VISION 20007/2007
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Verführung macht vor niemandem halt

Artikel drucken Esoterik in der Grauzone zwischen Licht und Finsternis (Von P. Dr. Clemens Pilar)

Eigentlich habe ich mich an den Anblick schon gewöhnt. Wenn ich in eine Buchhandlung komme, springen mir die neuesten Hexenbücher in die Augen. Jetzt gibt es auch Bücher, mit deren Hilfe man Feen und Trolle bestimmen kann - so wie andere Pilze bestimmen. Dagegen sind die Bücher über Astrologie und Geistheilung schon fast alte Hüte. Ich habe mich daran gewöhnt - aber ich frage auch, wie es soweit kommen konnte. Wie ist es möglich, daß in unserem christlichen Abendland und in unserer aufgeklärten Gesellschaft das Heidentum wieder so stark Wurzeln fassen konnte? Es scheint tatsächlich ein “Paradigmenwechsel" stattgefunden zu haben, ein umfassender Wechsel in der weltanschaulichen Grundströmung. Ein neues Zeitalter, ein “New Age", mit einer neuen Spiritualität.

Vor allem stimmt es nachdenklich, daß auch unter Christen große Verwirrung herrscht. War früher den Christen der “Katechismus" noch ins Herz geschrieben und damit auch eine klare Identität, so wissen heute viele nicht mehr, worin das unterscheidend Christliche besteht. Der Hauch der Esoterik und des Heidentums ist tief in viele christliche Kreise eingedrungen. Allerorten stinkt es. Viele merken das, aber wenige begreifen, woher der Gestank kommt und was den Gestank ausmacht. Die Abwehrkraft der Christen gegen den Aberglauben wird immer schwächer.

Es steht ja schon in der Bibel: Es werden Zeiten kommen, da wird man die gesunde Lehre nicht ertragen. Man wird sich immer neuen Fabeleien zuwenden, die den Ohren schmeicheln (vgl. 2 Tim 4, 3). Man liest das und nickt. Und man denkt an die anderen, die schon allen möglichen Zauber machen. Auch entschiedene Christen begreifen oft zuwenig, daß selbst sie Ziel der Verführung und der Manipulation werden könnten. Denn so heißt es im Evangelium: Wenn möglich möchten die falschen Propheten auch die Auserwählten verführen (vgl. Mt 24,24).

Es gibt Verführung. Und der Verführer macht vor niemanden halt. Er weiß sich zu tarnen und er weiß zu täuschen. Wenn ich heute frage, wo die Verführung am Werk ist, dann interessiere ich mich nicht mehr für die Esoterikläden. Ich mache mir keine Sorgen wegen der regelmäßig stattfindenden Esoterikmessen. Die lassen mich kalt. Dort wird niemand verführt! Ich interessiere mich nicht für die neuen Hexen- und Druidenfeste im Waldviertel. Auch dort findet keine Verführung statt.

Und wenn man heute in den Buchhandlungen offen die Schriften des Begründers des Neosatanismus, Aleister Crowly, anbietet - obszöne, ekelhafte, wirklich teuflische Machwerke -, dann macht mich das traurig, aber ich weiß: durch diese Bücher wird niemand verführt. Dort kommen die bereits Verführten an.

Ich interessiere mich für die Grauzone. Denn die Verführung findet im schillernden Bereich zwischen Licht und Finsternis statt. So schrieb ein spanischer Priester schon vor 100 Jahren: “Im Grenzland zwischen den Ebenen des Lichtes und der Finsternis ist der Teufel am meisten aktiv und am erfinderischsten, um die festzuhalten, die ihm zu entkommen scheinen, und er spart an nichts, um eine große Zahl von Menschen in seinem Dienst zu halten, die seine teuflischen Machenschaften wahrhaft verabscheuen würden, wenn sie sie nur wahrnehmen könnten."

