VISION 20001/2002
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Gott hat uns wunderbar geführt

Artikel drucken Marika und Tamás Varföldi sind unermüdlich im Einsatz zur Linderung der Not in der Westukraine (Von Alexa Gaspari)

In Salank, einem Ort der Karpat-Ukraine, feierten sie 1999 - nachdem sie vier Jahre lang Hilfe geleistet hatten - die Einweihung einer Schule für 600 Kinder. Dort leisten sie auch Bauern Starthilfe für die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte, mit denen jene wiederum Waisenhäuser unterstützen können. Einem jungen Ukrainer, der beide Beine bei einem Unfall verloren hatte, konnten sie Beinprothesen schenken, einem anderen durch Artherienprothesen die Beine erhalten. Bei den Flutkatastrophen im Vorjahr lieferten sie insgesamt 164 Tonnen dringend benötigter Hilfsgüter in die Ukraine.

Sie unterstützen Kindergärten und Waisenhäuser, damit die Kinder dort wenigstens ein gutes Essen bekommen und sich in geheizten Räumen aufhalten können. Und dank ihrer Vermittlung bekommt die 10jährigen Diana aus Gyertyánliget - sie hat einen angeborenen Herzfehler - ein neues amerikanisches Medikament in Wien , das ihr Leben wohl um Jahrzehnte verlängern wird: Wunderbare Hilfeleistungen, eine kleine Auswahl aus einer langen Liste, für die der Platz hier nicht reicht .

Wer sind “sie"? Wer hat so viel Geld, um all das zu finanzieren? Anfang des Jahres haben uns Marika und Tamás Varföldi bei unserem Besuch in Erd, im Süden von Budapest, von all dem erzählt: von der Stiftung “Füreinander" und dem Verein, der sich “Marika-Freunde" nennt. Miteinander zeichnen sie für all diese laufenden Hilfsprojekte in Österreich, Ungarn und vor allem in der Karpat-Ukraine verantwortlich.

Am meisten hat mich natürlich interessiert, wieso ein Ehepaar, das selbst keineswegs im Luxus lebt, und eine Frau, die sich hauptsächlich nur im Rollstuhl fortbewegen kann, sich auf solche Aktionen einläßt. Immerhin ist Tamás Varföldi allein im letzten Jahr 27 Mal in die Westukraine gefahren und noch öfter nach Österreich, um Hilfsgüter - 80 Prozent der Hilfe kommt aus Österreich - zu transportieren.

“Unser Leben," sagt Marika überzeugt ,“hat Gott so geplant - ganz anders, als wir es geplant hatten." Da sitzen wir bei einem gemütlichen Tee zusammen und die beiden auf Anhieb äußerst sympathischen Ungarn erzählen mir von ihrem Leben: Marika ist zwar in Budapest geboren, verbringt ihre Kindheit aber am Land. Der Vater arbeitet in einem Kohlebergwerk, die Mutter betreut ihre vier Kinder zu Hause. Marika ist die älteste, eine sehr gute Schülerin, vertieft sich gerne in Bücher und hilft lieber der Mutter bei der Hausarbeit, als draußen mit den jüngeren Schwestern herumzutollen. “Von der Mutter habe ich den festen Glauben an Gott geerbt und die Überzeugung, daß Gott mich liebt," erklärt sie mir strahlend.

Weil sie anderen Menschen helfen will, beschließt sie, nach Abschluß der Schule Ärztin zu werden. Im letzten Semester des Studiums - sie ist gerade 24 - bricht bei ihr Multiple Sklerose aus, eine Erkrankung des Zentralnervensystems, die in Schüben auftritt. Zwar kann Marika das Studium beenden, sie muß aber darauf verzichten, Internistin zu werden, wie es ihr Wunsch gewesen war. Zu anstrengend.

Also arbeitet sie zunächst in einem Hygiene-Institut, um später ins Labor eines Budapester Krankenhauses zu wechseln. Jedesmal wenn ein Schub in der Erkrankung auftritt, kehrt das Mädchen solange zu den Eltern zurück, bis sie wieder bei Kräften ist. In dieser Zeit zu Hause möchte sie aber nicht untätig sein. Also sammelt sie Kinder um sich, um ihnen von Gott zu erzählen und den katholischen Glauben - Religionsunterricht war ja damals verpönt - nahezubringen. Von Gott zu sprechen macht Marika Freude und sie fragt sich, ob es Gottes Wille sein könnte, daß sie sich ganz Ihm weiht und ledig bleibt. Bis zu ihrem 30. Geburtstag erbittet sie sich von Gott einen deutlichen Hinweis, um klar zu sehen: ledig bleiben oder den Mann fürs Leben finden.

