VISION 20004/2002
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Frauen sind nicht benachteiligt

Artikel drucken Zum Thema Priesterweihe für Frauen

Für viele Frauen war auf der in unserer Zeit nicht leichten Suche nach Identität der Feminismus eine Richtschnur. Ideell vom Feminismus gespeist ist unter anderem auch der Druck auf die Kirche, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Dem Feminismus ist, in seinen verschiedensten Ausformungen in unterschiedlichem Maße, die Tendenz eigen, geschlechtsspezifische Unterschiede und Begabungen nicht anerkennen zu wollen.

Inzwischen geht jedoch der Trend in der Gesellschaft bereits wieder dahin, daß Frauen und Männern ihre spezifischen Anlagen zuerkannt werden. Die Mode wandelt sich.

Es wird wohl auch mehr und mehr wahrgenommen, zu welcher Schwächung und Verarmung der Gesellschaft das mangelnde ldentitätsbewußtsein von Mann und Frau bezüglich der ihnen je eigenen Stärken und Fähigkeiten führt. Wir haben uns eben nicht selber erschaffen, wir sind uns gegeben, von Gott erschaffen als Mann und Frau, um in dieser Beziehung Leben und Welt zu gestalten.

Es sei fern, einem Mauerblümchendasein der Frau das Wort zu reden. Das weit verbreitete Klischee der Minderbewertung der Frau durch die Kirche entbehrt jeglicher Grundlage. Die Befreiung der Frau aus Benachteiligung und Unterdrückung war und ist gerade auch dem Papst ein dringliches Anliegen. Er hat dies in verschiedenen Schreiben sehr engagiert zum Ausdruck gebracht.

Aber warum werden dann Frauen in der Katholischen Kirche nicht zum Priestertum zugelassen? Vermutlich weil hier ein Lebensnerv der Kirche liegt, sind unter den Christen die konträren Vorstellungen und Wünsche in dieser Frage emotionsgeladen: Einerseits lautstarke Befürwortung der Frauenordination, andererseits heftige instinktive Ablehnung des Frauenpriestertums seitens von Frauen und Männern.

Daß der Anglikanischen Kirche nach der Zu1assung der Frauenordination Hunderte von Priestern den Rücken kehrten, erweist übrigens deutlich genug, welches Spaltungspotential in dieser Problematik liegt.

Fälschlicherweise wird das Thema fast durchwegs auf soziologischer Ebene diskutiert. Bei Glaubensgemeinschaften mit einer funktionalistischen Auffassung des Priestertums mag dies eventuell eine gewisse Berechtigung haben. Aber für die Katholische und die Orthodoxe Kirche sind aufgrund ihres sakramentalen Verständnisses des Priestertums theologische Gründe ausschlaggebend für die Nichtordination von Frauen.

Die Kirche ist als Schöpfung Gottes nicht einfach gemäß weltlicher Vereinigungen konstituiert. Sie hat sich an der Vorgabe Christi im Wort Gottes und in der lebendigen Tradition der Kirche zu orientieren. “Die Aufgabe aber, das geschriebene Wort verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird"(Vat II, DVIO).

Das Lehramt ist das Geschenk der Führung der Kirche durch den Geist Christi, durch das er uns vor Spaltung und Zerstörung durch die Wirrsal beliebiger Meinungen schützen will.

Es wäre theoretisch denkbar, daß das Lehramt eine Tradition aufgibt, die 2000 Jahre lang als verbindlich erklärt wurde, wenn die Zeitumstände es erfordern, sofern es sich nicht um eine Grundstruktur der Kirche handelt. Aber im Falle der Frauenordination hat der Papst 1994 in ,’ordinatio sacerdotalis« erklärt, daß die Praxis der Kirche, nur Männern die Priesterweihe zu spenden, nicht dem veränderlichen Kirchenrecht zuzuschreiben ist, sondern die “göttliche Verfassung betrifft und die Kirche keinerlei Vollmacht besitzt, Frauen die Priesterweihe zu spenden und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben" (OS 4).

Das Festhalten an der ununterbrochenen Tradition der Katholischen Kirche in der Frage der Frauenordination hat seinen Grund darin, daß sie zur Substanz der von Christus eingestifteten Struktur der Kirche gehört und somit “zentral in der Substanz des Kirchenmysteriums verankert ist" (H.U. von Balthasar).

In den Sakramenten begegnet die Kirche der Unverfügbarkeit der Offenbarung Gottes. Denn in ihrer Sakramentalität ist die Kirche die Wirklichkeit der personalen Selbstmitteilung Gottes mittels von ihm selbst ausgewählter, vorgegebener Symbole aus der Schöpfung, die sie nicht beliebig umfunktionieren kann.

Auch die einander ergänzende Stellung von Mann und Frau gehört zu dieser Schöpfungswirklichkeit, durch die Gott spricht. Das Wort ist Fleisch geworden in dem Mann Jesus Christus, dem ewigen Hohenpriester. Nachdem er gehorsam war bis zum Tod am Kreuz, liebt und nährt der Auferstandene die Kirche als seine Braut durch seine Lebenshingabe, durch die immerwährende Gegenwart seines Opfers.

Die Priesterweihe gewährt Männern Anteil am Priestertum Jesu Christi. Die Frau hat eine unausdenkbar große Würde erhalten, ohne daß sie am Amtspriestertum teilnimmt, durch die Erwählung einer Frau zur Mutter Gottes. Die Frau erfüllt ihren großen Auftrag nicht im Kult. Mit all den ihr vom Schöpfer verliehenen leiblichen, emotionalen und geistigen Gaben darf sie Leben schenken und fördern, insbesondere auch Glaubensleben.

Diese Wirksamkeit der Frau, auch die verborgenste, ist für Kirche und Menschheit zu allen Zeiten absolut lebens- und kulturnotwendig.Priestertum ist kein Recht, sondern ein Dienst im Dienste dessen, der gesagt hat: “Ich bin in eurer Mitte, wie ein Dienender." (Lk 22,27)

Die Kirche ist nicht Werkzeug der Selbstverwirklichung mittels der Durchsetzung von Rechten, sondern sie führt zur Selbstentfaltung durch das Heil, das von Gott kommt. Als Jesus sich zum erstenmal in einem kleinen Stück Brot verschenkte, stritten sich die Jünger um die ersten Plätze (Lk 22,1ff). Da kniete er sich hin und wusch ihnen die Füße.

Sylvia Albrecht

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