VISION 20004/2002
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Jeden Tag werden Leben gerettet

Artikel drucken Claudia Groger, Leiterin der Beratung im Wiener Lebenszentrum (Von Alexa Gaspari)

 

Eine sehr berührende Predigt hielt Msgr. Reilly aus den USA (siehe VISION 4/98) am 1. Juni bei einer Messe, die er in Wien las: Unter anderem erzählte er, wie er am 11. September 2001 vor der größten New Yorker Abtreibungsklinik in Manhattan betete und Frauen, die dort ihr Kind töten lassen wollten, Beratung anbot, damit sie sich diesen endgültigen Schritt überlegen könnten.

Selbst als die Rauchwolke vom ersten einstürzenden Twin Tower schon herübergeweht wurde, wollten manche von ihnen noch ihren Abtreibungstermin wahrnehmen. Und so harrte auch der Monsignore weiter dort aus. Zum selben Zeitpunkt baten am Ort der Katastrophe Feuerwehrmänner den Priester, der sie begleitete, um eine Generalabsolution, waren sie doch sicher, daß viele von ihnen bei dem Versuch, dort Menschen zu retten, ums Leben kommen würden. Und so war es dann ja auch. Auf der einen Seite von Manhattan also Frauen, die ihre eigenen Kinder töten lassen wollten, auf der anderen Seite Feuerwehrmänner, die bereit waren, ihr Leben hinzugeben für Menschen, die sie gar nicht kannten. Eine erschütternde Predigt, die uns aufgerüttelt und ermutigt hat, uns verstärkt für die ungeborenen Kinder und deren Mütter einzusetzen.

Claudia Groger tut dies schon seit Jahren mit großem Engagement als Leiterin des Beratungszentrums für schwangere Frauen, dem Lebenszentrum, in der Wiener Innenstadt. Vor kurzem haben Claudia und ich uns hier in einem der Beratungszimmer zu einem Gespräch getroffen: Rundherum Fotos von Babys und ihren Müttern, Abbildungen von Ungeborenen in verschiedenen Lebensstadien, Videos über die Entwicklung von den ersten Anfängen an. Hier hält mein Gegenüber ihre Beratungen mit schwangeren Frauen. Wie kam sie zu dieser Arbeit?

Claudia ist keine Wienerin: Sie wurde in Villach als ältestes von vier Kindern geboren. In Spittal/Drau ist sie aufgewachsen. Eine ihrer Schwestern ist geistig behindert und die jüngste eine Nachzüglerin, 19 Jahre jünger. Ein geistig behindertes Kind oder einen Nachzügler zu bekommen, das sind - wie Claudia sofort einflicht - zwei Motive, die Frauen als Abtreibungsgrund angeben. Und da kann sie dann aus eigener Erfahrung so manches Vorurteil gegen solche Konstellationen ausräumen helfen.

Nach der Matura beschließt die junge Kärntnerin, in Wien Lebensmittel- und Biotechnologie zu studieren. Eines Tages wird sie auf der Straße von Schwestern der Jüngersuche angesprochen und ins Zentrum der Kalasantiner eingeladen, eine Einladung, der sie erst ein Jahr später folgt. Doch von da an gefällt es ihr dort so gut, daß sie bis zum Ende ihres Studiums sechs Jahre später sehr viel Zeit hier verbringen wird.

Heute meint sie, daß ihr Glaube erst durch die Katechesen, Seminare und Gebetsgruppen bei den Kalasantinern richtig lebendig geworden sei, obwohl sie vorher absolut nicht fernstehend gewesen sei - eine fixe Gebetszeit zu haben, war ihr schon nach ihrer Übersiedlung nach Wien wichtig. Nun aber weiß sie, daß bei der Entscheidung für Gott, nicht das Gefühl, sondern die Treue und die Disziplin das Wichtigste sind.

Eines Tages reist sie zu einem Seminar mit Pater Buob. Erst dort bekommt sie mit, daß es auf eine Weihe an die Muttergottes vorbereitet. “Das empfand ich damals als von der Muttergottes gerufen worden zu sein. Denn nicht ich hatte das gewollt, sondern Gott hatte mich hierher gezogen. Vom Augenblick der Weihe an Maria an wußte ich, daß sie mich durch alle Krisen hindurch halten und führen würde, auch wenn ich als Mensch Fehler mache oder Gott untreu werden sollte," erzählt Claudia in ihrer ruhigen Art und ich merke, daß diese Weihe für sie nichts von ihrer tiefen Bedeutung verloren hat.

