VISION 20003/2006
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„Ich kann und darf den Koran lesen!"

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In der Woche vor Ostern hatte ich an unserer Schule ein interessantes Erlebnis: Eine muslimische Schülerin fiel mir durch ihren ungewohnt fröhlichen Gesichtsausdruck auf. Als ich zu ihr sagte: “Es freut mich, dich so glücklich zu sehen! Darf ich den Grund deiner Freude erfahren?", antwortete sie enthusiastisch: “Ich kann und ich darf den Koran lesen!"

Als Religionslehrer an Berufsschulen setze ich mich schon längere Zeit kritisch unter anderem auch mit dem Koran auseinander und habe ihn auch gelesen. So bat ich die Schülerin, mir ein wenig zu erzählen, wieviel sie schon gelesen hätte und was im Koran steht. Das Mädchen schaute mich daraufhin an, als käme ich von einem anderen Planeten!

Meine Bitte wiederholte ich, da ich dachte, daß mich die Schülerin vielleicht nicht verstanden hatte. Doch in diesem Moment veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Frustriert antwortete sie mir: “Das weiß ich nicht! Ich weiß nicht, was im Koran steht!"

Dies bedürfe einer Erklärung, meinte ich und ließ das Mädchen erzählen. “In der Koranschule," so sagte sie mit zögernder Stimme, “lerne ich Arabisch. Ich lese den Koran in Arabisch und lerne diverse Textstellen auswendig. Was ich lese, verstehe ich nicht." Daraufhin frage ich die Schülerin, ob sie nicht wissen wolle, was sie da liest. “Das erklärt mir der Imam ...", antwortete sie.

Als ich sie auf die Gefahren hinweise, ungeprüft Erklärungen, Behauptungen von Personen anzunehmen, schaute sie mich etwas zweifelnd an und meinte, daß sie darüber einmal nachdenken wolle.

Diese persönliche Erfahrung erhärtet in mir den Verdacht, daß ein beachtlicher Teil der Muslime die Botschaft des Koran gar nicht kennt, da dieser von Gläubigen des Islam nur in Arabisch gelesen werden darf. Persönlich kenne ich viele Moslems, aber so gut wie keinen, der Arabisch kann oder besser, der Arabisch versteht! Der “blinde Glaube" an die Auslegungen eines Imams und die unkritische Annahme von Behauptungen dieser Religionslehrer führt einerseits zu einer starken Verbreitung von Vorurteilen und andererseits ist dies ein fast perfektes Machtmittel. Menschen ohne entsprechendes Wissen und mit einem daraus resultierenden blinden Gehorsam, sind sehr leicht zu manipulieren.

So hat uns auch der Nationalsozialismus gezeigt, welche Greuel eine Masse von reinen “Befehlsempfängern" anrichten kann. Wir sollten uns wieder mehr für Geschichte interessieren, damit wir aus den Fehlern unserer Vorfahren lernen und deren Verbrechen und Fehler nicht wiederholen müssen, um zu begreifen, daß Gewalt - in welcher Form auch immer - eine Botschaft Satans ist!

Heinz W. Schmidt

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