VISION 20006/2006
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Love-Story mit Jesus

Artikel drucken Eine Intellektuelle findet zum Glauben

Janne Haaland Matláry, 1957 im Süden Norwegens geboren, aufgewachsen als “altkluges Einzelkind" - wie sie selbst schreibt - in einem kleinen Ort, der “bekannt war für seine fromme Tradition, an jeder Straßenecke eine andere Sekte". Sie verbrachte eine gesunde und naturverbundene Kindheit, liebte die Freiheit der See und der fernen Schäreninseln, hatte eine unbändige Freude am Lernen. Und sie liebte ihre Lehrer: “In meinen Lehrern setzte sich die Geschichte meines Landes und Europas auf natürliche Weise fort".

Nach dem Gymnasium will Janne auf die Universität, weiß aber nicht, welches Fachgebiet sie wählen soll. Ein Stipendium ermöglicht ihr einen Studienaufenthalt in den USA an einem lutheranischen College. In all den akademischen Debatten geht es ihr um das Problem des Subjektivismus. Es ist ihr nicht bloß eine akademische Frage, sondern “der Schlüssel, um den Sinn des Lebens überhaupt zu erschließen. Es mußte etwas geben, um das es sich zu bemühen lohnte, das einen Sinn hatte und das dem Leben in einer existentiellen Weise Bedeutung geben würde". Sie macht zwei “Master of Arts"-Abschlüsse, in Politikwissenschaft und in moderner Europäischer Geschichte.

Zurück in Oslo wendet sie sich an einen Dominikaner, Experte der Summa theologica des heiligen Thomas. Es führt sie durch viele Gespräche zur Person Christi: “Bald glich Christus einer Flamme, die von Zeit zu Zeit vor mir aufleuchtete. Das war vollkommen neu für mich, eine ganz andere Art der Freude, als ich sie bisher kannte ... Es gibt eine Wirklichkeit außerhalb von mir selbst, dem Subjekt. Diese Realität wird nicht durch meine Vorstellungskraft geschaffen, sondern existiert völlig unabhängig von mir. Nun sah ich, daß die ontologische Realität (etwa: Wirklichkeit des Seins), nach der ich gesucht hatte, in Gott lag ... Dies war die beglückendste Entdeckung meines Lebens - es gab eine Ordnung, einen Plan und einen Sinn, der über mein beschränktes Ich weit hinausreicht". Janne konvertiert zu Ostern 1982 im Alter von 25 Jahren. Sie hatte damals noch keinen Begriff davon, daß sie auch zu apostolischer Aktivität berufen war, hielt ihr Christsein für eine ganz und gar private Angelegenheit.

In Rom lernt sie einen ungarischen Arzt kennen, der ihre europäische Identität mit ihr teilt. 1985 werden beide von einem guten Freund, einem ungarischen Benediktiner, getraut und haben in rascher Folge vier Kinder. Für Janne ist die Mutterschaft eine “revolutionäre Erfahrung", Anteil am Schöpfungswerk zu haben.

Sie reist nach Ungarn, fasziniert von den Staaten jenseits des Eisernen Vorhangs. Dort findet sie in der benediktinischen Spiritualität authentisches Christentum inmitten des kommunistischen Systems. Zu Ostern 1983 in der Abtei Pannonhalma findet sie einen unersetzlichen Freund, Benediktiner, “alt und weise, doch zugleich jung und aufgeschlossen". Er ist es, der sie durch die Höhen und Tiefen des nächsten Jahrzehnts ihrer “Love-Story" mit Christus begleitet. Janne entdeckt dabei ihre Heiligung durch Arbeit nach den Wegweisungen von Josémaria Escriva und gesteht, daß sie dabei in sich viele Vorurteile überwinden muß.

Janne Matláry ist Professorin für internationale Politik an der Universität Oslo. 1995 wird sie gebeten, als Mitglied der Delegation des Heiligen Stuhls am UN-Sozialgipfel 1995 in Kopenhagen teilzunehmen. Sie nimmt mit großer Freude an und wird so auch Beraterin von Papst Johannes Paul II. und Mitglied im Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden sowie im Päpstlichen Rat für die Familie. 1997 folgt sie der Einladung des Außenministers Knut Vollebækund als Staatssekretärin in dessen Ministerium.

“Dieser politische Dienst führte mich während dreier Jahre fast ununterbrochenen Reisens an viele Orte, und ich hatte reichlich Gelegenheit, Gott in fremden und gefährlichen Gegenden zu suchen." Die Tätigkeit endet jäh durch einen Regierungswechsel im März 2000. Janne kehrt an die Universität zurück, publiziert viel und übernimmt neue Aufgaben als Delegationsleiterin des Vatikan bei UN-Konferenzen.

Ihr Buch ist zutiefst ehrlich. Erstaunlich allerdings, daß ihre Familie nur in einem Absatz erwähnt wird. Jeder Leser, jede Leserin kann jedoch an den Bekenntnissen der Autorin seine eigenen Erfahrungen spiegeln, seine eigene Freude teilen, seine eigene Not erkennen. In der unaufdringlichen Verbindung von analytischem Verstand und freudigem Glauben ermutigt Janne Matláry zum Handeln in dieser Welt: “Gott ist der verborgene Gott, und die Liebe ist die verborgene Kraft, die das menschliche Leben wahrhaft menschlich werden lässt - wie jedes Frühjahr die Verwandlung der gefrorenen Erde in blühende Gärten".

Helmut Hubeny

Love-Story, so wurde ich katholisch. Von Janne Haaland Matláry, St. Ulrich, 19,80 Euro.

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