VISION 20004/2008
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Friede mit der Schöpfung

Artikel drucken Warnung vor dem Konsumstreben

Im Angesicht der allgemeinen Verschlechterung der Umweltsituation, wird sich die Menschheit heute bewußt, daß man nicht weiterhin die Güter der Erde so nutzen darf, wie in der Vergangenheit. Die öffentliche Meinung und die politisch Verantwortlichen sind besorgt; die Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen untersuchen die Ursachen. Wir beobachten die Entstehung eines ökologischen Gewissens. Sie sollte man nicht bremsen, sondern begünstigen, damit sich dieses Gewissen entfalte und reife, und sich so in Programmen und konkreten Initiativen entsprechend niederschlage.

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Das tiefste und am meisten ernstzunehmende Zeichen der moralischen Folgen des Problems Ökologie ist das Fehlen des Respekts vor dem Leben. Es äußert sich in vielen Verhaltensweisen, die zur Verschmutzung führen. Oft haben die Produktionsbedingungen Vorrang vor der Würde des arbeitenden Menschen und die wirtschaftlichen Interessen vor dem Wohl der Personen, ja sogar vor dem Wohl ganzer Völker. In diesen Fällen sind Verschmutzung und Umweltzerstörung das Ergebnis einer verkürzten und unnatürlichen Sichtweise, die manchmal richtiggehend eine Verachtung des Menschen zum Ausdruck bringt.

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Es ist ungerecht, wenn eine kleine Zahl Privilegierter, weiterhin Güter im Überfluß ansammeln und dabei die verfügbaren Ressourcen verschleudern, während unzählig viele im Elend leben, mit dem absoluten Minimum, um zu überleben. Das dramatische Ausmaß der Störung der Ökosysteme lehrt uns heute, wie sehr die Gier und der Egoismus - einzelner wie auch ganzer Völker - der Schöpfungsordnung widersprechen. In ihr ist ja auch die gegenseitige Abhängigkeit eingeschrieben.

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Die heutige Gesellschaft wird die ökologischen Probleme nicht lösen können, wenn sie nicht ernsthaft ihren Lebensstil ändert. An vielen Orten der Welt ist sie vom Hedonismus und vom Konsumstreben geprägt - und sie bleibt den dadurch erzeugten Schäden gegenüber gleichgültig. Wie ich schon festgestellt habe: Das Ausmaß der ökologischen Probleme offenbart die geistige Krise der Menschheit. Wo der Sinn für den Wert der Person und des menschlichen Lebens fehlt, verliert man das Interesse am Mitmenschen und an der Erde. Sparsamkeit, Enthaltsamkeit, Disziplin und Sinn für das Opfer müssen das Alltagsleben prägen, damit nicht alle gezwungen werden, die negativen Folgen der Fahrlässigkeit weniger erleiden müssen.

Papst Johannes Paul II.

Botschaft von Papst Johannes Paul II. zum 23. Weltfriedenstag, am 1. Jänner 1990: “Friede mit Gott, dem Schöpfer, und der gesamten Schöpfung". Übersetzung aus dem Französischen CG.

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