VISION 20001/2007
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Wir können die Ankunft beschleunigen

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Die Vielzahl der Marienerscheinungen heute verwundert mich nicht. Dazu kommen die Ikonen, die wunderbar Tränen vergießen oder aus denen Öl fließt, und die zu Orten der Verehrung werden. Das, was diese Erscheinungen der Gottesmutter verbindet, sind die Schönheit, die Sanftheit, die Mahnung zur Eile, sind Zeichen der Trauer und der bittenden Erwartung.

Da tritt eine Mutter in die Bresche, um ihre Kinder in Zeiten starker geistiger Kämpfe - die äußeren Konflikte sind nur deren Widerhall - zu retten.

Maria ist die Frau der Apokalypse, die in Wehen liegt. Sie wird ihrem Titel “Mutter der Kirche" in dieser Krisenzeit von Kirche und Welt in staunenswerter Weise gerecht.

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Noch niemals waren so viele “Söhne und Töchter ... Propheten" und hatten “junge Männer ... Visionen" im Zusammenhang mit den Marienerscheinungen, um einen Ausdruck des Propheten Joel (3,1) zu gebrauchen. Das ist die große Besonderheit eines Zeitalters, das meinte, die christliche Eschatologie zu Grabe getragen zu haben.

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Dem heiligen Augustinus, dem heiligen Bernhard und anderen Mystikern zufolge kommt das Ende, wenn die Zahl der Erwählten, die den Platz der gefallenen Engel einnehmen werden, vollzählig ist - wobei Gott selbstverständlich will, daß “alle Menschen gerettet werden" (1Tim 2,4). Diese Stunde weiß allerdings nur der Vater. Wir können die Ankunft jedoch beschleunigen, in dem wir bitten: “Maranatha! Komm, Herr Jesus!" Man muß Gott anflehen, das Ende der Zeiten zu beschleunigen.

Es macht mich betroffen, daß selbst die Christen die Sehnsucht nach dem Himmel verloren haben. Wir sind ungläubig geworden, hier auf Erden zu häuslich eingerichtet: Das Ende der Zeiten erscheint uns wie eine Katastrophe. Es geht um die Erneuerung unseres Strebens zu Christus hin, unserer Erwartung der Parusie, der Wiederkunft.

Patrick de Laubier

Der Autor ist Professor für Religionssozilogie an der Uni Genf und Autor von “Le temps de la fin des temps" (Die Zeit der Endzeit) Der Text ist ein Auszug aus “Famille Chrétienne" v. 23.2.95.

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