VISION 20005/2008
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Sex braucht ein Zuhause

Artikel drucken Ansätze, damit junge Leute “Humanae vitae" verstehen lernen (Von Helga Sebernik)

Die Burschen sind immer solche Machos! Wie finde ich einen Freund? Was geschieht beim Sex eigentlich? Welches Verhütungsmittel ist das sicherste? Ich genieße meine Freiheit! Was ist so schlecht am Sex vor der Ehe? Ehe, nein danke! Fragen und Statements von Teens - Wer ist gewappnet?

Wer wagt sich heran an die “Baustelle Pubertät"? Eltern, Pädagogen, Jugendgruppenleiter werden durch das “Thema Nr. 1" junger Menschen, Freundschaft-Liebe-Sexualität, sehr herausgefordert. Es ist viel Liebe, Geduld und Einfühlungsvermögen nötig, um im Gespräch zu bleiben. Nicht nur das: heutzutage braucht es auch Kompetenz und Wissen, um die richtigen Worte zu finden und Brücken zu den Herzen der jungen Generation zu bauen.

Weder der “nasse Fetzen" der Wahrheit, noch ein Reden um den heißen Brei überzeugen. Verhütung zu propagieren und zu meinen, dies sei die Lösung für viele Probleme, hat sich nicht bewährt. Junge Menschen suchen Antworten auf ihre Fragen.

Damit diese greifen, müssen sie treffen. Sie müssen auch einen Bezug zur Lebenswelt der Jugend haben. Darin liegt wohl der größte Anspruch für Erzieher, denn die erlebte Realität strotzt nicht von schönen Freundschaften und liebevollen, verläßlichen Beziehungen. Doch gerade solche Vorbilder könnten mehr als tausend Worte sagen.

Was hat das alles mit “Humanae vitae" zu tun? Sehr viel, denn die Botschaft der Enzyklika lautet vereinfacht: “Deine Liebe soll gelingen."

Gibt es bestimmte Voraussetzungen dafür, daß dieser Inhalt von jungen Menschen überhaupt richtig verstanden und später gelebt werden kann? Ja, es gibt sie und es ist wichtig, sie zu beachten.

Die erste Antwort bezüglich der Voraussetzungen ist sehr einfach: Ein möglichst voller Liebestank, gefüllt mit Zuwendung, Zeit, Bestätigung und ehrlichem Lob ist die beste Grundlage, um liebes- und beziehungsfähig zu werden.

Den Liebestank zu füllen, ist eine der wichtigsten Aufgaben des Erziehers. Natürlich muß hier die Förderung der Frustrationstoleranz mit eingeschlossen sein, d. h. auch zeitweise mit einem halb leeren oder fast leeren Liebestank leben zu können. Das bedeutet z.B., nicht jeden Wunsch sofort erfüllt zu bekommen, auf etwas warten zu können, ein “Nein" zu akzeptieren. Diese Fähigkeit muß schrittweise eingeübt werden. Sie ist nötig, um im Erwachsenenleben nicht bei jeder Schwierigkeit gleich den “Kopf in den Sand zu stecken."

Ein leerer Liebestank über längere Zeit hinweg ist meist die Ursache für Süchte aller Art und kann auch der Grund sein, warum sexuelle Aktivität früh aufgenommen wird. Hier ist nicht Moralin angesagt, sondern Psychologie, d. h. das Verständnis, warum so gehandelt wird.

Die zweite Antwort, auf die Frage nach den Voraussetzungen, daß Liebe gelingen kann: das Bewußtsein “Leben ist, was ich selber daraus mache!" Zusatz: “Und was Gottes Gnade in meinem Leben wirkt."

Wie kann ein junger Mensch gute Entscheidungen treffen, um glücklich zu werden? Dazu muß er wissen, daß er unabhängig von seiner Erziehung (liebevoll oder nicht) und seinem Umfeld (förderlich oder nicht) mit zunehmender Reife für sich selbst verantwortlich wird. Er kann sich selbst erziehen und damit sein Leben in die Hand nehmen. Dazu braucht er aber Wegweisung, Ermutigung und viel Unterstützung. Will also die Liebe gelingen, muß der Mensch “liebessatt" und anderseits reif sein - das muß zum Erziehungsziel werden.

