VISION 20004/2008
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Leserbriefe

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Unzulässige Islamkritik

So ehrenwert das Anliegen von Wolfram Schrems in seinem Artikel “Zusammenarbeit der Religionen? (3/08) ist, einer Vergleichgültigung der religiösen Unterschiede zu wehren, so deutlich muß darauf hingewiesen werden, daß es den Aussagen des Konzils entgegensteht, derart undifferenziert und abwertend über den Islam zu sprechen. Denn die Begründung des Konzils, warum es die Muslime “mit Hochachtung betrachtet", enthält eine ganze Reihe positiver Merkmale ihrer Religion, was der Autor ignoriert (Nostra aetate 3).

Auch die Zusammenarbeit mit den Muslimen, die Schrems in Frage stellt, wird dort ausdrücklich gefordert. Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. haben diese Lehre stets unterstrichen. Es ist nicht wahr, daß es keine Schnittmengen der christlichen und der islamischen Lehre und Sittlichkeit gibt. Sure 17,22-38 deckt sich bspw. weitgehend mit dem Dekalog. Ebenso unrichtig ist Schrems Behauptung, der Islam gebiete die Lüge und die Rache. Der Koran fordert Wahrheitsliebe (2,264; 3,188; 4,112; 22,30; 24,19; 25,72; 33,70-71), Vergebung und Nachsicht (13,22; 23,96; 24,22; 28,54; 41,43; 64, 14). Übrigens ist es bezeichnend, daß wieder einmal nur der Islam ausdrücklich kritisiert wird, obwohl das Judentum aus analogen Gründen Jesus Christus nicht als Gott zu sehen bereit ist. Alle beide “beten mit uns den einen Gott an" (Lumen gentium 16).

Michael Widmann, Promenadestraße 9, D-86199 Augsburg

Wichtig ist festzuhalten: Hochachtung sind wir den Muslimen, nicht dem Islam schuldig. Der Koran enthält widersprüchliche Aussagen und es gibt kein Lehramt, das eindeutig klarstellen könnte, wie Widersprüche zu lösen sind. LG 16 lautet: “Die Heilsabsicht umfaßt aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslime, die sich zum Festhalten am Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einzigen Gott anbeten..." Den einzigen - das heißt nicht, daß Allah und der Dreifaltige Gott, an den wir Christen glauben, ident sind.


Eine letzte Geborgenheit

Vielen Dank für die vielfältigen Beiträge zum “unzeitgemäßen" Thema Barmherzigkeit, das zu vertiefen sich unbedingt lohnt, wie die Vielfalt der dargestellten Aspekte zeigt. Was mir aber gefehlt hat, ist eine biblisch-anthropologische Sicht, welche vor allem durch die feministische Theologie in den letzten Jahren dargestellt wurde. Diese Optik interessiert mich als “Umsteiger" von der praktischen Medizin mit Arztpraxis auf dem Land zur Theologie in der Pfarreiseelsorge besonders.

Barmherzigkeit (hebräisch rachamim) ist etymologisch verwandt mit Gebärmutter (hebräisch rechem). Damit ist also nichts Geringeres ausgesagt, als die Tatsache, daß wir in Gottes Barmherzigkeit eine letzte (oder besser: erste!) Geborgenheit erfahren, die uns allen als Werdende im Mutterleib als unsere ganz eigene, tiefe und bleibende Urerfahrung vertraut ist. Der Psalmist drückt es so aus: “von allen Seiten umgibst Du mich" (Ps 139,5)

Bei Adolf Portmann in Basel habe ich seinerzeit im Fach Biologie während meines Medizinstudiums gelernt, daß der Mensch ein “sekundärer Nesthocker" ist: Er kommt - verglichen mit den Primaten - zu früh zur Welt. Dies - so Portmann -, weil er zur Menschwerdung den sozialen Uterus der Gemeinschaft braucht, um dadurch zu dem zu reifen, was den Menschen von den Primaten unterscheidet: kulturelle Elemente ergänzen biologische Prägungen. Theologisch gesprochen, ist die Kirche somit - wie die übrige Gesellschaft - daran beteiligt, daß aus der Urerfahrung (Geborgenheit im Uterus) Menschwerdung in einem Sinne, welche diesen Namen auch verdient, stattfinden kann.

