VISION 20006/2005
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Einleitung

Artikel drucken Die vaterlose Gesellschaft

Gut 40 Jahre ist es her, daß Alexander Mitscherlich sein Buch Die vaterlose Gesellschaft veröffentlicht hat. Seine Diagnose:Wir leben in einer Zeit, in der Autorität systematisch in Frage gestellt und abgebaut wird, eine Entwicklung, die klarerweise das Selbstverständnis des Mannes eminent beeinflußt.

Schaut man sich nach männlichen Vorbildern um - die Ausbeute ist mager. Die Medien zelebrieren einerseits den Macho, den harten, über Leichen gehenden Durchsetzertyp - in dieser Rolle gefallen sich viele, die in Politik und Wirtschaft Erfolg haben. Andererseits forcieren sie den Softie, der sich kuschelweich ins häusliche Milieu einfügt, der Väterkarenz in Anspruch nimmt, um seiner berufstätigen Partnerin Karrierechancen zu erhalten. Gern gezeigt wird auch der einfühlsame Homosexuelle, der sich wohltuend von seinem unsensiblen männlichen Umfeld abhebt.

Sollen sich Heranwachsende nach solchen Vorbildern ausrichten? Wie schwer haben sie es doch, sich in einem Umfeld zu orientieren, das außerdem dem Jugendkult frönt, in dem man alles von der Zukunft erhofft und die Erfahrung der Alten bagatellisiert, in dem sich alles interessante außerhäuslich, in flüchtigen Begegnungen abspielt!

Und dennoch: Die Sehnsucht nach positiven männlichen Vorbildern bleibt erhalten. Daher die Faszination, die von Weltjugendtagen ausgeht. Auch in Köln war wieder die Begegnung mit dem Heiligen Vater ein wesentliches Motiv für die Teilnahme. Der junge Mensch hat Sehnsucht nach dem Vater - gerade heute, wo leider so viele Väter von ihrer wichtigen und schönen Aufgabe abgedankt haben.

Um dieses Thema geht es im folgenden Schwerpunkt: um das Leitbild vom väterlichen Menschen, der eigentlichen Berufung des Mannes - auch und gerade im neuen Jahrtausend.

Christof Gaspari

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