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Die Gender Revolution

Artikel drucken Die Leugnung einer Selbstverständlichkeit: daß der Mensch als Mann und Frau existiert (Von Gabriele Kuby)

Weitgehend unbemerkt findet eine tiefgreifende Revolution statt - von oben verordnet. Sie zielt auf die Abschaffung der Geschlechter: Jeder bestimmt selbst, ober er Mann oder Frau ist.

An der Batavia High School in New York entdeckt ein Lehrer, der an dieser Schule seit acht Jahren unterrichtet, im Sommer 2006, daß er das falsche Geschlecht hat. Er unterzieht sich einer medizinischen Behandlung und erscheint in der Schule in Frauenkleidern. Die Eltern werden informiert, daß der alte Lehrer/die neue Lehrerin innerhalb von zwei Wochen als “Mrs." anzureden sei, die weitere Anrede als “Mr." wäre eine unzulässige Diskriminierung. Einige Eltern wollen, daß ihre pubertierenden Kinder in eine andere Klasse versetzt werden. Dies wird nicht gestattet.

Die Schule klärt auf ihrer Homepage darüber auf, daß Gender Identity Disorder eine Behinderung sei und daß das Menschenrechtsgesetz des Staates New York und der Verhaltenskodex der Schule Diskriminierung aufgrund von Behinderung verbieten. Die Forderung nach Versetzung wird als Diskriminierung gewertet.

Was lernen Schüler, deren Lehrer plötzlich als Lehrerin erscheint und dessen Geschlechtsumwandlung sie anerkennen und mitvollziehen müssen? Daß das Geschlecht willkürlich gewählt werden kann. Wer sich aus irgendeinem Grund mit sich selbst nicht wohl fühlt - keine Seltenheit in der Pubertät -, in dem kann die Frage aufkeimen: Habe ich vielleicht das falsche Geschlecht? Die Christen unter den Schülern, die gehört haben: “Gott schuf also den Menschen als sein Abbild (...) Als Mann und Frau schuf er sie" (Gen 1,27) erleben, daß es ein “Menschenrecht" ist, sein Geschlecht zu ändern. Sie müssen eine Antwort auf die Frage finden: Ist die Bibel des Menschen Feind?

Das ist die Front des uralten Kampfes zwischen zwei unversöhnbaren Positionen. Gibt es eine objektive Realität, aus der sich absolute Maßstäbe für Richtig und Falsch, Gut und Böse ableiten lassen, oder existiert die Realität nur im Erkennen des Menschen und kann daher beliebig konstruiert und dekonstruiert werden? Nach Ansicht der Relativisten gibt es keine Wahrheit, weil die Wirklichkeit erst durch relative Wahrnehmung entstehe.

In unserer Zeit erleben wir den extremsten Auswuchs des Relativismus, der denkbar ist: Es wird geleugnet, was für jeden Menschen ersichtlich und seit Anbeginn der Menschheit so selbstverständlich ist wie der Wechsel von Tag und Nacht: daß der Mensch in zweierlei Geschlecht existiert, als Mann oder als Frau.

Wer mit diesem Denken noch nicht in Berührung gekommen ist, wird es für eine Ausgeburt krankhafter Hybris halten, mit der man sich nicht beschäftigen muß. Aber diese Sicht ist still und leise in den letzten zehn Jahren zur Leitlinie der Politik der UN, der EU und nationaler Regierungen geworden und führt eine soziale Revolution herauf, die an den Grundfesten des Menschseins rüttelt.

Die Geschlechtsdifferenzierung in Mann und Frau wird als soziales Konstrukt bezeichnet. Es bestehe eine “Zwangsheterosexualität", die überwunden werden müsse, indem der Mensch sein “soziales Geschlecht" unabhängig von seinem “biologischen Geschlecht" selbst bestimmen könne. Der Kampf wird mit dem Kunstbegriff gender geführt.

Unter normalen Zeitungslesern findet man kaum jemand, der den Begriff “Gender" kennt, und doch ist er zur Leitlinie der Politik, zum Gegenstand von Studiengängen an fast allen Universitäten geworden. Er dient dazu, die sexuelle Revolution unauffällig und ohne öffentliche Diskussion in die Feinstruktur der Gesellschaft hineinzutreiben. Die Deutsche Regierung hat “Gleichstellungspolitik mittels der politischen Strategie des Gender Mainstreaming 1999 als durchgängiges Leitprinzip und Querschnittsaufgabe" festgelegt. (www.bmbf.de/de/532.php)

Die Gender-Perspektive erkennt keinerlei wesenhafte oder angeborene Unterschiede zwischen Mann und Frau an. Die Gender-Ideologen ignorieren und unterdrücken die Forschungsergebnisse der Hirnforschung, Medizin und Psychologie, welche die unterschiedliche Identität von Mann und Frau in der Gehirnstruktur, im Hormonhaushalt und in der psychologischen Struktur nachweisen.

