VISION 20006/2005
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Jesus tritt in unsere Mitte

Artikel drucken Über das Geschehen in der Heiligen Messe (Von Christoph Haider)

Wer ist das handelnde Subjekt der Liturgie? Um diese Frage entbrennen immer wieder Diskussionen. Ist es die Gemeinde? Der Priester? Im folgenden eiine wichtige Klarstellung.

Eine brauchbare Antwort erhalten wir aus der Liturgie selbst. Feiert ein Bischof die Eucharistie, so begrüßt er - und nur er - die versammelte Gemeinschaft mit "Der Friede sei mit euch." Für ein geübtes Christenohr klingt hier der Ostertag an. Das war der Gruß des Auferstandenen an seine Jünger. Der Evangelist Johannes läßt den Herrn nach seiner Auferstehung die Jünger zweimal hintereinander ansprechen mit "Der Friede sei mit euch" (Joh 20,19.21).

Wenn der Bischof mit diesem Ostergruß die Eucharistiefeier eröffnet, ist die Frage nach dem Subjekt der Liturgie beantwortet. Der auferstandene Herr in seiner kirchlichen Gestalt ist Subjekt der liturgischen Feier. Er handelt durch den hierarchisch gegliederten Dienst der Kirche. Hierarchie ist in diesem Fall als heiliger Ursprung zu verstehen, wie es der griechische Wortlaut zum Übersetzen zuläßt.

Es gehört zu den faszinierenden Tatsachen katholischen Denkens, daß die Bischöfe “Nachfolger der Apostel" sind. Diese Amtsnachfolge (apostolische Sukzession) wird in der Weihe durch Handauflegung weiter gegeben. Damit bleibt der heilige Ursprung des kirchlichen Amtes durch die Generationen hin erhalten: “Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch." hat der Herr zu seinen Aposteln gesagt (Joh 20,21). Wenn der Bischof die Eucharistiefeier eröffnet, geschieht im Mysterium und zeichenhaft, was am Ostertag geschah: Jesus kommt und tritt in unsere Mitte.

Die theologische Grundform der Meßfeier ist die bischöfliche Liturgie. Die Priester haben ihrerseits Anteil am apostolischen Amt. Was ihnen an heiliger Vollmacht gegeben ist, empfangen sie von ihrem Bischof durch die Weihe. Um bei der Messe die Verbindung, den “Link" zur Kirche als solcher herzustellen, ist es dem Priester aufgetragen, im Hochgebet den Namen des Bischofs auszusprechen. Eine doppelte kirchliche Deckung erhält das mitfeiernde Volk dadurch, daß der Priester auch den Bischof von Rom als Prinzip und Fundament der kirchlichen Einheit mit Namen erwähnt. Diese Erwähnung von Papst und Bischof im Hochgebet ist weniger eine Fürbitte als vielmehr eine Offenlegung: Die Messe wird als katholisch ausgewiesen. Nur wenn der Priester tut, was die Kirche tut, kommt Eucharistie zustande.

Die anwesende Gemeinde bleibt dabei nicht passiv. Sie ist am liturgischen Tun insofern beteiligt, als sie Teil der Kirche ist und sich durch Glauben und Hingabe zur geistlichen Opfergabe mit Christus macht. Christus ist immer als ganzer zu denken: Nie das Haupt ohne die Glieder, nie die Glieder ohne das Haupt.

Abgesehen von den vielfältigen liturgischen Diensten wird die Gemeinde in der Liturgie auch tätig durch ihr gläubiges Bewußtsein; z.B. erinnert sie in wichtigen Momenten der Meßfeier den Vorsteher an seine geistliche Vollmacht. Die Gläubigen antworten dem Bischof oder Priester auf seine Grußworte "Und mit deinem Geiste". Damit erinnern sie ihn und sich, daß die Leitung der Liturgie keine Funktion ist, sondern Gabe des Geistes. Der Priester ist in anderer Weise ’Geistlicher' als dies ein Getaufter ist. In der Taufe haben alle den Heiligen Geist empfangen zur persönlichen Heiligung, zum Heil. In der Priesterweihe empfängt man den Geist Gottes zur Heiligung der anderen, zum Heil für "die Vielen".

Viermal kehrt der liturgische Gruß “Der Herr sei mit euch - Und mit deinem Geiste" während der Messe wieder. Es ist eine bevollmächtigte Zusage, die eine Wirklichkeit setzt. Der Herr ist in eurer Mitte!

Aufschlußreich ist, wo der Gruß jeweils wiederkehrt. Er eröffnet die Meßfeier und er schließt sie ab beim Segen. Er leitet die Verkündigung des Evangeliums ein und eröffnet das Hochgebet mit der Präfation. Es sind genau die Stellen, die das Kommen des Herrn, seine Anwesenheit in der liturgischen Versammlung verdichten. Hier geht es nicht um das Tun der Menschen, hier handelt Christus mit uns und für uns.

Ist bei der Messe ein Diakon anwesend, so übernimmt er den Vortrag des Evangeliums. Auch er hat in besonderer Weise den Geist Gottes empfangen. Die Diakonenweihe hat ihn zum Diener des Wortes gemacht. Leitet ein Diakon einen reinen Wortgottesdienst ohne Eucharistiefeier, so spricht er das “Der Herr sei mit euch" auch am Beginn und Ende der Feier.

Nur eines kann er kraft seines Amtes nicht, er kann unter keinen Umständen das Hochgebet sprechen. Um das Herzstück der Messe zu vollziehen, ist die Priesterweihe notwendig.

So nebensächlich solche Details wie das "Der Herr sei mit euch - und mit deinem Geiste" scheinen, drücken sie doch das Mysterium aus, das am Altar gefeiert wird. Liturgie ist kein Rollenspiel. Sie ist auch nicht an besondere Begabungen gebunden. Sie ist wirkmächtige Darstellung von Tod und Auferstehung Christi zu unserem Heil.

Die Priester, die im Auftrag der Kirche das Opfer darbringen, sind nicht für sich geweiht, sondern für das Volk. Der Vorsteherplatz am Altar ist kein Ehrenplatz, er ist ein Platz im Schatten des Kreuzes. Deshalb fragt der Bischof bei der Priesterweihe die Kandidaten: “Seid ihr bereit, euch mit Christus, unserem Hohenpriester, täglich enger zu verbinden und mit ihm Opfergabe zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen zu werden?"

Die Frage “wer darf bei der Messe was tun?" ist falsch gestellt. Es geht nicht um das Tun, sondern um das Sein. In dieser Hinsicht hat es unsere Gesellschaft schwerer, die den Priestern vorbehaltene Zelebration der Messe zu verstehen, denn funktional und vom modernen Rollenverständnis her läßt sich diese Exklusivität wirklich nicht erklären.

Die Kirche ist eine Gemeinschaft, in der die Berufung der einzelnen Glieder zählt, die weit mehr ist als Funktion. Die Kirche als Leib Christi (1 Kor 12) ist die Einheit verschiedener Berufungen, die einander in ihrer Verschiedenheit ergänzen und achten müssen. Je mehr das gelebt wird, umso wirksamer ist das Zeugnis der Kirche in der Welt.

Der Autor ist Pfarrer in Pfaffenhofen und Oberhofen im Inntal. Sein Beitrag ist ein Auszug aus der sehr lesenswerten Broschüre Geistliche Gedanken zum Jahr der Eucharistie, 56 Seiten, vierfarbig, 5 Euro. Sie ist zu beziehen bei kath.net (http://kath.net). Der Erlös kommt dem Aufbau des neuen kath.net Büros in München zugute.

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