Göbbels, einer der Meister der Verführung, hat einst gesagt: “Das ist das Geheimnis der Propaganda: den die Propaganda fassen will, ganz mit den Ideen der Propaganda zu durchtränken, ohne daß er überhaupt merkt, daß er durchtränkt wird."

Eine von denen, die es sich ausdrücklich zum Ziel gemacht hatten, die Gesellschaft vom Christentum weg zu einer neuen, esoterischen Religiosität zu führen, Alice A. Bailey, schrieb schon in den dreißiger Jahren, daß die “Prinzipien" der neuen Spiritualität “in einfachster Fassung formuliert" werden müssen und die Öffentlichkeit zu diesen Prinzipien erzogen werden muß, “beharrlich, regelmäßig, systematisch" - in einem jahrzehntelangen, langsamen, aber stetigen Prozeß.

Und so geschah es und so geschieht es. Alle Bereiche des Lebens werden durchtränkt mit einem neuen Gedankengut. Gesundheitswesen, Wirtschaft, Freizeit, Erziehung... Die Menschen sollen mit einer neuen Weltanschauung richtig durchtränkt werden, ohne daß sie es merken, Verdacht schöpfen und Widerstand aufbauen.

Heute tritt das neue Denken, das untrennbar auf dem Weltbild der esoterischen Lehren aufbaut, verkleidet in vielerlei Gestalt und Formen der alltäglichen Lebenspraxis an den Menschen - auch an den praktizierenden Christen heran. Sie werden davon erfaßt, während sie gar nicht mit Fragen der Weltanschauung beschäftigt sind. Sie lernen eine andere Deutung des Menschen und seiner Ganzheit, ein neues Weltbild kennen - spielerisch, ohne sich mit Philosophie auseinanderzusetzen. Das Welt- und Menschenbild, das aus dem Denken der Esoterik kommt, ist für viele unmerklich zum Zeitgefühl geworden.

Ich weiß - auch das bin ich schon gewöhnt -, daß viele Christen aufschreien, wenn ich sage: die Öffnung für das “neue Weltbild", die Verführung zu einem anderen Glauben, geschieht beim Paramediziner, beim Kinesiologen, beim Mandalamalen, beim Tai Chi Kurs, usw.

Und doch: Wer weiß, wie Propaganda arbeitet, kann es nicht mehr übersehen. Es ist - man verzeihe mir - grenzenlos naiv, zu meinen, man könne all diese Dinge trennen vom weltanschaulichen Hintergrund, aus dem sie kommen. Die kleine scheinbare Annehmlichkeit, die mitgeliefert wird, ist bloß das Geschenkpapier.

Der Teufel ist ein hochintelligenter Geist, hat Max Thürkauf einst geschrieben, “der sehr wohl weiß, daß er das Böse nicht unverpackt anbieten kann. Je böser etwas ist, umso prächtiger ist sein Geschenkpapier - um so mehr gute Seiten hat es."

Was tun? Der Rat der Heiligen Schrift ist klar. Nicht in der Finsternis sollen die Christen wandeln, aber auch den Bereich des Zwielichtes sollen sie meiden, denn es heißt: “Lebt als Kinder des Lichts" (Eph 5, 8).


Worte der Schrift

Wenn du in das Land hineinziehst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, sollst du nicht lernen, die Greuel dieser Völker nachzuahmen. Es soll bei dir keinen geben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt, keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, Zauber, Gebetsbeschwörungen hersagt oder Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt. Denn jeder, der so etwas tut, ist dem Herrn ein Greuel. Wegen dieser Greuel vertreibt sie der Herr, dein Gott, vor dir. Du sollst ganz und gar bei dem Herrn, deinem Gott bleiben. (Dt 18,9-13)

Wahrsagerei und Zauberei sollt ihr nicht treiben. (Lev 19,26)

Wendet euch nicht an die Totenbeschwörer, und sucht nicht die Wahrsager auf; sie verunreinigen euch. Ich bin der Herr, euer Gott. (Lev 19,31)

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