VISION 20002/2005
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Weil es doch von Gott geliebte Kinder sind!

Artikel drucken Auseinandersetzung mit einigen Pro-Abtreibungsargumenten

In Gesprächen werden immer dieselben Argumente für die Abtreibungen ins Treffen geführt - obwohl sie alle längst wiederlegt sind. Daher wiederholen auch wir einige der Widerlegungen für eventuelle Diskussionen.

Es ist immer schon viel abgetrieben worden, nur eben bei Pfuschern. Dort sind unzählige Frauen elend zugrunde gegangen. Jetzt werden Abtreibungen wenigstens von kompetenten Ärzten durchgeführt.

Die Abtreibungslobby hat die Zahlen enorm übertrieben. Bernhard Nathanson, mittlerweile zum Lebensschützer bekehrter Vorreiter der Abtreibung in den USA, stellte fest: “Ich bekenne, daß die Zahlen total falsch waren". Mittlerweile werden aber weltweit rund 60 Millionen Kinder jährlich im Mutterleib getötet. Das sind täglich 16.500 - undenkbar ohne Mitwirkung des “Gesundheits"-systems.

Frauen müssen über ihren Körper verfügen dürfen.

Über den eigenen Körper grundsätzlich ja, obwohl kaum jemand von einem Recht auf Selbstverstümmelung sprechen würde. Bei der Abtreibung geht es aber um ein Kind. Dieses ist weder ein Organ der Mutter, noch eine Wucherung, sondern ein Mensch mit eigenem genetischen Code, eigenen Organen, einmaligen Fingerabdrücken, der vorübergehend im Leib der Mutter wohnt. Für die Wissenschaft steht außer Zweifel: Bei jeder Schwangerschaft hat man es mit zwei Menschen zu tun.

Sie wollen doch nicht verzweifelte Frauen strafen!

Es stimmt: Die Strafe ist kein primäres Anliegen, vor allem nicht für Christen, die sich der Barmherzigkeit verpflichtet fühlen. Stellt sich nur die Frage: Wie soll ein Staat Rechtsgüter schützen? Wenn es um den Schutz des Eigentums geht, sind wohl alle Bürger der Meinung, Diebe, Räuber, Einbrecher seien zu bestrafen. Damit wird klargestellt: der Staat mißbilligt solche Handlungen. Die Strafe soll mögliche Täter von ihrem Tun abhalten. In einer Zeit wachsender Unsicherheit wird sogar in vielen Bereichen nach strengeren Strafen gerufen: Alkoholisierung am Steuer, Tierquälerei, Terrorismus... Nur beim Schutz ungeborener Kinder macht man eine Ausnahme. Dabei geht es hier um das höchste Gut, das Leben von Unschuldigen. Jeder verlangt doch zurecht, daß sein eigenes Leben durch Strafandrohung geschützt wird. Wenn Strafe ein geeignetes Mittel zum Schutz von Rechtsgütern ist, darf beim Lebensschutz Ungeborener keine Ausnahme gemacht werden. Frauen könnten auch viel wirksamer dem Drängen der Eltern oder des Kindesvaters zur Abtreibung Widerstand leisten, wenn sie auf deren Strafbarkeit verweisen könnten.

Ist Abtreibung verboten, dann können sich eben nur die Reichen behelfen. Und das ist ungerecht.

Dieses Argument gilt wohl für jede Übertretung. Wer mächtig und reich ist, kann sich's in vielen Bereichen richten. Er wird auch leichter die Steuer hintergehen können. Sollte man deswegen die Steuergesetze abschaffen? Die angemessene Antwort ist nicht Abschaffung der Richtlinien, sondern ihre faire Durchsetzung.

Für ein behindertes Kind ist es besser, abgetrieben zu werden, als ein Leben lang leiden zu müssen.

Kein Leben hat eine Erfolgsgarantie und Behinderung ist ein relativer Begriff. Darüberhinaus stimmt es nicht, daß geistig oder körperlich behinderte Menschen weniger glücklich sind als andere. Da sie gewöhnt sind, mit Begrenzungen zu leben, kommen sie vielfach mit Schwierigkeiten besser zurecht als erfolgsgewohnte Zeitgenossen. Und noch etwas: Aus dem Glauben wissen wir, daß es die größte Behinderung ist, nicht lieben zu können.