Dr. Ulrich Windlinger, Linckweg 11, CH-3052 Zollikofen


Salz für unsere Erde

20 Jahre - auch wenn VISION 2000 dünner sein sollte - wesentlich ist der Gehalt des Ausgesagten, das “Salz für unsere Erde" sein kann. Als der Cursillo sein Blatt einstellte, fehlte mir etwas - und ich entdeckte in Ihrer sehr gut redigierten Zeitschrift Namen, die ich vom Cursillo kenne, von der KGI-Wien, ja sogar der Name Urs Keusch ist mir bekannt: von Katholisch aus der Schweiz.

Sie werden nicht alle ansprechen können, wichtig ist für eine weitere gute Arbeit, daß der Inhalt wie Samenkörner Früchte für das Zusammenleben aus dem Geist kommt, der uns zu Kindern Gottes macht.

Hartmut Otto, Hauptplatz 26/2/6, A-3943 Schrems

Umgebrachte Kleinstkinder

In der Debatte zur embryonalen Stammzellforschung und Abstimmung im Deutschen Bundestag zur Stichtagsverlegung darf ich Sie rückblickend informieren: Die embryonale Stammzellforschung ist als ethisch unerlaubt abzulehnen, da sie Kleinstkinder zu Forschungszwecken künstlich zeugt, um sie “zu verbrauchen" - umzubringen. Die Forschung an adulten Stammzellen ist ethisch unbedenklich und erstaunlich erfolgreich. Es konnten an den aus Nabelschnurblut und Rückenmark gewonnenen adulten Stammzellen wunderbare und segensreiche Resultate erzielt werden. Darüberhinaus ist das Ziel der embryonalen Stammzellforschung mit ihren hohen Versprechungen in keiner Weise gesichert. Das hohe Gut menschlichen, individuellen Lebens als Gottes Geschöpf darf nicht geopfert werden!! Im Vorjahr gelang darüber hinaus zwei amerikanischen Forschungsteams um Yamanaka und Thomson ein neuer, großartiger und ethisch ebenfalls unbedenklicher Durchbruch, der Forschung an embryonalen Stammzellen ersetzen kann: Mit Hilfe von nur vier chemischer Zutaten veränderten diese menschliche Hautzellen in Zellen, die im Labor problemlos zu Herz und Nervenzellen weiterentwickelt werden konnten.

Unschwer ist erkennbar, daß Gott immer wieder auch in der Forschung Wunder wirkt.

Josefa Langwald, Wagenburgstraße 124, D-70186 Stuttgart


Schlecht behandelt

In den Ausgaben von VISION wir nur Positives berichtet. Hat sich schon jemand Gedanken gemacht, wie die Kirche mit behinderten Menschen umgeht? Ich war von 1959 bis 1965 im Haus der Barmherzigkeit. Von 30 Burschen war ich der einzige, der “nur" körperlich behindert war. Meine linke Hand war nach einem Unfall nur als Hilfshand zu gebrauchen. Ich mußte in der dazugehörigen Landwirtschaft die Stallungen von 200 Schweinen sauberhalten. Als Lohn hieß es nur: Gott, der Herr, wird es dir lohnen. Behinderte brauche man nicht anmelden, so die Auskunft der Oberin. In dieser Beziehung hat sich leider bis heute nichts geändert. Ich habe in den sieben Jahren den Eindruck gewonnen, daß die Kirche bei allem, was sie tut, ihren Vorteil im Sinne hat. Die Menschen, insbesondere diejenigen mit Handicap sind ihr egal. Ich möchte gern mit Lesern in Kontakt treten. Sie mögen mir schreiben. Es tut mir leid, daß ich nichts Positives berichten kann.

Peter Schneider, Leystraße 114-116/1/10, A-1200 Wien

Hoffentlich gibt es Leser, die aufzeigen können, daß sich die Kirche sehr wohl für behinderte Menschen einsetzt.


