VISION 20006/2004
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Stadtmission in Paris

Artikel drucken Das laizistische Frankreich konfrontiert mit lebendigem Glauben

Mai 2003 - Stadtmission in Wien. Tausende Menschen auf den Straßen, Weltjugendtagsstimmung rund um den Stephansdom, Aufbruchstimmung in den Pfarren. Kein Wunder, es ist Frühling, schön und warm, im Stephansdom sprechen hervorragende Theologen und “einfache Christen" beim Kongreß, in den Workshops am Nachmittag werden angeregt Glaubenserfahrungen ausgetauscht und die Pfarren “draußen" laden auf verschiedenste Art und erfolgreich dazu ein, die Schwellenangst zu überwinden. Am Ende freuen sich alle auf die Fortsetzung in Paris.

Aber Paris zu Allerheiligen? Wird es da nicht kalt und verregnet sein? In der großen Millionenstadt wird sich das doch alles verlaufen! Und überhaupt, das manisch laizistische Frankreich wird einen solchen öffentlichen Katholikenauftrieb niemals dulden...

Und dann... “Paris Toussaint 2004": “Wer wird uns das Heil sehen lassen?" Spätestens nach einer Woche Neuer Evangelisation in Paris wissen wir es: Jesus Christus! Als ob wir das vorher nicht gewußt hätten...

Haben wir es wirklich gewußt? Und wenn, haben wir es nicht gleich wieder vergessen und so gelebt, als gäbe es das Heil nicht, als gäbe es die Vergebung nicht, als gäbe es die Auferstehung nicht? Als gäbe es Jesus Christus nicht? Nach einer Woche Neuer Evangelisation in Paris denke ich, wird es uns schwerer fallen, das wieder zu vergessen. Vor der Kathedrale “Notre Dame de Paris", auf dem “Parvis", dem republikanisch-laizistischen Pflaster, steht ein riesiges Holzkreuz, “L'Arbre de Vie", der “Baum des Lebens". Mitten in der Stadt, der Hauptstadt des Staates, der alle religiösen Symbole aus seinen “heiligen Hallen" verbannen möchte, steht in aller Öffentlichkeit ein großes, einfaches Holzkreuz - ein unübersehbares Zeichen einer lebenden, lebendigen, für die Wahrheit brennenden Kirche...

Auch in Paris tagt der Kongreß: nachmittags Workshops, abends Diskussionsrunden auch mit berühmten Agnostikern, tagsüber unzählige Aktivitäten in den Pfarren, offene Kirchen, die zum Empfang der Versöhnung einladen. Vormittags beleuchten in der Kathedrale Theologen, Historiker, Wissenschaftler die Geschichte der christlichen Mission, um sie dann mitten in unsere Zeit zu stellen. Was heißt Mission heute? Welche Schwierigkeiten hat es gegeben, welche gibt es heute? Eindrucksvoll erläutert João César das Neves, ein Wirtschaftsprofessor aus Lissabon, die “Sakramente der Evangelisation": “Laßt mich von Jesus Christus reden! Ich weiß, daß das nicht der richtige Moment ist. Während dieses Kongresses sollte ich über die kirchliche und sakramentale Dimension der Evangelisierung reden. Aber laßt mich von Jesus Christus reden" (siehe auch S. 12-13). Er erklärt dem staunenden aber hörbar begeisterten Auditorium, daß die Welt zwar Jesus Christus liebe, aber nur sein Haupt, nicht seinen Leib, nicht, daß Er für uns gestorben und auferstanden ist, nicht daß Er Sohn Gottes ist. Genau deshalb hasse die Welt die Kirche und ihre Mission...

Ja, jetzt wissen wir, weshalb wir nach Paris gekommen sind, welchen Auftrag wir haben, welcher Herausforderung wir uns stellen müssen: wie schon durch die Bischöfe im Mai dieses Jahres in Mariazell sind wir durch diese Stadtmission aufgerufen aufzustehen, hinaus zu gehen und “das ganze Evangelium, allen Menschen und dem ganzen Menschen zu verkündigen" (© Erzbischof Bruno Forte, Metropolit von Chieti-Vasto), nicht mehr und nicht weniger...

Am sechsten Tag stehen die fünf Kardinäle, Schönborn, Lustiger, Policarpo, Daneels und Erdö den Jugendlichen Rede und Antwort. Die ganze Woche über zeigten sich der Pariser Erzbischof Jean-Marie Lustiger und sein Weihbischof Pierre d'Ornellas bewegt und freudig, gelöst und wohl auch ein bißchen erleichtert ob des gelungenen Festes nach monatelangen Vorbereitungen. Gott wollte ein Zeichen setzen, die Menschen griffen es auf, und Gott führte es weiter...

Wien hat “die Tore geöffnet", Paris “ließ uns das Heil sehen", Lissabon wird 2005 die brennende Fackel übernehmen und über Brüssel 2006 bis nach Budapest 2007 weitergeben, die damit nach Mitteleuropa und an die Donau zurückkehrt. Fünf große Europäische Hauptstädte als Zeichen der Zeit, als Zeichen für die Zeit - und mittendrin der Mitteleuropäische Katholikentag, der hiedurch eine ganz neue Dimension erhält...

Öffnet nicht nur die Tore, öffnet auch die Fenster und die Herzen: Der Heilige Geist weht mit neuer Kraft, Er führt diese Kirche unserer Tage, die Kirche Jesu Christi auf neue Wege als konkrete Antwort auf unsere Zeit!

Martin Ploderer

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