Als die junge Frau an ihrer Diplomarbeit schreibt, wird ihr klar, daß sie anschließend gerne ein Jahr Sozialarbeit machen würde, vielleicht in Afrika, um einfach nur von Gott abhängig zu sein, um die Sehnsucht nach Seinem Wirken stark werden zu lassen.

Damals erzählt ihr eine Bekannte, sie arbeite mit Dietmar Fischer zusammen, der in Amerika die Arbeit von “Human Life International" (HLI) kennengelernt hatte: eine Organisation, die sich dem Kampf für das Leben verschrieben hat. Besonders beeindruckend sei das Zeugnis von Father Reilly gewesen, eines Priesters, der nicht mit Demonstrationen oder Blockaden vor Kliniken auf das Abtreiben reagiere, sondern allein auf spirituelle Mitteln setze: das Gebet um Bekehrung der Herzen, um die Rettung der Seelen aller, die in die Abtreibung eines Kindes verstrickt sind. Nur wo das geschehe, so habe er mittlerweile tausendfach erfahren, würden die Kinder gerettet.

Mithilfe von HLI versuche Fischer dieses Programm in Österreich umzusetzen, erfährt Claudia Groger von Angela, der Bekannten, die sie zufällig getroffen hatte. Demnächst werde ein Zentrum in der Wiener Innenstadt eröffnet, fügt diese hinzu. Das interessiert Claudia sofort und - wie sie heute lächelnd erzählt: “Ich habe gleich gebeten, mich auf die Warteliste der Mitarbeiter zu setzen, weil ich dachte, daß es da ähnlich zugeht wie bei anderen guten Jobs." Sehr bald stellt sie dann fest, daß es natürlich keine Warteliste gibt, dafür aber einige Menschen mit viel Engagement, die sich dieser schwierigen Aufgabe annehmen wollen.

Um sicher zu gehen, daß auch Gott mit dieser Berufswahl einverstanden ist, macht sie Exerzitien im Stil des heiligen Ignatius vom Loyola: Gott solle ihr, falls Er andere Pläne mit ihr habe, diese während der Exerzitien mitteilen. Doch Gott ist offensichtlich einverstanden und ihr Entschluß ist gefaßt.

Anfang November 1997 hat Claudia Sponsion, und am 17. November beginnt sie mit ihrer Arbeit bei HLI-Österreich. Am 8. Dezember wird die erste Hilfsstelle, das Lebenszentrum, das sich ganz in der Nähe der größten Abtreibungsklinik im ersten Bezirk befindet, gegründet. Ihre Freundin Angela ist Leiterin des Beratungsdienstes und alle Mitarbeiter werden gut eingeschult. Es gibt Unterlagen von HLI, Ärzte, Psychologen, Priester, Sozialarbeiter tragen vor. Nach einer kurzen Zeit im Büro wird Claudia in der “Straßenarbeit" eingesetzt.

Was da zu tun sei, frage ich: “Da gibt es zwei Aufgaben: einer der Mitarbeiter konzentriert sich allein auf das Gebet vor der Abtreibungsklinik, ist also im ständigen Gespräch mit Gott. Er betet für die schwangeren Frauen, die Ärzte und die Schwestern in der Abtreibungsklinik, für alle, die Druck auf die Frauen ausüben, und für die Berater. Der andere Mitarbeiter - derzeit sind es sogar zwei - geht auf die Frauen zu, bietet Informationsbroschüren an, klärt darüber auf, daß es Hilfe für sie und ihr Baby gibt."

“Normalerweise," fährt Claudia fort, “haben Frauen, die zum Abtreibungstermin kommen, mit ihrem Baby schon abgeschlossen. Sie haben den Kopf voller Argumente: des Partners, der Eltern, der Freunde. Sie müssen diese Tat ja auch vor sich selbst rechtfertigen. Und da kommt jetzt jemand, der sie verunsichern will, neue Argumente hat."

