VISION 20003/2002
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Tür nach innen

Artikel drucken Einführung in das Gebet

Wer einen umfassenden Behelf für die Einführung in das Gebet sucht, wird bei Pater Hans Buob fündig. In nüchterner Art bringt er dem Leser Wesen, Methode und Schwierigkeiten des Betens, insofern es auch Kunst und Übung ist, nahe. Er schöpft dabei aus der langen Tradition christlicher, besonders westlich-abendländischer Mystik.

Eine wichtige Einsicht sei herausgegriffen: “Es ist falsch, etwas Gutes zu unterlassen, damit eine negative Begleiterscheinung nicht auftritt." Der Zusammenhang ist, daß bei fortgeschrittener Einübung des inneren Gebetes allerlei Störungen und Ablenkungen, bis hin zu schweren Anfechtungen auftreten. Es wäre aber ein großer Fehler, sich deswegen entmutigen zu lassen.

Was im inneren Leben gilt, gilt aber auch im äußeren, in Arbeit, Apostolat, Politik, weil die geistigen Wirklichkeiten da wie dort dieselben sind: Nur um beispielsweise Ablehnung zu vermeiden, sollte man nicht davon ablassen, das Gute zu tun. Daraus ist ersichtlich, wie sehr die Gebetsschule zugleich auch Schulung in praktischen Dingen ist. “Wir werden staunen, wie befreiend ein Leben mit Gott sein kann. Da kann dann kommen, was will."

Bücher über das Gebet haben immer die Gefahr, daß sie den Leser dazu verleiten, letztlich doch beim Lesen zu bleiben. Es braucht immer den Begleiter und Meister, der den Weg schon zuvor gegangen ist und der sich auf den sich Übenden persönlich einstellen kann. Ein Buch ist da nicht mehr als eine Krücke. Gehen muß man dann selber.

Es ist gefährlich, in der Kirche zu arbeiten, Theologie zu studieren oder sich in irgendeiner Weise für Glauben und Kirche einzusetzen, ohne immer wieder die innere Evidenz des persönlichen Betens und Betrachtens zu kultivieren. Man muß sich der inneren Öffnung für Gott immer wieder vergewissern. Unter dieser Rücksicht ist das Gebet der Kunst und dem Sport vergleichbar: Sie alle benötigen die stete Übung und Selbstvergewisserung.

Ein unbestreitbarer Pluspunkt des Buches ist, daß immer klar hervortritt, daß das katholische Beten zwar anspruchsvoll und übungsbedürftig, aber stets skrupelfrei und menschlich ist (also keine Rede davon, daß ein Christ verpflichtet wäre, sich mehrmals am Tag zwanghaft vor einem Götzen zu Boden zu werfen).

Das Buch kann ausdrücklich weiterempfohlen werden, allerdings mit der Einschränkung, daß eigene Gebetspraxis aus einem Buch heraus nicht zu erlernen und nicht zu vertiefen ist, daß es also einen erfahrenen Begleiter jedenfalls braucht. Man kann sich sehr täuschen. Ohne Exerzitienpraxis wird dem Leser das Buch nämlich so gut wie unverständlich sein. Für den, der einen eigenen geistlichen Weg beschreitet, wird das Buch eine gute Hilfe sein.

Die ungeheure Fülle an subtilen geistigen Unterscheidungen und die manchmal als etwas schwierig nachzuvollziehen anmutende Kapiteleinteilung erklärt sich aus dem behandelten Gegenstand: Aus der Fülle des menschlichen Innenlebens und der Möglichkeiten, in die Irre zu gehen. Der Autor ist ganz offenkundig sehr erfahren, somit realistisch und wohltuend nüchtern.

Der einzige Mangel des Buches ist, daß es keine Einführung gibt, wie der Beter nun bei einer Betrachtung konkret, also technisch, vorgehen soll, welche Schritte zu setzen sind. Da wäre es hilfreich gewesen, auf die ausgearbeitete Vorgangsweise etwa des ignatianischen Exerzitienbuches einzugehen. Aber der Rezensent ist sich sicher, daß der ernsthaft Übende das auch von anderswo her erfahren wird, vorzugsweise von seinem Begleiter.

Wolfram Schrems

Tür nach Innen, Hans Buob, Unio-Verlag, 2001, Euro 10,10

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