VISION 20006/2006
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... und sie entschieden sich für das Leben ihrer Kinder

Artikel drucken Erfahrungesberichte einer Beraterin im Wiener Lebenszentrum (Claudia Brandhuber)

Im Wiener Lebenszentrum wird Tag für Tag um das Leben ungeborener Kinder gerungen. Und viele Frauen entscheiden sich dann zugunsten ihrer Kinder: Es ist ein geistiger Kampf, an dem sich alle im Gebet mitbeteiligen können.

“Dann gefährden Sie Ihre Karriere!"

Am Vormittag rief eine Frau im Zentrum an und erkundigte sich wegen einem Gespräch mit einer Psychologin. Sie war schwanger und gedachte, ihr Kind abzutreiben, wollte aber zuerst noch eine Beratung. Die Mitarbeiterin machte mit ihr einen Termin für den Nachmittag des gleichen Tages aus...

Die Frau kam zur Beratung. Sie war sichtlich unter Druck. Der Freund, der sie vor Tagen noch heiraten wollte, hatte sich bei der Nachricht über den Nachwuchs aus dem Staub gemacht, der Chef erklärte, nur eine Abtreibung würde ihre weitere Karriere ermöglichen, und auch Arbeitskollegen, Eltern und Schwiegereltern stellten sich gegen sie. Sie selbst hatte Angst, mit dem Kind alleingelassen zu sein.

Während der Beratung schickte ich immer wieder ein Stoßgebet zum Heiligen Geist, damit Er mir die rechten Worte eingäbe. Es war schön zu erleben, wie sich im Laufe der Beratung die Verkrampfung der Frau löste.

Im Herzen wollte sie das Kind. Sie hatte ein Myom in der Gebärmutter und mußte damit rechnen, in der Schwangerschaft starke Schmerzen zu haben und unter Umständen operiert zu werden. Doch sie war bereit, das auf sich zu nehmen, wenn ihr nur jemand mit dem Kind helfen würde. Ich erzählte ihr von anderen Schwangeren, die ebenfalls allein waren und Kontakt suchten. Auch von Gott konnte ich der Frau erzählen, von der Heilung, die von Ihm ausgeht, wenn sie sich an Ihn wendet. Nach der Beratung bedankte sie sich für die Hilfe und sagte, sie habe nun wieder neue Hoffnung.

Im Laufe der Beratung erfuhr ich auch, wie sie auf uns gestoßen war. Als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr, war es für sie klar, daß sie abtreiben wollte. Doch je näher der Termin kam, desto unsicherer wurde sie. “Zufällig" kam sie bei unserer Auslage vorbei, nahm sich den letzten Folder mit (in Englisch) und beschloß, sich bei uns zu rühren.

Bei Beratungen wie diesen wird mir besonders bewußt, wie wichtig das Gebet der vielen Menschen im Hintergrund ist. Denn nur Gott allein kann die Herzen der Menschen wandeln, nur Er allein vermag es, den Frauen Hoffnung wider alle Umstände zu schenken.

Sie begann zu weinen und ich wurde unsicher

Eine fremdsprachige Frau war mit einer Freundin, die als Übersetzerin mit war, auf dem Weg zur Abtreibungsklinik. Sie hatte die Adresse von ihrem Frauenarzt bekommen. Unterwegs wurde sie von einer Straßenberaterin angesprochen und zu uns in die Beratungsstelle gebracht.

Sie war sich sicher, daß sie das Kind nicht wollte, hatte sie doch bereits drei Kinder, das jüngste war gerade 8 Monate alt. Sie hatte niemanden, der ihr mit den Kindern half und außerdem glaubte sie, noch ein Kind könne nicht gut für ihre Gesundheit sein. Andere hatten sie in dieser Ansicht bestärkt. Der Mann war grundsätzlich nicht gegen das Kind, aber er schob die Entscheidung auf sie ab. Die Wohnung war sehr klein, aber teuer. Finanziell würde es knapp werden. Sie glaubte auch, daß das Kinderbetreuungsgeld nur für Österreicher wäre.

Wir schauten uns gemeinsam den Film über die Entwicklung des Kindes an und ich erklärte ihr die psychischen und möglichen körperlichen Folgen einer Abtreibung. Die Familie würde leiden, besonders auch die Kinder, die sie ja sehr liebte. Dann erzählte ich ihr von der Hilfe, die wir anbieten konnten und klärte sie über die Anspruchsvoraussetzungen für das Kinderbetreuungsgeld auf (sie hatte Anspruch!).

Da begann sie zu weinen und ich wurde etwas unsicher, weil ich nicht wußte, was in ihr vorging. Am Ende der Beratung sprach ich von Gott, der ihr das Kind geschenkt hatte. Wir beteten kurz und als ich den Terminkalender holte, um ihr einen Termin mit unserer Sozialberaterin zu geben, sagte die Freundin: “Die Frau hat Gott noch um Hilfe gebeten, bevor sie sich auf den Weg zur Abtreibungsklinik gemacht hat. Und als sie vorher zu weinen begonnen hat, sagte sie mir, daß Gott sie liebte, weil er sie hierher geschickt hatte!"

Danke Vater, daß du niemanden verläßt, der zu dir schreit!

Gott hat die Herzen der beiden verwandelt...

