VISION 20006/2003
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Europas größte Pfarre

Artikel drucken K-TV: Ein katholischer Fernsehsender (Von Klaus Fruhstorfer)

Obwohl das Fernsehen heute das wichtigste Massenmedium ist, gab es bis vor vier Jahren kein deutsches Programm, das sich an der Lehre der katholischen Kirche orientiert hätte. Als ich vor einem Jahr zu K-TV gestoßen bin, war das Fundament dieses - vor allem finanziell - riskanten Unternehmens aus der Taufe gehoben.

Es war genau am 11. September 1999, als das erste Mal - von einem früheren Anlauf abgesehen - das Programm über den Bildschirm flackerte. Dieses Datum, das zwei Jahre später die Welt verändern sollte, schwingt unbewußt mit, wenn man nach dem Ziel von K-TV fragt: Die Frohe Botschaft in einer säkularen, ja gottlos gewordenen Welt zu verkünden und ein Bindeglied für all jene zu sein, die nicht mehr zur Kirche gehen oder ihren Gott und seine Gebote vergessen haben.

Zahlreiche Reaktionen geben mittlerweile lebhaftes Zeugnis von der Suche der Menschen nach Heil und Sinn im Leben. Wer aber sucht das heute noch in der Kirche, weiß “man" doch angeblich spätestens seit der Enzyklika Humane vitae, daß die Kirche weltfremd und körperfeindlich sei. Oft, so stelle ich fest, ist das aber auch schon alles, was manche Kritiker von der Kirche und ihrer Botschaft wissen.

Fernsehen zu machen, sieht leichter aus, als es tatsächlich ist. Der Pionier und Motor, der dieses ungewöhnliche Kunststück fertiggebracht hat, ist nicht nur Priester, sondern auch Techniker und Regisseur zugleich.

Pfarrer Hans Buschor, langjähriger Pfarrer der Diözese St. Gallen/Schweiz und mittlerweile im “Ruhestand", hat schon 1968 einen Film über den bereits zur Ehre der Altäre erhobenen Kapuzinermönch Pater Pio gedreht. Daß diese Aufnahmen historischen Wert erlangen würden, ahnte er bei Drehbeginn noch nicht. Wider Erwarten gab Pater Pio damals erstmals seine Zustimmung zu Filmaufnahmen während der Heiligen Messe. Es war - wie sich später herausstellte - seine letzte. Zwei Tage später starb er.

Der Film wurde ein großer Erfolg und gelangte in die heimischen Kinos. Mit dem finanziellen Erlös baute Pfarrer Buschor eine Medienstelle auf, die dem Heiligen Erzengel Michael geweiht wurde: Ein umgebauter Holzschuppen diente als Studio, ein Meisterwerk der Improvisation. Daraus entwickelt sich letzlich, mit viel Einsatz und Gottvertrauen: K-TV. K steht für Kephas, den Fels, Petrus.

Anfangs, für den durchschnittlichen Fernsehkonsumenten noch fast “unerreichbar", auf dem Satellitensystem Eutelsat ausstrahlend, beginnt die kleine Initiative mit wenigen, großteils selbst produzierten Sendungen, die Öffentlichkeit anzusprechen und ist schon bald in vielen Kabelnetzen Österreichs und der Schweiz zu finden.

Der Programmmix aus Glaubensthemen, Gebet, Lebenshilfe und Musik kommt an. Eine Besonderheit des Senders ist es, daß nicht nur täglich die Heilige Messe, sondern Woche für Woche live aus Rom die Generalaudienz und das Angelusgebet mit dem Papst übertragen wird.

Seit November des Vorjahres ist K-TV auch auf Astra digital zu empfangen, was zu einer erheblichen Reichweitensteigerung beiträgt. Technisch gesehen wären es schon jetzt etwa 2,5 Millionen Haushalte, die K-TV empfangen könnten. Wenn sie es nur täten!

K-TV sendet täglich 24 Stunden: 15 Stunden Programm, und in der Nacht ist ein Standbild mit Programmvorschau zu sehen. Die Sendungen werden mehrmals pro Woche zu unterschiedlichen Zeiten wiederholt. Wenn auch das Angebot noch nicht so reichhaltig ist, wie bei anderen Sendern - eine beachtliche Leistung ist es trotzdem, muss ich ohne Eigenlob feststellen - haben doch andere Sender für eine Sendestunde oft mehr Geld zur Verfügung als K-TV für den gesamten Monat.

Die zwölf Mitarbeiter, die derzeit tätig sind, schaffen es, ein Programm auf die Beine zu stellen, das zwar technisch noch nicht perfekt ist, inhaltlich aber keinen Vergleich mit anderen Sendern zu scheuen braucht.

Obwohl Medienleute der Initiative keinerlei Überlebenschance gaben, hat es K-TV seit vier Jahren geschafft, sich Monat für Monat das nötige Geld zusammenzubetteln - was an ein Wunder grenzt. Offensichtlich gefällt dem Himmel das Programm. Dabei wird auf kommerzielle Werbung verzichtet, was bei den meisten Sendern die Haupteinnahmequelle darstellt.

Der monatliche Aufwand beläuft sich auf etwa 100.000 Euro. Der größte Posten ist dabei der Satellit, der 70.000 Euro kostet, monatlich versteht sich. Wenn manchmal die Spenden, vor allem in den Sommermonaten, so knapp werden wie der Regen, gelingt es doch immer wieder, Sponsoren zu finden. Vermächtnisse haben auch schon in letzter Sekunde geholfen. Obwohl die “Amtskirche" sich bisher sehr zurückhaltend zeigt, ist doch immer wieder bei einzelnen Bischöfen Sympathie zu spüren, mehrmals waren sie schon zu Gast bei K-TV.

Da der Sender kein Geld für große Werbeaktionen hat, baut er auf die Mithilfe seiner Zuseher, die durch Mundpropaganda zur Verbreitung beitragen. Manchmal werden auch ganze Satellitenanlagen verschenkt. “Ein gutes Programm ist die beste Werbung", so ein geflügeltes Wort von Pfarrer Buschor.

Es ist eine starke und zugleich erfüllende Arbeit, sich in einem Medienunternehmen wie diesem für die Neuevangelisierung zu engagieren, auch wenn das Privatleben dabei zu kurz kommt und die nötige Fachkompetenz manchmal fehlt. Wichtiger ist immer noch das Motiv, die Liebe, mit der die Arbeit getan wird.

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