VISION 20006/2007
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Eines Tages stößt er auf einen Bibelvers ...

Artikel drucken Ein Moslem findet zu Jesus Christus

Voriges Jahr, im Anschluß an den Schwerpunkt “Islam" hatten wir korrespondiert. Er sei Iraner, bekehrter Moslem, das Thema sei wichtig... Vor kurzem ein Anruf: Er sei jetzt in Wien. Ob wir uns treffen könnten? Klar! Also saßen wir einander gegenüber, und er erzählt...

Bei einer Studentendemonstration in Teheran, zu der er - ein Sicherheitsbeamter am Flughafen - von seinem Chef in Zivil geschickt worden war, wurde er verhaftet und von der Polizei maltraitiert: Unterleibsverletzungen und eine vom Mund her aufgerissene Wange - man sieht die Narbe noch deutlich. 8 Stunden auf der Polizeistation. Ohne Entschuldigung wird Stephan (sein heutiger Taufname) in der Nähe seiner Wohnung deponiert. Ein Nachbar findet ihn. In den Spitälern gibt es keinen Platz. Ein befreundeter Arzt versorgt ihn. Drei Operationen in einer Woche.

Im Gefolge Schwierigkeiten mit dem Regime, obwohl er gläubiger Moslem ist, der fastet, betet, im Koran liest. Aber jetzt hilft nur die Flucht. Ein abenteuerliches Unterfangen: Über die Berge geht es in die Türkei. Dort wird ein Schlepper kontaktiert. Er bekommt einen gefälschten französischen Reisepaß. Über Köln sollte es nach London gehen. Der Schlepper setzt ihn allerdings ohne Papiere, nur mit dem, was er am Leib hat, und 20 Dollar in der Tasche auf dem Kölner Flughafen aus. Es folgt eine Nacht unter der Brücke. Dann meldet er sich bei der Behörde, bewirbt sich um Asyl und landet in einem Asylantenheim in Würzburg.

Nervlich ist er parterre: Deutschland statt England, kein Wort Deutsch, keine Papiere, die Frau - wie er in der Türkei erfahren hatte - im Gefängnis, weil er geflohen war. Niemand weiß, wo sie festgehalten wird. Innerhalb eines Monats verliert er 32 Kilo.

Eines Tages - er geht gerade im Hof des Heimes spazieren - stößt er auf einen Bibelvers auf Englisch - Apostelgeschichte 4,12: “Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen."

“Ich hatte alles verloren: Frau, Heimat, Familie, Geld, Güter, alles... Über das Christentum hatte ich im Koran gelesen - und den Film ,Das Lied von Bernadette' gesehen. Und jetzt diese Aussage - wie ein Blitz. Ist das wahr?!"

Sein Entschluß: “Ich probiere es aus." Er besucht einen Gottesdienst, der ihm gefällt. Eine tröstliche Atmosphäre. Also macht er sich auf die Suche nach einer Bibel. In der Stadtbibliothek tritt er via Internet mit einer Bibelgesellschaft in Kanada in Kontakt. Sie schickt ihm eine Heilige Schrift in seiner Landessprache.

In Regensburg, wohin er mittlerweile überstellt worden war, ist es gar nicht einfach, die Bibel zu lesen, da er mit drei Muslimen das Zimmer teilt. Und die haben keinerlei Verständnis für sein neues Interesse. Also liest er die Bibel im Freien, bei Kälte im Winter, manchmal bis vier Uhr früh unter einer Straßenlaterne oder im Stadtpark, manchmal in der Stadtbücherei.

Das allein reicht jedoch nicht. Er muß mit jemandem über all das Gelesene reden. “Es ist ein bißchen kompliziert." Im Ordinariat wird er an einen Jesuiten, der gut Englisch kann, vermittelt. Elf Monate wird er in den Glauben eingeführt. Im Zentrum das Johannes-Evangelium. Es gibt viele Diskussionen. “Es ist wunderbar: Im Christentum darf man alles fragen. Ganz anders als im Islam."