Zum vereinbarten Termin kam eine junge Frau in unsere Beratungs- und Hilfsstelle. Sie hatte die Erstberatung schon hinter sich und kam jetzt, um Anstellung und Arbeitsbeginn zu fixieren. Im Gespräch merkte ich aber, daß sie noch schwankend war, und doch eher zur Abtreibung tendierte. Der Druck, unter dem sie stand, war so groß. Der Freund mußte für ein Jahr ins Ausland wegen dem Wehrdienst. Er war massiv gegen das Kind. Solange sie von Abtreibung gesprochen hatte, war er sehr freundlich, seitdem sie aber zu uns gekommen war, war er kaum auszuhalten.

Beide hatten keine Arbeit - was könnten sie da dem Kind schon bieten? Die Wohnung hatten sie gerade zurückgegeben, weil sie so schlecht war. Die Eltern des Freundes, bei denen sie wohnten, machten auch Druck. Sie liebte Kinder, wollte auch grundsätzlich ein Kind, aber allein konnte sie es ihrer Meinung nach nicht schaffen.

Ich versuchte, sie in ihrem Muttersein zu stärken und machte ihr noch einmal klar, die Tötung ihres Kindes würde das Problem nicht beseitigen, sondern nur verschieben. Die Tötung eines Menschen bringe niemals Segen. Diese Information und das Angebot, daß sie bereits am nächsten Tag mit der Arbeit beginnen könne, half ihr, sich neuerlich zur Entscheidung für das Kind durchzuringen. Wir beteten gemeinsam, was sie sehr berührte.

Als ich die Frau hinausbegleitete, wartete der Freund auf sie. Ich nützte die Gelegenheit und lud ihn in den Beratungsraum ein. Dort fragte ich ihn, wie es ihm mit dem Kind gehe und er begann seine Bedenken zu äußern. Was sollten sie dem Kind schon bieten können? Ich wies auf den Krieg in seinem Land hin und fragte ihn, ob dadurch irgendwelche Probleme gelöst worden wären. Außer Tod, Zerstörung und Haß sei nichts erreicht worden. Aber Abtreibung sei schlimmer, weil da nicht ein Fremder einen Fremden erschießt, sondern die Eltern das eigene Kind dem Tod ausliefern. Was sein Kind brauche, sei ein Vater, der mit ihm Zeit verbringt, Fußball oder Karten spielt...

Da erzählte er mir, daß er das in der Kindheit nie gehabt hätte. Ich darauf: “Siehst du, dann ist Dein Kind reicher als Du und viele andere Kinder, die vielleicht tolles Spielzeug haben aber keinen Vater, der sich Zeit für sie nimmt! Das beste, was Du Deinem Kind außerdem geben kannst, ist ein gutes Vorbild, in dem du deine Pflicht erfüllst und dich nicht vor deiner Verantwortung drückst. An der Front kannst du auch nicht zu deinen Kollegen sagen: Ciao, es wird mir zu heiß, ich gehe!"

Er war sehr betroffen und versprach mir, er werde versuchen, das zu leben. Abschließend beteten wir und ich merkte, wie Gott sein Herz völlig verwandelt hatte. Danke Jesus, daß du gebrochene Herzen heilst!

Da hat er sein wahres Gesicht gezeigt

Eine Frau, die über die Hotline einen Termin mit uns vereinbart hatte, kam in die Beratung mit dem Freund und ihrem 15 Monate alten Kind. Eigentlich war sie sicher, daß sie abtreiben würde. Zuerst setzte ich sie in den Beratungsraum und bat den Freund, im Warteraum Platz zu nehmen.

Sie war trotz Pille schwanger geworden und wollte nicht wieder dasselbe durchmachen müssen wie beim ersten Kind. Sie hatte damals die Schule abgebrochen und nun wollte sie diese endlich abschließen. Ihre Eltern würden sie zwar unterstützen, aber glücklich würden sie nicht sein. Sie hatte derzeit noch Karenz, aber die Wohnung war nicht gerade billig.

Außerdem hätte sie nicht mehr so viel Zeit für ihr Kind und sich. Ich gab ihr Information über die Entwicklung des Kindes und die Folgen der Abtreibung. Sie war sehr betroffen von dieser Wahrheit und ich merkte, wie sich ihr Herz etwas öffnete.

Zum Abschluß der Beratung holte ich ihren Freund, mit dem sie zusammenwohnte, herein, um auch ihm die Fakten über sein Kind und die Abtreibung zu erzählen. Er wurde sehr grob zu seiner Freundin und warf ihr Lieblosigkeiten ins Gesicht, die sie sichtlich verletzten. Die Bemerkungen zeugten von großem Egoismus des Mannes.

Sie gingen dann gemeinsam weg, und ich war unsicher, ob es klug gewesen war, ihn in die Beratung zu holen. Doch dann wurde mir klar, daß es diese Szenen sonst zu Hause gegeben hätte und ich hätte auf seine Bemerkungen und Äußerungen keinen Einfluß nehmen können. So hatte er sein wahres Gesicht gezeigt und der Frau wurde bewußt, daß es sich nicht lohnte, das Kind für diesen Mann zu opfern - und sie entschied sich für das Kind!

Claudia Brandhuber

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