VISION 20005/2003
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Glaube, Wahrheit, Toleranz

Artikel drucken Das Christentum und die Weltreligionen

Gleich vorweg: Diese überarbeitete Sammlung von Vorträgen und Aufsätzen des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre ist ein wichtiges Buch. Ich habe es nun schon zweimal gelesen, manche Passagen öfter. Warum?

Weil es in einer Zeit, die sich darauf festgelegt hat, nur das Verbindende zwischen Weltanschauungen und Religionen zu sehen, den Christen daran erinnert, daß er um jeden Preis der Versuchung widerstehen muß, das Einzigartige seines Glaubens aus den Augen zu verlieren.

Der Kardinal macht klar, daß es, im Gegensatz zum herrschenden Vorurteil, vernünftig ist, an den in Jesus Christus geoffenbarten Gott zu glauben, ja, daß die Kirchenväter den Glauben im Namen der Vernunft gegen die abgenützten Götter der Antike propagiert haben. Ausführlich setzt er sich auch mit dem vorherrschenden Pessimismus in Sachen Wahrheit auseinander, mit der immer wieder ins Treffen geführten Behauptung, man könne sie nicht erkennen.

Relativiert wird in Ratzingers Ausführungen auch der Stellenwert mystischer Erfahrungen für den Glauben. Wo die Mystik die Vorherrschaft antritt, entstehe unter den Gläubigen eine Zweiklassen-Gesellschaft: jene, die quasi aus erster Hand Erkenntnis haben und die anderen, erklärt er. Unter Christen gebe es diese Unterscheidung nicht. Der Weg der Heiligkeit stehe jedem offen, der dem Herrn nachfolgt.

Unmöglich die Fülle der angeschnittenen wichtigen Fragen hier auch nur annähernd wiederzugeben. Daher empfehle ich Ihnen, liebe Leser, dieses Buch sehr gerne. Es läßt erahnen, welche Freude darin besteht, in der Erkenntnis der Wahrheit Christi voranzuschreiten. Und es gibt viel Rüstzeug für die Debatten um den Glauben heute an die Hand.

Glaube, Wahrheit, Toleranz, Von Kardinal Joseph Ratzinger, Herder 2003, 220 Seiten.

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