Die Frau will aber keine neuen Argumente hören. “Nur das Gebet" - und das betont Claudia im Laufe unseres Gespräches immer wieder mit großer Überzeugung - “kann da bewirken, daß der Heilige Geist das Herz der Mutter berührt, eine Beziehung zum Kind aufkeimen läßt, nur Er kann ihr Hoffnung und Mut schenken, damit sie doch noch einmal auf jemanden hört. Gott weiß einfach, wo eine Ritze im Panzer ist, durch die Er eindringen kann. Aber ohne Gebet, so haben wir von Anfang an festgestellt, ist es sinnlos, etwas zu versuchen. Wir werden dann nicht einmal bemerkt."

Solange es keine Kapelle und keine regelmäßige Messen des Teams gibt, bleiben die Erfolge eher bescheiden. Seit Einrichtung der Kapelle jedoch, in der jetzt 24 Stunden hindurch ununterbrochen angebetet wird, geschehen viele Wunder: Frauen kehren um oder kommen zur Beratung und entscheiden sich in letzter Sekunde für ihr Kind.

Jemanden anzusprechen, von dem man vermutet, er werde die “Hilfe" der Klinik in Anspruch nehmen, erfordert sicher immer wieder Überwindung. Ich weiß, daß es dort auf der Straße nicht selten Konfrontationen und Aggressionen auszuhalten gilt. Wie sie damit umgehe, frage ich Claudia.

“Father Reilly hat uns folgendes erklärt: Das größte Verbrechen der Menschheit, nämlich die Kreuzigung Jesu, wurde durch die Haltung von Jesus und Maria (“Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun") zur größten Erlösungstat, zum größten Segen für die Menschheit. Die Abtreibungsklinik ist der Ort, wo Jesus heute blutig auf Golgotha geopfert wird. So wie Johannes und Maria damals unter dem Kreuz ausgeharrt haben, so sollen auch wir heute dort mit dieser Bitte um Vergebung ausharren."

Ein halbes Jahr ist Claudia nun im Zentrum tätig, da kommt für sie eine Zeit der Ungewißheit. Von einem Priester zusätzlich verunsichert, weiß sie nicht, ob sie weitermachen soll. Ist das hier wirklich ihr Platz? Sie beschließt, nochmals neuntägige ignatianische Exerzitien zu machen und den Herrn zu fragen: “Soll ich hier weitermachen oder mir einen Job in meinem erlernten Beruf suchen?" Und erklärend fügt sie hinzu: “Wer diese Art von Exerzitien kennt, weiß, daß es sehr gute Entscheidungsexerzitien sind. Für mich kam damals ganz eindeutig heraus: Bleibe, wo du bist. Und es hat auch gepaßt."

Im Lebenszentrum nimmt die Arbeit ständig zu und Dietmar Fischer bittet sie nun, Leiterin der Beratung im Zentrum zu werden, während Angela die Leitung des Straßendienstes behält. Ob sie dem gewachsen sein wird? Wenn es Gottes Wille ist, so würde sie es schaffen. Er würde schon helfen.

Wer kommt da eigentlich zur Beratung? Zunächst jene, die von Mitarbeitern vor der Klinik geschickt werden, aber auch andere, die von der angebotenen Hilfe erfahren. Manche wählen auch den Notruf (01 4813777). Dann beginnt der erste Kontakt schon am Telefon.

Von einer Beratung, die per Telefon begann, erzählt mir nun mein Gegenüber sehr engagiert: “Wichtig ist, daß alle hellhörig sind, wenn irgendwo von Abtreibung die Rede ist. Einmal hat mich ein Priester angerufen und von einer jungen Frau erzählt, die ihr Kind abtreiben lassen wollte. Ihr Problem war, daß der Vater des Kindes nicht wußte, ob er sich für sie oder eine andere entscheiden sollte. Dies und das Gerede im Büro, das ihre Schwangerschaft auslösen würde, waren ihr zuviel: Sie wollte kein Kind ohne Partner."

“Bei der Beratung am Telefon," erzählt Claudia, und ich merke, wie sehr ihr diese junge Frau ein Anliegen ist, “konnte ich ihr beschreiben, wie ihr Baby jetzt ungefähr aussieht, was für Folgen eine Abtreibung nach sich zieht und anderes mehr. Schon durch die Telefonberatung hat sich die Frau ziemlich für ihr Kind entschieden. Sie kam später mit dem Freund ins Zentrum und wir hatten ein gutes Gespräch."