Bei Vergewaltigung muß man das Kind abtreiben dürfen.

Keine Frage, eine Vergewaltigung stellt für die Frau ein Trauma dar. Aber ist ihr geholfen, wenn diesem Trauma ein weiteres, nämlich das einer Abtreibung hinzugefügt wird? Eines ist klar: Das Kind - schließlich auch ihr Kind - das da heranwächst ist keine Katastrophe, sondern von Gott geliebt und gewollt. Und noch etwas: Nach einer Vergewaltigung tritt nur extrem selten eine Schwangerschaft ein, wie einschlägige Untersuchungen zeigen (in 0,08 % der Fälle). Denn die Gewalttat löst körperliche Abwehrreaktionen aus, die eine Empfängnis verhindern.

Jedes Kind hat das Recht, erwünscht zu sein.

Tatsächlich ist jedes Kind ein von Gott erwünschtes. Sonst wäre es nicht am Leben. Weil viele Schwangerschaften unerwartet zustande kommen, ist leider zu erwarten, daß viele zunächst nicht gleich mit heller Freude, sondern mit einer gewissen Sorge zur Kenntnis genommen werden. Das ist zwar nicht der beste Start, aber erfahrungsgemäß werden solche Kinder genauso liebevoll angenommen wie unbedingt erwünschte. Letztere haben sogar häufig die Last überzogener Erwartungen ihrer Eltern zu tragen.

Die letzte Entscheidung, ob ein Kind zur Welt kommen soll oder nicht, steht der Frau zu.

Sobald das Kind gezeugt ist, ist der Frau die Entscheidung abgenommen: Es soll zur Welt kommen. Verantwortete Elternschaft bedeutet, sich vor Gott zu fragen, ob nach dessen Willen ein Kind gezeugt werden soll. Die Frage stellt sich also vor der sexuellen Begegnung, nicht nachher. Sobald das Kind zu leben beginnt, also nach der Zeugung, hat es ein Recht darauf, daß alles unternommen wird, damit es das Licht der Welt erblickt. Das gilt auch für Retortenbabys. Auf dieses Recht sind insbesondere die Väter und die Großeltern hinzuweisen. Sie haben die Pflicht, den Müttern das Ja zu ihrem Kind zu erleichtern. Wieviel Schuld laden Väter, Großeltern, Berater, Ärzte auf sich, die den Frauen diesen Dienst verweigern oder zur Tötung des Kindes drängen.

Eine Frau, die sich schweren Herzens zur Abtreibung entschieden hat, darf man von diesem Schritt nicht abhalten.

Wieviele Frauen sind in dieser Situation in Panik, uninformiert über das, was geschieht, uninformiert über das, was sie nach diesem fatalen Schritt erwarten würde, wieviele wissen nichts von möglichen Hilfen, wieviele stehen unter dem Druck ihrer Umwelt (Väter, Eltern, Arbeitgeber...) und handeln daher aus Angst, Verzweiflung, Einsamkeit! In einer solchen Situation ist Hilfe die einzig sinnvolle Reaktion, nicht Wegschauen. Wer versucht, eine Frau in dieser Bedrängnis von ihrer “unumkehrbaren" Entscheidung abzubringen, leistet ihr einen Dienst, für den die Betroffene früher oder später dankbar sein wird.

Aktionismus in der Öffentlichkeit schadet mehr als er nützt. Es bringt nichts, in dieser Frage zu polarisieren.

Die letzten 30 Jahre sind der beste Beweis dafür, daß es nichts bringt, in dieser Frage “leisezutreten". In diesem Zeitraum ist das Unrechtsbewußtsein in Sache Abtreibung bei der Mehrzahl der Menschen verlorengegangen und der mißbräuchliche Umgang mit Kindern (künstliche Befruchtung, Tiefkühlung von Kindern in den ersten Lebensstadien, ihre Verwendung als Material für die Forschung, Experimente mit dem Klonen von Menschen...) hat enorm zugenommen. Dagegen muß immer wieder Stellung genommen werden. Ein Durchbruch wird jedoch erst erreicht werden, wenn die Kostbarkeit der Kinder wieder ins Bewußtsein der Allgemeinheit dringt. Daher gilt es vor allem, die Freude an den Kindern vorzuleben.

Alexa Gaspari

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