VISION 20004/2002
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Freunde des Lebens

Artikel drucken Aus dem Leben heiliger Menschen

Heiligkeit - für viele ein weltabgehobener Zustand der Vollendung, der nur wenigen Auserwählten zuteil wird. So manche blutleere Heiligengeschichte mag zur Verbreitung dieser Vorstellung beigetragen haben. Die vielen Heilig- und Seligsprechungen - vor allem auch von Menschen, aus dem 20. Jahrhundert - des Pontifikats von Johannes Paul II. haben die Heiligen wieder mehr in die Reichweite der Gläubigen gerückt.

Das tut auch Peter Ebner, indem er “Geschichten von heiligen Menschen" erzählt, so der Untertitel seines Buches “Freunde des Lebens". Ja, die Heiligen sind Freunde des Lebens, keine weltfremden Erscheinungen. Und das spürt man auch bei der Lektüre der kurzen Geschichten, die Ebner erzählt.

Er greift Episoden aus dem Leben ganz unterschiedlicher Menschen auf. Der Bogen spannt sich von Johannes dem Täufer zu Papst Pius X. Er habe versucht, sich in die 21 Personen, die er in seinem Büchlein zum Leben erweckt, so hineinzuleben, schreibt Ebner im Vorwort des Buches, daß er sich imstande fühlte, “an ihrer Stelle zu sprechen". Über weite Strecken dürfte ihm das gelungen sein, war mein Eindruck.

Was Ebner über diese heiligen Menschen erzählt, sind also nicht historisch belegte Ereignisse oder Aussprüche, sondern Episoden, die sich so ereignet haben könnten. Sie lassen in mehr oder weniger kurzen Skizzen Menschen aus Fleisch und Blut in Erscheinung treten, oft in entscheidenden Situationen ihres Lebens.

In der ersten Erzählung erlebt der Leser etwa eine Begegnung von Johannes dem Täufer mit dem König Herodes. Es ist der Vorabend der Hinrichtung des Mannes, den Jesus als den größten unter den Propheten bezeichnet hat. Herodes ahnt noch nichts von der Schandtat, die er am nächsten Tag begehen wird, wohl aber der Täufer...

Bekannte und weniger bekannte Personen treten auf. Berührend die Szene, in der die wunderbare Güte der heiligen Elisabeth von Thüringen aufstrahlt, einprägsam die Geschichte der Leute von Pug an der Regnitz, die nach einer Naturkatastrophe vom Glaubensabfall bedroht von ihrem Bischof, Otto von Bamberg (1060 bis 1139), vor diesem Schritt bewahrt werden.

In den meisten Geschichten entführt Ebner den Leser in eine andere Welt, in die christliche Frühzeit oder ins Mittelalter. Da ist etwa die Geschichte der Hinrichtung des heiligen Pankratius - er ist einer der drei Eisheiligen -, der in der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian enthauptet wird. In ihr leuchtet der strahlende Glaube und die Unkorrumpierbarkeit vieler Gläubigen der jungen Kirche auf - eine Perspektive für die Neuevangelisierung.

Aktuelle Assoziationen weckt auch die Erzählung von der Konfrontation Papst Coelestins V., mit Kardinal Gaetani, der diesen zum Rücktritt drängt. Zu fromm, zu sehr dem Gebet hingegeben, zu wenig imstande, die Interessen der Kirche in der Welt entsprechend zu vertreten, lauten die Vorwürfe. Coelestin hat sich gebeugt. Welche Episode wird Ebner im Rückblick auf Johannes Paul II. schreiben?

CG

Peter Ebner, Freunde des Lebens, Paulus Verlag, Fribourg, Euro 16,80

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