Die Botschaft von “Humanae vitae" muß zweifelsohne neu artikuliert werden, ihr Wert muß wiederentdeckt werden, gerade in Hinblick auf die aktuellen gesellschaftlichen Probleme. In einer Zeit, in der Streit in der Familie, zerbrochene Beziehungen, Patchworkfamilien, Teenagerschwangerschaften, Verhütungsmentalität und Abtreibungsdiskussionen zur Lebensrealität junger Menschen gehören, braucht es neue Visionen. Solche, die die Ursachen der Probleme wirklich angehen, die mutig und zugleich ansprechend bereits im Jugendalter die Grundlagen für gelingende Beziehungen, sowie Freude an der Familie und an Kindern legen.

Wenn es uns ein Anliegen ist, daß “Humanae Vitae" von der nächsten Generation als prophetisches Werk erkannt und gelebt wird, müssen wir jetzt Schritte setzen, es wagen, die “Baustelle Pubertät" bewußt zu betreten.

Im folgenden “Nachhaltiges", das unbedingt zur “Erziehung zur Liebe" gehören sollte:

* Jugendlichen ihre Sehnsucht nach glücklichem Leben bewußt machen und den Zusammenhang zwischen Glück und Beziehungsfähigkeit verdeutlichen.

* Jugendlichen Freude an ihrem Mädchen- und Burschsein vermitteln, ihnen verständlich machen, wie unterschiedlich Männer und Frauen sind und daß sie nur dann ein gutes Team sind, wenn sie sich nicht gegenseitig abwerten, sondern ergänzen.

* Jugendlichen einen positiven Zugang zu ihrem Körper erschließen. Ihnen helfen, sich so anzunehmen, wie sie als Bursch oder Mädchen sind. Erkennen lassen, wie wunderbar alles zusammenspielt. Das Fruchtbarkeitsbewußtsein fördern, denn ein Ja zur Fruchtbarkeit erleichtert ein Nein zur Verhütung.

* Jugendlichen dabei helfen, den Lebensabschnitt, in dem sie sich befinden, als Chance zu sehen, um ihre Stärken und Begabungen herauszufinden und zu fördern. Lose Freundschaften gutheißen, um wichtige Entwicklungsschritte nicht durch sexuelle Aktivität zu blockieren.

* Jugendliche dabei unterstützen, mit ihren neuen, sexuellen Gefühlen zurechtzukommen, d. h. sich darüber zu freuen, sie gleichzeitig aber zu kultivieren. Erschließen, daß die Ehe (an der ständig gearbeitet wird) der geeignetste Platz für die sexuelle Hingabe ist, denn “Sex braucht ein Zuhause!"

* Jugendliche zum Staunen über das Wunder des Lebens führen, um sie davor zu bewahren, Leben in jeder Form geringzuschätzen.

* Jugendlichen helfen, Liebe als Entscheidung und nicht als Gefühl (wie die Verliebtheit) zu verstehen. Die sexuelle Hingabe als tiefsten Ausdruck der Liebe verstehbar machen und die Angst vor Kindern und Familie nehmen.

* Jugendliche mit guten Vorbildern vertraut machen, fördern, daß sie gute Kontakte knüpfen (z. B. bei Weltjugendtagen, Jugendtreffen der neuen Bewegungen).

* Nicht mutlos werden, sondern darauf vertrauen, daß in Liebe Angebotenes und Gesagtes auch erst später Früchte tragen kann.

Aussagen von Jugendlichen aus “TeenSTAR"-Kursen, bei denen über einen längeren Zeitraum zum Thema “Freundschaft-Liebe-Sexualität" gearbeitet wird und wo die oben angesprochenen Grundlagen bewußt thematisiert werden, sind ermutigend:

“Wir sprachen über Themen, von denen ich bis jetzt fast nie etwas gehört habe oder mit denen ich mich zu wenig befaßt habe."

“Ich weiß jetzt, was ich will!"

“Ich fühle mich erlöst, weil ich meine Fragen klären konnte."

“Es ist wichtig für mich, daß ich weiß, wie wunderbar ich gemacht bin."

“Ich bin gern ein Junge!"

Helga Sebernik

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