Auch Tamás ist damals ein Suchender. Nach Schulabschluß und Meisterprüfung als Maschinenschlosser würde er sich eigentlich am liebsten in irgendeiner Form für seine Mitmenschen einsetzen. So kümmert er sich, während er als Maschinenschlosser in der DDR arbeitet, um eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die jungen Leute dort. Mit 25 verbringt er sogar ein Jahr im Priesterseminar, erkennt aber, daß dies nicht sein Weg ist. Schließlich findet er in Budapest eine Arbeit als Programmierer. Auch er bittet Gott um einen Hinweis wen er zur Frau nehmen soll.

Eines Tages treffen sich die beiden “zufällig" bei einem Krankenbesuch. Tamás lädt die junge Ärztin zu einem Motorradausflug ein - und Marika sagt zu. Während des Ausflugs kommen die beiden bei einer Menschenansammlung vorbei. Marika bittet Tamás, er möge doch anhalten. Vielleicht könnte ärztliche Hilfe vonnöten sein. Und tatsächlich liegt eine Frau blutüberströmt am Boden. Sie sei aus dem vierten Stock gesprungen, erfährt Marika. Leider kommt alle Hilfe zu spät, die junge Ärztin kann nur mehr den Tod feststellen.

Mit diesem schrecklichen Erlebnis fahren die beiden weiter. Zunächst wird kein Wort gesprochen. “Beim ersten Halt nimmt Thomas meine Hand," erinnert sich Marika genau, “und sagt: ,Beten wir für diese Frau. Gott verzeihe ihr all ihre Sünden. Beten wir, daß wir sie einmal im Himmel wiedertreffen.' Ich war richtig geschockt: Wort für Wort hatte er ausgesprochen, was in meiner Seele war. Für mich war das dieses konkrete Zeichen, um das ich gebeten hatte." Offenbar auch für Tamás - denn zehn Tage später verloben sich die beiden. Sofort wird die Hochzeit geplant.

Lachend gesteht Marika: “Unsere Eltern waren entsetzt. Das ging ihnen viel zu schnell." Doch für die zwei gab es keine Zweifel: “Unsere Verbindung war im Gebet geboren. Als die Karwoche kam, haben wir viel miteinander gebetet - und dann gefeiert. Eine schöne, intensive Zeit." Nach all dem wird es niemanden überraschen, daß die Hochzeit der beiden genau an Marikas 30. Geburtstag stattfand. In Budapest ist ihnen das Wohnen zu teuer und so zieht das junge Paar nach Erd in eine kleine, gerade noch erschwingliche Wohnung. Im Haus gibt es keinen Lift, was für Marika bald zum Problem wird. Hat sie bisher die Schübe soweit gut überstanden, daß ein Außenstehender fast nichts merken würde, so ändert sich das mit den Schwangerschaften.

Die Ärzte hatten Marika dringend von Kindern abgeraten. Auch Tamás, hatte ihr erklärt, er würde auf Kinder verzichten, wenn es so sein sollte, eine Reaktion, die Marika heute noch sichtlich freut, als sie davon erzählt. Sie hat aber offenbar keine Angst, schwanger zu werden, und bringt zwei gesunde Kinder (ihr Sohn ist nun 22, die Tochter 20) zur Welt. Bis dahin erlebt sie aber auch Schwangerschaften, die viel Kummer und Leid bringen.

Nach jeder Geburt tritt allerdings ein starker Schub ein. Dann betreut Tamás während der Karenzzeit die Kinder zu Hause, da es für die junge Mutter eher möglich ist, sitzend im Labor am Mikroskop zu arbeiten, als zu Hause das Baby zu pflegen. Doch bald wird auch die Arbeit im Labor zu anstrengend und die Treppen im Haus werden langsam zum unüberwindbaren Hindernis. Außerhaus braucht Marika damals schon einen Rollstuhl.

Jetzt wäre ein Haus wunderbar, das Marika das Treppensteigen ersparen würde und ausreichend Platz für die Kinder bietet. Eines, das beiden sehr gut gefällt, hat Tamás ausgemacht, noch halb im Rohbau, obwohl es schon fünf Jahre bewohnt ist. Das Ehepaar, dem es gehört, lebt in Scheidung, will das Haus verkaufen. Der Preis ist aber doppelt so hoch wie der für die Wohnung der Varföldis.

