VISION 20005/2006
« zum Inhalt Schwerpunkt

Die Welt braucht diese Botschaft

Artikel drucken Gottes Barmherzigkeit als Unterpfand der Hoffnung

Seit ihren Anfängen verkündet die Kirche unter Berufung auf das Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung die Barmherzigkeit Gottes als Unterpfand der Hoffnung und Quelle des Heils für den Menschen. Sie scheint jedoch vor allem heute dazu aufgefordert zu sein, diese Botschaft der Welt zu verkünden. Sie darf diesen Auftrag nicht vernachlässigen, denn Gott selbst ruft sie durch das Zeugnis der hl. Faustyna dazu auf.

Dafür hat Gott unser Zeitalter erwählt. Vielleicht weil das 20. Jahrhundert trotz unbestreitbarer Erfolge auf vielen Gebieten ganz besonders vom “mysterium iniquitatis" gekennzeichnet war. Mit diesem Erbe des Guten, aber auch des Bösen sind wir in das neue Jahrtausend eingetreten. Der Menschheit eröffnen sich neue Möglichkeiten der Entwicklung, zugleich steht sie aber auch vor bisher unbekannten Gefahren. Häufig lebt der Mensch so, als ob es Gott nicht gäbe, und er setzt sich selbst an die Stelle Gottes. Er maßt sich das Recht des Schöpfers an, in das Geheimnis des menschlichen Lebens einzugreifen. Durch genetische Manipulationen will er über das Leben des Menschen entscheiden und die Grenze des Todes festlegen.

Dadurch daß er die Gebote Gottes und die moralischen Grundsätze zurückweist, bringt er die Familie offenkundig in Gefahr. Auf verschiedene Weise versucht er, die Stimme Gottes im Herzen der Menschen zum Schweigen zu bringen; er will Gott aus der Kultur und dem Gewissen der Völker ausschließen. Nach wie vor kennzeichnet das “mysterium iniquitatis" die Wirklichkeit der Welt.

Unter den Eindrücken dieses Geheimnisses durchlebt der Mensch die Angst vor der Zukunft, vor der Leere, vor dem Schmerz und vor der Zerstörung. Es scheint, als wäre Christus gerade deswegen durch das Zeugnis einer demütigen Ordensschwester in unsere Zeit gekommen, um die im ewigen Erbarmen Gottes enthaltene Quelle des Trostes und der Hoffnung aufzuzeigen.

Die Botschaft der barmherzigen Liebe muß mit neuer Kraft verkündet werden.

Die Welt braucht diese Liebe. Es ist Zeit, die Botschaft Christi allen Menschen zu verkünden: insbesondere denjenigen, deren Menschlichkeit und Würde sich im “mysterium iniquitatis" zu verlieren scheinen. Die Stunde ist gekommen, in der die Botschaft vom Erbarmen Gottes die Herzen mit Hoffnung erfüllt und zum Funken einer neuen Zivilisation - der Zivilisation der Liebe - wird.

Papst Johannes Paul II.

Auszug aus der Predigt am 18. August 2002 in Krakau.

© 1999-2020 Vision2000 | Sitz: Beatrixgasse 14a/12, 1030 Wien | Mail: vision2000@aon.at | Tel: +43 (0) 1 586 94 11