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Fragen der Zeit

Artikel drucken Eine Sammlung von Christa-Meves-Kolumnen (Von Christof Gaspari)

Jahrzehntelang war Christa Meves Herausgeberin der deutschen Wochenzeitung Rheinischer Merkur. Anläßlich ihres Ausscheidens aus dieser Funktion ist nun eine Sammlung der Kolumnen, die sie in dieser Funktion veröffentlicht hatte, erschienen: Treffende Analysen, kritische Auseinandersetzungen mit dem Zeitgeist, prophetische Warnungen vor Entwicklungen, deren faule Früchte wir schon serviert bekommen. Kurzum: ein lesenswertes Panorama des Kampfes einer hellwachen Christin für eine geistige Erneuerung Deutschlands. Und weil die Kolumnen jeweils zwei Seiten des Buches lang sind, ist es außerdem leicht lesbar - in kleinen Portionen, zum Überdenken des Gesagten. Im folgenden ein Auszug aus der Kolumne vom 1.6. 2006.

CG


Der Geburtenschwund hat viele Gründe

1. Die Hauptursache des Geburtenschwunds liegt in der Erfindung der Antibabypille und deren Freigabe 1965. Infolgedessen stürzten von 1965 bis 1972 die Geburtenzahlen auf den Level von 1,3 Kindern pro Familie in Westdeutschland; dabei blieben sie bis heute stehen.

2. Gleichlaufend damit gewann eine linke Ideologisierung die Oberhand. Sie verstand die Familie als ein Relikt des 19. Jahrhunderts, als ein Instrument zur Produktion ungleicher Chancen. Um dieser “Ungerechtigkeit" zu begegnen, entstand ein Trend zur gleichschaltenden Kollektiverziehung. Als “Nur-Hausfrau" diffamiert, begann die Mutter ein Schattendasein zu führen. Der Mangel an Anerkennung und die Möglichkeit zum Prestige durch Erwerbstätigkeit bilden einen mächtigen Verstärker des Geburtenschwunds.

3. Diese Entwicklung wurde besonders von den Feministinnen kämpferisch unterstützt. Die berufliche Karriere der Frau galt fortan als das erstrebenswertere Lebensmodell. Das Bedürfnis vieler Frauen nach einer Familie wurde zwar durch Befragungen oft neu erhärtet, ließ sich aber immer seltener verwirklichen, denn:

4. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Ausbildungszeiten allgemein sehr verlängert. Aber die biologische Uhr der Frau tickt. Oft wird die Familiengründung geradezu verpaßt, zumal es in höherem Lebensalter zunehmend schwerer wird, den mühsam erkämpften Arbeitsplatz um einer Familie willen aufzugeben.

5. Ein weiterer Grund besteht darin, daß die Geschlechter heute schwerer zueinander finden. Die jungen Männer fürchten sich vor den Machtansprüchen der so selbstbewußt gewordenen Frauen und dem finanziellen Ruin durch eine Scheidung, die Frauen fürchten sich vor der Bindungsschwäche der Männer. Aber auch die Anziehung der Geschlechter füreinander ist durch die Koedukation schwächer geworden.

6. Außerdem hat die physische Fähigkeit, sich fortzupflanzen, bei beiden Geschlechtern abgenommen - bei den Frauen vor allem durch den Schlankheitswahn und durch zerstörte Eileiter als Folge häufiger Entzündungen im Zuge des üblich gewordenen Jugendsex.

7. Die Vielzahl der Abtreibungen ist eine besonders gewichtige Ursache des Geburtenschwunds. Acht Millionen Kinder fehlen Deutschland heute. Der Boom der Abtreibungen hat seine Ursache in einer Aufweichung des Paragraphen 218 in den Jahren 1974 und 1992.

8. Ins Gewicht fällt auch die riesige Zunahme verhaltensgestörter Kinder. Das zu beobachten wirkt abschreckend. Viele junge Frauen sehen es deshalb als ein Problem an, Berufstätigkeit und Kinder wirklich zu vereinen. Sie fürchten sich vor den heute so üblichen Schulschwierigkeiten und den Therapienotwendigkeiten als Folge der Fremdbetreuung im Kindesalter. Ist dann ein sicherer Arbeitsplatz vorhanden, so neigt sich die Waage dem totalen Verzicht auf Kinder zu.

Christa Meves

Fragen der Zeit. Herausgeberkolumnen im Rheinischen Merkur von 1994-2006. Von Christa Meves. 185 Seiten. www.merkur.de

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