Marika wendet sich an die Muttergottes: “In der Straße, in der die Kirche steht, ist ein schönes Haus. Du weißt ja, wie dringend wir so ein Haus brauchen würden..." Und siehe da, eines Tages kommt die Besitzerin und bietet ihnen gegen einen geringen Aufpreis ihr Haus zum Tausch gegen die Varföldi-Wohnung an.

19 Jahre ist das her. Tamás und Marika hätten sich damals sicher nicht vorstellen können, daß dieses Haus einmal ein Lager für Hilfsgüter sein würde, ein Notquartier für kranke Ukrainer, die in Budapest behandelt werden oder einfach eine Unterkunft für viele österreichischen Freunde.

Die Kontakte nach Österreich haben die Varföldis allerdings schon lange, über die Fokolarbewegung. Nachdem sie mehrere Erneuerungsbewegungen kennengelernt hatten, fühlten sie sich besonders von der Fokolarbewegung angesprochen. Einer der Leitsprüche von Chiara Lubich, der Gründerin der Bewegung lautet nämlich: “Das Tor zu Gott ist der Nächste," was ganz der Einstellung der beiden entspricht.

Durch die Fokolarbewegung werden sie nach Österreich eingeladen, wo sie Gerti Marchart kennen und schätzen lernen. Es entsteht eine Freundschaft, die über viele Grenzen hinweg großen Segen für Tausende von Menschen bringen wird (Allein im Vorjahr wurde ungefähr 30.000 Menschengeholfen).

Und das kam so: Bei einem Besuch in Ungarn wird Frau Marchart die große Not drüben und die Fülle hier in Österreich bewußt. Mit kleinen Paketen aus ihrem Überfluß versucht sie daraufhin, die Not drüben etwas zu lindern.

Aber dann rutscht Marika eines Tages vor dem Haus aus und bricht sich den Oberschenkelhals (Osteoporose im Gefolge der ständigen Kortison-Einnahme). Nach zwei Operationen ist sie lange Zeit bettlägerig. Das gebrochene Bein bleibt steif und das andere ist durch die Multiple Sklerose gelähmt. Die Fortbewegung wird noch mühsamer und Marika überlegt, zu Hause ein kleines Labor einzurichten, um für Frauenärzte Befunde zu erstellen. Doch Gott hat einen anderen Plan.

Eines Tages erzählt Marika ihrer Freundin Gerti, daß Tamás unglücklich sei, weil ihre Kräfte so nachließen. Ein elektrischer Rollstuhl wäre zwar wunderbar, aber für sie absolut unerschwinglich. “Diese Worte sind in mich hineingefallen," erzählt mir Gerti Marchart, als ich sie in Wiener Neudorf besuche, “und haben mich nicht mehr losgelassen. Da ist ein Mensch, der Hilfe braucht. Was ist da zu tun?" Es entsteht die Idee, einen Flohmarkt zu veranstalten.

Mit dem Erlös soll ein Rollstuhl für Marika gekauft werden. Daraufhin bildet sich in Wr. Neudorf die Gruppe der “Marika-Freunde". Der Flohmarkt , den sie veranstaltet, wird ein großer Erfolg. Das Ergebnis: “Die Freunde" bringen den Varföldis nicht nur einen nagelneuen Rollstuhl nach Erd, sondern auch alles, was am Flohmarkt nicht verkauft worden war: Schließlich war es ja für Marika bestimmt gewesen.

So stapeln sich 60 Wintermäntel und vieles andere im Haus in Erd. Und Marika, der so geholfen wurde, beschließt nun ihrerseits, anderen zu helfen. Auch sie organisiert mit den beachtlichen Resten des Wr. Neudorfer Flohmarktes einen Bazar, ein für das Ungarn vor der Wende ungewöhnliches Ereignis. Über 200 Meter lang ist die Menschenschlange, die ansteht, um Waren aus dem Westen zu erstehen. Aus dem Bazar-Erlös wird ebenfalls ein Rollstuhl für eine junge Ungarin gekauft. Dieser Erfolg löst wiederum bei den “Marika-Freunden" und deren Helfern in Österreich eine Lawine an Spenden aus.

Damit ist der Startschuß für eine nunmehr fast 13 Jahre währende Hilfsaktion in drei Ländern gefallen: Zunächst werden Pakete von den Ungarn mit einem Pkw abgeholt, dann kommen ganze Konvois aus Ungarn und schließlich benötigt man sogar Sattelschlepper (heuer sind es 36 verschiedene Lieferungen), um all die Hilfsgüter zu transportieren. “So hat meine Krankheit großen Segen gebracht," strahlt Marika.