Claudia blieb mit der Frau telefonisch in Kontakt. Schon bald wollte jene das Leben des Kindes nicht mehr vom Entschluß des Vaters - der weiterhin unentschlossen blieb - abhängig machen und trennte sich von ihm. Das Baby, auf das sich die junge Mutter nun sehr freut, kommt demnächst zur Welt. Wären doch bloß alle Priester so hellhörig!

In der Erstberatung geht es vor allem darum, die Wahrheit des Kindes zu beschreiben, um Rechts- oder Wohnungsfragen, werden Vermittlungsgespräche mit Partnern, Eltern oder Vorgesetzten angeboten, kostenlose Termine mit Ärzten vereinbart oder eine Anstellung im Zentrum ins Auge gefaßt (850 Frauen wurden bisher angestellt).

Doch das Problem der Frauen liege meist anderswo, meint Claudia: “Abtreibung ist oft nur die Spitze eines Eisberges. Da ist schon vorher viel passiert: keine Geborgenheit zu Hause, vielleicht ein unzufriedene Mutter, die keine Freude an ihren Kindern hatte, vielleicht gab es sogar Mißbrauch oder andere Verletzungen."

Merkt Claudia, daß eine Frau Hilfe annimmt und für Gespräche offen ist, so kann es in nachfolgenden Gesprächen gelingen, deren Geschichte aufzuarbeiten - etwa das Trauma früherer Abtreibungen. Oft kommt es zu wunderbaren Glaubensgesprächen. “Die meisten Frauen sind in dieser Grenzsituation offen dafür," weiß Claudia aus Erfahrung. In solchen Gesprächen ist es ihr besonders wichtig, den Frauen klarzumachen, daß Gott zu ihrem Kind ja gesagt hat. Ohne Sein Ja wäre die Frau ja gar nicht schwanger geworden. Daher werde Er ihr auch geben, was sie braucht.

“Gott schenkt nicht Kinder, um Menschen zu vernichten, denn Kinder sind ein Segen. Frauen, die vertrauen und zu beten anfangen, begreifen das," erfährt diese vom Glauben getragene junge Frau. “Ich erzähle dann von meiner eigenen Hoffnung für sie und ihr Baby. Wir erleben es immer wieder: Wo anfänglich alles aussichtslos schien, zeigt Gott Schritt für Schritt Wege aus der Misere. Dabei zeigt Er uns nicht, wie die nächsten fünf Jahre ausschauen werden, sondern nur den nächsten Schritt. Haben wir diesen gemacht, zeigt Er den folgenden und so weiter. Wenn wir uns gemeinsam mit der Frau darauf einlassen, tun sich Dinge, die man nicht geglaubt hätte."

Sie lächelt, ein anziehendes, liebes Lächeln, und erzählt die Geschichte einer noch minderjährigen Ausländerin, die um Asyl in Österreich angesucht hatte: “Sie war schon in der Abtreibungsklinik. Da sie keine Unterschrift eines Erziehungsberechtigten hatte, wurde sie wieder weggeschickt. Auf der Suche nach einer anderen Abtreibungsklinik, stieß sie im Telefonbuch irrtümlich auf uns. Wir haben sie sofort zum Kommen eingeladen und sie hat mir ihre traurige Geschichte erzählt, etwa, daß sie mitansehen mußte, wie ihre Eltern im Krieg ermordet wurden. Abhängig vom österreichischen Staat, hatte sie Angst durch die Schwangerschaft alles zu verlieren und außerdem starke Schmerzen. Der Vater des Babys, selbst Asylwerber, hatte im Heim Geld für eine Abtreibung gesammelt. Ich dachte nicht, daß wir das Baby retten könnten. Bei den Barmherzigen Brüdern - dort können wir Gott sei Dank immer akute Fälle hinschicken - wurde zunächst alles Medizinische abgeklärt. Dann habe ich für sie um eine Arbeitsbewilligung bei uns als Lehrling angesucht. Da stellte sich jedoch heraus, daß wir dazu erst eine Ausbildungsstätte für Lehrlinge sein müßten. Also haben wir darum angesucht. Das Büro wurde besichtigt - und wir bekamen nicht nur diese Bewilligung, sondern auch eine Arbeitsbewilligung für die junge Mutter. Sie darf nun drei Jahre als Lehrling bei uns arbeiten. Mittlerweile ist das Baby da, sie bekommt Kinderbetreuungsgeld, Familienbeihilfe und ist überglücklich."