Mit Jesus bin ich immer Sieger

Die Lebensberichte von P. J.-M. Verlinde sind sehr vom Geist Gottes geprägt und lassen erkennen, wie schnell wir, wenn wir nicht auf die Stimme Gottes hören oder uns zu weit mit der Welt verbinden, abdrifften und nicht mehr den Weg erkennen, der allein Jesus ist und wir nur durch Ihn zum Vater kommen. Denn die Welt bietet alles, aber sie nimmt uns auch alles. Nur Jesus allein ist das Leben und wenn Er in mir ist und ich in Ihm, so kann ich jeder noch so ausweglosen Situation schon siegreich ins Auge blicken. Mit Jesus bin ich einfach immer Sieger. Weil der Teufel nicht schläft, müssen wir Christen mit dem Wort so gefüllt sein, daß wir immer mit der vollen Waffenrüstung dem Satan und den Dämonen entgegentreten und sie müssen fliehen. Der in mir ist immer stärker, als der in der Welt, es steht immer zwei zu eins, da es ja der Kampf des Herrn ist.

Mein Weg ist Jesus und Er enttäuscht nie.

Hildegard Hans, Hildegard.Hans@gmx.net


Und die Pastoralassistenten?

1991 erstellten die christlichen Kirchen Österreichs einen vielbeachteten Sozialhirtenbrief. Ich frage mich aber, wie geht die katholische Kirche als Arbeitgeber mit ihren Priestern und Angestellten um? Das Durchschnittsalter der derzeitig im Dienst befindlichen Priester ist fast 65 Jahre. Für manche verdoppelt sich in diesem Alter der Arbeitsumfang, da sie eine zweite oder dritte Pfarre dazubekommen und dabei dem Burnout nahekommen. Auf der anderen Seite verbietet man den Pastoralassistenten und Pfarrmoderatoren, die eine fundierte theologische Ausbildung haben und eine ganz wertvolle und beziehungsnahe Arbeit in den Pfarren leisten, zu predigen und die Taufe zu spenden.

Alfons Hangler, alfonshangler@hotmail.com


Neuauflage alter Pamphlete

Zufällig bekomme ich das Buch Der Gotteswahn von Richard Dawkins in die Hand. Es erscheint wie eine Zusammenfassung alter glaubensfeindlicher Schriften aus den Zeiten um 1848 und 1968, gepaart mit Aufzählungen islamistischer Grausamkeiten und gekleidet in heutige Schriftform. Allerdings ist das “Werk" gespickt mit Fehlinterpretationen von AT/NT.

Warum schreiben atheistische Wissenschaftler so etwas? Publikationen sind u.a. ein Bein dieser Leute. Im wissenschaftlichen Bereich ist der Leserkreis gewiß kleiner als im Boulevard, weshalb hier mit gutem Erlös gerechnet wird. Dawkins ist nicht der einzige in dem Genre und Gotteswahn erschien zumindest auf Englisch und zweimal auf Deutsch. Als Resümee gilt: Es handelt sich hier um eine Neuauflage alter Pamphlete mit einem schönen Income für den Autor.

Gottfried Fritsche, gottfriedfritsche@aon.at


“sdfsdfsdf"

Wieder Danke für Eure letzte Vision! Natürlich kann uns nur mehr die Barmherzigkeit Gottes erlösen und retten! Gut gefallen hat mir unter anderem auch der Schluß von Maria Loley: “Wenn ich mich dem Mitmenschen gegenüber an die zweite Stelle setze, habe ich die richtige Position!"

Beim Lesen des Artikels von Christa Meves sind mir die wahrscheinlich nicht beabsichtigten “sdf-Einschaltungen" aufgefallen. Sie haben mich zu Wortspielen angeregt. Hier einige davon: Suche den Frieden, Segen der Familie, segne die Familie!, sicher durch Familie, schau das Firmament, Summe der Freuden, so du folgst, solches Dienen freut, ....

Therese und Dieter Gaisbauer, therese.gaisbauer@aon.at

Danke für die liebevolle Interpretation des Fehlers auf Seite 24 der letzten Ausgabe. Wieder einmal haben wir übersehen, einen Text in die Einschneider einzusetzen.

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