Ob jemand Mann oder Frau ist, soll er oder sie selbst definieren, homo- und transsexuelle Neigungen sollen jedoch vom Staat und der Gesellschaft als Identität eines Menschen anerkannt werden. Gender-Ideologen unterdrücken die Information, daß solche Störungen therapierbar sind.

Im Januar 2006 verabschiedete das Europa-Parlament die Entschließung B6-0025/2006 zur Bekämpfung der “Homophobie" unter Berufung auf die Menschenrechtsverpflichtungen. Darin setzt es Homophobie, (“Aversion gegen Homosexualität und schwule, lesbische, bisexuelle und transsexuelle (GLBT) Menschen") auf eine Stufe mit Rassismus, Xenophobie, Antisemitismus. Homophobie äußere sich “im privaten und öffentlichen Bereich" “in Haßreden und dem Aufruf zu Diskriminierung" und werde “mit der religiösen Freiheit verschleiert".

In einer Reihe von EU-Mitgliedstaaten sei es “zu besorgniserregenden Vorfällen" gekommen, wie “dem Verbot von Schwulenparaden oder Gleichberechtigungsmärschen" oder Verfassungsänderungen, “um gleichgeschlechtliche Heiraten oder eheähnliche Verbindungen zu verhindern".

Es seien “sowohl auf EU-Ebene als auch auf der Ebene der Mitgliedstaaten weitere Maßnahmen notwendig", “um die Homophobie auszumerzen (!) unter den Bürgern sowie in einem entsprechenden Rechtsrahmen eine Kultur der Freiheit, Toleranz und Gleichheit zu fördern".

Fragen wir angesichts dieses Kulturbruchs: Wem nützt die Gender-Revolution? Nützt sie den Betroffenen?

Gewiß ist es ein Gewinn, wenn Menschen mit abweichendem Sexualverhalten nicht mehr ins Gefängnis kommen, nicht diskriminiert werden. Wenn aber mit allen Mitteln der staatlichen Gestaltungsmacht ein ideologischer Teppich übers Land gelegt wird, der die Konsequenzen der homosexuellen Option der öffentlichen Wahrnehmung entzieht, dann schränkt das die Freiheit der Betroffenen objektiv ein.

Wenn sich Sexualität von der Liebe trennt und sich zur Lustbefriedigung verselbstständigt, dann benutzt ein Mensch den anderen und entwürdigt ihn. Ein Abgrund öffnet sich zwischen den Herzen, über den die körperliche Befriedigung keine Brücke schlagen kann. Nichts entwürdigt den Menschen so sehr, wie der Mißbrauch als Sexualobjekt. Sein Bettgeselle ist der Ekel, wo es doch Seligkeit sein könnte.

Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien über die Ursachen, die Wirklichkeit und die Folgen praktizierter Homosexualität sind durchweg abschreckend: 72 Prozent der Neuerkrankungen mit Aids zwischen 2003 und 2004 sind Männer, die sich homo- oder bisexuell verhalten. (Robert Koch Institut). Jeder vierte Mann mit homosexuellen Kontakten infiziert sich wahrscheinlich mit Aids (Zürich Men's Study).

Homosexuell lebende Männer haben in ihrem Leben durchschnittlich mehrere Hundert Sexualpartner. Angstneurosen, schwere Depressionen, Alkohol- und Drogenmißbrauch sind bei diesem Personenkreis deutlich höher, ebenso wie die Suizidneigung, insbesondere bei homosexuell lebenden Jugendlichen. Häusliche Gewalt ist bei homosexuellen Partnerschaften von Männern und Frauen ein Vielfaches höher als bei heterosexuell verheirateten Paaren.

