzzug" zusammenschloß. P. Petrus setzte vor die Bezeichnung “Sühnekreuzzug" noch das Wort “Rosenkranz".

Es kam zur Gutheißung und Errichtung des “Rosenkranz-Sühnekreuzzuges" (RSK) und zur Empfehlung durch die Österreichischen Bischöfe am 29. März 1949. Das Ziel des RSK und seiner Beter war und ist es, die Forderungen der Rosenkranzkönigin von Fatima zu erfüllen.Darüber hinaus lud P. Petrus zu monatlichen Sühneandachten in der Wiener Franziskanerkirche ein und zu “Gebetsstürmen", wenn die politische Lage gefährlich wurde.

Viele Politiker, unter anderem Bundeskanzler Julius Raab und Außenminister Leopold Figl schlossen sich dem RSK an und bezeugten 1955, daß es das Gebet war, das sie bei den Verhandlungen des Österreichischen Staatsvertrages in Moskau gestützt und getragen hatte. Und in der Tat: Der Staatsvertrag wurde am Sonntag, dem 15. Mai 1955, unterzeichnet.

Schon am 13. Mai, also am Gedenktag der ersten Erscheinung der Rosenkranzkönigin von Fatima im Jahre 1917, war es nach Hunderten von Verhandlungen zwischen 17 und 18 Uhr festgestanden, daß es zur Unterzeichnung des Staatsvertrages kommen würde.

“Macht- und wehrlos, aber nicht hilflos". So lautete das Motto der Bittprozession, die am 11. September 1954 stattgefunden hatte. Mächtig tönte damals das Lied von der Schutzfrau Österreichs. Einer der 50.000 Teilnehmer und Mitglied des RSK war Dr. Karasek. Er ergriff damals das Wort: Nun sei es genug mit den Verhandlungen, die Diplomaten hätten keine Mühe gescheut. Nun erwarteten sie vom katholischen Volk betende Hände. Nun könne nur mehr der Herrgott helfen.

“Katholische Wiener und Wienerinnen" rief Karasek der Menge zu, “organisiert Euch in einer Armee von Werkleuten Gottes und reißt alle Gebiete des menschlichen Lebens an euch! Die Politik, die Gesellschaft, die Kultur und den Sport! Bedient euch aller sittlich erlaubten Mittel, um euch in allen Bereichen des Lebens genau so zu bewähren und zu behaupten, wie jene, welche die Kirche aus diesen Bereichen verdrängen und verweisen möchten". Als eine Forderung des RSK erwähnte er auch das Anliegen, den 8. Dezember (Gedenktatg, der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria) als Feiertag einzuführen. Und tatsächlich kam es 1954 dann zu dessen Wiedereinführung.

Schon am 22. August 1948 hatte sich P. Petrus im Geist des heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort Maria geweiht. Von da an gehörte er mit seinem ganzen Sein der Gottesmutter und ihrem Werk. Er durfte sich ganz dem RSK widmen, durch ganz Österreich mit seiner “Wandermuttergottes", einer Fatimastatue, reisen und zur Erneuerung im Glauben aufrufen. Auf P. Petrus gehen auch die Mariä Namen Feiern in der Wiener Stadthalle zurück. Er führte sie 1958 ein und sie sind bis heute die größten katholischen Veranstaltungen in Österreich.

Im Dezember 1982 besuchte Kardinal Franz König den sterbenden Franziskaner und errichtete den RSK als kirchliche öffentliche Vereinigung. Es war, als habe P. Petrus sehnsüchtig nur darauf gewartet, denn zwei Tage später starb er am 14. Dezember 1982. Sein Leib ruht in einem Nebenraum der Wiener Franziskanerkirche. Am 13. Oktober 2000 wurde von Kardinal Christoph Schönborn der Seligsprechungsprozess eröffnet.

Aus der Predigt des Erzbischofs von Wien entnehmen wir die Frage: “Aber warum unternehmen wir dieses ganze sehr mühsame, sehr aufwendige Verfahren? Was hat das für eine Bedeutung? Es ist bedeutend für den Franziskanerorden. Es ist bedeutend für Sie als Ordensgemeinschaft, das Zeugnis über einen Mitbruder zu sammeln, zusammenzutragen ...

Es ist zweitens ein bedeutender Tag für die Kirche Österreichs. P. Petrus hat in der Kirche unseres Landes ein Signal gesetzt. Er hat die Menschen aufgerufen zum Gebetssturm. ... Und schließlich ist er ein Zeichen für unser Land. Der Rosenkranz-Sühnekreuzzug hat in unserem Land ein Signal gesetzt, das wir nicht vergessen dürfen."

Im Leben des P. Petrus finden wir die Treue zum Papst, die Verehrung Mariens und der Heiligen Eucharistie. Der Diener Gottes könnte somit für viele Patron, Vorbild und Ansporn sein - auch für Menschen in einer Glaubenskrise oder für jene, die aus der Kirche ausgetreten sind, für Eltern und Großeltern, deren Kinder sich von Gott und der Kirche entfernt haben, für Heimatvertriebene und Staatenlose.

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