VISION 20002/2001
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Ich lebte freudig aus dem Gebet

Artikel drucken In der Schule des Gebets in Medjugorje (Milona de Rambures)

Viele Jahre hindurch hat die Autorin für P. Slavko Barbaric in Medjugorje gedolmetscht - eine intensive Erfahrung des Lebens aus dem Gebet, der verwandelnden und heilenden Kraft, die dann erfahren wird, wenn man dem Aufruf “Betet, betet, betet!" folgt.

Betet, betet, betet... Dieser Aufruf ist nicht neu. Heute, in unserer Zeit ertönt er wieder und das auf sehr ausdauernde Weise. Seit fast 20 Jahren hören wir: “Liebe Kinder, betet mit dem Herzen."

Unser Herr gibt uns in Seinem Leben ein so vielfältiges Vorbild. Persönlich läßt er uns teilhaben an den tiefsten Momenten Seines Lebens. Der Moment, als Er dem Leiden ins Auge blickt und es ringend annimmt, zeigt uns, wie Er betet:
“Und Er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff Ihn Angst und Traurigkeit, und Er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir. Und Er ging ein Stück weiter, warf sich zu Boden und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie Du willst. Und Er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte Er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Dann ging Er zum zweitenmal weg und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne daß ich ihn trinke, geschehe Dein Wille. Als Er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. Und Er ging wieder von ihnen weg und betete zum drittenmal mit den gleichen Worten. Danach kehrte Er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Die Stunde ist gekommen, jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen." (Mt 26,37-46)

Jesus betet. Wir lesen im Evangelium, daß Er Nächte damit verbracht hat zu beten. Jesus zeigt uns den Weg der Treue. Jetzt, in der furchtbaren Stunde der Entscheidung, ist Jesus niedergeschlagen. Er bittet Seine Apostel um Beistand. Sein Gebet wird sichtbar für uns. Wir werden Zeugen Seiner Sehnsucht nach dem Vater. Wir erkennen Sein Vertrauen, Seine Hingabe auf bewegende Weise.

Diese Beziehung zu seinem Vater ist der Inhalt des Lebens Jesu. Es geht immer alles um den Vater. In Trauer, Angst, in der Prüfung, in der Freude und in der immerwährenden Dankbarkeit richtet Jesus Sein Herz auf den Vater aus. Er lebt uns vor, was es heißt zu beten. Jesus lebt vom Gebet, Sein Leben ist ein einziges großes Gebet, eine große Danksagung an den Vater.

Maria, die Mutter Jesu ruft. Sie spricht zu uns über ihren Sohn und Seine unermeßliche Liebe zu uns. Sie will uns aus dem Schlaf der Sünde und des Unglaubens aufwecken. Sind wir immer noch eingeschlafen? Ruhen wir uns aus?

Wir wissen wohl, daß wir ohne Gebet keinen Frieden haben, und daß das Leben schnell sehr schwer wird, wenn unser Herz sich verschließt. Da hören wir: “Liebe Kinder, derjenige, der betet, fürchtet sich nicht vor der Zukunft, und derjenige, der fastet, fürchtet das Böse nicht. Ich wiederhole es euch noch einmal: Nur durch das Gebet und das Fasten können sogar Kriege aufgehalten werden..."

“Liebe Kinder, heute rufe ich euch auf, euch dem Gebet zu öffnen. Das Gebet soll für euch zur Freude werden. Erneuert das Gebet in euren Familien und gründet Gebetsgruppen. So werdet ihr Freude im Gebet und in der Gemeinschaft erfahren. All jene, die beten und Mitglieder von Gebetsgruppen sind, sind in ihren Herzen für den Willen Gottes offen und bezeugen freudig die Liebe Gottes...."

“Betet, betet, betet, bis das Gebet für euch zur Freude wird... Die Liebe nimmt alles an, was hart und bitter ist, um Jesu willen, der die Liebe ist..."

Gebet ist auch für uns Nahrung. Wir leben aus Jesus, wie Er aus dem Vater lebt. Die Heilige Messe ist Zentrum, Höhepunkt und Quelle unseres christlichen Lebens. Gebet ist Freude. Gebet ist Begegnung, die freudige Begegnung mit unserem Gott, zu dem wir gehören. Gebet ist unser Lebensweg, eine Schule, die nie aufhören kann.

Maria ist die Lehrerin in unserer Zeit. Sie öffnet uns ihr Herz und lädt uns ein, mit ihr auf den herrlichen Weg des andauernden Gebetes zu gehen. Ein Leben mit Gott, so wie ihr eigenes. Aus Dankbarkeit beten, fasten, die Bibel lesen, beichten, zur Heiligen Messe zu gehen, jederzeit den Frieden Gottes und Seine Freude, Seine Kraft und Seine Liebe annehmen können, damit sie wie ein Fluß aus uns herausfließen kann.