Nützt die Gender-Revolution den Jugendlichen? Angesichts dieser Ergebnisse ist es ein Vergehen an der nächsten Generation, ihr über die offiziellen Curricula der Schulen Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität als positive Option anzubieten. Viele Jugendliche gehen in der Pubertät durch eine Phase der Unsicherheit über ihre sexuellen Gefühle. Was sie dann brauchen, ist eine Stärkung ihrer geschlechtlichen Identität als Mann oder als Frau, keine Hinführung zur Homosexualität.

Aber nicht nur die Verführung zur Homosexualität ist das Problem der Gender-Indoktrination der jungen Generation. Wenn Kindern die Sexualität von Kindesbeinen an als Mittel zur Lustbefriedigung nahegelegt wird, dann ist die Chance sehr gering, daß sie Selbstbeherrschung lernen, ihre Würde bewahren, leistungsfähig sind, zu reifen, bindungsfähigen Persönlichkeiten werden, den richtigen Lebenspartner finden und zur verantwortlichen Elternschaft fähig werden.

Nützt die Gender-Revolution der Gesellschaft? In den europäischen Ländern werden im Jahr 2030 nach Angaben der EU durch den Geburtenschwund 20 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Experten stimmen überein, daß diese Lücke durch Immigration nicht geschlossen werden kann. Der Zug in den Zusammenbruch des (Sozial-)Staates ist nicht mehr aufzuhalten, das weiß jeder Politiker und inzwischen jeder zeitunglesende Bürger. Angesichts dieser epochalen demographischen Krise ist es verantwortungslos und widerspricht jeder Vernunft, durch Abtreibung und Homosexualisierung eine Politik zu betreiben, welche die Zeugung von Kindern verhindert.

Die Basis dieser Entwicklung war der unvergleichliche materielle Wohlstand, der die faule Frucht der Spaßgesellschaft hervorbrachte. Sie ist am Ende. Vernunft statt Glauben war der Schlachtruf der Aufklärung.

Aber die Vernunft hat sich als kraftlos erwiesen, um Diktaturen zu wehren. Es zeigt sich einmal wieder, daß sie keine Macht hat, den Menschen zur Vernunft zu bringen, wenn sie sich von Gott trennt. In seiner ersten Enzyklika erinnert Papst Benedikt XVI. daran, wer Gott ist und wer der Mensch ist, denn das haben viele vergessen. ,,Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm" (1 Joh 4, 16). Das ist der erste Satz und der Samen, aus dem der Papst vor dem Auge der Vernunft und des Herzens den Baum der Wirklichkeit emporwachsen läßt, dessen Lebenssaft die Liebe ist.

Aber was ist Liebe? Wir brauchen uns nur an einen Augenblick erinnern, in dem wir uns geliebt fühlten - Gott gebe, daß wir diesen Schatz in unserer Erinnerung finden - dann kennen wir die Qualität von Liebe: Jemand hat mich mit einem Blick inniger Freude angesehen, hat sich mir selbstlos zugewendet, hat um meinetwegen auf etwas verzichtet. Nach solcher Liebe sehnen wir uns, und wenn sie uns streift, wollen wir, daß sie bleibt.

Weil sich unser Universum um die Liebe dreht, weil Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist in der Liebe eins und doch sie selber sind, ungetrennt und unvermischt, deswegen ist der Mensch als Mann und Frau geschaffen, um in der Liebe eins zu werden und doch sie selbst zu bleiben. Das ist das Paradox der Liebe: Im Verschenken an den anderen sich selbst finden.

“Zweierlei ist daran wichtig", sagt der Papst: “Der Eros ist gleichsam wesensmäßig im Menschen selbst verankert; Adam ist auf der Suche und ,verläßt Vater und Mutter', um die Frau zu finden; erst gemeinsam stellen beide die Ganzheit des Menschseins dar, werden ,ein Fleisch' miteinander. Nicht minder wichtig ist das zweite: Der Eros verweist von der Schöpfung her den Menschen auf die Ehe, auf eine Bindung, zu der Einzigkeit und Endgültigkeit gehören. So, nur so erfüllt sich seine innere Weisung [...] Die auf einer ausschließlichen und endgültigen Liebe beruhende Ehe wird zur Darstellung des Verhältnisses Gottes zu seinem Volk und umgekehrt: die Art, wie Gott liebt, wird zum Maßstab menschlicher Liebe."

Das ist die Höhe, zu der wir alle berufen sind.

Näheres siehe: Die Gender Revolution. Von Gabriele Kuby. fe-Medienverlag, D-88353 Kisslegg, Tel: 0049(0)7563 92006

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