Sie, von der Gerti Marchart in den 23 Jahren ihrer Freundschaft nie ein Wort der Klage über ihre Schmerzen und ihre Behinderungen gehört hat, ist überzeugt: Gott hat mit ihrer Krankheit einen wunderbaren Plan verwirklicht. Ist das nicht eine unglaubliche aber wunderbare Aussage? Daß andere Menschen dies als Segen empfinden, da so vielen Bedürftigen geholfen werden konnte, versteht man ja.

Aber daß Marika, die seit Jahrzehnten schwer zu leiden hat, ihre Erkrankung als Segen, ja als wunderbaren Plan Gottes erkennt, ist wohl nur möglich, weil sie sich von Gott geliebt weiß. Und das nährt in ihr die Überzeugung, daß alles nur zu ihrem Besten und zum Besten der anderen Menschen - was für sie wahrscheinlich wichtiger ist - geschieht.

Die Varföldis haben dem Plan Gottes mit all seinen Konsequenzen zugestimmt, bedingungslos, wie man sieht. Und so hat Marika ihre Krankheit, die sie so behindert, aber ihr manches ermöglicht, als Wegweisung für ihren Lebensweg erkannt: “Ich kann nicht auf die Straße, habe aber genug Kraft, die Hilfsmaßnahmen auszuführen. Ich habe die Fähigkeit, Sprachen leicht zu erlernen, zu schreiben, zu organisieren. Beim Schreibtisch kann man viel erledigen. Um neun Uhr Früh habe ich schon mit drei Ländern Kontakte gehabt und die verschiedensten Dinge organisiert."

In der ersten Zeit ihrer Hilfsaktion arbeitet Tamás nicht mehr als Programmierer in Budapest, sondern als Sozialarbeiter in Erd. “Wegen Marikas Krankheit wollte ich eine Arbeit in der Nähe unserer Wohnung finden," erzählt er mir. “Die Kinder waren klein, und ich wollte zu Hause mehr helfen können." Diese Arbeit entspräche seinen Neigungen. Seine - selbst so hilfsbereite - Frau ergänzt überzeugt: “Tamás wollte immer für die Menschen dasein. Er kann so gut zuhören und Kontakte zu anderen Menschen knüpfen. Er hat eine große Weisheit, ist im charismatischen Sinn ein Helfer. Er hat dieses Charisma. Das ist seine Berufung. Und da ich in einer guten Ehe mit ihm leben will, muß ich dabei mitmachen," fügt sie lachend hinzu. Und tatsächlich spürt man es: Dieser Mann ist einerseits entschieden, tatkräftig und stark, er wirkt andererseits aber sehr sanft.

Und so merkt man den beiden an, daß ihr gemeinsamer Einsatz in 27 Jahren Ehe, oft unter schwierigen Bedingungen, sie in ihrer gegenseitigen Liebe und Achtung voreinander sehr bestärkt hat. Es ist so, wie Marika mir schon bei unserem ersten Telefonat erklärt hat: “Wir sind nur zu zweit eins. Wir machen immer alles in einer Einheit." Und nun fügt sie hinzu: “Gott hat mich für Thomas zur Hilfe bestellt." Was Thomas lächelnd bestätigt: “Ich bin Marikas Füße, sie ist meine Zunge, denn sie kann so gut sprechen." - zum Beispiel Deutsch.

Ein Jahr nach dem ersten Flohmarkt beschließt das Ehepaar Varföldi mit den österreichischen Freunden ihre Hilfsaktion in die Karpat-Ukraine auszudehnen. Es ist ein Gebiet das früher zu Ungarn gehört hat und nun von der Welt vergessen ist. Bei einem ersten Besuch, so erinnert sich die tatkräftige und hilfsbereite Gerti Marchart, erlebt sie eine unvorstellbare Armut. “Kein Tier würde man bei uns so halten, wie die Menschen dort zum Teil leben: in Kellerlöchern, Ruinen oder Ställen." Franziskaner, mit denen sie in der Ukraine Kontakt aufgenommen haben warnen: Ein Hilfstransport sei viel zu gefährlich, die Not so groß, daß jede Lieferung überfallen und ausgeplündert würde. So wählen die Helfer 1991 als ersten Ort das nahe der ungarischen Grenze gelegene Salank, in dem alle Bewohner Ungarisch sprechen. “Dieser Ort," lächelt Marika, “ist gewissermaßen unsere erste Liebe."