All das sind wunderbare Einladungen, die an uns gerichtet werden. Wir sind so unendlich geliebt, so zärtlich und geduldig eingeladen! Und wir dürfen vertrauen, daß wir bedingungslos geliebt sind. Beten können wir nur, wenn wir vertrauen.

Glauben wir, vertrauen wir, fangen wir an, so wie wir können. Gott sehnt sich nach uns, Maria steht uns bei zu jeder Zeit. Die Heiligen bitten für uns. Wir sind nicht allein. Es ist nie zu spät.

Wenn ich so über das Gebet spreche, dann aus einem bestimmten Grund. Jahrelang habe ich für P. Slavko Barbaric in Medjugorje gedolmetscht. Seinen inneren Weg konnte man erkennen, wenn man ihm zuhörte. Je tiefer er die Botschaften Mariens annahm, umso mehr lebte er das Gebet, umso mehr lebte er aus dem Gebet.

Als der Krieg in Bosnien ausbrach und sich Medjugorje näherte, traf ich P. Slavko eines Abends sehr spät vor dem Pfarrhof im Kreis gehend. Als ich ihn fragte, was er denn so spät noch draußen tue, antwortete er: “Ich muß erst einmal verdauen, daß der Krieg hierher kommen wird."

Er ahnte nicht, was der Krieg für Leid mit sich bringen würde, aber er betete, um die Tatsache annehmen zu können. Trotz der Müdigkeit und dem Leid, das auf ihn wartete, hat er den Frieden und die Lebenskraft nicht verloren.

Damals begannen wir auch gemeinsam die Fastenseminare: Anbetung, Fasten, Vertiefung der Botschaften, Stille, Singen, Bibellesen waren der Inhalt dieser fünf Tage. Anfangs waren wir ganz wenige Menschen, viele Kroaten, wenige Pilger. Für viele wurden diese Exerzitien zur Kraftquelle. Diejenigen, die an der Front waren, wußten, daß wir für sie fasteten und beteten. Alles geschah für die Anliegen Mariens. Unter den Teilnehmern geschahen tiefe Heilungen.

Was das Anbeten anbelangt, war P. Slavko treu. Er begann mit nächtlichen Anbetungsstunden. Zweimal in der Woche (am Mittwoch und am Samstag) betete er mit der Pfarrei und den Pilgern.

Während der Luftangriffe auf Citluk und unsere nächste Umgebung erlebte ich persönlich etwas sehr Tiefes: Wir befanden uns im nicht ausgebauten und feuchten Keller des Exerzitienhauses “Domus Pacis" und beteten Jesus im Allerheiligsten Sakrament des Altares an. Wir, das waren einige Klosterfrauen, verängstigte Nachbarinnen, alte Frauen und ein drei Monate altes Baby in den Armen seiner jungen Mutter. Da kam ihr Mann, auch sehr jung, in Uniform und verabschiedete sich von ihr. Er mußte hinaus an die Front. In diesem Moment wurde mir bewußt, daß die beiden einander vielleicht nie wieder sehen würden. Währenddessen warfen junge Piloten, die uns nicht kannten, Bomben. Auch sie hatten ein Zuhause mit Frau und Kindern.

Da wurde mir bewußt, wie absurd der Krieg war. Mir kam die Versuchung, den “Feind" zu hassen. In diesem Moment, mitten im Lärm des Krieges, war da das Allerheiligste plötzlich lebendig. Viel lebendiger als der Tod, der Haß, der Krieg. Die Liebe, die vom Allerheiligsten ausstrahlte, war stärker als Haß und Tod. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Er hat mein Herz verändert.

An der Seite von P. Slavko, in Verbindung mit vielen Pilgern habe ich erlebt, was es heißt zu singen, zu leiden, Angst zu haben. Daß ich vor das Allerheiligste gehe, den Rosenkranz und die Bibel zur Hand nehme, die Heilige Messe in solchen Momenten besuche, das war meine Schule in Medjugorje.

P. Slavko ging diesen Weg vor meinen Augen. Sein Gehorsam und seine Treue waren mir Beispiel und Antrieb. Die herrlichen Momente mit vielen Pilgern, in denen wir gemeinsam Hochstunden des Gebetes erlebten, waren Teil der Vorbereitung für die schweren Zeiten.

Es fiel mir immer so leicht zu danken, wenn viele Dinge schön waren und gut gingen. Das tägliche Gebetsprogramm konnte ich aus meinem Leben gar nicht wegdenken. Ich lebte daraus und freute mich darauf. Konkret die Zeit mit Gott zu verbringen, ist so schön! Ich sah Menschen sich verändern und mit ihnen verwandelte sich ihr Leben.

Ich kann Gott nur danken für die Arbeit mit P. Slavko. Er hat mir und so vielen Menschen durch seinen Lebensweg das Beispiel gegeben: Betet, betet, betet. Wir dürfen einfach nicht aufhören zu beten.

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