Alpträume plagen ihn damals - und Sorgen wegen seiner Frau. “Immer wieder habe ich Jesus um Hilfe gebeten." Und das Wunder geschieht: Sechs Monate später ist seine Frau in Regensburg. Unfaßbar. “Niemand weiß, wie brutal das ist, wenn jemand im Iran im Gefängnis landet. Aber unser Herr hat meine Frau befreit." Sie war so geschlagen worden, daß sie ins Spital gebracht werden mußte. Dort hat ihr ein Arzt, ein Schwager, zur Flucht verholfen. Sie hat sich versteckt und ist dann ebenfalls über die Berge in die Türkei.

Eines Tages - Stephan überprüft seine Mailbox, die er bei der Stadtbibliothek eingerichtet hatte - ein Mail von seiner Frau! Sie lebt! Ist in der Türkei, wie er am Telefon hört. Sie kommt nach Deutschland nach, in die Nähe von Nürnberg. “Jesus hat geholfen."

Stephan erzählt von seinem neuen Glauben. Schenkt ihr eine Bibel. “Lies es Dir durch. Laß Dir Zeit. Das ist jetzt mein Weg." Die Psalmen sprechen sie besonders an, und sie beschließt, sich auch auf diesen Weg zu machen. Gemeinsam gehen sie nun zu den Bibelstunden. Im Juli 2002 werden beide getauft. Sie treten der “Gemeinschaft christlichen Lebens" bei. “Wir haben seither viele Erfahrungen mit unserem Herrn gemacht. Wo es Probleme, Konflikte, Spannungen gibt, kommt Er und nimmt uns bei der Hand. Wir haben es hautnah gespürt: Er gibt unserem Leben Halt. Er kümmert sich um uns. Heute wie vor 2000 Jahren. Er ist treu."

Er sagt das, obwohl er schwere Jahre hinter sich hat. Da ist zunächst der Schock: Der Asylantrag wird abgelehnt. Abschiebung droht - in ein Land, in dem auf Abfall vom Islam die Todesstrafe steht. Gott sei Dank, hilft ihnen da die Gemeinschaft. Alle Möglichkeiten, die Katastrophe zu verhindern, werden ausgeschöpft, bis beide, Stephan und Maria, im Juni 2007 endlich als Flüchtlinge anerkannt werden. “Interessanterweise haben wir keinen Haß auf die Beamten gehabt..." - dabei sind sie mit viel Arroganz und Ignoranz von seiten mancher Beamter konfrontiert. “Wir haben für sie gebetet."

2004 wird seine Frau schwanger, verliert aber das Baby, fällt ins Koma, liegt in der Intensivstation. Die Ärzte haben keine Hoffnung. “Diese Frau stirbt," heißt es. Sie empfängt die Krankensalbung. Aber nach 5 Tagen, am Sonntag Morgen erwacht sie. Auferstehung. “Jesus hat ihr das Leben geschenkt."

Vor sechs Monaten wird ihnen dann doch noch ein Kind geschenkt: Simon, nach Simon von Cyrene, dem Kreuzträger. Er wird vom Priester getauft, der schon den Eltern die Taufe gespendet hatte. Ich darf das Foto eines strahlend lächelnden Babys bewundern.

In Deutschland gibt es mittlerweile rund 5.000 Moslems, die getauft worden sind. Sie treten nicht öffentlich in Erscheinung, weil sie Angst vor islamischen Fanatikern haben. Wer Christ wird, mit dem brechen die Moslems die Kontakte ab. “Das ist auch uns so gegangen. Ein Großteil unserer Familie will nichts mehr von uns wissen. Aber wir haben unseren Frieden, unseren Glauben gefunden."

“Heute weiß ich, warum mich der Schlepper in Köln gelassen hat. Zunächst war ich wirklich sauer auf ihn. Aber jetzt danke ich ihm, bete jeden Tag für ihn. Er hat geholfen, daß ich Gott in Deutschland gefunden habe. Das war Gottes Plan. England war nur mein Plan. Seine Gedanken sind eben nicht unsere Gedanken. Sein Wort ist lebendig. Amen."

Das Geschenk des Glaubens gibt Stephan jetzt weiter. Er missioniert unter Moslems, besonders unter denen, die Persisch sprechen, via Internet. “Gott hat mich gerettet - da sollte ich Seine Worte nicht weitergeben?!"

Christof Gaspari
Näheres siehe: www.irancatholic.com und: www.christforiran.com

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