VISION 20005/2008
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Glauben macht froh

Artikel drucken Gedanken zur Christlichen Spiritualität (Von Stephan Baier)

Geradezu jugendlich wirkt der dynamische Heiligenkreuzer Zisterzienser Karl Wallner in der persönlichen Begegnung und in seinen zahlreichen Vorträgen, doch zugleich ist der Dogmatiker und Rektor der “Päpstlichen Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz" ein intellektuelles Schwergewicht. Gerade weil er Hochgeistiges und tief Geistliches mit rhetorischer Leichtigkeit zu vermitteln weiß, ist “Pater Karl" mittlerweile populärer als ihm das lieb ist.

Das vorliegende Buch lebt von dem Ineinander inhaltlicher Tiefe und sprachlicher Leichtigkeit: “Warum gibt es so viel Frustration, Zynismus und Kritiksucht, so viel Verhärtung in der Kirche?", fragt der Autor. Und antwortet ohne Zögern, “daß der Grund letztlich darin liegt, daß wir Christen - und selbst viele Priester - nur selten, zu oberflächlich und leider oft gar nicht mehr zur Beichte gehen". Deshalb fehle “die persönliche Tiefenerfahrung des Erlöstseins".

Man merkt sofort: Hier schreibt einer, der es ernst meint. Im Gegensatz zu Priestern, die ihre Faschingspredigt mit dem Nietzsche-Zitat, die Christen müßten “erlöster aussehen" beginnen, um ihrem Publikum ein flüchtiges Grinsen aufzunötigen, will Karl Wallner nichts Oberflächliches. Die Freude - in und an der Kirche - für die er plädiert, kommt aus der Tiefe des Geheimnisses: “Die Sünde, selbst die grausamste, brutalste und abscheulichste, ist in die Erlösung Christi eingeschlossen, ist von der Barmherzigkeit des Gekreuzigten umschlossen und darin schon potentiell vergeben und verziehen."

Der fröhliche, aktive Zisterzienser aus dem Wienerwald widerspricht deshalb dem norddeutschen Griesgram Eugen Drewermann, der der Kirche vorwarf, sie neurotisiere die Menschen: Der Glaube an den erlösenden Gott, so ist Karl Wallner überzeugt, “neurotisiert nicht, sondern befreit, stärkt und macht froh". Um von Freude über Gott und das geschenkte Heil erfüllt zu sein, um - wie Pater Karl ein Wort seines Ordensvaters Bernhard von Clairvaux abwandelt - zu brennen und zu lächeln, muß der Christ diesen Glauben aber auch kennen. Das vorliegende, leicht lesbare Buch könnte ein Anfang sein, denn der Autor eröffnet Zugänge zum Verständnis christlicher Spiritualität, zur Eucharistie, zum Rosenkranz, zum christlichen Verständnis der Familie und zum Leben mit und in der Kirche.

Der Autor ist überzeugt, daß sich die Kirchenkrise als Krise des Eucharistieverständnisses manifestiert, und deshalb auch als Krise des Priestertums: “Wenn der Priester das Mysterium der Eucharistie in seiner Tiefe nicht erkennt, dann wird die tägliche Zelebration der Messe zur Last, und folglich wird die priesterliche Lebensform, die sich doch einzig aus der Intimität des Priesters mit dem göttlichen Herrn ergibt, zusehends unlebbar." Auch den Orden empfiehlt Wallner deshalb eucharistische Anbetung und marianische Hingabe. Angesichts des regelrechten Booms, dessen sich Stift Heiligenkreuz seit Jahren erfreut, empfiehlt es sich, solche Empfehlungen ernst zu nehmen.

Sinn und Glück im Glauben. Gedanken zur christlichen Spiritualität. Von Karl Josef Wallner, Media Maria Verlag, Illertissen 2008, 176 Seiten, Euro 14,90.

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