Von da an laufen alle Fäden der gemeinsamen österreichisch-ungarischen Hilfe bei Marika zusammen. In der von den Varföldis gegründeten Stiftung “Füreinander" arbeiten derzeit 80 Mitarbeiter ehrenamtlich mit. Ebenso viele “Marika-Freunde" gibt es in Österreich und viele Sympathisanten. Die Hilfsgüter werden in mehreren Hallen und dem Stiftungshaus in Erd gelagert.

Um sie an die Leute zu bringen, wird folgendermaßen vorgegangen: “So ein Flohmarkt oder Bazar", erklärt Gerti Marchart, “ist eine Möglichkeit, in Würde Sachen an bedürftige Menschen heranzutragen. Jeder kann sich selbst aussuchen, was er braucht. Wer hat, gibt einen Symbolpreis, wer nichts hat, bekommt es geschenkt. Wir lassen jeweils nur so viele Leute in die ,Verkaufsstelle' hinein, wie wir drinnen bedienen können. Die anderen warten draußen." Bevor die Nächsten die Halle betreten, wird der Bestand ergänzt. “Nach dem Hochwasser im letzten Jahr - da haben die Menschen zum Teil alles verloren - mußten wir schnell reagieren. Drei Tage später wurden unsere Hilfsgüter aus den Depots dort ausgeladen."

Kann es Zufall sein, daß knapp vor diesem Einsatz die Schwestern aus Bad Kreuzen 50 Betten verschenkt haben? Wenige Tage nach der Überschwemmung wurden sie am Ort der Katastrophe ausgeladen. “Nein," ist Marika überzeugt, “Gott lenkt immer die Verbindungen."

Wenn Tamás jetzt durch die Dörfer der Karpat-Ukraine fährt, kennt man bereits seinen Wagen und häufig wird er angehalten, weil sich die Menschen von ihm Hilfe erhoffen. Angehalten wird er aber auch, weil man dort mangels öffentlicher Verkehrsmittel viel per Autostop zu reisen versucht. Oft sind es 30 oder mehr Ukrainer, die er auf so einer Reise ein Stück mitnimmt.

Unlängst hat er zwei ältere Frauen mitgenommen. Weil er es eilig hatte, wollte er diesmal eigentlich nicht stehenbleiben, doch ein Gefühl ließ ihn anhalten. Und tatsächlich erzählten ihm gerade diese beiden Frauen von ihren großen Nöten. Eine der beiden hat einen invaliden Sohn und ein nach der Überschwemmung kaum bezugsfähiges Haus ohne Heizung. Tamás hatte gerade größere Geldmittel für solche Fälle mitgenommen. Er gibt beiden Frauen einen größeren Betrag, der einen doppelt so viel wie der anderen wegen ihrer besonderen Notlage. Eine Bitte hat er: Sie mögen deswegen nicht miteinander streiten.

Und tatsächlich: Keine Spur von Streit, vielmehr Dank an den Herrgott für diese Hilfe, dafür, daß sie gerade heute unterwegs waren.

Als Tamás diese Geschichte erzählt, ist ihm seine Freude anzusehen: “Wo ich doch gar nicht stehenbleiben wollte. Und dann dieses Lob Gottes. War das schön!"

Das jahrelange Beispiel der Helfer hat nun auch den Gemeinschaftsgeist und den Zusammenhalt der Karpat-Ukrainer angeregt. Die Selbsthilfe wurde durch die Hilfe enorm angespornt. Und das ist eine der größten Freuden des Ehepaars. “Wer Liebe empfängt, kann Liebe weitergeben," schreibt auch Gerti Marchart in ihrem Rundbrief über die Hilfsaktionen. Viele schöne Geschichten gäbe es zu erzählen. Auch solche, wo ihnen selbst geholfen wurde: Eines Tages in der Dunkelheit auf den schlechten Straßen der Ukraine rumpelt Tamás durch ein großes Loch. Bis zur Grenze kommt er gerade noch, dann leuchtet das Öllämpchen auf. Offenbar ein Leck. Hinter der Grenze ein Haus - und dort wohnt ein Mechaniker! Dieser repariert noch in der Nacht das Leck und will nicht einmal etwas für seine Hilfe haben.

Marika resümmiert: “Unsere Hilfsaktionen sind ein Beweis Seiner Liebe. Er hat mit uns allen einen schönen Plan und Er hat uns als Sein Werkzeug gerufen. Wir haben erfahren, daß jedes Wort in der Bibel Wahrheit ist: Gebt und auch Euch wird gegeben werden; Sucht nur das Reich Gottes und alles andere wird euch dazugegeben...

Gerngesehene Spenden bitte an: Bank Austria, Blz 12.000, Kto: 50338306600 unter UKRAINE-HILFE

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