VISION 20001/2005
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„Komm doch einmal zur Abendmesse!“

Artikel drucken Geschichte einer Begegnung mit dem eucharistischen Herrn

Unsere Mutter hatte meine Schwester und mich zum sonntäglichen Kirchgang und zum Gebet erzogen. Noch heute denke ich gerne daran, welche Freude ich im Herzen hatte, wenn die Morgensonne durch die bunten Kirchenfenster strahlte und, wie sehr ich mich darauf freute, auch endlich zur Kommunion gehen zu dürfen.

Dieser Tag war dann auch etwas ganz besonderes, wie eine Hochzeit. Wegen einer Einladung am Nachmittag, konnte ich nicht bei der um 15 Uhr angesetzten Anbetungsstunde sein, aber in meinem Herzen fühlte ich gerade zu dieser Stunde ein besonderes Licht und den Segen Gottes.

Leider nahmen in den Jahren darauf mein Gebet und die Kirchenbesuche ab. Ich wurde durch meine inneren Haltungen und Sünden sehr unglücklich und isoliert und sah keinen Sinn mehr in meinem Leben. Eine entscheidende Wende kam - sage und schreibe - durch den Religionsunterricht! Im Stoff der 7. Klasse war die Kirchengeschichte und wir lasen über die ersten Glaubenszeugen in Rom. Da dachte ich bei mir: “Es können doch nicht alle Heiligen in ihrer Verschiedenheit und durch all die Jahrhunderte verrückt gewesen sein."

So war meine Neugier geweckt, und das Blut der ersten Märtyrer vor Augen holte ich noch am selben Tag ein altes Evangeliar, ein Geschenk der Firmpatin meiner Mutter, hervor und begann darin zu lesen. Nach einer Woche hatte ich alles förmlich verschlungen und ich wußte: Das ist die Wahrheit! Und wenn das die Wahrheit ist, lebe ich völlig verkehrt.

Ich versuchte sofort, mein Leben zu ändern, und hatte auch auf einmal wieder eine Zukunft vor Augen: Ich wollte Medizin studieren und den Kranken helfen, die Jesus so liebt. Leider ging ich danach immer noch nicht zur Heiligen Messe, weil ich sie einfach nicht verstand und so mußte wieder eine Lebenskrise kommen.

Durch eine Psychotherapie-Ausbildung kam ich in Kontakt mit Schamanismus, Esoterik und Okkultem. In diesem Jahr hatte ich die ganz starke Eingebung: “Geh' zu deiner Ärztin, sie kann dir einen guten Priester nennen, mit dem du über alles reden kannst!" Weil das Drängen in mir so stark war, tat ich es auch.

Ich bekam Adresse und Telefonnummer eines Kalasantinerpaters und hatte bald darauf ein sehr folgenschweres Gespräch. Der Priester sagte: “Ja, Gott kann man überall finden, aber komm doch einmal zur Abendmesse, wenn du möchtest!" So begann ich jeden Abend zur Heiligen Messe zu gehen und nach etwa einem halben Jahr merkte ich, wie sehr das mein Leben trug.

Daß es gleich die tägliche Heilige Messe wurde, hatte folgenden Grund: Die bereits oben genannte Firmpatin meiner Mutter hatte mir schon als kleines Mädchen immer sehr imponiert, denn sie hatte wunderbare einzigartig klare Augen, war auch ein sehr aufrechter und wahrhaftiger Mensch und sie ging bis zu ihrem Tod mit über 80 Jahren täglich zur Heiligen Messe. Es scheint, als sei das ihr Vermächtnis an mich gewesen, denn sie starb im selben Jahr, in dem ich zur Kirche zurückfand.

In dieser Kirche lernte ich dann auch eine sehr liebe ältere Dame kennen, die wußte, daß ich mein Medizinstudium am liebsten abgebrochen hätte. Am Vorabend eines Prüfungstermins steckte sie mir nach der Heiligen Messe stets eine Mehlspeise für das Frühstück zu und sagte: “Kindchen, wann haben sie morgen den Prüfungstermin? Ich gehe für Sie in die Annakirche zur Anbetung."

Da fühlte ich dann bei der Prüfung immer ein Licht in meinem Herzen und wußte, daß mein Gott bei mir war und das gab mir Sicherheit. Auf diese Weise und mit Hilfe der heiligen Schutzengel konnte ich den dritten Studienabschnitt zu Ende bringen.

So wurde der Eucharistische Heiland immer mehr durch alle Probleme meines Lebens meine Heimat, mein Lichtblick und meine Zuflucht. Und ich empfinde es als ein besonderes Privileg, jeden Tag zur Anbetung gehen zu können (siehe Kasten). Oft denke ich an die Worte des greisen Simeon: “Meine Augen haben das Heil gesehen." Und dann entsteigt meinem Herzen einfach nur der Ersatz. “Mein Jesus, bist Du schön!"

Diese Zeit mit Jesus ist mir sehr kostbar und ich möchte sie nicht missen. Mir ist auch aufgefallen, daß ich weniger sündige, wenn ich regelmäßig zur Anbetung gehe. Große Veränderungen habe ich auch durch das Aufopfern von Heiligen Messen für Lebende und Verstorbene erlebt - besonders für Menschen, die in großen Krisen stecken und bei denen menschlich gesehen alles hoffnungslos scheint.

Es ist wunderbar zu wissen, daß Gott nicht ferne im Himmel, sondern in jeder Kirche bei uns Menschen und immer für uns da ist - besonders, wenn unsere Mitmenschen versagen oder aus einem anderen Grund nicht weiterhelfen können. Jesus tröstet und heilt, Er verschafft Ruhe und Klarheit in schwierigen Entscheidungen. Wir können schlicht und einfach mit allem zu Ihm kommen, und dafür bin ich dankbar.

Rosa Stummer

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