Claudia strahlt, als sie mir das erzählt. Die junge Frau scheint ihr sehr ans Herz gewachsen zu sein.

Wieviele Kinder denn bisher gerettet werden konnten, frage ich. In den vier Jahren bisher über 3000! Nicht eingerechnet sind da die Fälle, bei denen die Mutter nach der Kurzinformation auf der Straße wieder umkehrt oder nach kürzester Zeit, die Broschüre des Zentrums in der Hand, die Abtreibungsklinik wieder verläßt.

Heuer im Juni habe ich übrigens 50 Mütter aus 50 verschiedenen Ländern und aus den verschiedensten Religionen mit ihren Kindern gesehen. Sie waren gekommen, um Dietmar Fischer, der am Tag des Lebens seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, Dank zu sagen: Ein wunderbares Bild, die vielen Mütter in ihren bunten Kleidern glücklich beisammen sitzen zu sehen und F. Reilly, der einzeln jedes Kind segnet.

Aber wieviel Elend, Angst und Verzweiflung gab es da durchzustehen bevor diese Kinder auf die Welt kommen konnten? Ist es nicht schwer, wenn einem so viel Leid begegnet und man so viel mitleidet? Bei jedem Gespräch gehe es ja um ein Menschenleben. “Ja, manchmal ist es schon ein bißchen viel, und manchmal frage ich mich schon auch, wie Gott das eine oder andere zulassen kann", ist die ehrliche Antwort.

“Dann sage ich Ihm sehr energisch: Okay, nun zeige mir aber, wie es weitergeht. Auch den Frauen sage ich, daß sie durchaus Gott ihre Wut zeigen können und die Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden." Aber dabei bleibt es nicht, denn Claudia sagt ihnen auch: “Du bist zwar verletzt, aber Gott kann diese Verletzung heilen, wenn du sie Ihm bringst. Ich frage sie dann, ob es für sie okay ist, wenn ich für sie bete. Und fast nie kommt es vor, daß eine Frau das nicht möchte. Die meisten sind davon tief berührt, weil ich vielleicht der erste Mensch bin, der für sie betet und für sie um einen Segen von Gott bittet."

Jeden einzelnen Lebensabschnitt der Frau stellt sie dann vor Gott hin und bittet um Heilung. Eine Frau, für die sie unlängst so gebetet hat, hat sich nun einem Gebetskreis angeschlossen. "So erlebe ich immer wieder Gebetserhörungen, die meinen Glauben enorm stärken", strahlt Claudia.

Also ist sie nach wie vor froh, hier im Lebenszentrum zu arbeiten? “Ja, sehr. Wenn ich einmal für einige Zeit weg muß, zieht mich mein Herz schnell hierher zurück. Ich weiß, daß die Muttergottes hier bei mir ist und mich hält und mit mir bei Gott Fürbitte hält. Ich habe hier menschlich und geistlich sehr viel gelernt. Ich erlebe hautnah und täglich die Abhängigkeit von Gott. Nicht ich kann das Lebensproblem der Frau lösen. Rein menschlich gesehen gibt es oft keine Lösung, nur das Vertrauen: Gott hat eine Idee, einen Plan für dieses Kind. Natürlich muß zuerst ich fest an diesen Plan und an dessen Verwirklichung glauben. Sonst könnte ich diese Hoffnung ja den Frauen nicht vermitteln. Wie sollte ich einer Frau sagen, behalte dein Baby, wenn ich nicht selbst, wie Petrus, einen Schritt auf das Wasser mache."

Damit ist aber das Gebet und die Anbetung für Claudia zur lebensnotwendigen Selbstverständlichkeit geworden - nicht nur das Gebet für die Frauen, ihre Babys und ihre Angehörigen, sondern auch das Gebet für die Mitarbeiter. “Wenn ich nicht durchlässig für das Wirken Gottes bin, kann ich doch nichts weitergeben."

Sehr bewegt und beeindruckt verlasse ich das Lebenszentrum. Welch große und vielfältige Aufgabe erfüllt hier Claudia tagtäglich mit ihrem Team: sie rettet Kindern das Leben, bewahrt deren Mütter vor schwerem seelischen Schaden und führt nicht wenige von ihnen zu Gott. Ganz ehrlich, gibt es etwas Schöneres? 

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