VISION 20005/2002
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Täglich am Abend versammelt

Artikel drucken Das Gebet in der Familie

Pascal und Sophie Dequae, 33 und 31 Jahre alt, sind seit acht Jahren verheiratet. Auguste, das älteste ihrer vier Kinder ist sieben Jahre, Louis, der kleinste, 20 Monate alt. Sie wohnen in Ramonville, einem Vorort von Toulouse. Wochentags widmet diese "Kirche im Kleinen" jeden Abend etwa 20 Minuten dem Abendgebet selbst wenn Pascal, ein junger Kinderchirurg, im Spital aufgehalten ist.

Die Dequaes sind Mitglieder von "Ecclesiola". Diese Gemeinschaft umfaßt Familien in ganz Frankreich, die an das Gebet der Kirche und die betende Kirche angeschlossen sein wollen - und zwar nicht nur bei der Sonntagsmesse, dem Höhepunkt, sondern im alltäglichen Stundengebet.

"Wir wollen, daß das Wort Gottes auf dreierlei Weisen in jeden Moment unseres Alltags strömt", erklärt Pascal Dequae: "die Betrachtung dieses Wortes, die lectio'; das Feiern, die Liturgie; und das geschwisterliche Leben, Ort der Verwirklichung der vom Wort empfangenen Gaben."

Es ist acht Uhr Abend. Constance, die quietschlebendige, rundliche Dreijährige, läutet mit dem Glöckchen, das auf dem kleinen Tisch in der Gebetsecke im Wohnzimmer steht. Vor einer Christus-lkone - sie ist umgeben von den lkonen von Augustinus und Columban, den heiligen Namenspatronen der beiden ältesten Kinder - brennt eine Kerze. Etwas im Hintergrund eine Figur der Gottesmutter mit Kind. Außerdem befindet sich auf diesem kleinen Altar ein Evangelium und ein großer, siebenarmiger Kerzenständer.

"So ist unser Gebet Teil des Alltags", flüstert Pascal. "Wir gehen auf den Samstag Abend zu, an dem wir die Auferstehung Christi feiern."

Die Eltern knien. Stille. Selbst die lärmende Constance ist ruhig, an die Mutter geschmiegt. Pascal stimmt den traditionellen Antiphon an: "0 Gott, komm mir zu Hilfe, Herr, eile mir zu helfen..." Und dann ein Lied. Jetzt ist Augustin dran. Er zündet fünf Kerzen auf dem Leuchter an. "Heute ist Donnerstag Abend", erklärt er. "Jeden Abend eine Kerze bis zum Samstag. Dann brennen sie alle."

Jetzt wird auf das Wort gehört. Die Familie setzt sich, um einen Psalm zu sprechen oder zu singen. "Wir suchen ihn nicht aus", sagt Sophie", er wird uns von der Liturgie des Tages geschenkt. Die Kinder haben viel Sinn für die Schönheit der Psalmen; sobald sie zu lesen beginnen, singen sie die Psalmen mit."

Einer der Elternteile liest das Evangelium des Tages - am Samstag das Sonntagsevangelium. Eines der Kinder steht mit einer brennenden Kerze daneben. Der Vater erinnert die Kinder: "Diese tägliche Lesung läßt uns Tag für Tag mit Christus leben. So können wir Ihn leben sehen, Ihn sprechen und lehren hören. Wir sind Teil der Menge, die Ihn umgibt, gehen mit Ihm." Jeder von ihnen küßt dieses Wort des Lebens.

Mitten in der Alltagshast versucht Sophie, jeden Tag eine Zeit der Meditation einzuschalten. Was ihr daraus als Lehre zuteil wird, gibt sie abends an ihre kleine Gemeinschaft weiter. Alle stimmen das Magnificat an.

"Jetzt ist Zeit, mit dem Herrn zu sprechen, Ihm unsere Bitten zu sagen," sagt Augustin. Mit all dem, was jedem am Herzen hat, macht das Bittgebet einen großen Teil des Betens der Kirche aus der großen und der kleinen. Mit dem Vater unser wird abgeschlossen. Der Vater segnet die Familie.

Etwa 20 Minuten dauert das Gebet. Der Gast staunt: Augustin war die ganze Zeit hindurch sehr gesammelt; der unruhige Colomban hat seinen Bruder nicht zu sehr gestört; Constance hat brav mit einem Socken, den sie mit einer goldfarbenen Schnur umwickelt hatte, gespielt; ...

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