VISION 20004/2006
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„Er ist unser Papst“

Artikel drucken Rückblick auf die Polenreise Benedikts XVI.

Ich hätte mir nie vorstellen können, daß wir für einen anderen Papst als unseren Johannes Paul II. Liebe empfinden können. Nun ist dies wirklich geschehen, ich kann es selber noch gar nicht glauben", erzählt mir Joanna aus Warschau. Sie ist eine von den vielen polnischen Jugendlichen, die am Samstagabend beim Jugendmeeting mit dem Papst waren. “Papst Benedikt XVI. ist auch unser Papst!" Mit diesen Worten kann man das Gefühl der Polen für den neuen Papst ausdrücken.

So wie seinem Vorgänger, bereitete das katholische Polen auch dem neuen Papst einen unglaublichen Siegeszug, entlang der Straßen Warschaus, Wadowices, Krakaus. Papst Benedikt wirkte ob des großen Jubels, manchmal fast verlegen und schüchtern, aber immer sehr liebenswürdig.

Bei der Begegnung mit der Jugend in Krakau skandierten die Jugendlichen immer wieder: “Du bist unser Papst!", “Du bist Petrus!", “Wir lieben Dich", “Bleib bei uns!" Sie stimmten ihm das “Sto lat" - “100 Jahre sollst Du leben", an.

700.000 Jugendliche hatten sich am Samstagabend um ihn versammelt. Papst Benedikt rief ihnen zu, auch weiterhin den Nachfolgern der Apostel treu zu bleiben: “Laßt euch nicht täuschen von jenen, die Christus aus der Kirche ausgliedern wollen! Ihr Jugendlichen habt den Petrus unserer Zeit gut gekannt. Vergeßt also nicht, daß weder der Petrus, der unser Treffen jetzt vom Fenster des Herrn aus betrachtet, noch der Petrus, der gerade vor euch steht, noch irgendein späterer Petrus jemals gegen euch sein wird."

Am Sonntag feierte der Papst mit 1,5 Millionen Gläubigen in Krakau einen Gottesdienst unter freiem Himmel. Er erinnerte an Papst Johannes Paul II. und rief den Gläubigen seiner alten Bischofstadt zu: “Krakau, die Stadt Karol Wojtylas und Johannes Pauls II. ist auch mein Krakau!" Mit dieser Liebeserklärung gewann Papst Benedikt XVI. am letzten Tag seiner Polenreise endgültig die Herzen der Gläubigen.

Während der päpstlichen Ruhepausen im Erzbischöflichen Palais von Krakau versammelten sich jedes Mal mehrere tausend Gläubige, vor allem Jugendliche, vor dem erzbischöflichen Fenster; sie sangen Lieder und beteten. Es war jenes Fenster, von dem aus Johannes Paul II. so viele Male während seiner Heimatbesuche zu den Gläubigen gesprochen hatte. Auch Benedikt XVI. folgte dieser Pilgertradition. Mit nur wenigen Sätzen in polnischer Sprache löste er bereits eine Welle der Begeisterung aus.

Am Ende seiner Reise rief Papst Benedikt den Gläubigen, die sich zahlreich versammelt hatten, jene Worte zu, mit denen sich Papst Johannes Paul II. auf seiner ersten Polenreise 1979 von ihnen verabschiedet hatte: “Ihr müßt stark sein, liebste Brüder und Schwestern!"

Johannes Paul II. war wie eine alttestamentliche Figur, ein Prophet, der sein Volk aus der Knechtschaft des totalitären Kommunismus rettete. Mit ihm hat Krakau der ganzen Welt ein großes Geschenk gemacht. Papst Benedikt kam, um für das Geschenk dieses Papstes zu danken und die Menschen im Glauben neu zu stärken.

1979 hatte Papst Johannes Paul II. bei seinem ersten Heimatbesuch in Polen am Vorabend des Pfingstfestes in Warschau starke, prophetische Worte gesprochen. “Möge dein Geist herabkommen, und das Angesicht dieser Erde erneuern."

Genau 20 Jahre später, konnte Johannes Paul II. dem dreifaltigen Gott für das Wunder der Freiheit, das den Ländern Ost und Mitteleuropas geschenkt wurde, danken. Das Feuer des Heiligen Geistes ist damals, so könnte man sagen, auf Warschau, Polen und ganz Europa gefallen. Mit Papst Benedikt besteht nun die Hoffnung, daß derselbe Geist auch andere unsichtbare Mauern in Europa zum Einsturz bringen kann.

Christoph Hurnaus

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